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Dienstag, 26. Juli 2022

Wenn ich nochmal mit der Forschung anfangen müsste...

 ... was würde ich dann anders machen? Würde ich überhaupt etwas anders machen? 

Warum denke ich überhaupt darüber nach? Ganz einfach: Die Wundertüte namens YouTube hat mir ein Video ausgespuckt mit dem wunderbaren Titel "If I Had to Do My Family Tree Over Again", auf einem Kanal namens Genealogy TV. Ich gehöre zu denen, die YouTube gerne mal im Hintergrund laufen lassen, wenn sie eigentlich etwas völlig anderes machen (so wie andere Leute, die Radio hören), und plötzlich war es da. Und ich hörte Dinge wie, "Ich würde mich sofort bei Ancestry anmelden" oder "Ich würde mir direkt ein DNA-Testkit im Sonderangebot holen, am besten mehrere". Und ich dachte, 

"Nein, wenn ich nochmal neu mit meinem Stammbaum anfangen müsste, dann würde ich vieles wieder genauso machen." 

Nicht alles, aber vieles. 

Ich würde immer noch mit dem anfangen, was ich habe, vorzugsweise schriftlich. Ich würde mir immer noch als allererstes das Familienbuch meiner Eltern schnappen und, soweit es denn vorhanden ist, auch das meiner Großeltern. Und von da aus würde ich dann weiter gucken, ob ich noch in der "Standesamt-Zeit" bin oder ob ich auf die Kirchenbücher angewiesen bin. Und ich würde weiterhin jedes Original-Dokument, sei es als Papierversion direkt vor mir oder als Scan, jedem Online-Stammbaum vorziehen. 

Was würde ich denn nun tatsächlich anders machen? 

Ich würde mir direkt für jede Person - oder zumindest für jede Familie - ein eigenes Word-Dokument anlegen, in dem wirklich alle Informationen enthalten sind, die ich über diese Familie habe. Samt Quellen! Wozu gibt es schließlich Fußnoten? So eine Zusammenfassung erleichtert das Forscherleben ungemein, und selbst heute bin ich noch dabei, an den Dateien für meine direkten Vorfahren zu arbeiten. Ein Stammbaum auf dem Rechner ist zwar schön, aber manchmal brauche ich halt ganz altmodisch etwas zum Blättern und nicht zum Klicken und Scrollen. 

Ich würde mehr mit den älteren Leuten in der Familie sprechen, oder mit Leuten, die meine Familie gekannt haben. "Erzählt mir von früher. Wie war das?" Ich hatte nun das Glück, ziemlich jung zu sein, als ich mit der Forschung anfing, aber trotzdem waren meine Großeltern damals schon allesamt tot, was leider nicht unbedingt für die Langlebigkeit in der Familie spricht. Trotzdem gab es noch diverse Großonkel und Großtanten, die mir wahrscheinlich Vieles hätten erzählen können, wenn ich sie denn nur rechtzeitig gefragt hätte. Das ist unendlich schade, lässt sich aber nicht mehr ändern. 

Ich hätte mich eher in den Standesamtsregistern vergraben. Schon alleine, um die noch lebenden Verwandten und Bekannten nach denen befragen zu können, die ich da gefunden hätte. Wenn ich eins aus der Forschung gelernt habe, dann die Tatsache, wie kurz das menschliche Gedächtnis ist. Und wie selektiv. Wie viele Nicht-Forscher kennen noch die Namen ihrer Urgroßeltern? Dank des deutschen Datenschutzes gehören die letzten 100 Jahre tatsächlich zu den schwierigsten, obwohl ich nie verstanden habe, was daran so geheimnisvoll sein soll, wann man geboren oder gestorben ist und wer die Eltern sind oder waren. 

Ich würde mir mehr Notizen machen. Ich hätte immer ein kleines Notizbuch bei mir, und jedes Mal, wenn mir jemand etwas erzählt, das auch nur ansatzweise für meine Familiengeschichte interessant ist, dann würde ich es mir direkt aufschreiben. Und es dann abends oder in einer ruhigen Minute direkt in meinen Stammbaum eintragen. Und sei es auch nur als Frage, Aufgabe oder Anmerkung. 

Ich würde noch mehr in die Breite forschen. Es ist ja schön, wenn man 20 Generationen mit Namen benennen kann, aber wirklich mit Leben füllen kann man eine Familiengeschichte doch erst dann, wenn man die Umstände kennt, unter denen diese Menschen, die wahrscheinlich gar nicht mal so großartig anders waren als wir heute, gelebt haben. Einfach nur Name-Geburtsdatum-Sterbedatum, das reicht mir nicht. Ich möchte mehr wissen! Soll heißen: Unter anderem hätte ich mir gewünscht, dass ich damals Geschichtslehrer gehabt hätte, die mir nahe gebracht hätten, dass "Geschichte" auch die Geschichte meiner Familie ist, wenigstens bis zu einem gewissen Grad. 

Also... keine Rede von Ancestry und Familysearch, sondern von guter alter Handarbeit und Wissensaneignung. Das mag auch daran liegen, dass es damals in grauer Vorzeit, als ich angefangen habe, Ancestry noch gar nicht gab und familysearch zusammen mit dem ganzen Netz noch in den Kinderschuhen steckte. Vielleicht liegt es auch mit daran, dass ich älter werde ("Wir hatten noch gar kein Ancestry! Aber an drei Samstagen im Monat Schule!")? Nein. Ich glaube einfach nur, dass man sich das "Grundgerüst", das man zum Forschen braucht, nicht einfach so im Netz aneignen kann. Nur die eigentliche Informationsbeschaffung ist mit Archion und Co. und wesentlich einfacher geworden. Und was ich dort nicht finde, das findet sich - heute wie damals - halt ganz klassisch im Archiv. 

Dienstag, 22. Juni 2021

Ach, wenn es doch so einfach wäre...

Täusche ich mich, oder sehe ich in der letzten Zeit vermehrt Werbung für Ahnenforschungsportale im Fernsehen? Nicht unbedingt in den Halbzeitpausen beim Fußball (ja, ich gucke Fußball, sehr gerne sogar), aber auf anderen Sendern. Ständig höre ich Sätze wie "Familienforschung leicht gemacht..."

Mal im Ernst - wenn es so einfach wäre, dann würden nicht jahrelang über unseren Forschungen brüten. Deswegen ärgert es mich, wenn suggeriert wird, dass man schwupp-di-wupp mit ein paar Klicks die gesammelte Familiengeschichte an einem Tag aufrollen könnte. Nein, das kann man nicht. Ich will ja nun niemandem seine Illusionen rauben (oder vielleicht doch?), aber wer das glaubt, der glaubt auch, dass man innerhalb von zwei Wochen ohne zu hungern dauerhaft zwanzig Kilo abnehmen könne oder dass es bei der Fußball-EM einzig und allein um Fußball ginge. 

Es ist völlig okay, wenn man erstmal nur ein bisschen in die eigene Familiengeschichte hineinschnuppern will. Wer aber nur die Stammbäume anderer Leute abschreibt, der forscht nicht. Der schreibt einfach nur ab. Und das ist auch in Ordnung, solange man es nicht als eigene Forschung hinstellt. 

Ich habe auch nichts dagegen, wenn jemand meine Daten abpinnt, im Gegenteil. Im Gegenzug bin ich auch heilfroh, wenn mir jemand einen Hinweis gibt, wo ich vielleicht etwas finden kann, das ich schon lange gesucht habe. Ich bilde mir auch ein, einigermaßen einschätzen zu können, welche Quellen seriös sind und welche ich besser nochmal selbst überprüfe, und das mache ich im Zweifel auch.  

Was mich an solchen "Leicht-gemacht"-Angeboten ärgert, ist die Suggestion, dass man alles auf dem Silbertablett serviert bekäme. Dass es völlig unwichtig sei, ob man die Kurrentschrift lesen kann oder nicht. Dass man kein Archiv heimsuchen oder stundenlang in Kirchenbüchern nach einem Sterbeeintrag suchen muss, nur um ihn dann da zu finden, wo man ihn nie vermutet hätte. Dass es völlig unnötig sei, sich auch nur ansatzweise mit dem geschichtlichen Hintergrund auseinanderzusetzen, vor dem sich unsere Familiengeschichte abgespielt hat. 

Und gerade das ist es doch, das die Forschung so interessant macht, oder?


Dienstag, 6. Oktober 2020

Von Forschern und Buchhaltern

Eine Freundin von mir ist Buchhalterin und, soweit ich das mit meinen bescheidenen Buchhaltungskenntnissen beurteilen kann, eine gute. Ab und zu lädt sie ihren Frust bei mir ab, wenn ihre lieben Kollegen mal wieder Buchungen auf Konten gezaubert haben, die da eigentlich so nicht hingehören. Irgendwann fällt immer ein bestimmter Satz: 

"Ich hab' halt gerne meine Konten schön." 

Ich kann's verstehen, denn im Grunde geht es mir mit Stammbäumen genauso. 

Mich nerven keine falschen Buchungen, aber lose Enden. Ich weiß, dass viele Forscher beim Gedanken an die letzten 120 Jahre abfällig grinsen, weil sie Forschung eigentlich erst ab dem 18. Jahrhundert rückwärts so richtig Ernst nehmen, aber ich finde das verfehlt. Wir haben alle Familien, bei denen diverse Leute im 19. Jahrhundert geboren und im 20. Jahrhundert gestorben sind - alleine bei mir im Stammbaum sind das ein paar Hundert Leute. Aber es kann halt gut sein, dass jemand, der 1860 geboren wurde, noch gelebt hat, als die unsäglichen Nazis an die Macht kamen. Es ist auch erstaunlich, welche Heiraten man noch findet, wenn man nur danach sucht, denn das Familiengedächtnis ist bei den meisten Familien halt relativ kurz. 

Ich bin deshalb gerne in den Personenstandsregistern des 20. Jahrhunderts unterwegs. Klar, wir freuen uns alle, wenn wir "neue" Vorfahren im 17. Jahrhundert und davor entdecken, aber das sollte nicht dazu führen, dass wir die anderen, die später gelebt haben, weniger wichtig nehmen. Im Klartext: Ich habe lieber einen kleinen, aber gut recherchierten und mit Quellen unterlegten Stammbaum als einen riesigen mit 60.000 Lücken. 

Ich hab' halt gerne meinen Stammbaum schön.. 

Montag, 4. Mai 2020

Kleinigkeiten: Wie ich auf- und abschreibe

Es gibt eine Sache, die ich mir schon bei Anbeginn meiner Forschung angewöhnt habe. Es mag zwar nur eine Kleinigkeit sein, aber diese Kleinigkeit erleichtert mir mein Forscherdasein ungemein:

Wenn ich mir ein Datum aufschreibe, dann immer - immer - mit zweistelligen Tagen und Monaten. 

Wenn ich den vierten Mai meine, dann schreibe ich den 04.05., nicht den 4.5. oder den 04.5. oder der den 4.05. oder den 4. Mai. Und immer den Tag zuerst. 

(Falls sich jemand jetzt fragt, was ich mit der Jahreszahl mache: Im Grunde dasselbe. Immer mit dem vollen Jahrhundert. Wenn ich aber zum Beispiel ganze Jahrgänge für Werthers Gedächtnis abpinne, dann schreibe ich den Jahrgang als Überschrift oben drüber und damit hat es sich dann auch. Ich will mir ja keine Sehnenscheidenentzündung holen.) 

Wie erleichtert diese Zahlenschreiberei also nun mein Forscherleben? 

Ganz einfach: Mein Auge ist inzwischen so dermaßen auf diese Art Datum geschult, dass ich sofort sehe, wenn ich einen Fehler gemacht habe. Die meisten Daten übertrage ich ja in irgendeine digitale Form, sei es durch einen Eintrag in meinen Stammbaum oder in Werthers Gedächtnis. 

Beim Übertragen von Daten können nun mal Fehler passieren, davor sind wir alle nicht gefeit. Nehmen wir also mal an, ich sehe, dass ich tatsächlich irgendwo den 4.05. aufgeschrieben habe. Da habe ich dann aus Versehen etwas weggelassen. Ich könnte den 04. den 14. oder vielleicht sogar den 24.05. gemeint haben. Manchmal ergibt sich das tatsächliche Datum aus anderen Daten (wenn zum Beispiel ein Kind am 07.05. getauft ist, dann kann es schlecht erst am 14.05. geboren sein, oder?), aber im schlimmsten Fall muss ich mir die Urkunde, aus der das Datum kommt, nochmal ziehen. Nervig, ich weiß, aber das ist es wert. Und besser, ich bemerke einen Fehler, bevor ich falsche Daten weitergebe...! 

Man gewöhnt sich übrigens ziemlich schnell daran, und inzwischen mache ich es bei allen anderen Daten, die ich mir aufschreibe, auch nicht anders. Alles reine Routine. 





Samstag, 21. Oktober 2017

Familienforschung und Patchworkfamilien

Wenn wir mal etwas genauer darüber nachdenken, dann sind Patchworkfamilien keine Erfindung der letzten paar Jahre - es ist nur so, dass wir erst seit ein paar Jahrzehnten einen Namen dafür gefunden haben. 

Gehen wir doch einfach mal in Gedanken 200 Jahre zurück. Eine "normale" Familie. Vater, Mutter, Kinder. Nehmen wir an, die Mutter stirbt bei der Geburt ihres fünften Kindes im Kindbett. Was macht der Vater? Logisch, er kann allein seine Kinderschar nicht oder nur mit großen Schwierigkeiten (vor allem logistischer Natur) versorgen, also sucht er sich nach angemessener Zeit eine neue Ehefrau. Wenn diese Ehefrau dann ihrerseits auch noch Kinder mit in die Ehe bringt, dann haben wir im Grunde genau das, was wir heute als "Patchworkfamilie" bezeichnen. Der einzige Unterschied ist, dass wir heute nicht mehr sofort heiraten (müssen), weil sich das Gesellschaftsbild insoweit verändert hat, als man nicht mehr schief angesehen wird, wenn man nicht sofort den Weg zum Standesamt antritt.

Oder eine andere Konstellation: Ein Ehepaar nimmt, sei es aus ideellen oder finanziellen Gründen, ein Pflegekind bei sich auf, und zwar nicht nur kurzfristig, sondern über Jahre. Patchwork.

Wie behandelt man also solche Patchworkfamilien in der Familienforschung? 

Für mich ist das einer der Fälle, in denen es kein Richtig oder Falsch gibt, aber wenn man sich wirklich für die Lebensumstände seiner Vorfahren interessiert und nicht nur für die bloßen Geburts- und Sterbedaten, dann sollte man sich auch mit denjenigen auseinandersetzen, die im selben Haushalt gewohnt haben, mit denen der Vorfahr aber selbst nicht blutsverwandt war. Gut, diese Auffassung kann bei mir auch damit zusammenhängen, dass ich mit einem anderen Familienbegriff sozialiert worden bin als die meisten meiner Vorfahren, aber hauptsächlich geht es mir doch darum, ein möglichst vollständiges Bild vom Leben derjenigen Personen zu bekommen, die ich gerade erforsche. Nehmen wir an, im ersten Beispiel oben wäre meine direkte Vorfahrin eben jenes fünfte Kind, bei dessen Geburt die Mutter stirbt. Die Familie, in der sie aufwachsen wird, besteht aus ihrem Vater, der Stiefmutter und den Stiefgeschwistern. Wenn mit diesen Stiefgeschwistern etwas passiert, sei es Tod durch Unfall oder Krankheit, oder meinetwegen auch die Auswanderung über den großen Teich mit der Wahrscheinlichkeit, den anderen nie wieder zu sehen, würde meine Vorfahrin dann einfach bloß mit den Schultern zucken und sagen, "Ach, betrifft ja nicht mich, ist ja nur meine Stiefschwester..."? Ich glaube nicht.

Und das ist für mich das schlagende Argument, zumindest ansatzweise auch nach denjenigen zu suchen, die mit meinen Vorfahren unter einem Dach lebten.

Eine Patchworkdecke lebt davon, dass ihr Anblick nur durch die einzelnen Stücke vollständig wirkt. Insofern ist der Ausdruck "Patchwork" eigentlich ganz treffend - bei Familien ist es genauso.

Dienstag, 26. Januar 2016

Zeitunglesen bildet - und lässt den Stammbaum wachsen...

Woran merkt man, dass man aus einer Kleinstadt kommt? Man liest in der Zeitung als erstes die Todesanzeigen, um zu gucken, ob jemand dabei ist, den man kannte (obwohl man ja oft schon vorher per Gerüchteküche gehört hatte, wenn jemand gestorben war). Das ist so eine Angewohnheit, die ich auch bei mir feststellen muss und die ich auch wohl nicht mehr loswerde...

Ich kann mich noch gut erinnern, als ich als kleines Mädchen in Werther in unserer Küche saß und am Küchentisch die Todesanzeigen durchguckte. Ich war jedes Mal wieder fasziniert, wenn jemand noch im 19. Jahrhundert geboren war, denn das kam mir so unheimlich weit weg vor...

Auch heute noch lese die Todesanzeigen zuerst. Nicht aus Sensationsgier, bestimmt nicht. Aber aus alter Gewohnheit. Und ab und an stolpere ich auch mal über einen Namen, bei dem ich mir denke: "Halt, stop, den habe ich im Stammbaum!" So auch heute wieder. Die klassischen Wertheraner Namen fallen mir eben immer noch besonders ins Auge.

Wenn man Glück hat, dann kann man dem Stammbaum auch gleich noch ein paar Personen hinzufügen: "Ach, die Tochter hat inzwischen geheiratet? Oh, und schon vier Kinder?" Wobei man bei den Patchwork-Familien natürlich aufpassen muss, dass man die Kinder auch richtig zuordnet.

Zeitungen helfen aber nicht nur bei den aktuellen Sterbefällen. Sie können auch nützlich sein, wenn man Sterbefälle sucht, die schon ein paar Jährchen her sind, vor allem, wenn die 30-Jahres-Frist noch nicht um ist und man deshalb im Personenstandsarchiv (noch) nicht fündig wird. Ähnliches gilt, wenn man weiß, dass der denjenige "irgendwo hier in der Ecke" gestorben ist, man aber nicht genau weiß, wo. Die Zeiten, in denen man üblicherweise zu Hause starb, sind vorbei. Wer im Krankenhaus oder im Hospiz seinen letzten Atemzug holt, der wird eben am Standesamt des Sterbeortes registriert und nicht dort, wo er vielleicht sogar den Großteil seines Lebens verbracht hat. Die Wahrscheinlichkeit, eine Todesanzeige zu finden, ist ungleich höher.

Wenn ich heute einen mit mir verwandten Namen in einer Anzeige lese, dann hebe ich mir tatsächlich die Anzeige auf, auch wenn ich die Person noch nicht genau zuordnen kann. Man weiß ja nie, wann sich die Teile des Puzzles zusammenfügen.

Für diejenigen, die in den letzten paar Jahren gestorben sind (oder auch gestorben sein könnten), nutze ich durchaus das Netz. Bei nw-trauer.de kann man zum Beispiel die Todesanzeigen aus Ostwestfalen kostenlos abrufen, die in den letzten fünf Jahren in der NW erschienen sind. Das sind natürlich längst nicht alle Sterbefälle, aber immerhin ein Anfang.

Was die Jahre davor angeht, so habe ich schon einige Stunden in Archiven zugebracht und einfach mal auf gut Glück die Lokalausgaben der Zeitungen durchgeguckt. Das waren eigentlich immer ziemlich ertragreiche Stunden: Neben Todesanzeigen bietet die Lokalberichterstattung ja noch soviel mehr! Vor allem natürlich Artikel über Goldene und Diamantene Hochzeiten und hohe runde Geburtstage... dann muss man zwar meist mit dem Satz leben, dass das "Jubelpaar" oder die "Jubilarin" (Ostwestfalen "jubeln" ja eigentlich eher selten bis gar nicht, oder?) natürlich immer noch jeden Tag die gerade berichtende Lokalzeitung liest, aber auch darüber hinaus findet sich so manche interessante Information, die den Lebenslauf der Person dann wieder ein bisschen verdichtet. Ich finde es immer wieder herrlich, wenn ich ein wenig Exzentrizität entdecke...

Inzwischen haben sich meine Zeitungslesegewohnheiten aber trotzdem ein bisschen verändert. Den überörtlichen Teil lese ich im Grunde gar nicht mehr, denn da gibt es ja andere und schnellere Informationsquellen. Den örtlichen Teil lese ich aber immer noch... von hinten nach vorne.

Manche Dinge ändern sich eben doch nicht.




Dienstag, 7. April 2015

10 Tipps, wie Sie Ihren Stammbaum ruinieren können

  1. Schreiben Sie sich nie - niemals - nicht die Quellen auf, aus denen die Information kommt, die Sie in den Stammbaum einarbeiten.
  2. Nehmen Sie alles für bare Münze, was sie von Verwandten hören ("Ich glaube, der hatte einen Zwillingsbruder...").
  3. Bleiben Sie bei der Ihnen bekannten Schreibweise des Familiennamens ("Nein, die Schwenkers können nicht mit uns verwandt sein, denen fehlt ja das "t"!").
  4. Nehmen Sie an, dass Ihre Vorfahren immer am selben Ort gewohnt haben, und zwar ohne Rücksicht auf die wirtschaftlichen Verhältnisse und Entwicklungen der jeweiligen Zeit.
  5. Sehen Sie gelassen davon ab zu bemerken, dass sich die Zugehörigkeit eines Ortes zu bestimmten Verwaltungseinheiten (Vogteien, Ämtern, Landkreisen oder auch ganzen Staaten) im Laufe der Jahrhunderte auch durchaus mal ändern kann.
  6. Gehen Sie davon aus, dass zwei Familien mit demselben Namen im selben Ort auch immer ganz eng verwandt sein müssen.
  7. Meiden Sie Archive wie die Pest, unter allen Umständen.
  8. Unterstellen Sie, dass Kirchenbücher immer mit der gebotenen Sorgfalt geführt wurden, vor allem, was Vornamen und Altersangaben bei Sterbefällen angeht.
  9. Glauben Sie alles, was Sie in den Stammbäumen anderer Leute finden, vor allem, wenn diese ihre Informationen "aus dem Netz" haben.
  10. Wenn Zahlen, Daten und Fakten einfach nicht zusammenpassen wollen: Finden Sie einen Weg! Was nicht passt, wird passend gemacht! 

Sonntag, 22. Juni 2014

Personenstandsbücher: Wenn die Nachbarn zum Standesamt gingen

Personenstandsbücher sind interessant, keine Frage. Sie können uns aber über die bloßen Geburtstags-, Heirats- und Sterbedaten hinaus noch einige Informationen liefern, die uns helfen, ein vollständigeres Bild vom Leben (und auch Sterben) unserer Vorfahren zu bekommen. 

Ich stolpere beim Durchgucken immer mal wieder auch über denjenigen, der den Personenstandsfall anzeigte. Wenn es kein Verwandter war, dann bestand eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass ein Nachbar der trauernden Familie die Mühe abnahm, zum Standesamt zu gehen und dafür zu sorgen, dass die Bürokratie (die es auch in den "guten alten Zeiten" schon gab und von der wir als Forscher heute noch profitieren) angemessen mit den notwendigen Informationen versorgt wurde. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, oder?

Wir lernen dabei aber nicht nur etwas über das soziale Umfeld unserer Familie. Manchmal haben wir auch Glück und finden Fälle, in denen unsere eigenen Verwandten die Anzeigenden waren. Es lohnt sich also, sich ausführlicher mit den Personenstandsbüchern zu befassen. Ich bin schon auf ein paar Urkunden gestoßen, in denen jeweils einer meiner Urgroßväter derjenige war, der den Weg zum Standesamt gemacht hat. Damit kann ich sagen, was er an einem bestimmten Tag getan hat. 

Das mag zwar nur eine Kleinigkeit sein, aber immerhin eine, die mir hilft, das Umfeld, in dem sich meine Familie bewegte, besser zu bestimmen.

Donnerstag, 1. Mai 2014

Der kleine Unterschied - Sütterlin und Kurrentschrift

Wissen Sie, was mich wahnsinnig macht? Die Tatsache, dass mir viele Leute erklären, dass sie ja gerne nach ihrer eigenen Familie forschen würden, wenn sie denn nur Sütterlin lesen könnten.

Dumm nur, dass man mit Sütterlin auch nicht viel weiter kommt, weil sie im Grunde nur eine Generation lang geschrieben wurde: Ab 1915 wurde sie in Preußen eingeführt, und 1941 schon wieder verboten. Danach kam die "Deutsche Normalschrift".

Die Schrift, die man am allermeisten braucht, ist deshalb die Kurrentschrift, die Vorläuferin der Sütterlinschrift. Die beiden sind sich zwar ähnlich, trotzdem gibt es einige Unterschiede: Sütterlin wird gerade geschrieben, Kurrent eher schräg. Ich persönlich finde Kurrent auch einfacher, weil es nicht ganz so verspielt und verschnörkelt ist. Bei Sütterlin habe ich immer eher das Gefühl, dass man es malen muss, anstatt es tatsächlich zu schreiben.

Die gute Nachricht ist, dass man es im Zweifel aber gar nicht schreiben können muss, sondern "nur" lesen. Glauben Sie mir, das ist eine unheimlich große Erleichterung.


Abgesehen davon, dass ich auch keine Ahnung von den alten Schriften hatte, als ich mit meiner Forschung angefangen habe: Die Reise ist das Ziel. Man muss sich eben die Zeit nehmen, sich hineinzulesen, auch wenn es vielleicht eine Weile, vielleicht auch ein paar Jahre, dauert. Wenn ich meine Aufzeichnungen aus den Anfängen meiner Forschungen durchgucke, dann habe ich damals teilweise auch ziemlich große Lücken gehabt, weil ich manche Sachen einfach nicht lesen konnte. Was einem dabei entgeht, merkt man eben erst hinterher.

Kann ich deshalb alles lesen? Nein! Definitiv nicht. Genauso, wie ich heute bei manchen Handschriften echte Probleme habe. Es gibt immer Leute, die so mikroskopisch klein schreiben, dass einem auch eine Lupe nicht mehr weiter hilft. Wenn manche Worte unter Tintenflecken begraben sind, kann ich auch nichts machen (heute hat man das Problem eher mit Kaffee). Und wer eine Sauklaue hat, der hat eben eine Sauklaue, egal in welcher Schrift er sie auslebt...



Sonntag, 27. April 2014

Eins nach dem anderen... oder doch lieber alle zusammen?

Auf die Ostwestfalen ist Verlass, jedenfalls dann, wenn es um die Taufen ihrer Kinder ging. Die Taufe fand immer ziemlich schnell nach der Geburt statt, sei es als Nottaufe, sei es in der regulären Weise oft schon am nächsten Sonntag oder spätestens ein paar Wochen später, wenn die Paten weiter weg wohnten als im nächsten Dorf, was eher bei den Kaufmannsfamilien der Fall war als bei den gemeinen Heuerlingen.

Das habe ich auch schon anders gesehen: Man muss nur einen Blick auf die Kirchenbücher aus dem Ruhrpott werfen, und auch in manchen Gegenden in Sachsen-Anhalt ist mir schon die Variante über den Weg gelaufen, dass die Familien erst einmal ein paar Kinder "ansammelten" und sie dann an einem einzigen Tag haben taufen lassen. Da konnte ein Kind auch schon mal sechs Jahre alt sein, bevor es in einem Kirchenbuch auftauchte, dann aber zusammen mit seinen nach ihm zur Welt gekommenen Geschwistern. Manchmal mit einem, manchmal auch mit drei oder vier.

Für den Famlienforscher heißt das, dass man dann erst einmal ein paar Jahrgänge von Taufen durchsuchen darf, bis man denn den Eintrag findet, den man ursprünglich gesucht hat, dann aber manchmal sogar die ganze Kinderschar quasi auf einem Silbertablett serviert bekommt.

Ich nehme mal stark an, dass es nicht zwingend eine Frage des Glaubens war, ob man seine Kinder eins nach dem anderen oder zusammen hat taufen lassen. Vielmehr war es, wie so oft, meist wahrscheinlich eine Frage des Geldes (auch die pastoralen Handlungen gab es eben nicht umsonst), und wenn es in der Gegend sowieso üblich war, gleich mehrere Kinder in einem Rutsch taufen zu lassen, dann fiel man auch nicht negativ auf. Und das war auf dem Dorf damals wahrscheinlich genauso wichtig wie heute...