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Freitag, 13. Dezember 2024

Trichter statt Wattestäbchen

Ich konnte es nicht lassen und habe mir selbst ein kleines Weihnachtsgeschenk gemacht: Den DNA-Test von Ancestry. Mit Veranlagungen. 

Wir erinnern uns: 

Vor ungefähr einem Jahr war es schon einmal über mich gekommen und ich habe mein Wattestäbchen an MyHeritage geschickt, mit der Folge, dass die Auswertung meiner DNA ergab, dass ich zu immerhin 8,2 Prozent genetisch gesehen skandinavisch bin. Sein soll. Was auch immer. Und das konnte ich mir nicht erklären.

Irgendwie hat mich dieser Gedanke aber nicht losgelassen. Und dann kam mal wieder ein Sonderangebot meines Weges, und ich dachte, "Hmmm.... vielleicht sollte ich mal einen Vergleich einholen?" 

Dieser Vergleich liegt nun auf meinem Schreibtisch, immerhin hübsch weihnachtlich verpackt. Kleine Warnung an alle, die darüber nachdenken, so ein Teil zu Weihnachten zu verschicken: Ansonsten kommt das Teil unverpackt, man kann also direkt sehen, was der Postbote bringt. 

Dieses Mal ist kein Wattestäbchen dabei, sondern ein kleiner Trichter... ich werde also zusehen, dass ich die einzige Person im Raum bin, wenn ich in dieses winzige Röhrchen spucke (das ist übrigens das, was mich beim Fußballgucken immer wahnsinnig macht - Großaufnahmen von rumspuckenden Menschen. Können die nicht einfach runterschlucken wie andere Menschen auch?!). 

Der Haken ist, dass man eine halbe Stunde vor der Abgabe seiner Körperflüssigkeit möglichst weder essen, trinken, rauchen oder Kaugummi kauen soll. Essen und Kaugummi kauen, okay, aber mit dem Trinken muss ich mich zusammenreißen, wenn ich hier am Schreibtisch sitze, und wer mich kennt, der weiß, dass - Asche auf mein Haupt und in den Aschenbecher - die Zigarette nie wirklich weit weg ist. Aber eine halbe Stunde schaffe sogar ich ;-) 

Zumindest für den guten Zweck. 

Was verspreche ich mir also davon?          

Nun ja, zuerst mal will ich sehen, ob Ancestry auch zu diesem (oder einem annähernd vergleichbaren) skandinavischen Prozentsatz kommt wie MyHeritage. Wenn das der Fall sein sollte, dann wüsste ich gerne, von welcher Seite der kommt, und zu welcher Zeit sich sich dieser skandinavische Einschlag in meine DNA "eingeschlichen" hat. Wenn man so will: Ich will mein MyHeritage-Ergebnis konkretisieren. 

Und wenn wir schon mal dabei sind: Ja, ich habe mir das kleine Extra mit den Veranlagungen gegönnt. Ist zwar nur eine Spielerei, kann mir aber im Zweifelsfall wohl ein paar gute Ausreden liefern. Die wird sich dann wohl hauptsächlich der Familienforschungsmuffel anhören müssen, denn den werde ich dieses Mal mit dem Test verschonen. 

Also los. 

2025 weiß ich dann vielleicht mehr.  

Montag, 28. Oktober 2024

Dumpster-Diving

Vor ein paar Jahren habe ich hier mal über mein liebstes und am meisten gebrauchtes Erbstück geschrieben: Den Papierkorb meines Großvaters. Der steht auch heute noch in meinem Büro und leistet mir gute Dienste. 

Eine Etage weiter oben im Haus steht noch ein anderes Exemplar, nichts besonderes, einer von Ikea, wie er wahrscheinlich in Millionen deutscher Haushalte rumsteht. In diesem Papierkorb enden dann die Blätter mit meinen handschriftlichen Notizen für Werthers Gedächtnis, sobald ich sie in eine digitale Form gebracht habe. 

Zumindest sollte das so sein. 

Am Wochenende hat mir der Familienforschungsmuffel beinahe einen Strich durch die Rechnung gemacht. 

Mir war ein Stapel mit noch unbearbeitenden Blättern runtergefallen. So ungefähr 40 oder 50 Blatt. Auf den Boden, und natürlich genau an die einzige Stelle in unserem relativ kleinen Wohnzimmer, an die man nicht ganz so einfach dran kommt. Okay, präziser: an die ich mit meinen kurzen Armen nicht drankomme, ohne ein paar Möbel zu verschieben, wenn der Familienforschungsmuffel auf dem anderen Sofa sitzt. Und genau da saß er gerade. In einem Anfall von Faulheit habe ich diesen Stapel Blätter stumpf liegengelassen. Ach, kümmere ich mich später drum...

Am nächsten Tag gucke ich und stelle fest: Da, wo der Blätterstapel lag, sehe ich nur noch - Fußboden! Der Papierkorb? Leer! 

Kurzer Moment der Panik. 

Frage an den Familienforschungsmuffel: "Sag' mal, hast Du vielleicht...?" 

Hatte er. 

Er hatte in einem ungewohnten Anfall von Ordnungsliebe ausgerechnet meinen Stapel mit den runtergefallenen Papieren zusammen mit dem Inhalt des Papierkorbs in unsere Papiertonne verbracht. Und das, obwohl der Papierkorb noch nicht mal annähernd voll war. Ich glaube, er hatte Langeweile. 

Ein paar Minuten später fand ich mich also mit meinen kurzen Armen in der großen Papiertonne wühlen. Dumpster-Diving, wie man im Englischen so schön sagt. Ungefähr auf der Hälfte der Tonne habe ich meinen gesuchten Stapel dann gefunden. Sogar noch in der richtigen Reihenfolge.

Wenn diese Notizen bei der nächsten Abfahrt noch in der Tonne gewesen wären, dann hätte ich ein echtes Problem gehabt. Ich hätte nämlich gewusst, dass ich da  eine riesige Lücke habe, aber ich hätte nicht genau genau gewusst, was genau in der Lücke fehlte, es sei denn, ich wäre diverse Jahrgänge von Kirchenbüchern, Sterbe- und Geburtsregistern nochmal durchgegangen. Und das hätte mich nicht nur Zeit gekostet, sondern auch einiges an Nerven. 

Glück gehabt.  

Samstag, 5. Oktober 2024

Umsonst (aber nicht draußen)

Ich sitze mal wieder über den Vorfahren des Familienforschungsmuffels. 

Eigentlich hatte ich das gar nicht geplant; meine Priorität liegt eher darin, irgendwann mal meine ganzen Notizen bei Werthers Gedächtnis eingearbeitet zu haben (man wird ja noch träumen dürfen). Doch dann sah ich diese Mail von MyHeritage, dass man sich noch bis zum 06.10.24 anlässlich des Tages der Deutschen Einheit diverse Unterlagen umsonst angucken kann... 

Das war der Moment, in dem ich dachte, dass ich doch mal die Suchfunktion nutzen könnte, um beim rheinländischen Teil der Vorfahren des Familienforschungsmuffels noch ein bisschen weiter zu kommen. Ein Abo bei denen habe ich ja bis heute nicht.

Gesagt, getan, ich sichte im Moment Sterbeeinträge der Familie Kemmerling bzw. Kämmerling...

  

Mittwoch, 19. Juni 2024

Update: Von Nicklichkeiten und Arbeitskreisen

Ich denke, es ist mal Zeit für ein kleines Update. 

In den letzten Monaten war ich ja doch ziemlich ruhig hier, und das lag schlicht und einfach daran, dass ich relativ wenig Genealogisches gemacht habe. Okay, ich habe immer mal wieder ein bisschen an Werthers Gedächtnis rumeditiert, und ich habe auch ein bisschen mitgeholfen, die Hägeraner Schulchronik zu transkribieren (ist schon interessant zu lesen, wie das Schulgebäude, in dem ich immerhin die erste Klasse verbracht habe, zustande gekommen ist), aber wirklich geforscht habe ich eigentlich... nicht. 

Ab und zu muss man auch mal Pause machen. Familienforschung ist ja kein Sprint, aber ein ziemlicher Marathon. Allerdings einer ohne konkretes Ziel.

Der Grund, warum ich nicht allzuviel geforscht und gewerkelt habe, ist eigentlich ein ganz schnöder: 

Vorab gesagt: 

Wesentlich vereinfachen wird sich die Arbeit an Werthers Gedächtnis dann, wenn ich es komplett in digitaler Form vorliegen habe und dann auch nur noch an diesen Digitalisaten arbeite (auch wenn ich das Blättern in den dicken schwarzen Ordnern ganz stark vermissen werde - im Herzen bin ich immer noch analog). Zwei dicke schwarze Ordner warten noch darauf, dass ich meine handschriftlichen Notizen endlich mal in die Digialisate einarbeite. Außer mir kann das keiner machen, weil keiner meine Schrift lesen kann (zumindest behauptet der Familienforschungsmuffel, er könne es mitunter nicht). Also lautet der nächste logische Schritt: Editieren, editieren, editieren. Das wird mir dann auch zeigen, wo ich noch Lücken habe und wo ich noch keine Querverbindungen gezogen habe. 

Zum einen ist diese Arbeit wirklich - nervig. Aber unumgänglich. 

Zum anderen habe ich ein kleines Problem, das mir diese Tipperei noch erschwert: 

Am liebsten sitze ich abends mit meinem Notebook in meinem Lieblingssessel und tippe vor mich hin. Dieses besagte Notebook hat aber seit ein paar Monaten den Fehler, dass die Pfeiltaste nach unten nicht mehr funktionier und es mir beim Markieren von mehr als einem Wort einen Strich durch die Rechnung macht. Soll heißen: Eigentlich bräuchte ich ein neues Gerät. 

Ich habe aber auch keine Lust, mich auf die Suche nach einem zu machen. Für mich, die mit Technik nur das Nötigste am Hut hat, ist das immer so ein Aufwand, um den ich mich gerne drücke. Ich bin ja schon genervt, weil Bildschirmgrößen hierzulande aus irgendeinem Grunde in Zoll angegeben werden und nicht in Zentimetern. Ich weiß nur, dass ich gerne wieder ein Extra-Zahlenfeld hätte. Vielleicht sollte ich mal den Familienforschungsmuffel dransetzen... 

Das Editieren machte also nicht so richtig Spass in der letzten Zeit.  

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die einem tatsächlich den Spass versauen können, weil sie ein Eigenleben entwickeln. Eigentlich eher lächerlich.

Langsam kribbelt es aber wieder in den Fingern. Und EM ist ja auch noch. 

Soll heißen: Ich kann nicht einfach nur da sitzen und Fußball gucken. Ich brauche noch eine Beschäftigung nebenbei. Editieren zum Beispiel... 

Ich werde also in den nächsten Wochen abends wieder häufiger tippend in meinem Lieblingssessel anzutreffen sein. Auch wenn ich um die Tücken meines Laptops herumnavigieren muss, bis ich mich irgendwann dann mal zu einem neuen entschlossen habe. Am Ende der EM will ich bei einem verbliebenen dicken schwarzen Ordner angekommen sein! 

____

Und dann wäre da noch das nächste Treffen des AK Genealogie Steinhagen. Das findet an diesem 

Samstag, dem 22.06.24, um 14.30 Uhr 

in der Alten Feuerwehr in Steinhagen-Amshausen statt, also wenn Georgien gegen Tschechien spielt. Ich werde es verschmerzen können....

 

Mittwoch, 17. Januar 2024

Zu 0,8 % Orientale...

... ist der Familienforschungsmuffel, wenn es nach seiner DNA geht. Das sagt zumindest MyHeritage. 

Ich war ja doch ein bisschen baff. Wie konnte mir mein Göttergatte das während der letzten knapp 28,5 Jahre nur verschweigen...? 

 

Na ja, wenn man den Schieber bei der Zuverlässigkeit der ethnischen Gruppen auf "mittel" setzt, dann sind die 0,8 % auch schon wieder verschwunden. Schade, vielleicht hätte sich ja in seiner Kuckelkorn-Linie eine entsprechende Überraschung gefunden. ;-)

Andererseits, vielleicht findet sie sich ja doch noch...? Wenn ich als Forscherin eines gelernt habe, dann das, dass man niemals nie sagen sollte. Ich arbeite da lieber mit Wahrscheinlichkeiten. Sagen wir also: Ich halte die Wahrscheinlichkeit, dass mein Mann orientalische Vorfahren hatte, für äußerst gering. Aber wie kommt diese Zahl dann überhaupt zustande? Ich glaube, ich muss mich da noch ein bisschen mehr in diese DNA-Sache reinfuchsen. 

Was ich mir dagegen erklären kann, ist der hohe Prozentsatz an englischer Übereinstimmung. Die Erklärung dafür - oder zumindest ihren Anfang - kann man auf dem Wandteppich von Bayeux finden, den sich der Familienforschungsmuffel vor ein paar Jahren auch schon einmal angucken musste, nachdem ihn die Parkplatzsuche in dieser schnuckeligen Altstadt mit ihren engen Sträßchen schon einige Nerven gekostet hatte. Und dass sich Engländer mit Schotten, Walisern und Iren kreuzen, ist ja auch nachvollziehbar. 

Aber Orientale?

Soweit ich es bis jetzt nachvollziehen kann, gibt es überhaupt keinen Anhaltspunkt dafür. 

Andererseits finde ich es aber hochinteressant, wo sich die drei Haupt-Übereinstimmungsregionen befinden: Emsland, Niederlande, Dreiländereck. Bis jetzt stimmt das mit meinen Forschungen ziemlich überein. Könnte also sein, dass ich noch auf mehr Verbindungen nach Holland stoße. Nur die Theorie mit den französischen Wurzeln ist ein bisschen in den Hintergrund gerückt, wenn auch nicht ausgeschlossen. Wenn ich mal ganz ehrlich zu mir selbst bin, dann liegen diese ominösen Kreise noch nichtmal in Wallonien...

 

Samstag, 25. November 2023

Es kam so über mich...

Eigentlich habe ich mich ziemlich gut geschlagen, was diesen ganzen elenden Black Friday-Hype angeht. Ich habe sehr, sehr viele Angebote in meinem E-Mail-Postfach gelöscht, ohne auch nur reinzugucken. 

Viele, aber nicht alle. 

Bei MyHeritage bin ich tatsächlich schwach geworden: DNA-Analyse für 33,00 EUR. Könnte daran liegen, dass mich Covid nun nach dreieinhalb Jahren doch noch erwischt hat. Könnte auch daran liegen, dass ich neugierig bin, was mir die DNA des Familienforschungsmuffels über die Herkunft seiner Vorfahren verraten kann. Ist da jetzt was Französisches dabei oder nicht? 

Kurzum: Ich habe den Familienforschungsmuffel gefragt, ob er sich vorstellen könnte, mir eine DNA-Probe zu geben. Ich hatte ja eigentlich damit gerechnet, dass er die Notwendigkeit schlicht nicht einsieht. Er ist halt einer dieser Menschen, die sehr genau wissen, wer sie sind, ohne dass sie ihre eigene DNA dazu zu Rate ziehen müssen.  

Die Antwort, die ich dann mit einem verschmitzten Grinsen bekam, hat mich dann tatsächlich überrascht: 

"Ist eigentlich egal, die Polizei hat meine DNA ja auch schon." 

Stimmt. Jedenfalls zum Teil. Er hat vor Jahren mal im Rahmen eines Reihen-DNA-Tests eine Speichelprobe abgegeben, wie Tausende andere hier in der Gegend auch. Die Probe sollte aber längst vernichtet sein. 

Schön jedenfalls, dass mich der Familienforschungsmuffel auch nach über 28 Jahren noch überraschen kann. Und dass er mich zum Lachen bringt, auch wenn das momentan fast immer mit einem Hustenanfall meinerseits einhergeht.  

Jetzt warte ich also darauf, dass die Test-Kits kommen. Bis dahin sollten wir wohl beide wieder negativ sein. Ich schicke da doch keine positive Probe hin...! 



 

 

Samstag, 20. Mai 2023

Rechtsbehelfsbelehrung aus Eschweiler

Ach ja, unsere deutsche Bürokratie. 

Wir erinnern uns: Nach einem netten Telefonat mit dem Standesamt Eschweiler weiß ich nun, dass der Familienforschungsmuffel Clermont-Vorfahren hat. Um in dieser Linie weiter zu kommen, warte ich aber noch auf die Kopien zweier Einträge aus dem Standesamtsregister von Dürwiß, das inzwischen nach Eschweiler eingemeindet ist. 

Als Forscherin freue ich mich ja, wenn ich Post vom Standesamt bekomme. Ja, letzten Endes sogar dann, wenn es nur ein Gebührenbescheid ist, weil ich weiß, dass es jetzt weiter geht (ist halt alles eine Frage der Perspektive, nicht wahr?). Ich frage mich nur, warum man alles immer so kompliziert machen muss...


Ich meine jetzt noch nicht einmal, dass ich nach dem netten Telefonat den Traueintrag noch einmal separat per Mail ordern musste. Das ist ja völlig in Ordnung, damit die Stadt Eschweiler im Zweifelsfall etwas Schriftliches in der Hand hat. Aber wenn man die schriftliche Bestellung schon zu dem Zeitpunkt im Postfach hat, in dem man die Registerbände noch auf dem Tisch liegen hat, kann man dann nicht einfach die Kopien zusammen mit dem Gebührenbescheid rausschicken? Und ist es wirklich so ein Problem, Rechnungen per Mail zu verschicken?

Die Rechtslage spricht jedenfalls nicht dagegen, und die Praktikabilität erst recht nicht. Man hätte nur einen Brief anstatt zwei, müsste die Register nicht herumliegen lassen (oder eben wegräumen und neu ziehen), und man könnte alles in einem Abwasch erledigen mit dem Ergebnis, dass man nicht nur Arbeitskraft, sondern auch Steuergelder gespart hätte. In Fällen wie diesen muss man sich wohl auch nur wenig Sorgen machen, dass auf die Gebührenrechnung nicht gezahlt wird, zumal es sich ja nun nicht gerade um eine horrende Summe handelt. Zur Not kann können auch Behörden zwangsvollstrecken,

Was mich dagegen eher amüsiert ist diese irre lange Rechtsbehelfsbelehrung, die auf der ersten Seite beginnt und noch die Hälfte der zweiten einnimmt. Für 21,50 EUR... Ich habe ja nun berufsbedingt in meinem Leben schon Hunderte davon gelesen, aber seitdem die Digitalisierung auch in die Justiz Einzug gehalten hat, ufern sie regelgerecht aus, ohne dabei für Nichtjuristen auch nur ansatzweise verständlicher zu werden. Ironischerweise ist diese Rechtsbehelfsbelehrung auch gleichzeitig ein Beispiel dafür, was passieren kann, wenn die eigentlich gut gemeinte Idee der Vereinfachung ins Gegenteil umschlägt: Vor ein paar Jahren ist bei solchen Bescheiden das vormals vorgeschaltete Widerspruchsverfahren weggefallen, so dass man, wenn man einen Fehler findet, direkt beim Verwaltungsgericht dagegen klagen kann, ohne dass man sich vorher an die Behörde wenden muss, damit die ihren Fehler mal gerade schnell korrigieren kann. Die Verwaltungsgerichte freuen sich... 

Finde ich denn Fehler hier in der Rechnung? Die Frage, ob sie sachlich und rechnerisch richtig ist, kann ich abschließend natürlich abschließend beantworten, wenn ich den Geburtseintrag und den Traueintrag hier habe...ich habe jedenfalls nur einfache Kopien geordert, keine Abschriften und erst recht keine Beglaubigungen.

Was ich aber am nervigsten finde: Wenn sich die Standesämter und Archive (das Standesamt in Eschweiler ist ja nicht das einzige, das so vorgeht) die Mühe und die Arbeit machen wollen, bitte. Das nette Telefonat mit der Dame vom Standesamt ist jetzt 10 Tage her, bis ich die Sachen habe, kann gut und gerne nochmal eine Woche ins Land gehen, weil meine Zahlung ja erst gebucht werden muss und die Post ja auch nicht mehr an jedem Werktag zustellt (warum eigentlich nicht - die wollen doch schon wieder das Porto erhöhen?!). Und dann steht auch schon wieder Pfingsten vor der Tür. 

Na, mal gucken. Vielleicht habe ich ja Glück und hocke an Pfingsten bei Matricula über den Kirchenbüchern von Eschweiler...

 

Donnerstag, 11. Mai 2023

Vielleicht war er ja noch nicht richtig tot...?

Der Großvater mütterlicherseits des Familienforschungsmuffels war Friedrich Wilhelm Schwartz aus Kohlscheid bei Aachen. Wilhelm war sein Rufname, er war Bergmann, und mit Franziska geb. Derix verheiratet. 

Das Kohlscheider Wappen: Drei Schlägel als Symbole des Bergbaus.

Laut dem einzigen Onkel meines Mannes auf mütterlicher Seite sollte Wilhelm im November 1916 in Kohlscheid geboren worden sein. Und in Kohlscheid soll er auch gestorben sein. Nach der onkelschen  Erzählung soll er aus dem Krankenhaus gekommen und mit den Worten "Ich gehe jetzt sterben" die Treppe hochgegangen sein. Und das soll er dann auch getan haben. 

Das muss irgendwann zwischen 1990 und 1993 gewesen sein. Der Familienforschungsmuffel wohnte da schon lange mit seinen Eltern hier in Ostwestfalen, so dass er das alles im Grunde nur noch aus zweiter Hand mitbekommen hat, zumal es im Informationsfluss zwischen Kohlscheid und OWL wohl gehakt hat. Wie das Leben halt manchmal so spielt. 

Die Mutter des Familienforschungsmuffels habe ich schon gar nicht mehr kennen gelernt; sie war gestorben, lange bevor wir zusammengekommen sind.  Sie konnte ich also nicht mehr fragen. Wenn ich von meiner Schwiegermutter spreche, dann meine ich eigentlich meine Stief-Schwiegermutter, aber das ist im täglichen Umgang einer der Fälle, in denen ich es nicht so genau nehme. Schließlich ist sie die einzige Schwiegermutter, die ich je gehabt habe (und hoffentlich haben werde). Mein Schwiegervater hatte die einzelnen Daten auch nicht mehr konkret im Kopf. 

Die einzige Quelle, die mir somit geblieben ist, ist also der Onkel in Kohlscheid. Seit ein paar Monaten telefonieren wir ab und an. Das blöde ist nur, dass ich ihn nicht mal einfach so zum Unterlagen-Sichten in den Keller schicken kann, weil er inzwischen fast komplett blind ist. Also musste ich mich erstmal auf sein Gedächtnis verlassen und alles, was er mit erzählt, als Arbeitshypothese betrachten. . 

Ich habe also erstmal das Standesamt in Herzogenrath angemailt, weil Kohlscheid inzwischen nach Herzogenrath eingemeindet wurde und ich ja angenommen hatte, dass Wilhelm in Kohlscheid geboren worden war. 

Das Standesamt Herzogenrath hat ihn nicht gefunden. Keine Spur von ihm. 

Also weiter über das Stadtarchiv Herzogenrath. Vielleicht konnte man ja da Wilhelms Sterbeeintrag finden? 

Nein, konnte man nicht. Dafür führte ich mit der netten Mitarbeiterin dort ein ziemlich denkwürdiges Telefonat, in dem dann auch die Frage fiel, 

´"Vielleicht war er ja noch nicht richtig tot...?!" 

Der Hintergedanke war, dass Wilhelm vielleicht doch noch ins Krankenhaus gekommen ist und er erst dort von einem Arzt für tot erklärt wurde. 

Also habe ich als nächstes das Standesamt in Würselen angemailt. Von meiner Schwiegermutter wusste ich, dass mein Schwiegervater und die Mutter des Familienforschungsmuffels 1969 in Würselen geheiratet hatten, und ich hatte gehofft, dass sich in der dortigen Sammelakte vielleicht ein paar Hinweise auf die Brauteltern finden ließen. 

Das war dann zwar nicht der Fall, aber es gab einen Sterbeeintrag von Großvater Wilhelm, der aber nicht im Standesamt, sondern in der Verwaltungsregistratur liegt. Man war so nett und hat meine Mail entsprechend weitergeleitet, und heute habe ich die Mail aus Würselen bekommen: Ja, Opa Wilhelm ist in Würselen gestorben, konkreter: am 2. Mai 1992 in Bardenberg, das inzwischen - wie sollte es auch anders sein - nach Würselen eingemeindet wurde . Er starb nicht zu Hause, sondern im Krankenhaus. Also war er wohl tatsächlich noch nicht "richtig tot". Außerdem stand in der Mail, dass er und Franziska im Mai 1949 in Eschweiler geheiratet haben. Wenn ich einen Scan des Sterbeeintrags haben wolle, dann müsse ich 24,70 EUR berappen. 

Mmmmh, 

Weil ich sowieso schon auf heißen Kohlen gesessen habe, habe ich stattdessen zum Telefon gegriffen. Der nette Herr in der Registratur hatte das Sterberegister auch noch in Griffweite liegen und hat mir auch noch meine restlichen Fragen beantwortet: Ja, Wilhelm war auch tatsächlich im November 1916 geboren, nur eben halt nicht in Kohlscheid, sondern in - Aachen

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. 

Sonntag, 19. März 2023

Heute nochmal online

Nein, ich war gestern nicht in Altenberge beim Westfälischen Genealogentag


Wäre ich dort gewesen, dann hätte man mich leicht finden können, denn seit ungefähr einer Woche bekomme ich jedes Mal, wenn ich einem Luftwechsel ausgesetzt bin, einen ausgewachsenen Hustenanfall. Man hätte meinen Aufenthaltsort quasi "erhören" können. In einer Turnhalle voller Menschen kommt das natürlich in Zeiten wie diesen besonders gut an, und ich hatte keine Lust, dazu noch ständig mit heiserer Stimme erklären zu müssen, dass (immer noch) sämtliche Covid-Tests negativ sind. Die Erklärung für den Husten ist trotzdem denkbar einfach: Der Familienforschungsmuffel hat aus der Firma eine Erkältung mitgebracht. Erst war er dran, und nun ich. Mein Verbrauch an Fisherman's Friends ist jedenfalls in den letzten Tagen rapide gestiegen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Meine Abwesenheit hatte also nichts mit der zu erwartenden Parkplatzsuche zu tun. Oder mit der Vollsperrung der A1.

Ich habe mich also entschlossen, die Büchertische in diesem Jahr noch einmal ausfallen zu lassen und mich stattdessen für die Vorträge heute vor dem Rechner niederzulassen, wo keiner meine Husterei hören und ich einfach mal die Klappe halten konnte. 

Gut, das mit dem "die Klappe halten" hat nicht ganz geklappt, denn um 15.00 Uhr ist mir noch ein beruflicher Termin dazwischen gekommen (ja, ich weiß, es ist Sonntag, aber es ging nunmal nicht anders). Ich habe aber immerhin drei von vier Vorträgen geschafft und mal wieder ein paar schöne neue Anregungen mitgenommen. Danke schön dafür!

Wie dem auch sei: Ich hoffe mal, dass der Westfälische Genealogentag 2025 wieder in ganz normaler Form stattfinden können wird: Alles zusammen an einem Tag, ohne Umbau einer Aula oder ansteckende Krankheiten. Ich bin jetzt einfach mal Optimistin: Ich freue mich drauf! 

Freitag, 30. Dezember 2022

2022: Eine kleine Bilanz

Zugegeben, so ganz ist 2022 noch nicht vorbei, aber dennoch: Es wird sich in den nächsten eineinhalb Tagen wohl nicht mehr so viel verändern, als dass es sich nicht schon lohnen würde, eine kleine Bilanz zu ziehen. Habe ich das, was ich mir vorgenommen habe, auch umgesetzt? 

Spontan würde ich sagen: Teils, teils. 

Die Geburts- und Traueinträge, die ich mir vorgenommen hatte, habe ich geschafft, bei den Sterbeeinträgen (und das sind immer noch die, die mir am meisten Spass machen - ja, ich weiß, ich bin da ein bisschen morbide veranlagt) fehlen mir noch ein paar Dutzend aus dem Jahr 1960. Ansonsten müssten die 1960er einigermaßen vollständig sein, es sei denn, ich hätte einen ganzen Jahrgang übersehen. 

Nicht nur mein Neffe ist gewachsen, sondern auch sein Stammbaum. Er weiß es nur noch nicht... 

Was die Vorfahren des Familienforschungsmuffels angeht - die Seite seiner Mutter habe ich nun ganz bewusst auf das nächste Jahr verschoben. Sie laufen mir zwar nicht weg, aber immerhin kann ich 2023 sicher sein, dass der Sterbeeintrag seines Großvaters nun als Archivgut läuft und nicht mehr im Standesamt liegt. Wie gesagt, wir wissen tatsächlich noch nicht einmal, wo er gestorben ist. Wenn man in ein- und demselben Archiv suchen kann, wird es - hoffentlich - leichter. 

Und die Digitalisierung von Werthers Gedächtnis

Ja, es geht voran, leider nur nicht so schnell, wie ich gehofft hatte. Da muss ich mir ganz klar eingestehen, dass ich die Arbeit unterschätzt hatte, auch wenn die dicken Ordner schon wesentlich leerer sind als noch zum Jahresbeginn. Dieser Job wird noch seine Zeit brauchen... 

Und ansonsten? 

Ich hatte ziemlich wenig Lust zum Digitalisieren der Familienfotos, weil ich in meinem Alltagsjob dabei bin, so viel Papier wie möglich wegzuscannen. Irgendwann ist immer der Punkt erreicht, an dem ich den blöden Scanner nicht mehr sehen kann... 

Beim Geschichtsportal hat sich in den letzten Monaten auch recht wenig getan, aber auch das ist nur verschoben und nicht aufgehoben. 

Unerwartetes gab es natürlich auch. Die beiden Todesfälle im erweiterten Familienkreis gehören definitiv zum Negativen, denn das waren beides Menschen, die ich sehr gemocht habe, auch wenn ich sie nicht ständig gesehen habe. Es gab aber natürlich auch Positives, zum Beispiel, dass mir Kommissar Zufall tatsächlich bei meinen Willbränders/Willebrands geholfen hat. Ich bin immer noch dabei, die sich daraus ergebenden Verbindungen zu erschließen und zu dokumentieren... 

Persönlich war es genauso ein Auf und Ab. Bis jetzt waren alle Coronatests beim Familienforschungsmuffel und bei mir negativ, was ja auch schon mal was ist. Der Familienforschungsmuffel ist 50 geworden und bekam ein Katapult geschenkt, das seitdem in unserem Garten steht. Die Nachrichten guckte man zumindest seit dem 24. Februar meist mit einem gewissen Entsetzen darüber, dass die Menschheit - oder zumindest einer - nicht klüger geworden ist und so unfassbar viele Menschen in den Tod und noch mehr ins Unglück gestürzt hat. Und für was? Ich für meinen Teil bin ich einfach nur heilfroh, dass ich hier mit dem Familienforschungsmuffel zusammen im Warmen sitzen kann, ohne dass uns Raketen ins oder durchs Haus geschossen werden und dass ich dabei familienforschen kann, anstatt Molotow-Cocktails zu basteln.

Mein persönliches Highlight war ja unsere Sommertour, die uns nicht nur nach Frankreich, sondern auch für einen Abstecher in die Schweiz und nach Monaco geführt hat. Ich kann mir nicht helfen, aber je mehr ich von Frankreich sehe, desto verliebter bin ich. Kein Wunder bei solchen Badeplätzen wie hier am Mittelmeer, oder? 

Brincke und Tatenhausen fehlt halt einfach der Strand... Sogar Marseille fand ich schöner, als ich vorher gedacht hatte, Strasbourg ist trotz Europaparlament immer noch sehr gemütlich und Avignon ist ein Traum. Gut, dass ich zu der Generation gehöre, die es völlig absurd findet, dass man Frankreich mal als Feind betrachtet hat. Meine Feinde waren eher die Mücken in Arles, die meiner bescheidenen Meinung nach der wahre Grund dafür war, dass Vincent van Gogh so durchgedreht ist, dass er sich schließlich zum Einohrigen gemacht hat.  

Alles in allem ein merkwürdiges Jahr. Eine Zeitenwende? Vielleicht. Wir werden sehen...

Allen einen guten Rutsch! 

Sonntag, 6. November 2022

Die zögerliche Anna von Spee auf Brincke (Schlösser und Burgen in OWL Teil 2)

Es gibt schon merkwürdige Zufälle: Nur ein paar Tage nach meinem Ausflug nach Tatenhausen verschlug es mich nun zum nächsten Schloss, um genauer zu sein: Zum Schloss Brincke in Barnhausen

Dieser Schatten in Form einer Bierflasche, das bin ich. Keine Ahnung, wie ich das hinbekommen habe...

Dieses Mal war ich mit der VHS unterwegs - und mit meiner Mama. Hat auch mal wieder Spass gemacht! 

Brincke ist genauso wie Tatenhausen ein Wasserschloss, nur mit einem doppelten Wassergraben. Erbauer waren die Herren von Brincke, aber ab 1439 übernahmen die Grafen von Kerssenbrock. Die hatten im 18. Jahrhundert ein Problem: Es fehlte ein Erbe. Der letzte "echte" Kerssenbrock, Ferdinand, war - nachdem er weit in Europa herumgekommen war - Dompropst in Osnabrück und verstarb dort auch 1754 kinderlos. Sein Bruder Matthias Caspar war schon 1746 ebenfalls ohne Nachwuchs gestorben. Man wusste also, was kommen würde, und man konnte sich etwas einfallen lassen. Die "Nachbarn" aus Tatenhausen und Verwandten mütterlicherseits, die Korff-Schmisings, sprangen ein, und zwar in Person von Ferdinands Vetter Friedrich Ferdinand. Ab da waren die Brincker Freiherren dann die von Korff-Schmising genannt Kerssenbrock. Später heirateten dann noch die Praschmas ein, ein mährisches Adelsgeschlecht. Damit führen die Brincker nun offiziell den Nachnamen von Korff gen. Schmising-Kerssenbrock-Praschma. Um es mit den Worten der Frau Gräfin, die die Führung übernommen hatte, zu sagen: 

"Wir sind der Albtraum jedes Standesbeamten. Die Formulare sind immer zu kurz."

Sie musste dabei lachen. Fand ich sehr sympathisch. (Und nein, es war nicht dieselbe Gräfin wie in Tatenhausen. Aber irgendwie sind es wohl immer die Frauen, die die Führungen übernehmen. Ob die sich wohl absprechen?)

Ich bin auch schon einmal in Brincke gewesen, aber das ist ungefähr 40 Jahre her. Wandertag mit der Grundschule. An das Anwesen selbst konnte ich mich nicht mehr erinnern, mit einer großen Ausnahme:
 

Abgehackte Tatzen? Pfoten? am Tor des Torhauses. Fand ich damals schon gruselig und - wie ich feststellen konnte - heute auch noch. Als der Familienforschungsmuffel (seines Zeichens Diplom-Biologe mit Jagdschein) das Foto gesehen hat, kam nur ein Kommentar: "Ah, Paarhufer". Okay... aber warum man sich die ans Tor tackern muss, werde ich nie verstehen. 

Der Rest der Anlage wirkt allerdings wesentlich freundlicher; das muss ich jetzt hier mal festhalten. Eingebettet ist das ganze in einen auch heute noch funktionierenden landwirtschaftlichen Betrieb, und das ist auch der erste Eindruck, wenn man auf Brincke zu fährt. Hat man den makaberen Teil hinter sich gebracht, findet man sich in erstmal in einem Innenhof wieder, von dem man dann den Blick auf das eigentliche Schloss hat - und auf die Kapelle. 

Das hier ist das Tor, durch das man in den Innenhof kommt. Keiner weiß, weshalb man das Steingebäude mit Fachwerk weitergebaut hat - oder war es umgekehrt? 

Das hier ist der "lange Jammer". Das "lang" erklärt sich praktisch von selbst, wenn man sich den Grundriss des Gebäudes vor Augen führt. Der "Jammer" dürfte dadurch entstanden sein, dass in früheren Zeiten genau hier der Zehnte abgeliefert werden musste.  
Das Pony hier steht auf dem Weg zur Kapelle.

Am spannendsten fand ich das hier: Es ist der Eingang zum Museum/Archiv. Man sieht es: Das Gebäude rechts ist noch sehr neu, erst ungefähr vier Jahre alt, und damit die neueste Ergänzung des Gebäudeensembles. Das Merkwürdige ist: Es passt nicht nur dahin, es fügt sich auch ein, obwohl es ja nun wesentlich jünger ist als alle anderen Bauwerke auf dem Gelände. Ich mag ja diesen Kontrast von alt und neu. Im Erdgeschoss befindet sich ein kleines Museum, im ersten Stock dann das Archiv. 

Insgesamt ist das ein schönes Beispiel dafür, wie man so eine Schlossanlage weiterentwickeln kann, ohne dass etwas verloren geht. Irgendwie hat man den Eindruck, dass jede Generation etwas hinzufügt. Um wieder Frau Gräfin zu zitieren: 

"Wir denken hier in Generationen." 

Ja, das merkt man. 

Eine, die etwas sehr Markantes hinzugefügt hat, war übrigens Anna, eine geborene von Spee. Ihr haben die Brincker ihre Kapelle St. Marien und St. Nikolaus zu verdanken, die im Gegensatz zu der in Tatenhausen ein eigenständiger und nicht gerade kleiner Bau ist. Auf dem Foto sieht man rechts das Haupthaus, links die Kapelle, und dazwischen findet sich das Museum.

Ja, in der Kapelle waren wir auch, ich habe aber keine Fotos gemacht. 

Um ein Haar hätte es die Kapelle übrigens nicht gegeben, denn die gute Anna von Spee wollte erst gar nicht heiraten. Sie hatte eigentlich für sich geplant, ins Kloster zu gehen, und hat sich ziemlich lange gewunden, bis sie sich zu einer ehelichen Verbindung durchringen konnte. Zwischendurch hatte sie sogar angefragt, ob sich der Herr Graf Franz Xaver denn auch eine rein platonische Ehe vorstellen konnte. Nein, konnte er nicht, und selbst ihr eigener Bruder, ein Pater, musste ihr klarmachen, dass die Sache so nicht laufen würde. Anna hat sich dann doch entschlossen, das Risko einzugehen, aber nur unter der Bedingung, dass man eine Kapelle bauen würde. Hat man. Und in dieser Kapelle wird noch heute jede Woche die Messe gelesen, wenn auch die Anzahl der Teilnehmer inzwischen ziemlich überschaubar geworden ist. 

Anna scheint jedenfalls ihren Frieden mit diesem Arrangement gemacht zu haben - sie und Franz Xaver hatten nach ihrer Heirat insgesamt elf Kinder... 

Mein Fazit: Ein Besuch lohnt sich, aber man sollte auf jeden Fall die Führung mitmachen, damit man die Hintergründe auch versteht. Schon schön zu sehen, welche Kleinode man so in der Nachbarschaft hat.   

Samstag, 24. Juli 2021

Wie immer: Die Neuenkirchener Kirchenbücher machen es mir nicht leicht...

Archion hat aber auch ein Timing: Da warte ich seit geschlagenen 20 Jahren (ach Quatsch, länger!) darauf, dass sich jemand mal die Mühe macht, die Kirchenbücher von Neuenkirchen hochzuladen, und dann passiert es endlich, und kann ich mich sofort drüber hermachen? Nein! Das ist Ironie, oder?

Zugegeben, der Grund dafür war ein guter: Der Familienforschungsmuffel hatte Geburtstag. Über den Tag verteilt hieß das Einkaufen, Essen in größeren Mengen zubereiten, zwischendurch ein bisschen arbeiten, und dann hatten wir auch quasi in Schichten unsere Lieblings-Verwandten und Freunde hier. Die Altersspanne reichte von zwölf Wochen bis 85 Jahren. Das sind so Tage, an denen die Forschung stumpf hinten anstehen muss. Irgendwann sind wir nur noch todmüde ins Bett gefallen. Das war Donnerstag

Freitag war dann ein normaler Arbeitstag. Da bin ich immerhin dazu gekommen, ein paar Sterbeeinträge zu durchforsten, während im Hintergrund die Olympischen Spiele 2020 eröffnet wurden. Mit einer gewissen Irritation scrollte ich mich durch die Seiten: Wer um Himmels Willen sind die ganzen Schwentkers und Schwenkers, die sich da getummelt haben? Gut, da das Kirchspiel Neuenkirchen direkt ans Kirchspiel Werther grenzte, ist es nicht weiter verwunderlich, dass diverse Wertheraner dorthin abgewandert sind, aber es ist gar nicht mal so einfach, den ersten Schwentker/Schwenker zu finden, der über die Grenze gegangen ist. Bei meinen Plessners und Dieckmannskamps bin ich auch ein Stück weitergekommen. Ist das nicht herrlich, wenn der Stammbaum auch in die Breite wächst? Schade nur, dass sich die Neuenkirchener oft nicht die Mühe gemacht haben, auch die Todesursachen einzutragen. 

Heute ist Samstag, und ich hatte eigentlich gehofft, mich so richtig in den Neuenkirchener Büchern zu vergraben. Wieder nichts. Ich habe den halben Tag verschlafen und war zu wenig zu gebrauchen. Der Familienforschungsmuffel hat gestern seine zweite Impfung gekriegt, und im Gegensatz zu mir nimmt er seit gestern Abend augenscheinlich alle Nebenwirkungen mit, die man nur kriegen kann. Mit der indirekten Nebenwirkung, dass ich in der letzten Nacht auch nicht schlafen konnte und ich mich stattdessen im Wohnzimmer vor dem Fernseher wiederfand. Ich gucke an sich gerne Fechten im Fernsehen (danke, Olympia), aber normalerweise nicht morgens um vier...

Meine Hoffnung liegt also auf morgen, Sonntag. Der Familienforschungsmuffel ist langsam dabei, sich zu bessern, auch wenn er immer noch erstaunt darüber ist, dass ihm jedes Fingergelenk einzeln wehtun kann. Ich hoffe mal, dass er das Gröbste jetzt überstanden hat. Dann kann es morgen vielleicht ein ganz normaler Sonntag werden - mit ganz viel Forschung meinerseits! Mit ein bisschen Glück kann ich hier also demnächst ein paar Forschungserfolge vermelden...