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War nix mit Ewigkeit oder: Ein paar Gedanken zu deutschen Friedhöfen

Wir sind ja ein kleines Land, zumindest, wenn wir die Quadratmeter- ins Verhältnis zur Einwohnerzahl setzen. Wahrscheinlich gehen wir deshalb mit unseren Friedhöfen so um, wie wir mit ihnen umgehen.

Ich bin ja nun ab und an mal in den USA, und ich stehe auch mit amerikanischen Familienforschern in Kontakt. Die wundern sich immer, wenn ich erwähne, dass es die Gräber meiner älteren Vorfahren einfach nicht mehr gibt. Sie selbst sind quasi auf "Gräberjagd", was daran liegt, dass es überall in den Staaten verteilt Unmengen von kleinen alten und auch wirklich schönen und verwunschenen Friedhöfen gibt. Kein Gedanke daran, ein Grab nach nur ein paar Jahrzehnten "einzuebnen" oder "plattzumachen".

Das fällt mir vor allem dann auf, wenn ich in Halle auf dem Friedhof bin. Seitdem meine beiden Großeltern dort 1986 bzw. 1991 begraben wurden, ist dort einiges passiert, zumindest in der Reihe, in der sich ihr Grab befindet: Die Hälfte davon ist einfach "verschwunden". Ganz böse könnte man sagen: "Die Reihen lichten sich". Und das sind Gräber, die noch nicht lange existiert haben. Menschen, die vor gerade einmal einer Generation beerdigt worden sind.

Diese Praxis stört mich nicht nur als Familienforscherin. Sondern auch darüber hinaus.

Man kann es aber nicht nur auf den vermeintlichen Platzmangel schieben. Wir reden hier schließlich nicht mehr von den engen Kirchhöfen mitten im Dorf, bei denen man erst mit einem langen Stab in der Erde stochern musste, um herauszufinden, wo man denn noch einen Sarg dazwischen quetschen konnte (kein böser Scherz, das war wirklich so). In Halle auf dem "neuen" Friedhof ist zum Beispiel wirklich noch ausreichend Platz...

Vielmehr denke ich, dass viele Angehörige sich die hohen Friedhofsgebühren nicht leisten können oder wollen. Gucken Sie sich doch mal die Gebühren Ihres örtlichen Friedhofs an: Da werden schnell schon mal viereinhalbtausend Euro für ein Doppelgrab fällig - im Voraus für die "Nutzungszeit". Es ist also kein Wunder, wenn viele davor zurückschrecken. Oder zurückschrecken müssen.

Schade.

Moment: Eine Ausnahme gibt es! Jüdische Friedhöfe sind für die Ewigkeit... 





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