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Freitag, 12. August 2022

Kennenlerngeschichten

Unser 6. Hochzeitstag - ab heute gehen wir offiziell ins sprichwörtliche verflixte siebte Jahr. Obwohl... zählt das eigentlich, wenn man vor der Ehe schon zwanzig Jahre zusammen war? 

In der Tageszeitung lese ich immer gerne die Artikel über die Gold- und Gnadenhochzeiten, weil da meist auch drinsteht, wie sich die Leute kennengelernt haben. Einen solchen Artikel wird es altersbedingt bei uns wohl nicht geben, aber wenn es ihn gäbe, dann würde der geneigte Leser erfahren, dass wir uns auf dem Brockhagener Dorfgemeinschaftsfest über den Weg gelaufen sind, und zwar 1992. Drei Jahre später waren wir dann zusammen. Das Ironische an der Sache ist: Auch vor 1992 habe ich meinen jetzigen Göttergatten schon sehr oft gesehen, denn wir waren auf derselben Schule, dem KGH. Kreisgymnasium Halle (Westf.). Er eine Stufe über mir. Vom Sehen kannte ich ihn schon, als ich 10 Jahre alt war. Wir hatten aber einen unterschiedlichen Freundeskreis und überhaupt nichts miteinander zu tun. 

Wenn ich über meinen Forschungen sitze, dann frage ich mich immer mal wieder, wie diese ganzen Paare eigentlich aufeinander getroffen sind. Bei meinen Eltern weiß ich ungefähr, wie sie sich kennengelernt haben, aber schon bei meinen Großeltern kann ich nur spekulieren. Bei denen, die in einer Stadt gewohnt haben, kann man sich denken, dass man sich mal irgendwo über den Weg gelaufen ist. Vielleicht stand man ja mal beim Bäcker nebeneinander in der Warteschlange? Oder saß in der Kirche nebeneinander? Und was ist mit den anderen? Vor allem in der Zeit, als man noch nicht mobil war und jede Ortsveränderung von auch nur 10 Kilometern eine größere Planung erfolgte? Gab es eigentlich eine Art "Heiratsmarkt" für Colonsöhne und -töchter? Dass es gerade in diesem Segment nicht immer Liebes-, sondern oft erstmal Zweckehen waren, ist mir klar, warum also das ganze nicht systematisch angehen? 

Aber was ist mit meinen ganzen Heuerlingen, den Arbeitern und den Selbstständigen? Die waren in der Wahl ihrer Ehegatten zumindest etwas freier. Aber auch die müssen sich ja mal irgendwo kennengelernt haben. Meine Vermutung ist, dass sich viele schon als Kinder gekannt haben. Über Ur-Opa und Ur-Oma habe ich zum Beispiel hier ja schon ziemlich ausführlich berichtet. 

Schön ist es natürlich, wenn nicht nur Ahnungen oder Spekulationen aufweisen kann, sondern auch Quellen. Das können Tagebücher sein, so sie denn die Zeit überdauert haben, oder eben auch diese Zeitungsartikel, die ich oben schon erwähnt habe. Auch die älteren Leute wissen noch ziemlich viel, wenn auch oft nicht mehr alle Details. Vielleicht finden sich aber auch andere Verbindungen, die nicht ganz so offensichtlich sind. Vielleicht hatte ja der Bruder der Braut zusammen mit dem Bräutigam gedient? Es lohnt sich, in diesem Zusammenhang nicht nur das einzelne Individuum zu betrachten, sondern auch seinen Umkreis. Auch wenn es mehr Mühe macht. 

Deshalb: 

Wenn man weiß, wie sich zwei Leute getroffen haben, dann sollten wir Forscher es auch für die Nachwelt festhalten, und sei die Geschichte auch noch so trivial. Es macht die Lebensläufe einfach runder. 

Samstag, 11. September 2021

Meine 9/11-Geschichte

 

Am 15. Dezember 1995 habe ich dieses Foto hier gemacht, und zwar von der Besucher-plattform des World Trade Center in New York City. Oben auf dem Südturm. 

Es war ein richtig nebliger Tag. Ich war gerade mal etwas länger als drei Monate mit meinem Mann zusammen, und es war das erste von vielen Malen, dass wir zusammen in die USA geflogen sind. New York City war das erste, was ich von den USA gesehen habe. 

Zwei Tage vorher hatten wir schon oben auf dem Empire State Building gestanden, und da muss ich mir auch eine heftige Erkältung eingefangen haben. Eigentlich hätte ich mich im Bett warm wegpacken sollen, aber hey, wann ist man schon mal in New York und kann nach oben auf das World Trade Center? 

Ich glaube, auf dem Foto hier sieht man mir das auch an, wenn man etwas genauer hinguckt. Ich erinnere mich jedenfalls noch an diese eine Haarsträhne, die einfach nicht an ihrem Platz bleiben wollte. Seltsam, oder? 

Trotzdem - der Ausblick von da oben war unglaublich, selbst mit Nebel über dem East River. Erstaunlich, wie klein selbst die Brooklyn Bridge aussah. 


Ende März 2001 sind wir noch einmal auf dem Weg von Maine nach Florida an Manhattan vorbeigekommen. Wir haben die beiden Türme in der Distanz stehen sehen und gesagt, "Nächstes Jahr fahren wir da nochmal rauf!"

Kein halbes Jahr später: 9/11. Wir alle wissen noch genau, wo wir an dem Tag waren. Bei mir war es das Versmolder Rathaus; ich war gerade dabei, als Referendarin meine Station im Verwaltungsrecht hinter mich zu bringen. Mein Mann, der gerade von der Arbeit gekommen war, rief mich im Büro an: "Die beiden Türme sind eingestürzt!" Ich habe versucht, im Netz etwas zu finden, aber alles war überlastet. Der nächste Gedanke: "Im Sitzungssaal steht ein Fernseher!" Den habe ich dann auch angestellt und konnte kaum glauben, was ich sah und hörte. Zu dem Zeitpunkt gab es erste Meldungen, dass auch am Pentagon und in Pennsylvania etwas passiert sein sollte, und, was ich besonders schlimm fand: Es wusste keiner, wieviele gekaperte Maschinen noch in der Luft waren. Nach und nach kamen immer mehr Leute in den Sitzungssaal und guckten mit, genauso geschockt wie ich selbst. 

Ich war froh, als ich später wieder zu Hause in Werther war. Meinen Mann und meine Mutter in den Arm nehmen. Mein Vater kam etwas später, er hatte einen Termin außerhalb gehabt und merkwürdigerweise noch gar nichts von der ganzen Tragödie mitbekommen: Im Zug kein Handyempfang, und das Radio im Auto hatte er wohl nicht angehabt. Das werde ich auch nie vergessen: Er hatte sich gewundert, dass alle Autos so langsam fuhren. Kein Wunder, es hörten wohl alle wie gebannt Radio. 

Seitdem bin ich nicht mehr in New York gewesen, nicht einmal zu einer Zwischenlandung. Es hat sich einfach nicht ergeben. Es würde aber auch nicht mehr dasselbe sein. 

Mittwoch, 30. Juni 2021

Schulabschlüsse sind was Feines...

... und zwar auch für Familienforscher. 

Wenn ich in dieser Woche die Lokalzeitungen durchblättere, dann sehe ich, dass praktisch jede Schule ihre Absolventen vorstellt, mit Foto. Die meisten Mädels im langen Kleid, die meisten Jungs im blauen Power-Anzug (als ob es keine anderen Farben mehr gäbe). Die Namen werden auch genannt, und zwar sämtliche Vornamen, auch wenn sie in den meisten Fällen nicht den Gesichtern zugeordnet werden. Aber immerhin. 

Für diejenigen von uns, die sich schwer tun, die aktuell lebende Verwandtschaft zusammen zu puzzeln, kann das eine Hilfe sein. Man erfährt vielleicht noch einen weiteren bislang unbekannten Vornamen (viele der Kids dieser Generation haben ja wieder zwei oder mehr) oder kann das Alter besser eingrenzen. Und bei der Gelegenheit auch schon mal die Schulbildung bei dieser Person eintragen, ruhig auch mit der Anmerkung, dass die Corona-Pandemie nur eingeschränkt Präsenz-Unterricht zugelassen hat. Wenn man die Zeitung nicht im E-Abo hat, kann man auch ruhig mal nachgucken, ob der jeweilige Artikel auf der Homepage der Zeitung frei verfügbar ist. Schön ist es dann, wenn man die Fotos runterladen kann. Mit ein bisschen Glück haben sie eine Auflösung, bei der es sich lohnt, das Foto entsprechend auszuschneiden und im Stammbaum zu speichern. 

Ich bin übrigens auch nur auf die Idee gekommen, etwas dazu zu schreiben, weil ich auf diese Weise heute Morgen gleich zwei "Sickendieks" (in verschiedenen Schreibweisen) gefunden habe. 

Ich überlege gerade, wo der Artikel geblieben ist, in dem ich damals erwähnt worden bin. Wahrscheinlich lagert er noch irgendwo in der Ablage bei meiner Mutter. Aber ich kann mich auch noch so dran erinnern: Kreisgymnasium Halle (Westf.), Abi 1993. Unser Motto war bezeichnenderweise 

"Humor ist, wenn man's trotzdem macht." 

Passte zu uns. Wir haben zwar keine Hütchen in die Luft geschmissen, und ich habe mich auch nicht in ein Kleid zwingen lassen, aber gefeiert haben wir trotzdem ...! 

Freitag, 2. September 2016

Die Geschichte meines Traurings

Vor ungefähr 14 Monaten habe ich hier einen Blogpost über die Hochzeit meiner Großeltern Wilhelm und Martha Sickendiek geschrieben. Anlass dazu war ihr 75. Hochzeitstag. Jetzt habe ich mir genau diesen Blogpost noch einmal durchgelesen, und ich habe doch ein bisschen Gänsehaut bekommen... alles, was ich damals geschrieben habe, würde ich auch heute noch so formulieren.

Mein Mann und ich haben vor drei Wochen ja ziemlich spontan nach über 20 Beziehungsjahren geheiratet. Hier in Halle im Standesamt und ohne viel Schnickschnack. Selbst unsere Familien und Freunde hatten schon nicht mehr damit gerechnet, dass wir irgendwann überhaupt nochmal den Bund der Ehe eingehen würden, und dann auch noch im wahrsten Sinne des Wortes von heute auf morgen: Am Donnerstag haben wir ganz offiziell die Eheschließung angemeldet, und am Freitag um 11.20 Uhr waren wir - verheiratet.

Wir sind von uns selbst auch immer noch überrascht.

Diese Hochzeit war nicht wirklich traditionell, bis auf die Tatsache, dass wir unsere beiden Väter als Trauzeugen dabei haben wollten. Wir haben auch keine gleich aussehenden Eheringe - auf die Idee wären wir auch nicht ernsthaft gekommen. Mein Ehemann (an diese Bezeichnung muss ich mich auch nach drei Wochen immer noch gewöhnen) hat sowieso nicht vor, seinen Ring die ganze Zeit zu tragen, und Gold wäre sowieso nicht sein Ding gewesen, also hat er einen Ring aus Titan.

Mein Trauring dagegegen hat schon 46 Ehejahre auf dem Buckel - es ist der meiner Oma. 

Ich hätte es auch gar nicht anders haben wollen. Und irgendwie erschien es mir passend, mich mit einem Ring trauen zu lassen, der schon einmal Teil einer schnell organisierten Hochzeit war, auch wenn die Umstände vor 76 Jahren nicht wirklich mit unseren Zeiten vergleichbar sind. Auch eine Art, die Familientradition wieder aufzugreifen.

Das Problem war nur, dass Omas Finger ein kleines bisschen (*räusper*) dünner waren als meine. An besagtem Donnerstag trug ich den Ring also zum Goldschmied. Dort fand dann der folgende Wortwechsel statt:

Ich: "Bis wann können Sie den Ring denn fertig haben?"
Goldschmied: "Morgen um 10 können Sie ihn abholen."
Ich: "Hervorragend! Morgen um 11 heirate ich nämlich..."
Goldschmied: "Hmmmmm.... dann kommen Sie heute Nachmittag um halb drei wieder!" 

Und es hat geklappt. Jetzt sitzt er seit drei Wochen an meinem linken Ringfinger.

Ach ja - ich habe meinen Namen behalten. Aber das ist auch nochmal so eine Geschichte...

Freitag, 12. August 2016

In eigener Sache (aber nicht nur meiner)

Ist schon ein merkwürdiges Gefühl, wenn man dem Stammbaum, der seit Jahren so vor sich hinwächst und -gedeiht, ein neues Datum hinzufügt, das man selbst bestimmt hat...;-)




Dienstag, 10. Dezember 2013

Samstagskind

Es ist schon merkwürdig, wie Politik und Weltwirtschaft im Großen manchmal Einfluss auf unsere Terminkalender im Kleinen haben können. 

Vor ungefähr 40 Jahren, nämlich am 8. Dezember 1973, einem schneereichen Tag, bin ich in der Wertheraner Kirche getauft worden. Entgegen der üblichen Gepflogenheiten war es ein Samstag und kein Sonntag, als mein damals noch völlig haarloser Kopf über das Taufbecken gehalten wurde, und es war auch nicht morgens, sondern später Nachmittag.

Der Grund dafür war einfach: Der nächste Tag war ausgerechnet einer der vier autofreien Sonntage, und zumindest für eine meiner beiden Patentanten wäre es doch ziemlich schwierig gewesen, ohne fahrbaren bzw. motorisierten Untersatz aus dem Lippischen nach Werther zu kommen. (Kein Wunder, dass die Paten früher meist aus dem familiären bzw. nahen räumlichen Umfeld kamen.)

Ob die autofreien Sonntage damals etwas gebracht haben oder nicht, das kann ich nicht beurteilen. Mir selbst haben sie aber die kleine Besonderheit beschert, dass ich nicht nur an einem späten Samstag Nachmittag geboren, sondern auch an einem späten Samstag Nachmittag getauft wurde. Was soll ich sagen - ich bin eben ein Samstagskind...

(Übrigens, mein Taufkleid habe ich heute noch...)