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Montag, 23. Dezember 2024

Vorsicht vor dem Fahnenmast - oder: Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte

 

Es gibt einen Grund, weshalb bei uns heute noch einmal Waschmaschine und Trockner gequält wurden: Zwischen Weihnachten und Neujahr werden beide nämlich still und unangetastet bleiben. 

Bei meiner Mutter auch. 

Meine Oma mütterlicherseits hat es auch so gehalten. 

Und meine Urgroßmutter mütter-mütterlicherseits auch. 

Das wären mindestens schon mal vier Generationen. 

Aber warum ist das so? 

Bis vor nicht allzu langer Zeit war mir das gar nicht klar. Ich bin einfach davon ausgegangen, dass es zwischen den Jahren halt auch einmal eine Zeit geben muss, in denen selbst die pflichtbewussteren Hausfrauen, von denen ich rätselhafterweise, aber ganz sicher abstamme, sich mal ein paar Tage ohne die verflixte Wäsche gegönnt und nur das Nötigste gemacht haben, um dann im nächsten Jahr und mit neuer Energie wieder loszulegen. 

Aber nein - die Geschichte hat noch einen ganz anderen Hintergrund. Wenn man zwischen Weihnachten und Neujahr wäscht, dann bringt das Unglück! 

Den Beweis dafür trat zum Beispiel eine Cousine meiner Großmutter an, von der ich nicht genau weiß, ob sie noch lebt, deshalb lasse ich ihren Namen hier mal vorsichtshalber unerwähnt. Sie wurde in den 1940ern vor der Haller Volksschule an der Bismarckstraße von einem Teil getroffen, das sich von einem Fahnenmasten gelöst und sie Sekundenbruchteile später ziemlich schmerzhaft getroffen hat... die erste Reaktion ihrer Mutter war laut Familienlegende: "Daran bin ich Schuld, ich habe gewaschen!"

Auch, wenn ich in den nächsten Tagen wohl kaum Gelegenheiten haben werde, unter einem Fahnenmasten zu stehen - das Risiko gehe ich nicht ein! Zumal es ja nicht zwingend ein Fahnenmast sein muss und es anscheinend auch andere einem nahestehende Menschen treffen kann.

Die offizielle Erklärung wird natürlich sein, dass ich zwischen den Feiertagen einfach nicht dazu komme. Nicht, dass da jemand abergläubisch wäre... in mindestens vierter Generation. 

ALLEN FRÖHLICHE und unfallfreie WEIHNACHTEN!


 

Donnerstag, 11. Mai 2023

Vielleicht war er ja noch nicht richtig tot...?

Der Großvater mütterlicherseits des Familienforschungsmuffels war Friedrich Wilhelm Schwartz aus Kohlscheid bei Aachen. Wilhelm war sein Rufname, er war Bergmann, und mit Franziska geb. Derix verheiratet. 

Das Kohlscheider Wappen: Drei Schlägel als Symbole des Bergbaus.

Laut dem einzigen Onkel meines Mannes auf mütterlicher Seite sollte Wilhelm im November 1916 in Kohlscheid geboren worden sein. Und in Kohlscheid soll er auch gestorben sein. Nach der onkelschen  Erzählung soll er aus dem Krankenhaus gekommen und mit den Worten "Ich gehe jetzt sterben" die Treppe hochgegangen sein. Und das soll er dann auch getan haben. 

Das muss irgendwann zwischen 1990 und 1993 gewesen sein. Der Familienforschungsmuffel wohnte da schon lange mit seinen Eltern hier in Ostwestfalen, so dass er das alles im Grunde nur noch aus zweiter Hand mitbekommen hat, zumal es im Informationsfluss zwischen Kohlscheid und OWL wohl gehakt hat. Wie das Leben halt manchmal so spielt. 

Die Mutter des Familienforschungsmuffels habe ich schon gar nicht mehr kennen gelernt; sie war gestorben, lange bevor wir zusammengekommen sind.  Sie konnte ich also nicht mehr fragen. Wenn ich von meiner Schwiegermutter spreche, dann meine ich eigentlich meine Stief-Schwiegermutter, aber das ist im täglichen Umgang einer der Fälle, in denen ich es nicht so genau nehme. Schließlich ist sie die einzige Schwiegermutter, die ich je gehabt habe (und hoffentlich haben werde). Mein Schwiegervater hatte die einzelnen Daten auch nicht mehr konkret im Kopf. 

Die einzige Quelle, die mir somit geblieben ist, ist also der Onkel in Kohlscheid. Seit ein paar Monaten telefonieren wir ab und an. Das blöde ist nur, dass ich ihn nicht mal einfach so zum Unterlagen-Sichten in den Keller schicken kann, weil er inzwischen fast komplett blind ist. Also musste ich mich erstmal auf sein Gedächtnis verlassen und alles, was er mit erzählt, als Arbeitshypothese betrachten. . 

Ich habe also erstmal das Standesamt in Herzogenrath angemailt, weil Kohlscheid inzwischen nach Herzogenrath eingemeindet wurde und ich ja angenommen hatte, dass Wilhelm in Kohlscheid geboren worden war. 

Das Standesamt Herzogenrath hat ihn nicht gefunden. Keine Spur von ihm. 

Also weiter über das Stadtarchiv Herzogenrath. Vielleicht konnte man ja da Wilhelms Sterbeeintrag finden? 

Nein, konnte man nicht. Dafür führte ich mit der netten Mitarbeiterin dort ein ziemlich denkwürdiges Telefonat, in dem dann auch die Frage fiel, 

´"Vielleicht war er ja noch nicht richtig tot...?!" 

Der Hintergedanke war, dass Wilhelm vielleicht doch noch ins Krankenhaus gekommen ist und er erst dort von einem Arzt für tot erklärt wurde. 

Also habe ich als nächstes das Standesamt in Würselen angemailt. Von meiner Schwiegermutter wusste ich, dass mein Schwiegervater und die Mutter des Familienforschungsmuffels 1969 in Würselen geheiratet hatten, und ich hatte gehofft, dass sich in der dortigen Sammelakte vielleicht ein paar Hinweise auf die Brauteltern finden ließen. 

Das war dann zwar nicht der Fall, aber es gab einen Sterbeeintrag von Großvater Wilhelm, der aber nicht im Standesamt, sondern in der Verwaltungsregistratur liegt. Man war so nett und hat meine Mail entsprechend weitergeleitet, und heute habe ich die Mail aus Würselen bekommen: Ja, Opa Wilhelm ist in Würselen gestorben, konkreter: am 2. Mai 1992 in Bardenberg, das inzwischen - wie sollte es auch anders sein - nach Würselen eingemeindet wurde . Er starb nicht zu Hause, sondern im Krankenhaus. Also war er wohl tatsächlich noch nicht "richtig tot". Außerdem stand in der Mail, dass er und Franziska im Mai 1949 in Eschweiler geheiratet haben. Wenn ich einen Scan des Sterbeeintrags haben wolle, dann müsse ich 24,70 EUR berappen. 

Mmmmh, 

Weil ich sowieso schon auf heißen Kohlen gesessen habe, habe ich stattdessen zum Telefon gegriffen. Der nette Herr in der Registratur hatte das Sterberegister auch noch in Griffweite liegen und hat mir auch noch meine restlichen Fragen beantwortet: Ja, Wilhelm war auch tatsächlich im November 1916 geboren, nur eben halt nicht in Kohlscheid, sondern in - Aachen

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. 

Donnerstag, 12. August 2021

Die oftmals unterschätzte Kunst der Ad-hoc-Hochzeit: Auch eine Familientradition!

Ich weiß noch genau, was ich heute vor fünf Jahren gemacht habe: "Ja" gesagt, im Haller Standesamt, mit ganz wenigen Leuten dabei und einem großen Hund. Ich weiß auch noch genau, wo ich gestern vor fünf Jahren war: Auch im Standesamt. Zur Vorbesprechung. Wir waren da etwas kurzentschlossen. Und als die Standesbeamtin sagte, dass sie nur noch am nächsten Tag da wäre und danach erstmal für diverse Wochen im Urlaub, da war es klar: "Ach, morgen passt. Elf Uhr ist in Ordnung!" 

Wir sind heute noch froh, dass wir es so gemacht haben, wie wir es gemacht haben. Kein Ins-Kleid-Hungern, keine Platzkärtchen, und keine Bedenken, ob unser Musikgeschmack denn auch mit dem unserer Verwandtschaft übereinstimmt. Über meinen Ehering habe ich hier ja schon einmal was erzählt. Und der befindet sich bis heute nicht ohne Grund an meinem Finger. 

Wenn ich aber so in meiner Familie über die Generationen zurückgucke, dann bin ich nicht die einzige, die Knall auf Fall geheiratet hat. Eine gewisse Tradition gibt es da in meiner Mütterlinie, wenn auch mit anderen Vorzeichen als bei mir. Die einzige, die eine "klassische" Hochzeit im weißen Kleid hatte, war wohl meine Mutter. In den Generationen vor ihr war es anders... 

Meine Großmutter: Martha Sickendiek geb. Hauffe

Ich hatte hier schon einmal etwas über Marthas Hochzeit mit Wilhelm geschrieben. Man schrieb das Jahr 1940, und Wilhelm war Soldat auf Heimaturlaub. Es musste also schnell gehen mit der Organisation. 

Wenn ich sie gewesen wäre, dann hätte ich wohl genau dasselbe gemacht: Nägel mit Köpfen. Wenn die äußeren Umstände schlimm sind, dann weiß man, was - und vor allem: wen - man festhalten will. Da akzeptiert man zur Not auch, dass der Mensch neben einem Uniform und Stiefel trägt. 

Bei den beiden hat es geklappt: Ehedauer 45 Jahre. 


Meine Urgroßmutter: Lina Hauffe geb. Ortmeyer 

Wieder ein Krieg, der bei der Hochzeit eine Rolle spielt, aber dieses mal der 1. Weltkrieg. Aber immerhin hat dieser Krieg erst ermöglicht, dass Lina ihren Willy kennengelernt hat. Ich glaube nämlich nicht, dass es ihn ansonsten aus Burg bei Magdeburg ausgerechnet nach Halle (Westf.) verschlagen hätte. 


Ich kann aber immer noch nicht genau sagen, wie und wann Willy nach Halle gekommen ist. Gesichert ist, dass er im zivilen Leben Kutscher war; diese Angabe findet man sowohl in seinem standesamtlichen Heiratseintrag als auch im kirchlichen. Was ich aber sagen kann ist, dass Willy im Januar oder Februar 1918 in Halle gewesen sein muss, denn Lina wurde am 25.10.1918 Mutter ihrer gemeinsamen Tochter, eben meiner Oma Martha. 

Die Heirat selbst gestaltete sich wohl etwas komplizierter, denn Willy war nach der Zeugung meiner zukünftigen Großmutter eben nicht in Halle geblieben. Die Familienlegende sagt, dass Lina sich deshalb nach Berlin aufmachte, um Willy zu finden. Der wirklich delikate Teil der Familienlegende sagt, dass die ganze Truppe antreten musste, damit Lina den "Missetäter" identifizieren konnte, weil sie seinen Nachnamen nicht kannte (und "Willy" bzw. Wilhelm waren zur Kaisers Zeiten ja wirklich sehr verbreitete Namen). Was an diesem Teil der Geschichte dran ist, kann ich beim besten Willen heute nicht mehr sagen. Ich kann mir die Szene aber lebhaft vorstellen... 

Fakt ist jedenfalls, dass Willy "rechtzeitig" wieder in Halle war: Am 4. September wurde geheiratet, sowohl standesamtlich als auch kirchlich. Im Traueintrag beim Standesamt hat Willy auch angegeben, "zur Zeit" in der Langen Str. 16 zu wohnen, also bei Lina und ihren Eltern. Das Hochzeitsfoto habe ich leider nicht, aber darauf hätte der Babybauch eigentlich ganz gut zu sehen sein müssen - so im 8. Monat... 

Willy war damals 22, Lina 23 Jahre alt. Ehedauer: 51 Jahre. 

Meine Ur-Ur-Großmutter: Minna Ortmeyer geb. Torweihe

Minna war aus meiner Sicht eigentlich diejenige, die in Sachen "Timing" den Vogel abgeschossen hat: 

Am 22.11.1892 wurde sie 24 Jahre alt. 

Am 25.11.1892 hat sie meinen zukünftigen Ur-Ur-Großvater Wilhelm Ortmeyer geheiratet. 

Am 27.11.1892 hat sie meine zukünftige Urgroßtante Martha zur Welt gebracht. 

Ein straffes Programm für eine Woche, oder? Zwischen Kirche und Kindbett kann sie nicht allzuviel Zeit gehabt haben. Und auch hier hätte ich liebend gerne mal ein Hochzeitsfoto gesehen. 

Wilhelm war zu diesem Zeitpunkt übrigens 25 Jahre alt. Ehedauer: 37 Jahre. 

Und was sagt mir das? 

Nun ja, zum einen, dass ich statistisch gesehen eine lange Ehedauer zu erwarten hätte. Wenn ich die Ehen meiner vier direkten Vorfahrinnen als Durchschnitt nehme, komme ich immerhin auf 45,75 Jahre. Allerdings waren meine Vorfahrinnen zum Zeitpunkt ihrer Eheschließung im Schnitt auch erst 22 Jahre alt. Ich war 42 ;-) Mit den 45,75 Jahren könnte es also allein schon deshalb knapp werden. Andererseits: Ich hatte das Glück, mit meinem Mann schon vor dem Gang zum Standesamt 20 Jahre ohne Trauschein verbringen zu können, ohne dass uns jemand schief angeguckt hätte. Damit relativiert sich wieder so einiges. 

Was aber auch auffällt ist die Tatsache, dass hier fünf Frauen in einer Linie stehen, deren Hochzeiten unter komplett unterschiedlichen äußeren Umständen stattfanden. Klar, bei zweien spielten Kriege eine Rolle, bei zweien voreheliche  Schwangerschaften. Trotzdem sind die Geschichten andere. Mal kannte man sich nur kurz, mal über 20 Jahre. Und wahrscheinlich könnte keine von uns fünfen behaupten, dass unsere Umwelt, seien es die Menschen, seien es die allgemeinen Lebensumstände, nicht irgendeine Auswirkung auf unser "Wann und Wie" gehabt hätten. 

Da schließt sich der Kreis wieder. Ein Kreis, in dem ich mich gut aufgehoben fühle. 



Donnerstag, 8. Juli 2021

Neues von der "Ersten Martha" und ihrem "Hypnotiseur"

Langsam bekomme ich eine Ahnung, wer denn der geheimnisvolle "Hypnotiseur" sein könnte, mit dem Martha Ortmeier durchgebrannt sein könnte... und meine Zweifel an seiner "Berufsbezeichnung" haben sich als berechtigt herausgestellt. 

Hier ist Marthas Heiratseintrag: 

Am 25.08.1921 wurde aus Martha Ortmeier eine Martha Mandt

Nach der Auskunft vom Stadtarchiv Halle (Westf.), dass Martha in Eitorf gestorben ist, habe das Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland, angemailt, ob man mir eine Kopie von Marthas Sterbeeintrag ziehen kann. Ja, man kann, sie sollte irgendwann nächste Woche kommen. Ich hatte in meiner Mail darum gebeten, mir auch eine Kopie eines eventuell vorhandenen Traueintrages zu ziehen, wenn sich denn aus einem Randvermerk Ort und Datum ergeben sollten. Auf diese Bitte bekam ich die Auskunft, dass ich mich doch bitte ans Stadtarchiv Bochum wenden möge, da Martha 1921 in Linden-Dahlhausen geheiratet hätte. 

Erster Gedanke: "Noch ein Archiv... so lange will ich nicht warten..."

Zweiter Gedanke: "Dahlhausen - ha, jetzt weiß ich auch, welches Dahlhausen in der Familienlegende gemeint war: Das in Bochum!" (Genau seit diesem Moment geht mir ein gewisses Lied von einem Herrn Grönemeyer nicht mehr aus dem Kopf.) 

Dritter Gedanke: "Bochum ist Westfalen - gibt's das bei Archion?" 

Ja, gibt es. Auch die Trauungen von 1921. Und da habe ich den obigen Eintrag auch direkt gefunden. Hat ungefähr 30 Sekunden gedauert. 

Der "Hypnotiseur" war ein Händler namens Karl Wilhelm Heinrich Mandt. Er kam gebürtig aus Eichlinghofen im Kreis Hörde, also Kirchenkreis Dortmund-Süd. Auch die Kirchenbücher von Eichlinghofen sind bei Archion (teilweise) online. In seinem Taufeintrag wird "Carl" noch mit C geschrieben, und sein Vater war wie ungefähr 90 Prozent der Eichlinghofener Väter zu der Zeit Bergmann. Dem wollte oder konnte er anscheinend nicht nacheifern. Ich habe mir mal den Spass gemacht, ein bisschen in den Eichlinghofener Kirchenbüchern zu blättern - gefühlt ist da auch halb Ostwestfalen vertreten. Ich habe Leute aus Halle, Wallenbrück, Herford etc.  etc. gefunden. 

Martha war nicht die erste Frau Mandt; wenn ich das richtig sehe, dann war sie die dritte. Sie war 28, als die beiden geheiratet haben, er immerhin schon 49. Ich könnte mir also schon vorstellen, dass ihre Eltern nicht sonderlich begeistert gewesen sind - Wilhelm Ortmeyer, Marthas Vater, war keine fünf Jahre älter als sein Schwiegersohn. Aber vielleicht wollten ihre Eltern auch einfach nur nicht, dass sie so weit wegzieht? Zugegeben, dieses "Nicht-Begeistertsein" ist jetzt Spekulation meinerseits, aber wenn ich es mit dem "Abseilen und Durchbrennen" aus der Familienlegende verknüpfe, dann spricht doch einiges dafür. 

Die nächste Frage, die sich mir stellt, ist nun die, wie die beiden sich kennengelernt haben. Darüber habe ich noch nichts gefunden; auch der Traueintrag bringt keinen Aufschluss darüber. Wenn ich wieder auf die Familienlegende zurückgreife, dann dürfte sie jedenfalls noch bei ihren Eltern in der Steinhauser Arrode in Oldendorf gewohnt haben. War er vielleicht im 1. Weltkrieg in Halle stationiert - oder war er dafür dann doch schon zu alt? Dagegen spricht auch, dass die Trauung erst drei Jahre später stattfand. 

Also wie immer - eine Frage geklärt, dafür eine neue dazugekommen :-) 



Mittwoch, 11. April 2018

Lektion gelernt: Zwillinge (Teil 3)

Als ich damals anfing, die Linie von meinem nach Ostwestfalen "importierten" Urgroßvater Willy Hauffe zu erforschen, war das, was mir meine Mutter über diesen Teil der Familie sagen konnte, eher rudimentär. Kein Wunder, denn im Grunde kamen alle Informationen, die sie hatte, über ihre Mutter, so dass das bisschen, mit dem ich anfangen musste, aus mindestens zweiter Hand kam.


Darunter war auch die Information, dass Willy einen Zwillingsbruder gehabt haben sollte, und zwar Waldemar. Abgesehen davon, dass ich dabei auch damals schon entweder an weißbiertrinkende Sportmoderatoren dachte oder zumindest an kurzbeinige Jagdhunde, die ständig Rücken haben, fand ich den Namen allein schon eher stammbaum-untypisch, obwohl ich zugeben musste, dass ein Zwillingspärchen namens "Willy und Waldi" doch eigentlich nicht ganz unwahrscheinlich klang. Alliteration sei Dank. 

Weil ich die Reste seines alten Personalausweises in die Finger bekommen hatte, wusste ich, dass Willy am 27.05.1896 in Burg bei Magdeburg geboren war. Nach der Familienlogik hätte ich Waldemars Geburts- bzw. Taufeintrag dann ja auch in der unmittelbaren Nähe finden müssen...

... aber: Nein. Willy war definitiv ohne Zwillingsbruder zur Welt gekommen.

Aber wie konnte die Waldemar-Legende denn nun zustande kommen?

Ich saß also eines schönen Tages im Magdeburger Archiv und guckte die Taufen aus Burg durch, von hinten nach vorne, denn ich hatte auch noch gehört, dass Willy und Waldemar zwei ältere Schwestern namens Agnes und Else gehabt haben sollen. Das erwies sich übrigens als wahr, und es gab auch noch einige Geschwister mehr. Aber Waldemar fand ich in Burg trotzdem nicht. Auch nicht nach 1896.

Um es kurz zu machen: Ich habe Waldemar dann doch noch gefunden, und zwar zwei Tage später im Archiv in Brandenburg. Er war schon am 28.12.1880 geboren, und zwar in Klein Kreutz.

Zwischen Willy und Waldemar lagen also Pi mal Daumen fünfzehneinhalb Jahre!!!

Uff. Damit war die Zwillingstheorie gestorben, und ich kann mir auch nicht erklären, wie sie überhaupt zustande gekommen sein könnte. Vielleicht sahen sich die beiden ja wenigstens ähnlich?! 

Lektion gelernt: Wenn Dir jemand aus der Familie erzählt, dass sein Großvater ein Zwilling gewesen sein soll, dann glaube das erst, wenn Du die Geburtseinträge auch tätsächlich selbst gesehen hast. Ansonsten könntest Du glatt eineinhalb Jahrzehnte daneben liegen.

Von Waldemar weiß ich übrigens, dass er mindestens bis 1932 gelebt hat. Da steht er im Adressbuch von Burg; er war Arbeiter und wohnte im Breiten Weg 49, und zwar in der ersten Etage. Was danach mit ihm passiert ist, ob er geheiratet hat oder ob er Kinder hatte, das weiß ich bis heute nicht. Wenn also jemand einen Waldemar Hauffe im Stammbaum hat, auf den diese Informationen zutreffen... bitte einfach hier einen Kommentar hinterlassen!

Donnerstag, 10. Juli 2014

Wie lernten sich Willy und Lina eigentlich kennen? oder: Die Geschichte von Linas Reise nach Berlin

Man kann es ja heute kaum glauben, aber es gab auch Zeiten, als sich die Menschen noch nicht über das Internet kennenlernten. Ich gehöre immer noch zu denen, die in der Tageszeitung die Berichte über die Goldenen Hochzeiten lesen, schon alleine, weil ich es immer gerne höre, wie sich die beiden denn damals überhaupt kennengelernt haben. Es sind teilweise schon unglaubliche Geschichten dabei.

Was ich nicht genau weiß ist, wie sich Willy Hauffe und Lina (eigentlich Caroline Wilhelmine) Ortmeyer kennengelernt haben, meine Urgroßeltern in der mütterlichen Linie. Wenn man sich die Grundkonstellation anguckt, dann sprach eigentlich nichts dafür, dass diese beiden, die immerhin 51 Jahre lang verheiratet waren, sich überhaupt über den Weg laufen würden. Welcher Zufall wohl da seine Hand im Spiel hatte?

Willy wurde am 27. Mai 1896 in Burg bei Magdeburg geboren. Um mir seine Stammfamilie mal ein bisschen genauer anzugucken, bin ich vor knapp zwei Jahren ja auch auf einen kleinen Forschungstrip gen Osten gefahren und habe einiges gefunden. Lina war ein knappes Jahr älter als er; sie war schon am 14. Juni 1895 in Halle-Oldendorf zur Welt gekommen. Zwischen diesen beiden Orten liegen immerhin ungefähr 270 Kilometer, und irgendwelche anderen Verbindungen zwischen Sachsen-Anhalt und Ostwestfalen kann ich in meinem Stammbaum auch nicht finden.

Nun kommt wieder die Familienlegende ins Spiel.

Nach dieser Legende war Willy im I. Weltkrieg "hier" - gemeint war wahrscheinlich Halle und Umgebung -, und zwar aus kriegstechnischen Gründen. "Hier" traf er dann auf Lina, mit dem Resultat, dass Lina von ihm schwanger wurde. Liebe in Zeiten des Krieges. 

Und weil Krieg war, blieb Willy auch nicht "hier", sondern wurde nach Berlin versetzt, und zwar vermutlich ohne zu wissen, dass er bald Vater werden würde. Lina stieg, schwanger wie sie war, in den Zug und fuhr nach Berlin, um Willy zu suchen.

Ich stelle mir das gerade vor: Knapp 23 Jahre alt, unverheiratet, aber dafür schwanger, und mitten in der Urkatastrophe auf dem Weg vom kleinen Halle mit seinen knapp 7.000 Einwohnern in die Großstadt Berlin mit rund zwei Millionen Menschen. Hauptstadt eines Kaiserreichs, das bald nicht mehr existieren wird.

Wenn die Geschichte stimmt (und ich konnte sie noch nicht verifizieren), dann war Linas Reise erfolgreich:
Am 4. September 1918 wurde jedenfalls in Halle geheiratet. Ungefähr sieben Wochen später kam dann Martha zur Welt - meine Oma. Diese letzten beiden Daten sind natürlich wieder belegt. Weitere drei Wochen später war der Krieg vorbei, und Willy und Lina blieben ihr ganzes weiteres Leben in Halle, wo sie 1969 bzw. 1970 im Abstand von gerade mal einem halben Jahr auch beide starben.


Wenn ich mich nicht irre, dann wurde dieses Foto zu ihrer Silberhochzeit aufgenommen. Lina ist in der Mitte, Willy steht rechts neben ihr. Und ja - Willy war kleiner als sie...

Schade, dass ich wahrscheinlich nie erfahren werde, wie Lina und Willy sich tatsächlich kennengerlernt haben. Die Familienlegende klingt ja nun schon fast wie ein historischer Roman... Leider sind inzwischen auch alle ihre Kinder nicht mehr am Leben, so dass ich niemanden mehr fragen kann. Falls jemand noch Ideen hat, zum Beispiel, wie ich herausfinden könnte, was Willy ausgerechnet ins beschauliche Ostwestfalen verschlagen hat - ich bin für jede Anregung dankbar!

Freitag, 14. März 2014

Familienlegenden: Als Fräulein Ortmeyer sich abseilte

Jede Familie hat so ihre eigenen Legenden, bei denen keiner so genau weiß, was an der Geschichte denn nun stimmt und was nicht. Eines dieser Rätsel in meiner Familie betrifft Catharine Wilhelmine Martha Ortmeyer (geb. am 27.11.1892 in der Steinhauser Arrode in Halle), die ältere Schwester meiner Urgroßmutter Caroline Wilhelmine. 

Die Story, die ich zu hören bekam, geht nun so: 

Catharine Wilhelmine Martha lernte in relativ jungen Jahren einen Mann kennen, und zwar nicht irgendeinen, sondern einen echten Hypnotiseur aus einem Ort namens Da(h)lhausen. Und weil der Mann eben ein Hypnotiseur war, hat er sie auch gleich hypnotisiert - mit der Folge, dass sie eines Nachts ihre Bettwäsche zusammenknotete und sich aus dem Fenster des elterlichen Hauses abseilte und mit ihm durchbrannte. 

Soweit die Legende. 

Mein Problem ist nun, dass ich tatsächlich nicht nachvollziehen kann, was aus Catharine Wilhelmine Martha geworden ist. Ich habe keine Ahnung, wie dieser angebliche Hypnotiseur hieß, aus welchem Da(h)lhausen er gekommen sein soll und ob die beiden irgendwann mal geheiratet haben. 

Falls also jemand einen Hypnotiseur in der Familie hat und der Name Ortmeyer in Verbindung mit ebenjenem auftaucht: Ich bin für jeden Hinweis dankbar...!