Freitag, 20. Mai 2022

Neue Digitalisate im Archivportal NRW

Es hat sich mal wieder etwas getan: Die Zivilstandsregister und diverse Zweitschriften der Kirchenbücher aus dem Regierungsbezirk Detmold/Minden sind jetzt vom Landesarchiv NRW, Abteilung Ostwestfalen-Lippe als Digitalisate veröffentlicht worden. Es handelt sich dabei um den Bestand P1 B-D. Die Kirchenbücher des Fürstentums Lippe fehlen zwar immer noch, aber dafür kann man sich auch diverse Belegakten angucken... 

Wer weiß, vielleicht kann hier ja jemand einen toten Punkt überwinden...? 

Hier ist der Link. 

Donnerstag, 19. Mai 2022

Sooo viele Schwentkers...

In den letzten Wochen war ich wieder verstärkt in Neuenkirchen unterwegs. Also nicht in Neuenkirchen selbst, sondern in den Kirchenbüchern. Da werde ich auch in Zukunft noch einiges zu tun haben, nicht nur, was meinen eigenen Stammbaum betrifft, sondern auch, was den meines Neffen angeht. Der hat über seine Speckmann-Vorfahren nämlich ziemlich tiefe Küingdorfer Wurzeln, wenn auch jetzt, im zarten Alter von gerade mal einem Jahr, noch nichts davon ahnt. Trecker sind da viel interessanter... Ich werde aber hier wohl demnächst noch eine Seite einfügen müssen, auf der ich seine direkten Vorfahren mal aufliste. Also mit Ausnahme derjenigen, die noch leben. Sooo weit geht mein Mitteilungsbedürfnis dann doch nicht. Aber wer weiß - vielleicht hat ja jemand Anknüpfungspunkte?

Was noch warten muss, ist das, was ich für mich den "Rattenschwanz" nenne: Im Kirchspiel Neuenkirchen gab es diverse Schwentker-Familien, die ich bis jetzt noch nicht zusammengesetzt habe und bei denen ich auch noch keine konkreten Verbindungen zu meinen Wertheraner Familien gefunden habe (letzteres hauptsächlich, weil ich auch noch nicht danach gesucht habe). Dass da irgendein Zusammenhang besteht, liegt aufgrund der örtlichen Gegebenheiten auf der Hand, denn Suttorf grenzt ja direkt an Theenhausen. Falls sich schon einmal jemand die Mühe gemacht hat, dann kann er/sie es mich ja wissen lassen - ich muss das Rad hier nicht neu erfinden, denn es sind nicht meine direkten Linien. Vielleicht kann ich meinen Rattenschwanz dann ja ein bisschen abkürzen, wenn ich weiß, wo ich suchen muss. Die Geburten sind ja nie wirklich das Problem, sondern die Sterbeeinträge...

Aber eine Sache werde ich in Neuenkirchen in diesem Sommer auf jeden Fall noch machen: Ich möchte im Kühlen Grund am Teich sitzen und ein schönes kaltes Getränk genießen! Wie sich herausgestellt hat, ist das nämlich auch eine Schwentkersche Familientradition...

 

Sonntag, 8. Mai 2022

Die Spenger Geografie verwirrt mich...

... und zwar nicht zu knapp! 

Ich habe diverse Linien im Stammbaum, die zwischen den Kirchenbüchern von Wallenbrück und Spenge hin- und herpendeln. Sogar meine Schwentkers gehören dazu, denn mein Urgroßvater Hermann Heinrich wurde in Wallenbrück geboren und sein Vater Peter Heinrich in Spenge. Dessen Vater Johann Hermann wurde wiederum in Rotenhagen geboren, hat aber in Spenge geheiratet. Kein Wunder also, dass ich ein gewisses Interesse daran habe, wer wann wo gewohnt hat. 

So ganz leicht macht mir Spenge das nicht. Es ist komisch, ich habe ungefähr zweieinhalb Jahrzehnte direkt nebenan in Werther gewohnt, aber die Male, die ich in Spenge gewesen bin, kann ich an einer Hand abzählen. 

Quelle: wikipedia.org
 

Abgesehen davon, dass ich immer denke, dass Spenge auf einer Landkarte wie eine Hähnchenkeule aussieht, interessieren mich im Moment hauptsächlich die beiden westlichen Ortsteile, Wallenbrück und Bardüttingdorf. Ich glaube, dass die Wertheraner als solche gerne dazu tendieren, diese beiden Begriffe deckungsgleich zu verwenden, was wohl auch einer der Ursprünge meiner Verwirrung ist. In den Kirchenbüchern von Werther taucht nämlich gerne schon mal der Begriff "Wallenbrücker Mark" auf, und die Höfe, die dann gemeint sind, liegen eben nicht in Wallenbrück, sondern in Bardüttingdorf. 

Moment - in Bardüttingdorf oder in Düttingdorf? Das ist nämlich auch nochmal ein Unterschied. Laut wikipedia ist "Bardüttingdorf" nämlich ein Konstrukt aus "Baringdorf" und "Düttingdorf". Aber wo war was? 

Es geht ja noch weiter: Wenn ich mir den Lebenslauf von Peter Heinrich Schwentker so angucke, dann finde ich ihn 1894 in Mantershagen 13 und 1900 in Bardüttingdorf 13. Ich nehme mal stark an, dass das technisch gesehen ein und dieselbe Adresse ist - oder? Und wenn ja, wo ist das heute? 

In den 1880er Jahren finde ich Peter Heinrich "in der Diem[c]ke 44", in den 1870 in Diemke 28 - bzw. in Bardüttingdorf 28. Also gehörten Diemke und Mantershagen auch zu Bardüttingdorf? Oder nur zu Düttingdorf? 

Ganz davon abgesehen: Peter Heinrich war Heuerling, hatte also keinen eigenen Hof. Also hat er mit seiner Familie wohl in einem Kotten dieser Höfe gewohnt. Und ein Kotten musste ja nun nicht unbedingt in direkter Nähe des Hofes stehen. 

Ob ich das noch jemals herausfinden werde? 

 

Freitag, 29. April 2022

Frollein Meiers toter Punkt

Ich habe mal wieder in Burg bei Magdeburg gearbeitet. Also nicht in Burg selbst (obwohl ich es dort ja wirklich sehr schön fand), sondern in seinen Kirchenbüchern.

Dieses Mal wollte ich bei Maria Sophia Besters anderer Großmutter noch ein Stückchen weiter kommen. Bislang wusste ich nur, dass sie eine geborene Maria Sophia Meier war, die den Bürger und Arbeitsmann Christian Lahne aus Burg geheiratet hatte und mit ihm mindestens sechs Kinder bekam, vier Töchter und einen Sohn. 

Man könnte jetzt meinen, "Ausgerechnet eine Meier, davon muss es doch Hunderte gegeben haben", aber das ist nicht mein Problem. Tatsächlich wäre man mit den Kirchenbüchern von Burg viel schneller durch, wenn nicht gefühlt ein Drittel der Menschen dort Schulze geheißen hätte...

Ich habe nun Maria Sophias Sterbeeintrag gefunden, Nr. 78/1789 im Kirchenbuch von St. Nicolai. Ihr Alter ist mit 50 Jahren angegeben. 

Gut, wir wissen alle, dass wir mit so runden Altersangaben immer ein bisschen vorsichtig sein müssen. Aber wir können annehmen, dass Maria Sophia so ungefähr 1739 geboren worden ist. Plus oder minus ein paar Jahre. Aber das ist auch nicht mein Problem. 

Mein Problem ist, dass Maria Sophie laut ihres Sterbeeintrags in Niegrip[p] geboren wurde. Im Gegensatz zum abgebrannten Gerwisch gibt es Niegripp zwar noch, es ist inzwischen nach Burg eingemeindet, aber die Kirchenbücher beginnen erst 1807, obwohl die Kirche schon von 1732 stammt. Ich kann also annehmen, dass Maria Sophia dort schon getauft worden ist, als die Kirche quasi noch brandneu war. Das hier ist sie übrigens:

Die Niegripper Kirche (wikipedia.de)

Niegripp wurde wohl von Schartau abgepfarrt, das ungefähr zwei Kilometer nördlich liegt. So weit, so gut. Aber auch da fangen die Kirchenbücher, die ich online finde, erst 1760 an. Zumindest sind das die Informationen, die ich beim Landeskirchenarchiv Magdeburg finde. 

Zum Mäusemelken. Irgendwie scheint das erste Kirchenbuch von Schartau im Laufe der Jahrhunderte abhanden gekommen zu sein. Das könnte natürlich damit zu tun haben, dass - so zumindest wikipedia - im Jahre 1759 ein Großbrand große Teile des Ortes zerstört hat. Wie könnte es auch anders sein... So ein ... ! Da hat keiner daran gedacht, die Kirchenbücher zu retten.

Damit ist Maria Sophias Geburt erstmal ein toter Punkt. 

Falls jemand da draußen eine Idee hat, wie ich ihn überbrücken kann - her damit! 

Sonntag, 24. April 2022

Mit Nadel und Faden

YouTube ist eine Wundertüte, und manchmal findet man auch Kanäle, bei denen man richtig etwas lernen kann. Zum Beispiel den eines Schneiders, der sich auf historische Kleidung spezialisiert hat, und deshalb viel per Hand näht.

Warum ich hier davon berichte? Nun ja - erstens, weil es mir einen ganz neuen Blick auf das Thema eröffnet hat, und zweitens, weil ich - wie ich hier schon einmal geschrieben habe - ziemlich viele Schneider in meinem Stammbaum habe, vor allem bei meinen Sickendieks

Wie also arbeitete so ein Schneider?

Zunächst einmal wurde der Tisch so nah wie möglich ans Fenster gerückt, um das Tageslicht so effektiv wie möglich ausnutzen zu können. Alles andere hätte die Augen auf Dauer zu sehr angestrengt. Ein guter Schneider schaffte immerhin 30 Stiche in der Minute. Aber warum saß man zum Nähen überhaupt auf dem Tisch und nicht auf einem Stuhl oder auf dem Boden? 

Der Boden schied schon aus zwei Gründen aus: erstens war er schwieriger sauber zu halten (was ich mir vor allem dann gut vorstellen kann, wenn der Schneider wie so oft auch noch eine kleine Landwirtschaft betrieb, um die Familie ernähren zu können), und zweitens hatte der Schneider dann das Problem, dass es ihm im wahrsten Sinnes des Wortes "arschkalt" wurde. Keine Ahnung, ob der Begriff so entstanden ist, aber wundern würde es mich nicht. Außerdem hatte man es mitunter mit großen Mengen Stoff zu tun, die man nicht über den Boden schleifen wollte, die aber je nach der Art des Stoffes schwer zu bewegen waren.

Warum aber setzte sich der Schneider dann nicht einfach auf einen Stuhl? Ganz einfach eigentlich - es ist eine Frage der Haltung! 

Sitzt man auf einem Stuhl, fängt man irgendwann an, den Rücken krumm zu machen. Erwischen wir uns nicht alle dabei, wenn wir mal längere Zeit am Schreibtisch verbringen? Ich mich jedenfalls schon. Fehlt einem aber die Lehne, sitzt man aufrechter, und der Rücken wird entlastet. Sicher, es gab immer Schneider, die ein Kissen zwischen den Tisch und ihren Allerwertesten geschoben haben, um es wenigstens etwas bequemer zu haben, denn eine Tischplatte ist nunmal relativ hart. Das ändert aber nichts daran, dass man dann die Lendenwirbelsäule gerade macht und die Schultern nach hinten nimmt, also genau das, wozu einem die Apotheken-Umschau und sämtliche Orthopäden immer raten. 

Trotzdem - ich würde das nicht lange aushalten. Aber ich bin ja auch ungeübt und habe einen bequemen Schreibtischstuhl. Eins ist ist mir aber klar geworden: Auch wenn ein Schneider meist im Schneidersitz  vor sich hinwerkelte, die Schneiderei war tatsächlich verflixt harte körperliche Arbeit! 

In unseren Breiten kamen Nähmaschinen erst in den 1850er Jahren auf, und zwar zunächst als Nachbauten der schon vorhandenen amerikanischen Modelle. Ich denke mal, dass mein Urgroßonkel Johann Wilhelm Schwentker (geboren 1877), der Schneider in Werther war, schon hauptsächlich mit einer Nähmaschine gearbeitet hat, genauso wie mein Ur-Urgroßvater Heinrich Wilhelm Sickendiek (geb. 1863) in Hörste. Das Arbeiten des Schneiders änderte sich damit grundlegend, blieb aber immer noch anstrengend genug. 

Dadurch, dass dank der Industriellen Revolution zunehmend in Fabriken genäht wurde, wurde von denen, die dort arbeiteten, immer mehr Akkordarbeit gefordert, um die Gewinne hochzuschrauben. Damit wurde der Job immer mehr von Frauen gemacht, die klassischen kleinen Schneidereien wurden weniger.

Das hat sich bis heute nicht geändert, nur, dass die Näherei kaum mehr in Deutschland stattfindet. Wir haben das Problem der schlecht bezahlten Akkord-Schufterei schlicht verlagert. Auch wenn ich mit gutem Gewissen behaupten kann, dass ich nie im Leben einen Primark-Laden betreten habe, so wird mir doch mulmig, wenn ich auf den Etiketten sehe, wo meine Kleidung gefertigt wurde. Genau heute vor neun Jahren, am 24.04.2013, ist das Rana Plaza bei Dhaka in Bangladesch eingestürzt, das achtstöckige Gebäude, in dem viele Textilfirmen untergebracht waren und in denen Tausende Näherinnen unter Bedingungen schufteten, die wir als Gesellschaft eigentlich schon längst hinter uns gelassen haben sollten. 1.135 Menschen kamen ums Leben, 2.438 wurden verletzt. 

Es ist ein langer Weg von meinem Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Urgroßvater Erdwien Sickendiek (geb. ca. 1692, gest. Anfang November 1740 in Bockhorst) bis zum Rana Plaza. Ich bin mir aber sicher, dass ein paar entscheidende Unterschiede gibt: Erdwien arbeitete auf eigene Rechnung, und deshalb musste er darauf achten, dass die Kleidungsstücke, die er nähte, qualitativ so gut waren, dass seine Kunden wieder kamen, so dass seine Werke nicht nach dreimaligem Tragen auf einer Müllkippe gelandet sind. 

Vielleicht sollten wir uns in diesem Fall wirklich mal auf die alten Werte rückbesinnen: Qualität statt Quantität.