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Samstag, 3. Mai 2025

Frühlingsgefühle und deren Auswirkungen

Jetzt, wo es wärmer wird, die Sonne öfter mal hinter den Wolken auftaucht und die Tage wieder länger werden, packt es mich. Es muss frische Luft ins Haus, und der Staub, den Herbst und Winter hinterlassen haben, muss raus. Sei es der gefühlte, sei es der tatsächlich vorhandene. 

Vor ein paar Tagen stand ich vor meinem doch etwas größeren Bücherregal in einer eher dunklen Ecke des Wohnzimmers. Ungefähr 1,50 Meter breit, knapp 1,80 Meter hoch. Wir haben im Wohnzimmer halt ziemlich niedrige Decken. Ich war auf der Suche nach einem ganz bestimmten Buch, von dem ich wusste, dass es irgendwo in diesem Regal stehen musste. Ich hatte es ja erst vor knapp einem Jahr gekauft und erstmal "zwischengeparkt". Und ja, ich lese tatsächlich noch Bücher in Papierform. Nicht immer, aber immerhin.

Wie sich dann herausstellte, hatte ich dieses Buch so dermaßen gut zwischengeparkt, dass ich vor dem völlig vollgestopften Regal stand wie der sprichwörtliche Ochs vorm Berge und dieses verflixte Buch nirgendwo zu sehen war. Nur die Überzeugung, dass mein Gedächtnis mich bei Büchern im Normalfall nicht trügt, hielt mich aufrecht. 

Abbildung ähnlich :-). Quelle: prettysleepy bei pixabay.com.
  

Das war dann der Punkt, an dem es mir reichte. Aber so richtig. 

Ein "Schnauze-voll"-Moment.

Ich bin ziemlich rabiat an die ganze Sache rangegangen. Eine große Hilfe war dabei die Erkenntnis, dass viele der Veröffentlichungen des Historischen Vereins der Grafschaft Ravensberg, die sich überall auf den verschiedensten Regalbrettern tummelten, inzwischen online verfügbar sind, und zwar auf der Seite des Stadtarchivs Bielefeld. Alles bis einschließlich 2020(!) kann ich mir also bequem auf den Bildschirm ziehen, ohne dass das ich eine Papierversion entstauben müsste. Das gilt sowohl für die Jahresberichte als auch für die Ravensberger Blätter. Die nehmen als DIN/A 5-Heftchen zwar nicht allzu viel Platz weg, aber mein Problem war, dass sie halt überall in dieser Regalwand verteilt waren zwischen historischen Abhandlungen und Romanen, dem einen oder anderen Krimi - hauptsächlich französisch, englisch oder skandinavisch - und vor allem zwischen zig anderen DIN/A 5-Heftchen, denn ich habe die Angewohnheit, mich gerne in Museen etc. mit Material einzudecken, damit auch ja nicht vergesse, was ich alles schon gesehen habe. Dann kommen noch ein paar Reiseführer dazu, ein paar Fachbücher über Reptilien und Amphibien (mit einem Schwerpunkt auf Schildkröten), und ein paar Bildbände zu Im- und Expressionismus, Bauhaus, ... im Grunde viel zu viel Zeugs für so eine kleine Ecke. 

Viel zu tun also. 

Die Entfernung der Jahresberichte hat mir wirklich Luft verschafft und viel ausgemacht. Ein paar uralte Krimis in Taschenbuchversion, von denen ich schon vor zehn Jahren eher halbherzig davon ausgegangen bin, dass ich sie bestimmt nochmal irgendwann lesen würde und die ich seitdem nicht mehr angerührt habe, flogen hinterher. Gut, dass mein Papierkorb oben stabil ist. Es hätte wohl nichts gebracht, die Sachen zu verschenken, denn die, die sich für die Sachen des Historischen Vereins interessieren könnten, haben sie wahrscheinlich selbst im Regal. Oder sie waren mit dem Ausmisten schneller als ich und gucken sich alles online an. Der Rest war einfach uppe; den hätte ich noch nichtmal mehr in die Büchertelefonzelle auf dem Venghaussplatz gestellt. 

Bin ich nun mit dem Regal durch? 

Nein. 

Erstens ist das Frühjahr noch nicht vorbei. Zweitens greift dieses "Weg damit, und zwar jetzt"-Gefühl auch auf andere Lebensbereiche über. Meine Forschungs-Zettelsammlung zum Beispiel. Und sogar auf Dinge, die noch nichtmal aus Papier sind. Erstaunlich. Und das alles nur, weil es draußen länger hell ist und ich ein bestimmtes Buch nicht finden konnte.

Ich habe es übrigens gefunden. An Tag drei. In der linken Hälfte des rechten Regaldrittels auf dem dritten Boden von unten. Hätte eigentlich direkt drauf kommen können. Es war übrigens "Freiheit, Rausch und schwarze Katzen - Eine Geschichte der Bohème" von Andreas Schwab. Das Suchen hat sich gelohnt. Und die Sonderveröffentlichungen des Historischen Vereins dürfen auch bleiben. Die sind nämlich noch nicht online.

Mein Problem ist nun, dass die Papiertonne voll ist und erst in knapp zwei Wochen abgeholt wird. Irgendwas ist halt immer

Mittwoch, 30. Oktober 2024

Die Allerheiligen-Aktion von Ancestry

Für alle die von uns, die nicht durchgehend bei Ancestry forschen (wollen): Ancestry macht es auch in diesem Jahr wieder möglich, zu Allerheiligen diverse Unterlagen umsonst und gratis zu durchsuchen, und zwar 

vom 30.10. bis zum 04.11.24

Man muss sich nur mit Namen und E-Mail-Adresse einen Zugang anlegen, und dann kann es losgehen. Wenn man nach dem 04.11.24 dann nichts mehr suchen will, verliert man die Zugangsberechtigung automatisch; es ist keine Kündigung erforderlich. 

Auch eine Möglichkeit, das lange Wochenende zu nutzen...

Freitag, 18. Oktober 2024

"Sie haben eine neue Theory of Family Relativity"

Seit ein paar Wochen bekomme ich von MyHeritage ständig Mails mit dem Titel, "Angela, Sie haben eine neue Theory of Family Relativity"

Ah, neue Verwandtschaftstheorien. An sich immer wieder gerne. 

Die Sache hat nur einen Haken: 

So, wie ich das sehe, nimmt sich MyHeritage (oder präziser formuliert: die KI/AI dahinter, je nachdem, in welcher Sprache man gerade unterwegs ist) diverse Stammbäume vor, die irgendwelche Leute irgendwann man irgendwo eingestellt haben, sei es bei familysearch, sei es bei Geni, sei es bei MyHeritage selbst, setzt sie zusammen und fragt mich dann, ob das so stimmt. 

Und in den allermeisten Fällen stimmte es bisher so nicht.  

Im Moment konzentriert sich MyHeritage dabei auf meine Sickendieks. Und Sickendieks (Sieckendieks, Sickendiecks, etc. pp.) gab und gibt es in Halle, Hörste, Bockhorst und Versmold zwar nicht wie Sand am Meer, aber doch ziemlich zahlreich. Dazu kommt, dass gerade die Sickendieks zu den Familien gehörten, die im 19. Jahrhundert nicht unbedingt durch eine erhöhte Kreativität bei der Vornamenswahl hervorgestochen sind. Diese beiden Umstände führen dann dazu, dass Friedrich Wilhelms und Heinrich Augusts dieselbe Person sein sollen, obwohl sie mehrere Jahre auseinander in verschiedenen Ortschaften geboren sein sollen. 

Frei nach dem Motto: "WAS NICHT PASST, WIRD PASSEND GEMACHT." 

Wenn man mich fragt, dann ist das das Schlimmste, was man bei der Familienforschung anrichten kann.

Ich mache mir die Mühe und klicke dann auf "Theorie ablehnen", schon alleine, damit MyHeritage diesen Schwachsinn nicht weiter verbreitet.  

Theorien sind schön und gut - aber sie sind halt nicht mehr als das: Theorien. Arbeitshypothesen. Damit man sie überhaupt ernst nehmen kann, müssen schon Anhaltspunkte einer gewissen Schwere erkennbar sein. Und hier erschließt sich eigentlich immer schon auf den ersten Blick, dass das etwas ganz und gar nicht stimmen kann. 

Und dennoch: 

Es gibt einen Aspekt, unter dem diese Theorien ganz nützlich sein können. My Heritage nimmt immer zwei Personen als Ausgangspunkte, einen in der Darstellung links (das bin dann in meinem Fall ich), und eine in der Darstellung rechts. Das ist dann eine Person, deren Stammbaum mit meinem potentiell verknüpft werden soll. Die Angaben, die ich im Stammbaum dieser Person finde, halte ich - bis zu einem gewissen Grad - für einigermaßen glaubwürdig, denn man sollte schon annehmen können, dass jemand, der seinen Stammbaum im Netz veröffentlicht, weiß, wer seine Großeltern waren. Das ist dann ein Punkt, an den man anknüpfen kann, um zu gucken, ob da nicht doch ein Verwandtschaftsverhältnis besteht - nur eben ein anderes, als MyHeritage angenommen hat... Das sind dann auch Daten, die ich mir rausschreibe, für eine eventuelle spätere Verwendung.

Da kann dann mitunter mal das Passende passend gemacht werden.

 

Samstag, 5. Oktober 2024

Umsonst (aber nicht draußen)

Ich sitze mal wieder über den Vorfahren des Familienforschungsmuffels. 

Eigentlich hatte ich das gar nicht geplant; meine Priorität liegt eher darin, irgendwann mal meine ganzen Notizen bei Werthers Gedächtnis eingearbeitet zu haben (man wird ja noch träumen dürfen). Doch dann sah ich diese Mail von MyHeritage, dass man sich noch bis zum 06.10.24 anlässlich des Tages der Deutschen Einheit diverse Unterlagen umsonst angucken kann... 

Das war der Moment, in dem ich dachte, dass ich doch mal die Suchfunktion nutzen könnte, um beim rheinländischen Teil der Vorfahren des Familienforschungsmuffels noch ein bisschen weiter zu kommen. Ein Abo bei denen habe ich ja bis heute nicht.

Gesagt, getan, ich sichte im Moment Sterbeeinträge der Familie Kemmerling bzw. Kämmerling...

  

Sonntag, 17. Dezember 2023

Wie man ohne sein Zutun zu einem neuen Nachnamen kommen kann

Ich hatte hier ja schon öfter man anklingen lassen, dass ich mit öffentlichen Stammbäumen, die man zum Beispiel bei MyHeritage oder bei Ancestry findet, einigermaßen auf Kriegsfuß stehe. Nun habe ich einen Grund mehr, da skeptisch zu sein: 

Wir erinnern uns: Ich hatte im Rahmen der tollen Sonderaktion zum Black Friday zwei DNA-Kits bei MyHeritage geordert. Die sind auch ein paar Tage später bei uns angekommen,  wir haben uns getestet (als wir wieder negativ waren), und ich habe unsere beiden Tests bei MyHeritage registriert. Dabei musste ich auch angeben, weshalb ich denn die Berechtigung habe, einen fremden DNA-Test abzuschicken, und ich habe das Häkchen beim Ehegatten gesetzt. 

Als ich das nächste Mal wieder bei MyHeritage reingeguckt habe, hatte ich diverse "SmartMatches". Die stellten sich aber als nicht ganz so smart heraus, wie sie klingen, denn sie hatten mich unter dem Nachnamen meines Mannes geführt. Diverse Leute haben mich nun also mit dem falschen Nachnamen in ihrem Stammbaum stehen. 

Ist schon lustig. Ich hatte meinen Namen damals auch behalten, weil es für mich einfacher war. Dachte ich zumindest, denn mit 42 wollte ich mich nicht umgewöhnen. Stattdessen habe ich in den letzten 7+ Jahren immer wieder erklären müssen, dass ich eben nicht den Namen meines Mannes angenommen habe und ich mich noch nichtmal zu einem Doppelnamen durchringen wollte. Und ja, ich fühle mich meinem Mann auch noch immer sehr verbunden, auch wenn ich nicht seinen Namen trage.. Der andere Grund dafür, meinen Namen nicht zu ändern, war der, dass mein Name für mich auch ein Stück meiner Identität ist. Und die habe ich ja trotz des Besuches beim Standesamt nicht aufgegeben. Hätte meine bessere Hälfte übrigens umgekehrt auch nicht gemacht, deshalb gab's da auch keine Diskussion. 

Und nun das. Digitalisierung sei Dank.

Ich könnte jetzt sagen, "Leute, selbst Schuld, wenn Ihr Eure Daten nicht prüft", aber das ich nicht meins. Ich habe die Inhaber der Stammbäume angeschrieben, Ihnen gesagt, dass ich immer noch denselben Namen habe wie vor 50 Jahren, und sie darum geben, mir in ihrem Stammbaum meinen korrekten Namen wieder zurück zu geben. Gleichzeitig habe angeboten, dass man ja mal die Daten, die man so hat, austauschen kann, denn wenn mich diese Leute schon im Stammbaum haben, dann sollte es sich doch irgendwie um Verwandtschaft handeln, oder nicht? 

(Bei einem bin ich mir da sogar sehr sicher, unsere Urgroßväter waren Brüder, und wir hatten vor Jahren auch schon mal so losen Kontakt.)

Was passierte also? 

Nichts. Nada. Niente.

Wenn jemand also im Netz über eine "Angela Schwarte (geb. Schwentker) stolpert, die 1973 geboren sein soll - damit bin ich gemeint. Der Name stimmt nicht, aber immerhin das Geburtsjahr. Da kann man zumindest sicher sein, denn die Info stammt von mir, auch wenn ich nicht als Quelle angegeben bin. 

Hatte ich schon erwähnt, dass ich mich demnächst wieder von MyHeritage verabschiede?  

Dienstag, 26. Juli 2022

Wenn ich nochmal mit der Forschung anfangen müsste...

 ... was würde ich dann anders machen? Würde ich überhaupt etwas anders machen? 

Warum denke ich überhaupt darüber nach? Ganz einfach: Die Wundertüte namens YouTube hat mir ein Video ausgespuckt mit dem wunderbaren Titel "If I Had to Do My Family Tree Over Again", auf einem Kanal namens Genealogy TV. Ich gehöre zu denen, die YouTube gerne mal im Hintergrund laufen lassen, wenn sie eigentlich etwas völlig anderes machen (so wie andere Leute, die Radio hören), und plötzlich war es da. Und ich hörte Dinge wie, "Ich würde mich sofort bei Ancestry anmelden" oder "Ich würde mir direkt ein DNA-Testkit im Sonderangebot holen, am besten mehrere". Und ich dachte, 

"Nein, wenn ich nochmal neu mit meinem Stammbaum anfangen müsste, dann würde ich vieles wieder genauso machen." 

Nicht alles, aber vieles. 

Ich würde immer noch mit dem anfangen, was ich habe, vorzugsweise schriftlich. Ich würde mir immer noch als allererstes das Familienbuch meiner Eltern schnappen und, soweit es denn vorhanden ist, auch das meiner Großeltern. Und von da aus würde ich dann weiter gucken, ob ich noch in der "Standesamt-Zeit" bin oder ob ich auf die Kirchenbücher angewiesen bin. Und ich würde weiterhin jedes Original-Dokument, sei es als Papierversion direkt vor mir oder als Scan, jedem Online-Stammbaum vorziehen. 

Was würde ich denn nun tatsächlich anders machen? 

Ich würde mir direkt für jede Person - oder zumindest für jede Familie - ein eigenes Word-Dokument anlegen, in dem wirklich alle Informationen enthalten sind, die ich über diese Familie habe. Samt Quellen! Wozu gibt es schließlich Fußnoten? So eine Zusammenfassung erleichtert das Forscherleben ungemein, und selbst heute bin ich noch dabei, an den Dateien für meine direkten Vorfahren zu arbeiten. Ein Stammbaum auf dem Rechner ist zwar schön, aber manchmal brauche ich halt ganz altmodisch etwas zum Blättern und nicht zum Klicken und Scrollen. 

Ich würde mehr mit den älteren Leuten in der Familie sprechen, oder mit Leuten, die meine Familie gekannt haben. "Erzählt mir von früher. Wie war das?" Ich hatte nun das Glück, ziemlich jung zu sein, als ich mit der Forschung anfing, aber trotzdem waren meine Großeltern damals schon allesamt tot, was leider nicht unbedingt für die Langlebigkeit in der Familie spricht. Trotzdem gab es noch diverse Großonkel und Großtanten, die mir wahrscheinlich Vieles hätten erzählen können, wenn ich sie denn nur rechtzeitig gefragt hätte. Das ist unendlich schade, lässt sich aber nicht mehr ändern. 

Ich hätte mich eher in den Standesamtsregistern vergraben. Schon alleine, um die noch lebenden Verwandten und Bekannten nach denen befragen zu können, die ich da gefunden hätte. Wenn ich eins aus der Forschung gelernt habe, dann die Tatsache, wie kurz das menschliche Gedächtnis ist. Und wie selektiv. Wie viele Nicht-Forscher kennen noch die Namen ihrer Urgroßeltern? Dank des deutschen Datenschutzes gehören die letzten 100 Jahre tatsächlich zu den schwierigsten, obwohl ich nie verstanden habe, was daran so geheimnisvoll sein soll, wann man geboren oder gestorben ist und wer die Eltern sind oder waren. 

Ich würde mir mehr Notizen machen. Ich hätte immer ein kleines Notizbuch bei mir, und jedes Mal, wenn mir jemand etwas erzählt, das auch nur ansatzweise für meine Familiengeschichte interessant ist, dann würde ich es mir direkt aufschreiben. Und es dann abends oder in einer ruhigen Minute direkt in meinen Stammbaum eintragen. Und sei es auch nur als Frage, Aufgabe oder Anmerkung. 

Ich würde noch mehr in die Breite forschen. Es ist ja schön, wenn man 20 Generationen mit Namen benennen kann, aber wirklich mit Leben füllen kann man eine Familiengeschichte doch erst dann, wenn man die Umstände kennt, unter denen diese Menschen, die wahrscheinlich gar nicht mal so großartig anders waren als wir heute, gelebt haben. Einfach nur Name-Geburtsdatum-Sterbedatum, das reicht mir nicht. Ich möchte mehr wissen! Soll heißen: Unter anderem hätte ich mir gewünscht, dass ich damals Geschichtslehrer gehabt hätte, die mir nahe gebracht hätten, dass "Geschichte" auch die Geschichte meiner Familie ist, wenigstens bis zu einem gewissen Grad. 

Also... keine Rede von Ancestry und Familysearch, sondern von guter alter Handarbeit und Wissensaneignung. Das mag auch daran liegen, dass es damals in grauer Vorzeit, als ich angefangen habe, Ancestry noch gar nicht gab und familysearch zusammen mit dem ganzen Netz noch in den Kinderschuhen steckte. Vielleicht liegt es auch mit daran, dass ich älter werde ("Wir hatten noch gar kein Ancestry! Aber an drei Samstagen im Monat Schule!")? Nein. Ich glaube einfach nur, dass man sich das "Grundgerüst", das man zum Forschen braucht, nicht einfach so im Netz aneignen kann. Nur die eigentliche Informationsbeschaffung ist mit Archion und Co. und wesentlich einfacher geworden. Und was ich dort nicht finde, das findet sich - heute wie damals - halt ganz klassisch im Archiv. 

Freitag, 20. Mai 2022

Neue Digitalisate im Archivportal NRW

Es hat sich mal wieder etwas getan: Die Zivilstandsregister und diverse Zweitschriften der Kirchenbücher aus dem Regierungsbezirk Detmold/Minden sind jetzt vom Landesarchiv NRW, Abteilung Ostwestfalen-Lippe als Digitalisate veröffentlicht worden. Es handelt sich dabei um den Bestand P1 B-D. Die Kirchenbücher des Fürstentums Lippe fehlen zwar immer noch, aber dafür kann man sich auch diverse Belegakten angucken... 

Wer weiß, vielleicht kann hier ja jemand einen toten Punkt überwinden...? 

Hier ist der Link. 

Dienstag, 8. März 2022

Ablenkung online - Trauregister aus OWL

Ich muss gestehen, im Moment fällt es mir ziemlich schwer, Blogposts über Familienforschung zu schreiben. Kein Wunder, wenn man morgens aufsteht, nur um die Nachrichten anzuschalten und zu hören, ob es Kiew überhaupt noch gibt und was sich der Mann im Kreml heute wieder ausgedacht hat, um die Welt schlechter zu machen, als sie sein müsste. Bei diesem ganzen Elend fühlt man sich so entsetzlich hilflos. Und die Pandemie gibt es ja auch noch...

Wie dem auch sei - es tut trotzdem gut, wenn man mal etwas Positives vermelden kann, oder? Auch, wenn es meine eigene Planung für die nächsten Monate ein bisschen durcheinander bringen wird... 

Ich für meinen Teil habe mich jedenfalls wirklich gefreut zu entdecken, dass das Landesarchiv Nordrhein-Westfalen zwischenzeitlich wieder Nebenregister aus dem alten Kreis Halle als Digitalisate freigeschaltet hat. Ich weiß gar nicht, wann genau das passiert ist. Ich hatte  immer mal zwischendurch mal geguckt, ob sich da vielleicht mal was getan hat, aber nein. Und plötzlich waren sie da...! 

Inzwischen kann man sich im Bestand P 3/5 die Trauungen von 1874 bis 1899 angucken. Für denselben Zeitraum sind auch die Bielefelder Trauungen und die aus dem Kreis Herford verfügbar. Sehr schön! Noch schöner wäre es zwar, wenn alles bis einschließlich 1941 verfügbar wäre und, wenn wir schon mal dabei sind, auch die Geburtseinträge von 1874 bis 1911, aber das wäre vielleicht ein bisschen zuviel verlangt. Immerhin läuft die Digitalisierung, und ich will da nicht undankbar sein - schließlich kann man sich alles umsonst angucken. 

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, mich in den nächsten Wochen verstärkt um die Wertheraner Sterbeeinträge aus den 1960ern zu kümmern. Bei der Nachrichtenlage ist mir die Lust daran aber tatsächlich etwas vergangen, jedenfalls im Moment. Da kommen mir Trauungen ganz gelegen. 

Bei den Trauungen habe ich in Werther nämlich noch einige Lücken. Das Problem ist, dass die Kirchenbücher, die man sich bei Archion angucken kann, nur bis 1897 gehen (die Geburten gehen immerhin bis 1904, die Sterbeeinträge bis 1902). Da kann ich nun auffüllen. So oft ich inzwischen auch über den Hauptregistern im Stadtarchiv Werther im Schloss gesessen habe - ich bin irgendwie immer darüber hinweg gekommen, mir die Trauungen ab 1898 bis zum Ersten Weltkrieg zu ziehen, jedenfalls nicht vollständig. Ich kann mich zwar erinnern, dass ich vor Jahren mal in Detmold gesessen und mir an einem Tag die Trauungen rausgeschrieben habe, von denen ich mir 100 % sicher war, dass sie in meinen eigenen Stammbaum gehörten, aber seitdem habe ich diesen Zeitraum irgendwie links liegen lassen... 

Ich denke also mal, dass ich nun abends über den Trauungen kurz vor der vorletzten Jahrhundertwende brüten werde. Ist besser, als im Fernsehen Spekulationen über den Dritten Weltkrieg zu gucken. Jedenfalls besser für meine aktuelle Psyche.  

Dienstag, 22. Juni 2021

Ach, wenn es doch so einfach wäre...

Täusche ich mich, oder sehe ich in der letzten Zeit vermehrt Werbung für Ahnenforschungsportale im Fernsehen? Nicht unbedingt in den Halbzeitpausen beim Fußball (ja, ich gucke Fußball, sehr gerne sogar), aber auf anderen Sendern. Ständig höre ich Sätze wie "Familienforschung leicht gemacht..."

Mal im Ernst - wenn es so einfach wäre, dann würden nicht jahrelang über unseren Forschungen brüten. Deswegen ärgert es mich, wenn suggeriert wird, dass man schwupp-di-wupp mit ein paar Klicks die gesammelte Familiengeschichte an einem Tag aufrollen könnte. Nein, das kann man nicht. Ich will ja nun niemandem seine Illusionen rauben (oder vielleicht doch?), aber wer das glaubt, der glaubt auch, dass man innerhalb von zwei Wochen ohne zu hungern dauerhaft zwanzig Kilo abnehmen könne oder dass es bei der Fußball-EM einzig und allein um Fußball ginge. 

Es ist völlig okay, wenn man erstmal nur ein bisschen in die eigene Familiengeschichte hineinschnuppern will. Wer aber nur die Stammbäume anderer Leute abschreibt, der forscht nicht. Der schreibt einfach nur ab. Und das ist auch in Ordnung, solange man es nicht als eigene Forschung hinstellt. 

Ich habe auch nichts dagegen, wenn jemand meine Daten abpinnt, im Gegenteil. Im Gegenzug bin ich auch heilfroh, wenn mir jemand einen Hinweis gibt, wo ich vielleicht etwas finden kann, das ich schon lange gesucht habe. Ich bilde mir auch ein, einigermaßen einschätzen zu können, welche Quellen seriös sind und welche ich besser nochmal selbst überprüfe, und das mache ich im Zweifel auch.  

Was mich an solchen "Leicht-gemacht"-Angeboten ärgert, ist die Suggestion, dass man alles auf dem Silbertablett serviert bekäme. Dass es völlig unwichtig sei, ob man die Kurrentschrift lesen kann oder nicht. Dass man kein Archiv heimsuchen oder stundenlang in Kirchenbüchern nach einem Sterbeeintrag suchen muss, nur um ihn dann da zu finden, wo man ihn nie vermutet hätte. Dass es völlig unnötig sei, sich auch nur ansatzweise mit dem geschichtlichen Hintergrund auseinanderzusetzen, vor dem sich unsere Familiengeschichte abgespielt hat. 

Und gerade das ist es doch, das die Forschung so interessant macht, oder?


Dienstag, 20. April 2021

Die Neuenkirchener Taufen sind online

 ... und ich hatte es noch nicht mal gemerkt! 

Kann passieren. 

Melle-Neuenkirchen ist ja so eine Dauerbaustelle bei mir. Es ist wirklich ironisch - ich wohne nur ungefähr 5 Kilometer von der Grenze nach Suttorf (das ja in den Neuenkirchener Kirchenbüchern zu finden ist) entfernt, und ich habe ja auch genug direkte Vorfahren, die im Kirchspiel Neuenkirchen gelebt haben, schon alleine, weil meine Urgroßmutter Lina Plessner, die Frau des hier schon öfter mal erwähnten August Gehring, aus Suttorf Nr. 20 kam. 

Trotzdem ist es wie verhext. Klar, ich habe schon über den Neuenkirchener Kirchenbüchern gesessen, und zwar direkt in Neuenkirchen selbst. Aber dann kam immer irgendetwas dazwischen. Zeitmangel, Krankheit, Pandemie... das Leben halt. Und so gerne ich auch über Originalen brüte, ich habe schon so manches mal geflucht, dass die Kirchenbücher nicht im Netz zu finden sind. 

Und dann läuft mir der Zufall über den Weg. In Form eines bloggenden Forscherkollegen namens Michael Ortmann. Und wenn ich den Namen Ortmann höre, dann kann ich halt nicht anders, als denjenigen zu fragen, ob er etwas mit meinen Neuenkirchener Ortmanns zu tun hat. Nein, hat er nicht, aber er hatte einen Tipp für mich: 

Hier

findet man die Neuenkirchener Taufen von 1744-1900. Wenn man nicht weiß, dass sie da sind, dann findet man sie auch nicht so einfach, denn wie es aussieht, sind sie nicht verlinkt. Schade eigentlich, wenn man bedenkt, wieviel Arbeit in einer solchen Abschrift steckt. Deshalb auch von dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an Herrn Werner dafür, dass er sie sich gemacht hat! 

Zeit, dass ich mich mal wieder mehr mit meinen Neuenkirchener Verwandten beschäftige... 

Freitag, 9. April 2021

Werthers Gedächtnis 2.0

Ich muss wahnsinnig sein. 

Gut, mein Mann weiß das schon länger, aber so langsam frage ich mich auch, ob mich diese ganze Pandemiesituation nicht auf merkwürdige Ideen bringt.

Ich bin dabei, "Werthers Gedächtnis" komplett auseinander zu nehmen. Damit wir uns hier richtig verstehen: Wir reden von neun vollen Ordnern, gefüllt bis zum Anschlag mit beidseitig bedruckten Seiten. 

Bis jetzt hatte ich für (fast) jeden Buchstaben des Alphabets eine Datei. Ausnahmen waren X und Y, weil ich einfach noch keine Familiennamen gefunden habe, die so anfangen, und C&K, die ich in einem langen Dokument zusammengefasst hatte (das fand ich ziemlich sinnvoll, weil Cronsbeins und Kronsbeins ja nun doch sehr eng zusammenhängen). Dann hatte ich noch eine Datei mit "Unbekannten", also mit Leichen, die in und um Werther auftauchten, von denen aber kein Mensch wusste, wer sie zu Lebzeiten waren. 

In und mit diesen Dateien habe ich jahrelang gearbeitet. Ich hatte immer einen Papierausdruck zur Hand, und an vielen Abenden saß ich im Wohnzimmer in meinem Lieblingssessel (mein Mann darf gerne das Sofa haben), vor mir ein kleiner leicht wackeliger Computertisch aus einem schwedischen Möbelhaus, beladen mit entweder einem meiner Ordner und meinen Notizen oder meinem Notebook und Ausdrucken aus meinen Ordnern. Es ist ein Wunder, dass mir das Ding nicht ständig umgekippt ist. 

So werkelte ich dann vor mich hin. Entweder habe ich meine Notizen in die Ausdrucke eingearbeitet oder, wenn die Ausdrucke dadurch zu überfrachtet wurden, die überarbeiteten Ausdrucke in die Dateien auf meinem Notebook eingearbeitet. So einfach, aber auch so umständlich. Hauptsächlich deshalb, weil auf den kleinen Computertisch einfach keine zwei Monitore passen und ich das Hin-und-Her-Switchen zwischen den verschiedenen Fenstern nicht mag.

Das ist nun anders. 

Okay, ich arbeite immer noch an dem kleinen wackeligen Computertisch. Aber nicht mehr an den besagten 24 Dateien. Warum ich mein System geändert habe? Da kamen gleich mehrere Faktoren zusammen: 

Erstens: 

Ich muss nacharbeiten. Vor ungefähr eineinhalb Jahren ist mir der USB-Stick, auf dem sich die damals aktuelle Version von Werthers Gedächtnis befand, schlicht abhanden gekommen. Ich bin mir sicher, dass er nicht ganz verschwunden ist,  und ich würde einiges darauf wetten, dass er genau in dem Moment wieder auftaucht, wenn ich meine Änderungen von damals nochmal in eine ältere Dateiversion eingetragen habe. Das betrifft vor allem Fußnoten, aber eben leider nicht nur. Gut, dass ich immer direkt einen Ausdruck gemacht habe, wenn ich wieder mal einen Buchstaben "durcheditiert" hatte. Also kein Schaden in dem Sinne, dass mir etwas verlorengegangen ist, aber nervig, weil ich das alles doch schon mal getippt hatte... seitdem mache ich öfter digitale Kopien. 

Zweitens: 

Meine Textverarbeitung kam langsam an ihre Grenzen, weil die Dateien teilweise zu groß wurden. 

Drittens: 

Ich kam langsam an meine Grenzen, was die Sortierung der Nachnamen angeht. Kein Wunder, wenn aus Buerstette Borgstädt wurde und aus Tormöhle Zurmühlen. Von den Böhmers und Bäumers gar nicht zu reden. Sprich: Ich habe einige Dubletten gefunden (die sich aber ganz hervorragend ergänzten). 

Viertens: 

Dadurch, dass ich nun bei den Sterbeeinträgen in der Nachkriegszeit unterwegs bin, kommen einige Familien dazu, die sich in Werther neu angesiedelt haben. 

Fünftens: 

Ich will nun endlich anfangen, Teile von Werthers Gedächtnis im Geschichtsportal Werther zu veröffentlichen! 

Was mache ich also jetzt anders? 

Ich bin dabei, für jeden Familiennamen eine eigene Datei anzulegen. Ich habe also meine 24 Dateien komplett auseinandergerissen und verhackstückt. Aber dafür finden sich dann die Buerstettes bei den Borgstädts und die Bäumers bei den Böhmers. 

Und da ich sowieso schon mal im Flow bin, kann ich auch gleich noch jeder Datei das Deckblatt vom Geschichtsportal verpassen. Ha! Zwei Fliegen mit einer Klappe... 

Jetzt muss ich die einzelnen Familien nur noch soweit zusammenpuzzeln, dass es sich lohnt, sie zu veröffentlichen. Im 18. Jahrhundert habe ich meist noch ziemliche Lücken, zugegeben. Aber ich muss die Vernetzung der einzelnen Familien untereinander ja noch nicht komplett haben, ich kann ja zu gegebener Zeit online auch aktualisierte Versionen einstellen und die alten löschen (bei jeder Datei halte ich auch den Bearbeitungsstand fest, es sollte also ziemlich einfach sein, die verschiedenen Versionen auseinanderzuhalten). 

Hat jemand besondere Wünsche, bei wem ich anfangen soll? 


Dienstag, 9. Juni 2020

Großonkels Sterbeeintrag

Das hier ist der Sterbeeintrag meines Großonkels Helmut Gehring. Standesamt Werther, Nr. 71/1943.

Der war mir so wichtig, dass ich ihn mir abfotografiert habe, als ich ihn letzte Woche im Archiv fand. Vor der coronabedingten Archivschließung war ich bei den Sterberegistern ja nur bis 1942 gekommen, und da war dieses Schätzchen hier noch nicht dabei, obwohl ich das Sterbedatum (15.07.1942) ja schon kannte. Ich musste mich also ein bisschen gedulden.

Erstaunlich finde ich Helmuts Sterbeeort:

"1,5 km westlich Solchose links der Straße (östlicher Kriegsschauplatz)". 

Ähem. Da ist wohl ein Fehler passiert, in Kombination mit einer einer Auslassung. Einen Ort namens "Solchose" gab es auf dem "östlichen Kriegsschauplatz" (wussten die Nazis eigentlich selbst nicht, wie sie die Länder nennen sollten, in die sie gerade einfielen?) nicht, und wenn ich mich nicht irre, auch sonst nirgendwo. Da sind wohl die "Kolchose" und die "Sowchose" irgendwie ineinandergerutscht... kann passieren. Trotzdem wird aber kein Ort genannt. Und Straßen und Kolchosen (und Sowchosen) gab es "im Osten" ja nun auch so einige... Ist aber auch egal, den Ort kannte ich ja schon aus dem Schreiben vom Volksbund.

Das war übrigens nicht Amtmann Ellerbrakes Schuld. Der hat nur abgeschrieben, was ihm gemeldet wurde, und zwar das hier:



Die Karteikarten stammen aus der Sammlung "Deutschland, im Kampf gefallene Soldaten, 1939 bis 1948", die im Mai bei ancestry hochgeladen wurde. Ich habe zwar selbst kein ancestry-Account, aber ein Forscherkollege aus den USA war so nett und hat mal für mich nachgeguckt (an dieser Stelle nochmal danke!). Er hat "meinen" Helmut Gehring auch direkt gefunden.

Ich nehme also mal an, dass man Herrn Ellerbrake nur die Informationen aus der unteren gelben Karte zur Verfügung gestellt hat.

Dass man in Berlin nicht unbedingt mit den westfälischen Ortsnamen vertraut war, zeigt sich übrigens daran, dass man Häger als zum "Kreis Haste" gehörend vermerkt. Nicht Haste - Halle!

Ich frage mich nur, warum der Eintrag im Sterberegister in Werther so spät erfolgte - rund elfeinhalb Monate nach Helmuts Tod. Lag es daran, dass die WASt (Wehrmachtsauskunftsstelle) wegen der vielen Toten komplett überfordert war? Oder hat man sich mit der Verwaltungsarbeit nicht gerade beeilt, um das "Deutsche Volk" nicht mit dem wahren Ausmaß dieses Angriffskrieges konfrontieren zu müssen? Die Nazis waren ja schließlich Meister der "fake news"... aber vielleicht war es auch eine Mischung aus beidem. Zu Hause in Werther war man auf jeden Fall schon im September 1942 informiert, denn ansonsten hätte meine Oma Anneliese (Helmuts Schwester) ihren Sohn nicht auch Helmut genannt, sondern Peter.

Falls da draußen jemand ist, der sich mit der Wehrmacht auskennt: Lässt sich aus den WASt-Karten irgendetwas ableiten, das mir verrät, wie Helmut in den hintersten Winkel der heutigen Ukraine kam? Und durch was er einen Volltreffer bekommen hat? 







Donnerstag, 12. Januar 2017

Die Sache mit der Beschneidung...

... betrifft mich jetzt zwar nicht direkt, interessiert mich aus irgendeinem Grunde aber trotzdem. Das ist wahrscheinlich die Eigenschaft, die man bei allen Forschern in überproportionalem Maße findet - Neugier. 

Als ich die Judenregister von Werther bzw. aus dem Altkreis Halle durchguckte, fiel mir auf, dass bis 1846 in den allermeisten Fällen nicht nur das Datum der Beschneidung (Brit Mila) genannt wurde, sondern auch derjenige, der dieses Ritual durchgeführt hat. In der Zeit von 1815 bis 1821, als Pastor Gieseler das Register geführt hat, erwähnt er zwar nur in einem einzigen Fall, wer die Beschneidung vorgenommen hatte ("Rabbi Moses"), aber danach, im kreisweiten Register, steht es bei jedem Jungen explizit dabei.

Und ich frage mich, was diese Information überhaupt in behördlichen Akten zu suchen hatte. Ist ja schließlich ein religiöser und kein staatlicher Akt.

Trotzdem: Wenn man diese Informationen schon mal hat, dann kann man sie ja auch nutzen. Ich habe sie also mit in Werthers Gedächtnis eingearbeitet. Der Vollständigkeit halber. Die Taufdaten der anderen Kinder habe ich ja auch erfasst.

Und weil ich gerade schon einmal dabei war, habe ich mir auch noch eine Liste der "Beschneider" angelegt. Der Grund dafür war eigentlich, dass mir der Name "Selig Werthauer" so oft aufgefallen war - und ja, bei 22 von 46 Beschneidungen, bei denen der Name des Mohel (das ist der terminus technicus) aufgeführt ist, war es Selig Werthauer, der die Prozedur durchführte:

Name Ort Anzahl Jahre
Arensberg, Julius Lage 1 1839
Baumann, Peritz Oerlinghausen, später Spenge 2 1840-1845
Boas, Bendix Lübbecke 2 1825-1830
Boas, Michel Lübbecke 1 1826
"Rabbi Moses"

1 1818
Paradies, Abraham Lage 2 1825-1827
Paradies, Isaac Lage, ab 1827 Oerlinghausen 5 1824-1831
Paradies, Samson Oerlinghausen 4 1832-1844
Posener, Joachim Bielefeld 3 1830-1846
Weinberg, Abraham Aron Westernkotten 5 1815-1828
Werthauer, Selig Herford 22 1824-1846

Selig Werthauer dürfte also ein ziemlich beschäftigter Mann gewesen sein, denn wenn ich mir die Register so angucke, dann war er nicht nur in Werther aktiv. (Und ich nehme mal an, dass die drei Herren Paradies miteinander verwandt waren.)

Soweit ich weiß, durfte ein Mohel für seine Tätigkeit als solche kein Geld annehmen, sondern nur Spesen für seine Aufwendungen. Was mich im übrigen auch zu der Frage bringt, wie vor allem Herr Werthauer seine Logistik bewältigt hat.

Ein Neugeborener musste am Abend seines 8. Tages beschnitten werden (es sei denn, das Kind war zu schwach), also war es wichtig, dass der Mohel genau dann an Ort und Stelle war. Wie genau kriegte man das hin, vor allem, wenn ein Kind ein paar Tage früher auf die Welt kam als gedacht? Heute braucht man mit dem Auto eine knappe halbe Stunde für den Weg von Herford nach Werther, aber damals war das im Grunde eine Tagesfahrt. Sagte man vorher Bescheid, so in dem Sinne, "Meine Frau bekommt wahrscheinlich in den nächsten Tagen ein Kind, und falls es ein Junge wird, hätten wir Sie gerne als Mohel bei der Brit Mila dabei..."? 

Und überhaupt - wie wurde die Brit Mila gehandhabt? Ich meine jetzt nicht zwingend den Schnitt an sich, aber in welchem Raum wurde sie durchgeführt? Wieviele Leute waren dabei? Wer war dabei? Wurde gefeiert, und wenn ja, wie? Was passierte, wenn sich die Wunde entzündete - ging man dann zum - evangelischen - Doktor?

Falls jemand Ahnung von diesen Dingen hat: Hinterlassen Sie mir einen Kommentar - ich bin neugierig!


Samstag, 7. Januar 2017

Die westfälischen Juden- und Dissidentenregister von 1808 bis 1874

Von vielen Familienforschern unbemerkt hat das unbemerkt hat das Landesarchiv NRW inzwischen sämtliche Juden- und Dissidentenregister aus den Jahren 1808 bis 1874 online gestellt. Und das auch noch gratis! Da muss man doch mal "danke" sagen.

Man klicke einfach auf den gewünschten Ort, dann dort auf das Kamerasymbol, und schwupp - man hat die Register innerhalb ein von nur ein paar Sekunden auf dem Bildschirm.

Eine kleine Tücke hat die Sache allerdings doch: Wie zum Beispiel für Werther findet man die meisten Register nicht unbedingt in der Stadt, in der man eigentlich sucht - dann muss man sich mal in der nächsten Kreisstadt umgucken (Werther gehörte damals ja zum Kreis Halle, der 1973 aufgelöst wurde - also findet man die Register unter Halle).  Oft lohnte es sich eben nicht, für jede Kleinstadt eigene Register anzulegen...

Meinen Nachmittag habe ich dann auch damit verbracht, die jüdischen Geburten von 1815 bis 1846 in "Werthers Gedächtnis" einzutragen. Da sind die Register wirklich wunderbar zu lesen - nur diese ganzen Patronyme machen mich rammdösig...

Mittwoch, 27. Juli 2016

Die Grobmotorikerin und ihre Probleme mit Archion

Archion macht es einem ja manchmal nicht leicht...

Wenn ich die (hauptsächlich ostwestfälischen) Kirchenbücher online lese, dann sitze ich meistens mit meinem Laptop abends in meinem Lieblingssessel. Ich gehöre ja noch zur arbeitenden Bevölkerung, also versuche ich, meinen Forschungsdrang wenigstens während meiner Bürozeiten zu zähmen, obwohl ich dann mit einem größeren Bildschirm arbeiten könnte. Ist nicht immer einfach...


Meistens schaffe ich es aber doch, und dann kann ich ohne Probleme stundenlang Kirchenbücher durchforsten. Meine Geduld dabei ist in den letzten Jahren ständig gewachsen...

Ebenjene Geduld wird aber manchmal doch auf eine harte Probe gestellt: Immer dann, wenn ich meinen Finger beim Hin- und Hergucken auch nur eine Zehntelsekunde zu lange auf dem Touchpad lasse, dann meint der Viewer, nun die eingestellte Größe verändern zu müssen. Da muss dann die Kirchenbuchseite wieder neu geladen und fokussiert werden... und es kommt einem so vor, als würde das eine kleine halbe Ewigkeit dauern, obwohl es natürlich nur ein paar Sekunden sind. Besonders an diesen mitunter heißen Sommerabenden habe ich nun schon so manches mal vor mich hingeflucht und mir deshalb mehr oder weniger besorgte Blicke vom Sofa aus eingefangen.

Bin ich da einfach nur eine klassische Grobmotorikerin oder geht es anderen auch so? 

Dienstag, 26. Januar 2016

Zeitunglesen bildet - und lässt den Stammbaum wachsen...

Woran merkt man, dass man aus einer Kleinstadt kommt? Man liest in der Zeitung als erstes die Todesanzeigen, um zu gucken, ob jemand dabei ist, den man kannte (obwohl man ja oft schon vorher per Gerüchteküche gehört hatte, wenn jemand gestorben war). Das ist so eine Angewohnheit, die ich auch bei mir feststellen muss und die ich auch wohl nicht mehr loswerde...

Ich kann mich noch gut erinnern, als ich als kleines Mädchen in Werther in unserer Küche saß und am Küchentisch die Todesanzeigen durchguckte. Ich war jedes Mal wieder fasziniert, wenn jemand noch im 19. Jahrhundert geboren war, denn das kam mir so unheimlich weit weg vor...

Auch heute noch lese die Todesanzeigen zuerst. Nicht aus Sensationsgier, bestimmt nicht. Aber aus alter Gewohnheit. Und ab und an stolpere ich auch mal über einen Namen, bei dem ich mir denke: "Halt, stop, den habe ich im Stammbaum!" So auch heute wieder. Die klassischen Wertheraner Namen fallen mir eben immer noch besonders ins Auge.

Wenn man Glück hat, dann kann man dem Stammbaum auch gleich noch ein paar Personen hinzufügen: "Ach, die Tochter hat inzwischen geheiratet? Oh, und schon vier Kinder?" Wobei man bei den Patchwork-Familien natürlich aufpassen muss, dass man die Kinder auch richtig zuordnet.

Zeitungen helfen aber nicht nur bei den aktuellen Sterbefällen. Sie können auch nützlich sein, wenn man Sterbefälle sucht, die schon ein paar Jährchen her sind, vor allem, wenn die 30-Jahres-Frist noch nicht um ist und man deshalb im Personenstandsarchiv (noch) nicht fündig wird. Ähnliches gilt, wenn man weiß, dass der denjenige "irgendwo hier in der Ecke" gestorben ist, man aber nicht genau weiß, wo. Die Zeiten, in denen man üblicherweise zu Hause starb, sind vorbei. Wer im Krankenhaus oder im Hospiz seinen letzten Atemzug holt, der wird eben am Standesamt des Sterbeortes registriert und nicht dort, wo er vielleicht sogar den Großteil seines Lebens verbracht hat. Die Wahrscheinlichkeit, eine Todesanzeige zu finden, ist ungleich höher.

Wenn ich heute einen mit mir verwandten Namen in einer Anzeige lese, dann hebe ich mir tatsächlich die Anzeige auf, auch wenn ich die Person noch nicht genau zuordnen kann. Man weiß ja nie, wann sich die Teile des Puzzles zusammenfügen.

Für diejenigen, die in den letzten paar Jahren gestorben sind (oder auch gestorben sein könnten), nutze ich durchaus das Netz. Bei nw-trauer.de kann man zum Beispiel die Todesanzeigen aus Ostwestfalen kostenlos abrufen, die in den letzten fünf Jahren in der NW erschienen sind. Das sind natürlich längst nicht alle Sterbefälle, aber immerhin ein Anfang.

Was die Jahre davor angeht, so habe ich schon einige Stunden in Archiven zugebracht und einfach mal auf gut Glück die Lokalausgaben der Zeitungen durchgeguckt. Das waren eigentlich immer ziemlich ertragreiche Stunden: Neben Todesanzeigen bietet die Lokalberichterstattung ja noch soviel mehr! Vor allem natürlich Artikel über Goldene und Diamantene Hochzeiten und hohe runde Geburtstage... dann muss man zwar meist mit dem Satz leben, dass das "Jubelpaar" oder die "Jubilarin" (Ostwestfalen "jubeln" ja eigentlich eher selten bis gar nicht, oder?) natürlich immer noch jeden Tag die gerade berichtende Lokalzeitung liest, aber auch darüber hinaus findet sich so manche interessante Information, die den Lebenslauf der Person dann wieder ein bisschen verdichtet. Ich finde es immer wieder herrlich, wenn ich ein wenig Exzentrizität entdecke...

Inzwischen haben sich meine Zeitungslesegewohnheiten aber trotzdem ein bisschen verändert. Den überörtlichen Teil lese ich im Grunde gar nicht mehr, denn da gibt es ja andere und schnellere Informationsquellen. Den örtlichen Teil lese ich aber immer noch... von hinten nach vorne.

Manche Dinge ändern sich eben doch nicht.




Mittwoch, 3. Juni 2015

Wo ist das nur heute?!

Ihr Lieben, wollt Ihr wissen, was mir das Forscherdasein unheimlich erleichtern würde? (Und wahrscheinlich nicht nur mir?)
Wenn es online eine Datenbank gäbe, in der man nachgucken könnte, wo die ganzen "alten" Adressen" aus der Zeit, in der es noch keine Straßennamen gab, heute sind! Wenn ich zum Beispiel nach "Theenhausen 3" suche, würde dann automatisch "Borgholzhausener Str. 87, Werther" dabei rauskommen, oder bei "Eggeberg 30" die "Nordstraße 1, Halle (Westf.)". Am besten, aber nicht notwendigerweise, wären diese "neuzeitlichen" Adressen dann auch noch mit google maps verknüpft, damit man auch genau auf einer Karte sehen kann, wo sie heute sind.
Dabei könnten sich dann ja auch neue Forschungsergebnisse oder zumindest -anreize ergeben, zum Beispiel, wenn man merkt, dass es tatsächlich Nachbarn und keine Verwandten waren, die als Paten auftauchen, oder wenn deutlich wird, dass "er" zwar aus Schröttinghausen kam, "sie" aus Häger, dass die beiden Höfe, auf denen sie aufgewachsen sind, aber tatsächlich direkt nebeneinander lagen. Oder vielleicht auch einfach nur, um mal selbst hinfahren zu können und zu gucken, wo die Vorfahren denn lebten - falls das Haus denn noch existiert.
Man wird ja wohl noch träumen dürfen, oder?
Obwohl - warum eigentlich "träumen"?
Ich nehme mir also hochoffiziell für Juni vor, meine Unterlagen zu durchforsten und zu gucken, was ich zu so einem Projekt beisteuern könnte.
Ich habe mir zum Beispiel irgendwann im Stadtarchiv hier in Halle eine "Konkordanzliste" gezogen, in der zumindest die Adressen aus der Innenstadt, Hörste, Kölkebeck, Gartnisch und Bokel drin stehen; zu blöd, dass ausgerechnet Oldendorf fehlt, denn da habe ich auch selbst noch ein paar Baustellen.
Wenn es aber zum Beispiel um Borgholzhausen geht, dann habe ich auch echte Probleme. Ich weiß zwar, wo Barnhausen liegt (grob gesprochen zwischen Werther und Borgholzhausen), aber wo genau war Barnhausen 10? Für den Forscher ist es schon doof, dass diese typischen ostwestfälischen "Genannt-Namen" ausgelaufen sind, denn sonst könnte man bei vielen ja einfach stumpf im Telefonbuch nachgucken. Aber nein...
Wundert Euch also nicht, wenn hier im Blog in Zukunft mal ab und an Posts in dieser Richtung auftauchen...
(Ein kleiner Beitrag zur "52-Ancestors-Challenge 2015: Week 22 - "Commencement") 

Samstag, 10. Januar 2015

Wann kommt das Kirchenbuchportal?

In der Ahnenforscherszene wird ja schon gewitzelt: Was ist eher fertig, der Berliner Flughafen, der Lückenschluss der A33 oder das Kirchenbuchportal?
Ich nehme Wetten entgegen. Persönlich tippe ich auf den Berliner Flughafen, da bekomme ich immerhin die beste Quote.
Anfang letzen Jahres hieß es, das Kirchenbuchportal starte im September 2014. Da habe ich doch tatsächlich für einen kurzen Moment überlegt, ob ich meinen Urlaub tatsächlich wie immer im September machen soll: "Es wäre doch doof, wenn ich ausgerechnet dann nicht da wäre, wenn alle Kirchenbücher, die ich für meine Forschung brauche, gesammelt online gehen..."
Gut, dass ich nur für eine Sekunde überlegt und den Gedanken dann direkt verworfen habe. Zum angepeilten Zeitpunkt saß ich also bei Freunden an der amerikanischen Ostküste und nicht am Rechner.
Die Gerüchteküche spricht nun über den Mai 2015. Ob etwas dran ist? Kann ich nicht sagen. Wenn ich allerdings den neuesten Post im Blog von www.kirchenbuchportal.de lese (mit dem bezeichnenden Titel "Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt"), dann kommen mir doch gewisse Zweifel, dass die Gerüchteküche recht hat.
Hinzu kommt noch, dass von den Kirchenbüchern, die ich brauche, anscheinend noch mehr als 80 Prozent hochgeladen werden müssen...
Wie kann man sich diese Verzögerung nun erklären?
Ich kann es nicht wirklich, aber ich habe eine Vermutung: Vielleicht hat man sich einfach zuviel vorgenommen und wollte zu groß einsteigen, anstatt erst einmal klein anzufangen und die Seite dann natürlich wachsen zu lassen? Steht da der Perfektionismus mal wieder der eigentlichen Ausführung im Weg?
Falls ja, dann ist man in guter Gesellschaft - siehe oben.

Montag, 24. September 2012

Quellen, Quellen, Quellen...

Ab und an finde ich in den verschiedenen einschlägigen Ahnenforschungsportalen im Netz Stammbäume, die meinem doch ziemlich ähneln. Heute zum Beispiel habe ich mich mal wieder ein bisschen bei ancestry umgeguckt und bin auch gleich fündig geworden.

Es handelt sich um einen Stammbaum, in dessen nicht ganz so verzweigten Ästen ich sowohl meine mütterliche als auch meine väterliche Linie ganz konkret bis zu mir zurückverfolgen kann. Meine Eltern und ich sind als "private" gelistet, immerhin. Seltsamerweise fehlen in beiden direkten Linien bis zu einem bestimmten Punkt die jeweiligen Geschwister der Beteiligten. Diese finden sich erst bei dem Familiennamen, der allem Anschein nach gründlicher erforscht wird.

Der Stammbaum selbst wurde unter einem Pseudonym eingestellt. Wie so viele andere auch.
Der Stammbaum enthält keine Quellen. Wie so viele andere auch.

Um es klarzustellen: Ich habe kein Problem damit, die Daten zu meinem eigenen Stammbaum herauszugeben und/oder zu tauschen. Familienforscher unter sich sind da ja sehr kollegial, und diese Kollegialität weiß ich auch zu schätzen.

Ich habe auch kein Problem damit, die Quellen, auf die ich mich stütze, mitzuliefern. Alles, was ich hier in meinem Blog schreibe, kann ich mit Quellen untermauern. Wenn es sich um eine Vermutung handelt, dann mache ich diese Vermutung kenntlich.

Ich habe nur ein Problem damit, wenn jemand Daten, die augenscheinlich ursprünglich von mir stammen, ohne irgendeine Quellenangabe (sei es die Primär- oder wenigstens eine Sekundärquelle) einfach stumpf ins Netz stellt und dabei dann auch noch nachträglich Fehler einbaut. Es macht einen Unterschied, ob jemand mit 16 oder mit 24 Jahren geheiratet hat (da kann man dann nämlich ganz schnell die falschen Eltern "erwischen"), und gerade die - fehlenden - Namenszusätze sind es, die oft erst eine Zuordnung zu einer bestimmten Familie ermöglichen.

Das war leider nicht das erste Mal, dass ich so etwas im Netz gesehen habe. Ancestry, rootsweb und wie sie nicht alle heißen wimmeln nur so von "Abschreiberitis", so dass man am Ende nicht mehr nachvollziehen kann, wer welche Daten denn nun von wem hat und wer die Sache denn nun vermurkst hat.


Sprich:
LEUTE, WENN IHR SCHON "ABKUPFERN" MÜSST, DANN MACHT ES DOCH WENIGSTENS RICHTIG!!!
PS: Ich komme wirklich nicht gerne so "oberlehrerinnenhaft" 'rüber. Aber manchmal ist eine kleine Gardinenpredigt doch angebracht. Mit solchen Fehlern kann man andere Forscher - ohne es zu wollen -  auf falsche Spuren schicken, die, wenn es ganz blöd läuft, über Jahre nicht oder auch nie aufgeklärt werden. Stattdessen setzt sich der Fehler dann fort und grassiert wie ein Virus im Netz. Wenn man Ahnenforschung betreibt, dann kommt man an einem gewissen Grad der Sorgfalt eben nicht vorbei. Wer nicht bereit ist, seine Zeit dafür zu opfern, der sollte es eben lassen oder zumindest seine "Erkenntnisse" nicht im Netz verbreiten.
Das musste doch mal gesagt werden.

Freitag, 21. September 2012

Kurzes Niemeyer-Update:

Die Forschung in den USA ist ja grundsätzlich ein bißchen anders als die Forschung hier in der "alten Heimat". Wenn man so überhaupt keine Ahnung hat, wo die lieben Verwandten abgeblieben sein könnten, dann guckt man eben als erstes in den Census, also in die Volkszählungslisten, und hofft, dass man die Gesuchten dort findet.

Bis jetzt habe ich über familysearch zumindest teilweise Glück gehabt.

Ich weiß nun, dass Caspars Enkel Johann Friedrich, der ja 1854 als gerade einmal Zweijähriger mit seinen Eltern ausgewandert war, in der Zeit von 1890 bis 1910 St. Louis, Missouri lebte. Er hat dort geheiratet, nämlich eine Margaret Kiefer, die schon in Missouri geboren worden war, und auch ihre Kinder sind dort zur Welt gekommen. Johann Friedrich nannte sich inzwischen "Fred", und seine ältesten drei Töchter arbeiteten in einer Schuhfabrik. Der Name der Familie schwankte zwischen "Niemeyer" und "Neimeyer", was von der Aussprache her aber keinen Unterschied gemacht haben dürfte.

Dank der Tatsache, dass man bei familysearch auch die "Soundex"-Suche wählen kann, habe ich die Familie ziemlich schnell gefunden. Weil ich eben nicht wusste, wie genau sich der Familienname in den USA entwickelt hatte (oder eben auch nicht), war es doch extrem hilfreich, dass man auf diese Weise auch nach den verschiedenen Schreibvarianten suchen kann. Der Trick ist, dass man die Suche soweit beschränkt, dass man sich nicht durch Abertausende von Daten wühlen muss, sie aber gleichzeitg soweit ausdehnt, dass die eigentlich gesuchten Ergebnisse nicht angezeigt werden. Da hilft es manchmal, anstatt des Vornamens des Gesuchten schlicht das Geburtsjahr einzugeben.

Gut, ich weiß nun, dass ein Teil der Familie nach der Auswanderung in Missouri lebte. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass sich auch die anderen Niemeyers dort niedergelassen haben müssen...

Wie die Amerikaner so nett sagen: "I'll keep you posted!"