Sonntag, 22. Februar 2026

Ersatztermin gefunden!

Gute Neuigkeiten: 

Der Arbeitskreis Genealogie Steinhagen trifft sich am 

28.02.26 um 14.30 Uhr 

in der Alten Feuerwehr in Amshausen! 

Bei mir könnte es da Terminschwierigkeiten geben, ist noch nicht ganz raus, aber wir werden sehen... :-) 

Freitag, 20. Februar 2026

Kommando zurück!

Schade, ich hatte mich schon auf eine schöne Tasse Kaffee und gute Unterhaltungen gefreut, aber 

der Arbeitskreis Genealogie Steinhagen fällt morgen, 

also am 

21. Februar 2026, aus.  

Ob der Termin nachgeholt werden kann, steht noch nicht fest - in der Alten Feuerwehr ist anscheinend immer ziemlich viel los.  

Dann muss ich mich halt anders beschäftigen... 

Samstag, 7. Februar 2026

Der Coolness-Faktor

 

Das hier ist mein Urgroßvater August Gehring, Vater meiner Großmutter väterlicherseits. August wurde im Oktober 1880 geboren, und aus der Tatsache, dass man ihn hier in Uniform sieht, schließe ich mal, dass das Foto im Ersten Weltkrieg entstanden ist. Da er nicht zu den ersten gehörte, die losgezogen sind, ist die Schätzung, dass er hier Mitte 30 war, also ziemlich realistisch. Da war er so sechs bis sieben Jahre verheiratet - man sieht ja auch seinen Ehering - und stolzer Familienvater. 

Denken wir uns hier einfach mal die Uniform weg und die Wahrscheinlichkeit, dass das Foto für den Fall gemacht wurde, dass man sich an ihn erinnern konnte, falls er nicht wieder nach Hause kommen sollte. Was sieht man dann? Alleine diese Art, wie er da steht, dieses No-Nonsense, hat schon einen gewissen Coolness-Faktor, oder? Es ist nicht die Uniform, die ihn so da stehen lässt. 

Gucken wir mal, ob ich noch genauso denke, wenn ich seine Entnazifizierungsakte eingesehen habe. Die ist nämlich immer noch nicht online...  

Mittwoch, 28. Januar 2026

Alle Jahre wieder... im Januar: Gedenken muss man nicht organisieren

Der Holocaust-Gedenktag war ja nun schon gestern, in Deutschland Gedenktag für alle Opfer des Nationalsozialismus, und heute finden sich dann auch die Artikel über die verschiedenen Gedenkveranstaltungen in der Zeitung. Genauso wie übrigens jedes Jahr im November. Und wie jedes Jahr kommt in mir der Gedanke auf, dass es im Grunde immer wieder dieselben Leute sind, die dort hingehen - Schüler und Leute aus verschiedenen Arbeitskreisen, von denen aber die meisten schon in Rente sind. 

(Nein, das soll hier jetzt kein Boomer-Bashing werden. Liegt mir fern, komplette Generationen zu verurteilen, obwohl ich heilfroh bin, dass ich mich zur Generation X zählen kann. Nicht nur, weil wir Grunge hatten, sondern vor allem, weil wir als "Generation dazwischen" sowohl digital als auch analog können. Aber zurück zum Thema.) 

Vielleicht würden mehr Leute zu den - immer noch richtigen und wichtigen! - Gedenkveranstaltungen kommen, wenn sie nicht immer mitten in der Arbeitszeit eines großen Teils der Bevölkerung liegen würden. Warum macht man sowas immer morgens um halb elf oder 11? Der einzige Grund, der mir dafür einfällt ist, dass man dann auch die Schüler dahin bekommt, die das Ganze vielleicht auch noch als nette Abwechselung zur ungeliebten Mathe-Stunde sehen. Was ich ihnen übrigens auch nicht verübeln könnte. Und mal im Ernst - in Zeiten, in denen unser Bundeskanzler uns mehr oder weniger freundlich darauf hinweist, dass wir doch alle zu wenig arbeiteten, nimmt sich keiner frei, um zu einer Gedenkveranstaltung zu erscheinen (*Ironie off*). Dass viele Leute für einen guten Zweck auf die Straße gehen, das hat man auch hier in den ostwestfälischen Kleinstädten in den letzten Jahren gut beobachten können. Deshalb als Anregung: Vielleicht sollte man einfach mal die Uhrzeit ändern und so etwas am frühen Abend ansetzen. Die Schüler, denen etwas daran liegt, werden auch dann erscheinen. Genauso wie die, die ein paar Stunden vorher noch bei der Arbeit waren. 

Das bringt mich zu einem zweiten Gedanken:  

Ein Gedenken kann doch eigentlich nur dann aufrichtig sein, wenn es ohne Zwang geschieht. Ohne Druck von außen. Ohne, dass in Arbeitskreisen Emails rumgeschickt werden, die wenn auch nur nebenbei, aber dafür explizit erwähnen, wer denn nun da war und wer nicht, mit einem zumindest gefühlt passiv-aggressiven Unterton, dass die anderen ja nun nicht erschienen sind. Ohne dass man dabei gesehen werden muss. 

Gedenken muss aus einem selbst heraus kommen, und es gibt nun mal unheimlich viele Menschen, die lieber für sich ihren Gedanken nachgehen als in der Öffentlichkeit. Ich gedenke nicht weniger, wenn ich in meinem Schreibtischstuhl oder meinem Sessel sitze anstatt bei waagerecht wehendem Schnee an einem Gedenkstein zu stehen. Wichtig ist das "Ob" und nicht das "Wie". 

Jeder so, wie er will. Hauptsache, man macht sich überhaupt seine Gedanken. Und am besten nicht nur an Gedenktagen.  

Jeder, der sich die Mühe macht, nachzufragen, was die eigene Familiengeschichte zu dem Thema her gibt, gedenkt zum Beispiel mehr als derjenige, der sich einfach nur zurücklehnt. 

Soll heißen: Indem wir unsere Familiengeschichte aufarbeiten und erzählen, in welcher Form auch immer, leisten wir einen wichtigen Beitrag - wir wollen wissen, wie es damals war, wir kämpfen gegen das Vergessen an.  

Und darum geht es doch beim Gedenken, oder?  

PS: Die Transkribierung der Haller Ausländerkartei in Zusammenarbeit mit den Arolsen Archives läuft immer noch, inzwischen mit vereinfachter Eingabemaske. Wer also etwas Praktisches zum Gedenken tun möchte... hier ist der Link.   

Samstag, 10. Januar 2026

Friedrich Wilhelm Fronemann - der Geschichte zweiter Teil

(hier ist Teil 1) 

Okay, wo waren wir? 

Ach ja. 

Es hätte alles so schön sein können. Wilhelm bewirtschaftete Hörste Nr. 37 und erweiterte seine Familie mit Marie Elisabeth. Caspar Henrich bewirtschaftete Hörste Nr. 6 und erweiterte seine Familie mit Johanne Friederike. Und mit Napoleon war man auch durch. Klingt fast nach ostwestfälischer Idylle. 

Ja, aber halt auch nur fast. Ich sag's ja ungern, aber von dem, was überliefert ist (die Quellen nenne ich unten), war es eine Frau, die es einfach nicht lassen konnte und unbedingt Unfrieden stiften musste. In Kombination mit einem Mann, der sich nicht durchsetzen kann oder will, kann das echt übel werden. 

Johanne Friederike meinte, dass Wilhelm Nr. 37 quasi okkupiert hatte und Nr. 37 eigentlich noch zu Nr. 6 gehörte, also nicht als eigenständiger Hof geführt werden sollte. Sprich: Ihr Mann sei immer noch Eigentümer von Nr. 37. Sie selbst konnte schlecht klagen (heute würde man sagen, ihr fehlte die Aktivlegitimation), aber ihr Mann. Und das tat er auch: Wilhelm flatterte eine Räumungsklage ins Haus. Man traf sich also vor dem Königlichen Land- und Stadtgericht Halle. 

Um es jetzt hier nicht unnötig kompliziert zu machen: Caspar Henrich (also Johanne Friederike) meinte, dass das Testament des Vaters der beiden aus dem Jahr 1812, mit dem der status quo bestätigt wurde, und der dann folgende Auseinandersetzungsvertrag zwischen den beiden Brüdern (man hatte irgendwann also doch mal beschlossen, dass es vielleicht sinnvoll war, etwas Schriftliches in der Hand zu haben - bezeichnenderweise in dem Jahr, in dem Caspar Henrich Johanne Friederike geheiratet hat... hörte man da schon die Nachtigall trapsen?) unwirksam waren. Deshalb sei Caspar Henrich Eigentümer geblieben. Als Begründung führte Caspar Henrich an, dass sich aus der Familiengeschichte ergäbe, dass Nr. 6 und Nr. 37 unteilbar seien (wir reden hier von früheren Generationen, die einen eigenen Blogpost wert sind), und dass Wilhelm ja selbst das Testament seines Vaters ignorierte, indem er den Kirchensitz Nr. 2 im Chor der Hörster Kirche, der zu Nr. 6 gehörte, stumpf weiterbenutzte, anstatt sich mit zwei Sitzen in Reihe 15 abzufinden. 

(Die Bedeutung zugewiesener Kirchensitze ist in den letzten beiden Jahrhunderten irgendwie abhanden gekommen...)

Wilhelm hielt dagegen: Vertrag sei Vertrag, und außerdem bewirtschafte er Nr. 37 nun ja immerhin schon seit 1807, mit der Billigung des Vaters, und die Lasten, die auf dem Grundstück lagen, trug er ja auch. 

Es kam, wie es kommen musste: Das Gericht entschied am 11.12.1822, dass Nr. 37 keinem von beiden alleine gehörte, sondern allen Erben gemeinsam, und wies die Klage ab. Frohe Weihnachten. Caspar Henrich allein hatte keinen Anspruch auf Räumung, die anderen Erben scheinen keine Ansprüche geltend gemacht zu haben, also konnte Wilhelm erstmal bleiben. Ich nehme an, er wird eine gewisse Erleichterung empfunden haben, dass sich an seinem Status nichts ändern würde. Wenn jemand seinen Weg so gegangen ist wie Wilhelm, dann stellt man sich nur äußerst ungern als Heuerling unter seinen Bruder - und dessen Frau. Ich könnte mir vorstellen, dass Friedrich Wilhelm dann seine Siebensachen gepackt und sich ganz woanders niedergelassen hätte. Aber das ist Spekulation. 

Die Begründung des Gerichts lautete zusammengefasst, dass sowohl das Testament des Vaters als auch der folgende Vertrag von 1812 unwirksam waren, weil man es versäumt hatte, beides gerichtlich beglaubigen zu lassen. 

Formfehler. So einfach, so stumpf, so schnöde. Andere Argumente, egal von welcher Seite, zählten für das Gericht nicht. Die Bürokratie konnte auch damals schon gnadenlos sein; das ist keine Erfindung des 21. Jahrhunderts. In diesem Fall dann aber zu Wilhelms Vorteil. Daran sieht man übrigens, dass es oft durchaus Sinn macht, sich von jemandem beraten zu lassen, der den juristischen Überblick hat... da wurde am falschen Ende gespart. Die Gerichtskosten für die Beglaubigung hätten mit Sicherheit unter dem gelegen, was Caspar Henrich nun an Kosten zahlen durfte. Die Frage ist nur, ob Johanne Friederike sich dadurch von ihrer Meinung hätte abbringen lassen. Nach dem, was ich so lese, wohl eher nicht. Zumal hier ja anscheinend keiner der Beteiligten auch nur ansatzweise an die Beglaubigung gedacht hatte. 

Immerhin - sie haben es bei dieser einen Instanz gelassen. Da überwog dann wohl doch die Vernunft. In der Familie wurde auch mündlich überliefert, dass Wilhelm und Caspar Henrich trotz der ganzen Sache immer gut miteinander konnten. Wenigstens das...  

Am 28.05.1823 schlossen Wilhelm  und Caspar Henrich dann einen Erbvertrag, der formwirksam war und Bestand hatte. Hörste Nr. 6 und Hörste Nr. 37 blieben getrennt und sind es auch bis heute. 

Im Grunde war also alles wieder beim Alten. Nur halt mit Umwegen. Man hätte es sich sparen können.  

Wieder hätte man meinen sollen, dass alles soweit in Ordnung sei. Das war es wohl auch, aber nur für ein paar kurze Jahre, denn am 23.07.1827 starb Marie Elisabeth, die Colona Kleine Fronemann und uneheliche Tochter der Anne Marie Brüggenkoch, in Hörste Nr. 37 an der Schwindsucht. Sie war gerade einmal 51 Jahre alt und hinterließ ihren Witwer und 6 minorenne Kinder, 2 Söhne und 4 Töchter. Am 26. Juli 1827 hat Wilhelm seine Frau dann beerdigt. Er hat sie um knapp 18 Jahre überlebt und nicht mehr geheiratet. Den Hof Nr. 37 bekam sein Sohn - Caspar Henrich. Und natürlich, Caspar Henrich war dessen Pate gewesen. Die Ironie ist unschlagbar. 

Nur der Vollständigkeit halber: 

Caspar Henrich starb als Kaspar Heinrich, und zwar im Alter von 81 Jahren am 4. März 1862 in Hörste Nr. 6 an leichtem Brustfieber ("seit Donnerstag der vorigen Woche, das mit einem Frösteln angefangen"). Und Johanne Friederike, die Unverwüstliche, überlebte alle. Sie starb erst am 27. November 1885 in Hörste Nr. 6, mit 93 Jahren. Eine Todesursache ist im Kirchenbuch nicht angegeben. 

_____________

Quellen: 

Kirchenbuch der ev. Kirche Hörste, Kirchenkreis Halle (Westf.) 

Fronemann, Walter: "Hörste im Wandel der Zeiten - Chronik eines westfälischen Dorfes im Spiegel der Familiengeschichte Fronemann" 

Fronemann, Wilhelm, ergänzt von Fronemann, Walter: " Die Fronemann-Sippe und ihr Heimatdorf Hörste"