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Freitag, 26. Mai 2023

Die kleinste Schrift der Welt

Das Standesamt Eschweiler war dann doch schneller, als ich zu hoffen gewagt hatte! Am Dienstag hatte ich das hier in der Post: 


 

Allerdings ohne die Lochung; die stammt von mir. Ich konnte mich also doch schon vor Pfingsten auf die Suche nach den weiteren Vorfahren des Familienforschungsmuffels machen. Der guckte übrigens nur etwas verdattert auf die beiden Kopien und sagte: 

"Ich sehe nur schräge Striche...!" 

Er sieht Striche, ich sehe Möglichkeiten.  

Zugegeben, die Schrift ist wirklich sehr klein, aber zum einen hilft das jahrelange Kurrent-Lesen, und zum anderen weiß man ja immer schon zumindest ungefähr, was in den  Lücken der Formulare stehen muss - eine Berufsbezeichnung, gefolgt von einem Namen, oder eine Zahl als Datumsangabe... 

Das einzige Wort, bei dem ich etwas gekämpft habe, war der Geburtsname der Mutter der Braut. Kümmerling vielleicht? 

Nein, nicht Kümmerling. Kämmerling. Da die Sterberegister von Dürwiß bei www.archive,nrw.de mit Namensregister online stehen und man ja sehen kann, dass Katharina bei der Heirat ihrer Tochter Anna Hubertina mit Wilhelm Joseph Derix 1920 schon nicht mehr am Leben war, musste ich nicht lange suchen. 

Katharina Clermont geb. Kämmerling war schon 1907 gestorben, mit nur 34 Jahren. 15 Jahre jünger als ich jetzt bin; diese Einträge geben mir immer zu denken. Geboren war sie nicht in Dürwiß, sondern in Barmen im Kreis Jülich. 

Laurenz Clermont, ihr Ehemann und jetzt Witwer, ist noch am selben Tag zum Standesamt gegangen und hat ihren Tod angezeigt. 

Das Schöne an den Sterbeeinträgen aus dieser Zeit ist, dass sie einem gleich auch noch die Eltern des oder der Verstorbenen mitliefern. Bei Katharina waren das der Fuhrmann Florentin Kämmerling und seine Frau Elisabeth geb. Velden. Laurenz, Florentin... die Vornamen der Vorfahren des Familienforschungsmuffels sind wirklich abwechselungsreicher als bei meinen. 

1919 musste Laurenz dann wieder beim Standesamt den Tod einer jungen Frau anzeigen: Seine Tochter Barbara Clermont, gewerbslos, war mit 18 Jahren und 5 Monaten gestorben. Das war dann Anna Hubertinas jüngere Schwester. 

Ich bin folglich nun seit ein paar Tagen dabei, fröhlich rheinländische Sterberegister und katholische Kirchenbücher durchzuforsten, so sie denn online verfügbar sind. Dem Familienforschungsmuffel ist das nicht ganz geheuer. Mit gibt eher zu denken, dass in der Gegend um Eschweiler und Dürwiß der Name "Goebbels" ziemlich häufig auftaucht. Immerhin so oft, dass ich erstmal wikipediert habe, wo denn "der" Goebbels geboren worden war - in Erkelenz. Auch nicht sooo weit weg, Luftlinie nur 10 bis 15 Kilometer weiter nördlich. Auch wenn es ja nun so gar nicht von mir beeinflusst werden kann und ich auch niemanden in Sippenhaft nehmen will, so hoffe ich irgendwie schon, dass der Name nicht im Stammbaum auftauchen wird... Das ist aber eine Emotion, die ich mir bei aller Sachlichkeit durchaus gestatte.

Ja, ich habe gut zu tun, obwohl ich mir natürlich wünschen würde, dass mehr Standesamtsregister aus dem Rheinland online wären. Ein Gedanke ist mir dabei aber noch gekommen: 

Vielleicht sollte ich mich hier öfter über die Bürokratie und den damit verbundenen Aufwand beschweren, damit es dann letztlich schneller geht als gedacht...? Scheint ja zu helfen ;-)

Also, mir fehlt immer noch  der Geburtseintrag von Opa Wilhelm Schwartz aus Aachen... 

Freitag, 14. April 2023

Kopfwasser?

Ich hatte ja schon in der letzten Woche erwähnt, dass ich im Moment mal wieder an den Wertheraner Sterbeeinträgen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sitze und mich insbesondere mit Pastor Tzschabrans Schrift quäle. Ich bin auch immer noch nicht fertig damit. 

Eine Todesursache ist mir dabei aufgefallen, weil sie mir ständig über den Weg läuft und ich ziemlich wenig damit anfangen kann. 

Kopfwasser. 

Am häufigsten waren kleine Kinder betroffen, und zwar Pi mal Daumen eins auf jeder Doppelseite im Kirchenbuch. Oft genug finde ich aber auch zwei oder drei "Kopfwasser-Einträge" hintereinander. Das erscheint mir doch ziemlich viel. 

Aber was bitte schön soll "Kopfwasser" sein? 

Dass es sich um eine Flüssigkeitsansammlung im Kopf handelte, die so auffällig gewesen sein muss, dass sie auch ohne die heutzutage relativ problemlos verfügbaren bildgebenden Verfahren diagnostiziert werden konnte, liegt auf der Hand. Dass der Schädel eines Kleinkindes noch weicher und formbarer ist als der eines Erwachsenen, auch. Was mich so umtreibt, ist vor allem die Frage der Häufigkeit, also der Prävalenz. Die führt dann natürlich wiederum zu der Frage nach den Ursachen.,,

Ich habe versucht, es zu googeln. Erst als Einzelbegriff, aber Google hält mich für blöd und zeigt mir dann nur Suchergebnisse für Haarwasser an, ausgerechnet.

Also die Variante in Verbindung mit "historische Krankheitsbezeichnung". Dann bekomme ich aber nur Ergebnisse zu "Wasserkopf", also den berühmten Hydrocephalus. Dafür taucht das Kopfwasser in den Kirchenbüchern aber eigentlich ein bisschen zu oft auf. Wenn Kopfwasser und Wasserkopf identisch sind, dann sind, mit Verlaub, damals ziemlich viele "wasserköpfige" Kinder in Werther unterwegs gewesen. (Irgendwie habe ich gerade Probleme, das politisch korrekt zu formulieren.)

Deshalb nun meine wirklich schlecht formulierte Frage an die Schwarmintelligenz: Hat man einen Wasserkopf, wenn man Kopfwasser hat? 

Dieses "Kopfwasser-Phänomen" war übrigens nicht auf Werther beschränkt. In meiner Familie hat es auch ein paar Kinder mit Kopfwasser gegeben, die alle keine sechs Jahre alt geworden sind. 

Eines dieser Kinder war eine Schwester meiner Ur-Ur-Großmutter Anna Marie Schwentker geb. Schumacher. Ihre ältere Schwester Johanne Marie Schuhmacher ist 1836 im Alter von zweieinhalb Jahren an Kopfwasser gestorben, und zwar in Wallenbrück Nr. 13 und noch bevor Anna Marie überhaupt auf der Welt war, denn sie wurde erst 1845 geboren. Die Eltern der beiden Schwestern waren meine 3fach-Urgroßeltern Caspar Heinrich Schuhmacher und Anne Marie Törner.   

Freitag, 7. April 2023

Zwei Pastoren und eine Diskussion

Es ist Karfreitag, also habe ich mich aus gegebenem Anlass entschieden, heute nicht nur mittags Backfischstäbchen zu essen, sondern im Anschluss auch mal wieder mit den Wertheraner Kirchenbüchern zu arbeiten und ein paar Beerdigungen einzuarbeiten, Das erschien mir irgendwie passend. Das eine genauso wie das andere. Und ja, das war jetzt leicht ironisch gemeint.

Ich bin hauptsächlich in den 1820ern und 1830 unterwegs, was ein bedeutet, dass ich es mit relativ lesbaren Aufzeichnungen zu tun habe, die aber trotzdem ihre Tücken haben. 

Kirchenbücher wurden ja immer doppelt geführt - zur Sicherheit, man weiß ja nie. Werther hatte auch damals schon zwei Pfarrer, und die beiden Herren haben sich die Schreibarbeit geteilt. Dummerweise hatten sie auch unterschiedliche Angewohnheiten, was das Führen der Kirchenbücher angeht. Der eine war "textlastiger" und hatte eine Schrift, die man extrem gut lesen kann (Pastor Gieseler), der andere arbeitete in reiner Tabellenform und tendierte dazu, die Buchstaben schon mal so klein anzusetzen, dass man sie selbst in der Vergrößerung auf dem Rechner nicht wirklich entziffern kann (Pastor Tzschabran). 

Insgesamt ist die Leserlichkeit aber gegeben. Was richtig nervt ist die Tatsache, dass die Herren Pastoren sich bei der Nummerierung nicht abgesprochen haben. Bei den Taufen und Beerdigungen hat bei Pastor Tzschabran jede ihre eigene fortlaufende Numerierung, während Pastor Gieseler immer nur nach männlichen und weiblichen Taufen bzw. Beerdigungen gezählt hat. Das macht es bei den Quellenangaben natürlich nicht einfacher. 

Wenn wir schon mal beim Thema "Quellen" sind: 

Bei einem Vortrag beim Westfälischen Genealogentag war ja die Diskussion aufgekommen, inwieweit man überhaupt ins Detail gehen muss, wenn man Kirchenbücher als Quellen nennt. Eine Meinung lautete, dass es für den "Hausgebrauch" ja durchaus reiche, wenn man einfach nur "Kirchenbücher XY" als Quelle angibt. Kirchenbücher und Standesamtsregister seien ja schließlich die "Komfortzone" in der Familienforschung, da könne man die Daten dann schon nachvollziehen und finden. Die andere Meinung, die man hörte, war die, dass man doch bitte schön so spezifisch wie möglich zitieren möge. Aus dem einfachen Grunde, dass man dann die Daten besser finden und nachvollziehen könne. 

Man kann es sich denken: Ich gehöre zur zweiten Fraktion. 

Klar, wenn man keinen Wert auf Gründlichkeit legt oder zu faul zum Tippen ist, dann kann mit sich mit dem einfachen Hinweis "Kirchenbuch XY" begnügen. Was aber, wenn die Kirchenbücher widersprüchliche Informationen enthalten? Das kommt nämlich oft vor. 

Wenn jemand nicht in der Gemeinde geboren ist, in der er geheiratet hat und später gestorben ist, und Trau- und Sterbeeintrag dann Altersangaben enthalten, die nicht übereinstimmen, dann wird man das wirkliche Geburtsjahr nur dann herausfinden, wenn man den Taufeintrag findet. Betonung auf "wenn". Dann sind aber sowohl der Trau- als auch der Sterbeeintrag für die Geburt nur Sekundärquellen, aber keine Primärquellen. In solchen Fällen schreibe ich als Quelle für das Geburtsdatum lieber "Rückrechnung aus Traueintrag" und nenne den konkreten Traueintrag als Quelle für die Trauung (und bei den Beerdigungen dann entsprechend), anstatt beim Geburtsdatum einfach hinzuschreiben, "Quelle: Kirchenbuch". 

Oder ich habe den Fall wie hier, dass zwei Pastoren schon mal unterschiedliche Informationen zu ein und demselben Sterbefall niederschreiben. Das betrifft vor allem die Todesursachen. Mal ist ein und dieselbe Person angeblich an Schwindsucht gestorben, dann wieder an Altersschwäche. Ja, was denn nun? Oder wenn man merkt, dass die Kirchenbücher in Stadt- und Landgemeinde aufgeteilt sind? 

Ups.

Gut, ich gebe zu, meine Auffassung hat auch einen Haken. Einen ganz gewaltigen sogar: Diese Arbeitsweise kostet verflixt viel Zeit, vor allem, wenn man sich so in den Kirchenbüchern vergräbt wie ich, und man kommt nicht ganz so schnell voran, wie man es sich wünschen würde. Aber dafür habe ich auch keine Probleme, die Einträge zu finden, die ich suche. Und - was für mich unbezahlbar ist - es fühlt sich einfach gut an, gründlich zu arbeiten. Alles in unserem Alltag hat irgendwie immer schnell, schnell, schnell zu passieren, und da ist das für mich ein schöner Ausgleich als Gegenentwurf dazu. Klingt komisch - ist aber so. 

Fröhliche Ostern!  


 

Freitag, 20. Mai 2022

Neue Digitalisate im Archivportal NRW

Es hat sich mal wieder etwas getan: Die Zivilstandsregister und diverse Zweitschriften der Kirchenbücher aus dem Regierungsbezirk Detmold/Minden sind jetzt vom Landesarchiv NRW, Abteilung Ostwestfalen-Lippe als Digitalisate veröffentlicht worden. Es handelt sich dabei um den Bestand P1 B-D. Die Kirchenbücher des Fürstentums Lippe fehlen zwar immer noch, aber dafür kann man sich auch diverse Belegakten angucken... 

Wer weiß, vielleicht kann hier ja jemand einen toten Punkt überwinden...? 

Hier ist der Link. 

Freitag, 29. April 2022

Frollein Meiers toter Punkt

Ich habe mal wieder in Burg bei Magdeburg gearbeitet. Also nicht in Burg selbst (obwohl ich es dort ja wirklich sehr schön fand), sondern in seinen Kirchenbüchern.

Dieses Mal wollte ich bei Maria Sophia Besters anderer Großmutter noch ein Stückchen weiter kommen. Bislang wusste ich nur, dass sie eine geborene Maria Sophia Meier war, die den Bürger und Arbeitsmann Christian Lahne aus Burg geheiratet hatte und mit ihm mindestens sechs Kinder bekam, vier Töchter und einen Sohn. 

Man könnte jetzt meinen, "Ausgerechnet eine Meier, davon muss es doch Hunderte gegeben haben", aber das ist nicht mein Problem. Tatsächlich wäre man mit den Kirchenbüchern von Burg viel schneller durch, wenn nicht gefühlt ein Drittel der Menschen dort Schulze geheißen hätte...

Ich habe nun Maria Sophias Sterbeeintrag gefunden, Nr. 78/1789 im Kirchenbuch von St. Nicolai. Ihr Alter ist mit 50 Jahren angegeben. 

Gut, wir wissen alle, dass wir mit so runden Altersangaben immer ein bisschen vorsichtig sein müssen. Aber wir können annehmen, dass Maria Sophia so ungefähr 1739 geboren worden ist. Plus oder minus ein paar Jahre. Aber das ist auch nicht mein Problem. 

Mein Problem ist, dass Maria Sophie laut ihres Sterbeeintrags in Niegrip[p] geboren wurde. Im Gegensatz zum abgebrannten Gerwisch gibt es Niegripp zwar noch, es ist inzwischen nach Burg eingemeindet, aber die Kirchenbücher beginnen erst 1807, obwohl die Kirche schon von 1732 stammt. Ich kann also annehmen, dass Maria Sophia dort schon getauft worden ist, als die Kirche quasi noch brandneu war. Das hier ist sie übrigens:

Die Niegripper Kirche (wikipedia.de)

Niegripp wurde wohl von Schartau abgepfarrt, das ungefähr zwei Kilometer nördlich liegt. So weit, so gut. Aber auch da fangen die Kirchenbücher, die ich online finde, erst 1760 an. Zumindest sind das die Informationen, die ich beim Landeskirchenarchiv Magdeburg finde. 

Zum Mäusemelken. Irgendwie scheint das erste Kirchenbuch von Schartau im Laufe der Jahrhunderte abhanden gekommen zu sein. Das könnte natürlich damit zu tun haben, dass - so zumindest wikipedia - im Jahre 1759 ein Großbrand große Teile des Ortes zerstört hat. Wie könnte es auch anders sein... So ein ... ! Da hat keiner daran gedacht, die Kirchenbücher zu retten.

Damit ist Maria Sophias Geburt erstmal ein toter Punkt. 

Falls jemand da draußen eine Idee hat, wie ich ihn überbrücken kann - her damit! 

Freitag, 22. April 2022

Wenn das Dorf brennt, dann sollte jemand die Kirchenbücher retten...

Bei Ur-Opa Willys Teil der Familie bin ich auch wieder ein Stück weiter gekommen, um genauer zu sein, auf der Seite seiner Großmutter Maria Sophia (geb. am 29.11.1804), die eine geborene Bester aus Burg bei Magdeburg war. Maria Sophias Großmutter mütterlicherseits war eine gewisse Maria Catharina Meineke, die einen Johann Joachim Bester geheiratet hatte. Mehr wusste ich bis jetzt allerdings nicht über sie. Bis ich ihren Sterbeeintrag gefunden habe: 

Hier ist sie, unter Nr. 56 im Kirchenbuch Unser Lieben Frauen in Burg, gefunden bei Archion. 

Schön, dass der Pfarrer die Kinder so ausführlich mit in den Eintrag geschrieben hat, das freut die Forscherin. Fast (aber auch nur fast) hätte ich da vor lauter Kindern doch glatt ihren Geburtsort überlesen. Heißt das... Gerwisch?! 

Ein kurzer Check bei google maps hat meine Lesart bestätigt. Das ist das Schöne, wenn man in den Kirchenbüchern der eigenen heimischen Gefilde unterwegs ist - man kennt die Namen. Von einer Stadt namens "Gerwisch" hatte ich jedenfalls noch nie etwas gehört. 

Wikipedia verriet mir dann auch, weshalb das so sein könnte. Zum einen wurde Gerwisch, das am 01.01.2019 immerhin 2.555 Einwohner hatte (was wohl an einem in den letzten Jahren neu entstandenen Baugebiet liegt), 2010 nach Biederitz eingemeindet und ist heute damit "nur" noch ein Ortsteil. Es gibt zwar rein technisch gesehen noch eine Homepage, www.gemeinde-gerwisch.de, die aber anscheinend seit 2012 nicht mehr gewartet wurde, so dass sich unzählige fragwürdige Links zu irgendwelchen dubiosen Online-Casinos dort einnisten konnten. Die für mich interessanten Links, etwa zur Historie des Ortes, funktionieren dagegen nicht mehr. Deshalb habe ich die Seite hier auch nicht verlinkt. 

Zum anderen gibt es das alte Gerwisch, in dem meine Vorfahren wohnten, gar nicht mehr. 

Wikipedia erklärt das so: 

"Ein großer Brand vernichtete 1825 den ganzen Ort. Da inzwischen zwei Kilometer weiter östlich die Chaussee Magdeburg - Burg gebaut worden war, errichtete man dort Gerwisch völlig neu." 

Wenn schon, denn schon. 

Auch die mittelalterliche Dorfkirche war mit abgebrannt, und die letzten Reste, die noch standen, wurden 1840/41 abgetragen. Bei Youtube habe ich immerhin ein Video gefunden, in dem man das noch sehen kann: 


Normalerweise würde ich ja jetzt zumindest schon mal in Gedanken einen kleinen Ausflug nach Sachsen-Anhalt planen. Ich gucke mir ja gerne mal an, wo meine Vorfahren gelebt haben. Aber da davon nichts mehr übrig ist... 

... falsch! Es ist etwas vom alten Gerwisch geblieben: Die Kirchenbücher! Die haben zwar erst 1671 angefangen, so dass man 1825 erst beim zweiten Band angekommen war, aber irgendjemand war so nett und geistesgegenwärtig, sich diese beiden Bücher beim Brand unter den Arm zu klemmen und sie in Sicherheit zu bringen. Und diesem Jemand bin ich bis heute noch dankbar! 

Montag, 26. Juli 2021

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen

Manchmal sitze ich vor Kirchenbüchern und verstehe die Welt nicht mehr. Nehmen wir mal die Neuenkirchener Examplare in den 1760ern und 1770ern. Alles wunderbar zu lesen... wenn denn etwas da steht! 

Wie kann man eine Taufe eintragen, samt Eltern und Paten, aber den Namen des Kindes weglassen? Und das kommt bei Weitem nicht nur einmal vor. 

Wie kann man einfach nur hinschreiben, "2 Kinder aus Wismans Kotten"? Da kann man noch nichtmal sagen, zu welchen Familien die beiden gehörten. Das müssen noch nicht einmal Wismanns gewesen sein...

Bei den Trauungen ein ähnliches Bild: Die Namen der Getrauten und das Datum. Mehr nicht. Kein Alter, keine Eltern, keine Angaben, ob es für eine(n) der beiden vielleicht schon die zweite Ehe war. 

Bei den Sterbefällen: Kein Sterbedatum. Keine Namen der Ehegatten. Kein Wort über die Hinterbliebenen. Wäre ja auch zu hilfreich gewesen... 

Da kann man teilweise nur nach dem Ausschlussprinzip arbeiten. Und das kann dauern. Wann läuft mein Archion-Abo aus...? 


Samstag, 24. Juli 2021

Wie immer: Die Neuenkirchener Kirchenbücher machen es mir nicht leicht...

Archion hat aber auch ein Timing: Da warte ich seit geschlagenen 20 Jahren (ach Quatsch, länger!) darauf, dass sich jemand mal die Mühe macht, die Kirchenbücher von Neuenkirchen hochzuladen, und dann passiert es endlich, und kann ich mich sofort drüber hermachen? Nein! Das ist Ironie, oder?

Zugegeben, der Grund dafür war ein guter: Der Familienforschungsmuffel hatte Geburtstag. Über den Tag verteilt hieß das Einkaufen, Essen in größeren Mengen zubereiten, zwischendurch ein bisschen arbeiten, und dann hatten wir auch quasi in Schichten unsere Lieblings-Verwandten und Freunde hier. Die Altersspanne reichte von zwölf Wochen bis 85 Jahren. Das sind so Tage, an denen die Forschung stumpf hinten anstehen muss. Irgendwann sind wir nur noch todmüde ins Bett gefallen. Das war Donnerstag

Freitag war dann ein normaler Arbeitstag. Da bin ich immerhin dazu gekommen, ein paar Sterbeeinträge zu durchforsten, während im Hintergrund die Olympischen Spiele 2020 eröffnet wurden. Mit einer gewissen Irritation scrollte ich mich durch die Seiten: Wer um Himmels Willen sind die ganzen Schwentkers und Schwenkers, die sich da getummelt haben? Gut, da das Kirchspiel Neuenkirchen direkt ans Kirchspiel Werther grenzte, ist es nicht weiter verwunderlich, dass diverse Wertheraner dorthin abgewandert sind, aber es ist gar nicht mal so einfach, den ersten Schwentker/Schwenker zu finden, der über die Grenze gegangen ist. Bei meinen Plessners und Dieckmannskamps bin ich auch ein Stück weitergekommen. Ist das nicht herrlich, wenn der Stammbaum auch in die Breite wächst? Schade nur, dass sich die Neuenkirchener oft nicht die Mühe gemacht haben, auch die Todesursachen einzutragen. 

Heute ist Samstag, und ich hatte eigentlich gehofft, mich so richtig in den Neuenkirchener Büchern zu vergraben. Wieder nichts. Ich habe den halben Tag verschlafen und war zu wenig zu gebrauchen. Der Familienforschungsmuffel hat gestern seine zweite Impfung gekriegt, und im Gegensatz zu mir nimmt er seit gestern Abend augenscheinlich alle Nebenwirkungen mit, die man nur kriegen kann. Mit der indirekten Nebenwirkung, dass ich in der letzten Nacht auch nicht schlafen konnte und ich mich stattdessen im Wohnzimmer vor dem Fernseher wiederfand. Ich gucke an sich gerne Fechten im Fernsehen (danke, Olympia), aber normalerweise nicht morgens um vier...

Meine Hoffnung liegt also auf morgen, Sonntag. Der Familienforschungsmuffel ist langsam dabei, sich zu bessern, auch wenn er immer noch erstaunt darüber ist, dass ihm jedes Fingergelenk einzeln wehtun kann. Ich hoffe mal, dass er das Gröbste jetzt überstanden hat. Dann kann es morgen vielleicht ein ganz normaler Sonntag werden - mit ganz viel Forschung meinerseits! Mit ein bisschen Glück kann ich hier also demnächst ein paar Forschungserfolge vermelden...

Donnerstag, 8. Juli 2021

Neues von der "Ersten Martha" und ihrem "Hypnotiseur"

Langsam bekomme ich eine Ahnung, wer denn der geheimnisvolle "Hypnotiseur" sein könnte, mit dem Martha Ortmeier durchgebrannt sein könnte... und meine Zweifel an seiner "Berufsbezeichnung" haben sich als berechtigt herausgestellt. 

Hier ist Marthas Heiratseintrag: 

Am 25.08.1921 wurde aus Martha Ortmeier eine Martha Mandt

Nach der Auskunft vom Stadtarchiv Halle (Westf.), dass Martha in Eitorf gestorben ist, habe das Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland, angemailt, ob man mir eine Kopie von Marthas Sterbeeintrag ziehen kann. Ja, man kann, sie sollte irgendwann nächste Woche kommen. Ich hatte in meiner Mail darum gebeten, mir auch eine Kopie eines eventuell vorhandenen Traueintrages zu ziehen, wenn sich denn aus einem Randvermerk Ort und Datum ergeben sollten. Auf diese Bitte bekam ich die Auskunft, dass ich mich doch bitte ans Stadtarchiv Bochum wenden möge, da Martha 1921 in Linden-Dahlhausen geheiratet hätte. 

Erster Gedanke: "Noch ein Archiv... so lange will ich nicht warten..."

Zweiter Gedanke: "Dahlhausen - ha, jetzt weiß ich auch, welches Dahlhausen in der Familienlegende gemeint war: Das in Bochum!" (Genau seit diesem Moment geht mir ein gewisses Lied von einem Herrn Grönemeyer nicht mehr aus dem Kopf.) 

Dritter Gedanke: "Bochum ist Westfalen - gibt's das bei Archion?" 

Ja, gibt es. Auch die Trauungen von 1921. Und da habe ich den obigen Eintrag auch direkt gefunden. Hat ungefähr 30 Sekunden gedauert. 

Der "Hypnotiseur" war ein Händler namens Karl Wilhelm Heinrich Mandt. Er kam gebürtig aus Eichlinghofen im Kreis Hörde, also Kirchenkreis Dortmund-Süd. Auch die Kirchenbücher von Eichlinghofen sind bei Archion (teilweise) online. In seinem Taufeintrag wird "Carl" noch mit C geschrieben, und sein Vater war wie ungefähr 90 Prozent der Eichlinghofener Väter zu der Zeit Bergmann. Dem wollte oder konnte er anscheinend nicht nacheifern. Ich habe mir mal den Spass gemacht, ein bisschen in den Eichlinghofener Kirchenbüchern zu blättern - gefühlt ist da auch halb Ostwestfalen vertreten. Ich habe Leute aus Halle, Wallenbrück, Herford etc.  etc. gefunden. 

Martha war nicht die erste Frau Mandt; wenn ich das richtig sehe, dann war sie die dritte. Sie war 28, als die beiden geheiratet haben, er immerhin schon 49. Ich könnte mir also schon vorstellen, dass ihre Eltern nicht sonderlich begeistert gewesen sind - Wilhelm Ortmeyer, Marthas Vater, war keine fünf Jahre älter als sein Schwiegersohn. Aber vielleicht wollten ihre Eltern auch einfach nur nicht, dass sie so weit wegzieht? Zugegeben, dieses "Nicht-Begeistertsein" ist jetzt Spekulation meinerseits, aber wenn ich es mit dem "Abseilen und Durchbrennen" aus der Familienlegende verknüpfe, dann spricht doch einiges dafür. 

Die nächste Frage, die sich mir stellt, ist nun die, wie die beiden sich kennengelernt haben. Darüber habe ich noch nichts gefunden; auch der Traueintrag bringt keinen Aufschluss darüber. Wenn ich wieder auf die Familienlegende zurückgreife, dann dürfte sie jedenfalls noch bei ihren Eltern in der Steinhauser Arrode in Oldendorf gewohnt haben. War er vielleicht im 1. Weltkrieg in Halle stationiert - oder war er dafür dann doch schon zu alt? Dagegen spricht auch, dass die Trauung erst drei Jahre später stattfand. 

Also wie immer - eine Frage geklärt, dafür eine neue dazugekommen :-) 



Dienstag, 20. April 2021

Die Neuenkirchener Taufen sind online

 ... und ich hatte es noch nicht mal gemerkt! 

Kann passieren. 

Melle-Neuenkirchen ist ja so eine Dauerbaustelle bei mir. Es ist wirklich ironisch - ich wohne nur ungefähr 5 Kilometer von der Grenze nach Suttorf (das ja in den Neuenkirchener Kirchenbüchern zu finden ist) entfernt, und ich habe ja auch genug direkte Vorfahren, die im Kirchspiel Neuenkirchen gelebt haben, schon alleine, weil meine Urgroßmutter Lina Plessner, die Frau des hier schon öfter mal erwähnten August Gehring, aus Suttorf Nr. 20 kam. 

Trotzdem ist es wie verhext. Klar, ich habe schon über den Neuenkirchener Kirchenbüchern gesessen, und zwar direkt in Neuenkirchen selbst. Aber dann kam immer irgendetwas dazwischen. Zeitmangel, Krankheit, Pandemie... das Leben halt. Und so gerne ich auch über Originalen brüte, ich habe schon so manches mal geflucht, dass die Kirchenbücher nicht im Netz zu finden sind. 

Und dann läuft mir der Zufall über den Weg. In Form eines bloggenden Forscherkollegen namens Michael Ortmann. Und wenn ich den Namen Ortmann höre, dann kann ich halt nicht anders, als denjenigen zu fragen, ob er etwas mit meinen Neuenkirchener Ortmanns zu tun hat. Nein, hat er nicht, aber er hatte einen Tipp für mich: 

Hier

findet man die Neuenkirchener Taufen von 1744-1900. Wenn man nicht weiß, dass sie da sind, dann findet man sie auch nicht so einfach, denn wie es aussieht, sind sie nicht verlinkt. Schade eigentlich, wenn man bedenkt, wieviel Arbeit in einer solchen Abschrift steckt. Deshalb auch von dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an Herrn Werner dafür, dass er sie sich gemacht hat! 

Zeit, dass ich mich mal wieder mehr mit meinen Neuenkirchener Verwandten beschäftige... 

Mittwoch, 1. April 2020

Aller guten Dinge sind drei...

Probieren wir's doch mal aus: 

1. Wir haben im Moment mehr Zeit zum Forschen - Corona sei Dank.

2. Archion hat bis zum 27. April die Preise gesenkt, weil Archion jetzt fünf Jahre online ist. (Meine Güte - echt schon?)

3. Bei Archion sind in der letzten Woche nicht nur Kirchenbücher aus Mecklenburg online gegangen, sondern auch aus OWL! (Leider nicht aus dem Kirchenkreis Halle, aber immerhin...)

Wenn man das zusammennimmt, dann sind das schon gute Neuigkeiten. Und die können wir im Moment ja alle brauchen, oder? 


Dienstag, 7. August 2018

Peregrina sind keine Hobbits

Um 1800 herum findet man in den Wertheraner Kirchenbüchern bei den Geburtseinträgen ab und an mal das Wörtchen "Peregrina", und zwar meist neben oder unter der Hausnummer.

Das erste, was mir dabei in den Sinn kam, war zugegebenerweise der Hobbit ähnlichen Namens. Das zweite war Wikipedia, und Wikipedia erzählt mir, dass es sich bei einem "peregrinus" entweder um einen Wanderfalken mit einer Flügelspannweite von immerhin bis zu 114 Zentimetern handelt oder aber um einen "Fremden".


"Peregrina" im Sinne des Wertheraner Kirchenbuchs sind also Leute, die sich nicht dauerhaft in Werther aufhielten. Ich habe schon mehrere Kinder gefunden, die "auf der Durchreise" geboren wurden, wobei man sich dann immer fragt, warum eine augenscheinlich hochschwangere Frau dann überhaupt unterwegs war und wohin. Es kann aber auch sein, dass jemand einfach nur auf Besuch bei Verwandten war, bei der eigenen Mutter zum Beispiel. Eben bei jemandem, den man gerne dabei hat, wenn's kritisch wird.

Weshalb diese "Wandervögel" in Werther ausgerechnet als "Peregrina" bezeichnet werden, bleibt trotzdem ein kleines Rätsel. Wenn ich mich richtig erinnere, was mir mein Lateinlehrer damals in der Quarta am KGH versucht hat einzutrichtern, dann ist der Plural von "peregrinus" immer noch "peregrini". Oder war damit nur die Mutter gemeint, und auf den Vater kam es in dem Zusammenhang gar nicht an...?

Freitag, 27. April 2018

Mitten in der Stadt war früher auf dem Land...


Irgendwann fiel mir auf, dass sich Ende des 19. Jahrhunderts die Todesfälle in Arrode Nr. 13 nur so knubbelten. Kein Wunder, denn es handelte sich um das St. Jacobi-Stift, das sich ab 1875 vom "Pflegehaus" im Laufe der Jahre zu einem "richtigen Krankenhaus" entwickelte. Das war zu einer Zeit, als Krankenhäuser noch nicht wie reine Wirtschaftsunternehmen geführt werden mussten und man es noch wichtig fand, auch in einer Kleinstadt zumindest eine Primärversorgung vor Ort zu haben, die man sich heute nicht mehr leisten kann.

Inzwischen ist das Krankenhaus schon längst wieder abgerissen und damit ein abgeschlossener Teil der Geschichte. Wer Bilder sehen will, der muss nur mal "Krankenhaus Werther" in die Google-Bilder-Suche eingeben. An seiner Stelle und Stätte findet man aber wieder ein Jacobistift - dieses Mal in Form eines Seniorenheims, unten an der Mühlenstraße.

Was heute so selbstverständlich mitten in der Stadt liegt, war in früheren Zeiten tatsächlich Teil der Landgemeinde: Die Menschen, die im Jacobistift das Zeitliche segneten (und das waren bei weitem nicht nur Wertheraner, sondern auch diverse Leute aus den umliegenden Dörfern außerhalb des Kirchspiels), finden sich also in den Kirchenbüchern nicht auf den Seiten des Stadtgebiets. Es kann jemand also sein ganzes Leben mitten in Werther neben der Kirche gewohnt haben, er kann dort geboren sein, geheiratet haben und seine Kinder bekommen - wenn er aber 300 Meter Luftlinie weiter im Jacobistift (= in Arrode) gestorben ist, dann muss man den anderen Teil der Kirchenbücher bemühen.

Schon allein deshalb lohnt sich immer ein Blick in die Beerdigungen der Landgemeinde.

Anders herum ist es übrigens ähnlich: Jeder Wertheraner weiß auch heute noch genau, wo diejenigen geboren sind, in deren Personalausweis noch "Isingdorf-Arrode" steht...!

Mittwoch, 27. Juli 2016

Die Grobmotorikerin und ihre Probleme mit Archion

Archion macht es einem ja manchmal nicht leicht...

Wenn ich die (hauptsächlich ostwestfälischen) Kirchenbücher online lese, dann sitze ich meistens mit meinem Laptop abends in meinem Lieblingssessel. Ich gehöre ja noch zur arbeitenden Bevölkerung, also versuche ich, meinen Forschungsdrang wenigstens während meiner Bürozeiten zu zähmen, obwohl ich dann mit einem größeren Bildschirm arbeiten könnte. Ist nicht immer einfach...


Meistens schaffe ich es aber doch, und dann kann ich ohne Probleme stundenlang Kirchenbücher durchforsten. Meine Geduld dabei ist in den letzten Jahren ständig gewachsen...

Ebenjene Geduld wird aber manchmal doch auf eine harte Probe gestellt: Immer dann, wenn ich meinen Finger beim Hin- und Hergucken auch nur eine Zehntelsekunde zu lange auf dem Touchpad lasse, dann meint der Viewer, nun die eingestellte Größe verändern zu müssen. Da muss dann die Kirchenbuchseite wieder neu geladen und fokussiert werden... und es kommt einem so vor, als würde das eine kleine halbe Ewigkeit dauern, obwohl es natürlich nur ein paar Sekunden sind. Besonders an diesen mitunter heißen Sommerabenden habe ich nun schon so manches mal vor mich hingeflucht und mir deshalb mehr oder weniger besorgte Blicke vom Sofa aus eingefangen.

Bin ich da einfach nur eine klassische Grobmotorikerin oder geht es anderen auch so? 

Sonntag, 2. August 2015

Die Verkartung der Haller Kirchenbücher

Ich weiß noch, als ich damals (das muss 1996 oder 1997 gewesen sein) das allererste Mal in Bielefeld im Landeskirchlichen Archiv der Evangelischen Kirche von Westfalen saß und über einem Kirchenbuch brütete: Ich war ziemlich erschlagen. Bei vielen Wörtern, die ich zu lesen versuchte, war ich einfach mit der Schrift überfordert.

Mit der Zeit besserte sich das ungemein. Trotzdem war ich heilfroh zu entdecken, dass es zumindest für Halle (Westf.) eine wunderbare Verkartung im Bielefelder Archiv gibt. Ich habe zwar keine Ahnung, wer sich diese ganze Mühe gemacht und jeden einzelnen Eintrag aus den Haller Kirchenbüchern auf jeweils eine eigene Karteikarte übertragen hat (zumindest von den Anfängen der Kirchenbücher um 1650 bis knapp 1880), aber ich werde diesem Menschen wahrscheinlich für immer dankbar sein, dass er mir so viele Stunden erspart und mir die Erfolgserlebnisse verschafft hat, die ich brauchte. 

Um sich das einmal vorzustellen: Wir reden hier von einem guten Dutzend Karteikästen, von denen jeder ungefähr einen halben Meter lang ist. Diese Karteikästen sind komplett vollgestopft mit teilweise schon ziemlich abgenutzten Karteikarten. Ich bin also bei weitem nicht die einzige, die davon profitiert hat. Ich weiß nicht, wieviele Karten es genau sind, aber mit Sicherheit mehr als 10.000 Stück. 

Richtig geholfen hat mir die Kartei bei meinen Schulzes, Schultes, Herkströters und Kindermanns, aber auch bei meinen ganzen anderen Haller Linien. Aber nicht nur bei denen: Bevor Hörste 1707 unabhängig wurde, gehörte es ja zum Kirchspiel Halle, so dass sich die älteren Hörster Familien auch in der Kartei finden. 

Mit diesen Karten ist es mir also teilweise gelungen, nur so durch die Generationen zu rasen. Es gab Tage, an denen mir wirklich der Kopf schwirrte, wenn ich aus dem Archiv kam. Es ist kein Problem, die Kinder einer bestimmten Familie zu finden. Am meisten Zeit spart man allerdings bei der Suche nach Sterbeeinträgen, zum Beispiel, wenn man wissen will, was aus Geschwisterkindern geworden ist. Man muss nicht mehr 90 Jahre durchsuchen. Die Kartei ist also auch ein Grund dafür, weshalb mein eigener Stammbaum immer mehr in die Breite gegangen ist. 

Die Logik, nach der die Kartei sortiert ist, ist eigentlich ziemlich einfach: Immer die beiden ersten Buchstaben des Nachnamens und dann innerhalb dieser groben Aufteilung chronologisch. Insgesamt sind die Karten nach Taufen, Trauungen und Beerdigungen unterteilt, wobei die Trauungen sich nach den Namen des jeweiligen Bräutigams richten. Wenn man nach der Heirat einer bestimmten Frau sucht, hilft einem die Kartei also nicht wirklich weiter. Bei allem anderen schon. 

Inzwischen habe ich mir zwar angewöhnt, mir auch die Originaleinträge zu den Karten anzugucken, nur um sicherzugehen, aber ich bin immer noch heilfroh darüber, dass ich, wenn ich will, mal gerade nach Bielefeld fahren und einen Blick in die Kartei werfen kann, wenn ich will, z.B. weil ich auf die Idee komme, dass ein bestimmter Pate vielleicht auch gleichzeitig ein Verwandter sein könnte. Daran ändert auch Archion nichts. 

Ein kleiner Tipp für alle, die mit der Kartei arbeiten wollten: Ich würde nicht unbedingt schwarze Klamotten anziehen. Mitunter sind die Karten doch ein wenig... staubig. 

(Dies ist ein kleiner Beitag zur "52 Ancestors in 52 Weeks Challenge 2015": Week 31: "Easy".)





Freitag, 17. April 2015

Pater ipse?

Ich stolpere immer wieder über Taufen, bei denen als Pate "pater ipse" angegeben ist. Viereinhalb Jahre (also eine gefühlte Ewigkeit) Schullatein reichen bei mir noch aus, um diese beiden Wörtchen mit "der Vater selbst" zu übersetzen. Woraus ich aber nicht schlau werde ich die Frage, warum man bei seinem eigenen Kind den Paten geben sollte. Und nur, um es einmal klarzustellen: Wir reden hier nicht von Nottaufen, bei denen auf die Schnelle keiner aufzutreiben war, der als Pate hätte herhalten können, sondern von ganz "normalen" Taufen.
Was war der Sinn der Patenschaft? Dafür zu sorgen, dass das Kind auch ja im christlichen Glauben erzogen wurde? Dafür hatte man als Elternteil ja sowieso schon Sorge zu tragen, oder? Die soziale Komponente, wenn man möglichst angesehene Paten für das Kind fand?
Oder einfach nur die Bezeugung, dass die Taufe als solche stattgefunden hat? Das wiederum hätte aber ja auch der Pfarrer bestätigen können, der die Taufe ja schließlich vorgenommen hat...
Außerdem kann ich in den allermeisten Fällen belegen, dass nahe Verwandte in fußläufiger Nähe gewohnt haben, so dass man schon leicht einen anderen Paten hätte finden können (wenn man denn gesucht hätte). Ich habe Familien, bei denen drei Kinder mit "normalen" Paten getauft sind und die anderen mit "pater ipse", und zwar ohne dass ich ein bestimmtes Schema darin erkennen könnte.
Wo ist also der Sinn, der Vater Pate seines eigenen Kindes ist? 
PS: Eine "mater ipse" ist mir dagegen erst einmal über den Weg gelaufen...

Mittwoch, 18. Februar 2015

Die Sache mit den Impflisten

Kirchenbücher dienten augenscheinlich nicht nur dazu, die Taufen der jeweiligen Sprösslinge zu dokumentieren. Sie wurden, wenn auch eher "nebenbei", auch zu anderen eher verwaltungstechnischen Dingen genutzt, denn ansonsten würde sich wohl kaum erklären lassen, weshalb ich öfter mal den Vermerk "Impfliste bis hier" am Rand finde.
Nun meine Frage: Ist hier jemand, der mir sagen kann, worauf sich diese Einträge beziehen? Gegen was wurde geimpft? Im Moment bin ich in den 1830er Jahren unterwegs, und dort wimmelt es nur so von diesen Impflisten-Einträgen. Ich habe eher den Eindruck, dass diese Impfaktionen nicht sonderlich anschlugen, weil die Kinder immer noch an allen möglichen Krankheiten starben, bei denen man heute stumpf Antibiotika verabreicht, wenn sie denn doch mal auftreten. Auch sonst kamen die größeren Entwicklungen in der Medizin doch eher in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, oder?
Falls sich hier also jemand mit Medizingeschichte auskennt... jeder Hinweis wird dankend angenommen!

Dienstag, 8. Juli 2014

"Mischehen" zwischen Katholiken und Protestanten im Altkreis Halle: Wenn die Kirche sich einmischte

Der Altkreis Halle (mit Halle, Werther, Versmold, Borgholzhausen und Steinhagen) war nicht gerade eine katholische Hochburg. Im Gegenteil - im Grunde konnte man die katholischen Familien in den Städten an einer Hand abzählen, und bis zum 19. Jahrhundert tauchen immer wieder dieselben Namen auf. Man findet sie alle im Kirchenbuch von Stockkämpen.

Ehepartner waren also Mangelware, zumindest, wenn sie auch katholisch sein sollten. Das führte dann auch dazu, dass die Zahl der "Mischehen" immer weiter zunahm. Viele Ehepartner werden dann als "acath." ("acatholicus" bzw. "acatholica") oder als "luth." im Kirchenbuch erwähnt. Phasenweise kommt in fast jedem zweiten Eintrag ein "acath." vor, auch bei den Taufpaten der Kinder.

Die katholische Kirche mischte sich dann auch in die Eheschließung selbst ein: Wo sollte man sich trauen lassen, in Stockkämpen oder in der protestantischen Kirche? Überflüssig zu sagen, dass die katholische Kirche natürlich die erste Variante vorzog...

In den 1860ern und -70ern zum Beispiel findet man zahlreiche Belege dafür. Die Trauungen sind zwar im katholischen Kirchenbuch eingetragen, aber ohne laufende Nummer. Stattdessen gibt es eine mehr oder wenige nette Bemerkung dazu:

"haben sich in Werther vom Prediger trauen lassen" 
 klingt ja noch neutral (aber ist "Prediger" eigentlich als Abwertung gegenüber "Pfarrer" gemeint?).

"haben sich trotz wiederholter Ermahnung von dem prot. Prediger zu Werther trauen lassen" 
klingt da schon um einiges brachialer. Man hat es augenscheinlich nicht bei einer "Ermahnung" belassen, zumindest nicht 1869 bei Johann Hermann Thoele (die Familie diente traditionell auf Brinke) und Henriette Dorothea Heermann (einer "acath." aus Rotenhagen).

Manchmal waren natürlich auch die - ortsabwesenden - protestantischen Schwiegereltern schuld, wenn sich die Schäfchen nicht in Stockkämpen, sondern in der protestantischen Ortskirche trauen ließen: Als Heinrich Carl Friedrich Apel, seines Zeichens Kutscher auf Steinhausen mit Eltern in Göttingen und ausdrücklich als "Protestant" bezeichnet) und Catharine Friederike Castrup aus Werther (ja, sie war katholisch) im Mai 1867 heiraten wollten, bekamen auch die Göttinger Schwiegereltern im Kirchenbuch von Stockkämpen ihren Platz: "haben sich durch die protestantischen Eltern genöthigt, trotz all diesseitiger Ermahnung, von dem protestantischen Prediger in Halle trauen lassen." 

Vielleicht haben sie ja auch einfach nur die protestantischen Eltern vorgeschoben, um endlich ihre Ruhe zu haben? Wer weiß...?

Donnerstag, 1. Mai 2014

Der kleine Unterschied - Sütterlin und Kurrentschrift

Wissen Sie, was mich wahnsinnig macht? Die Tatsache, dass mir viele Leute erklären, dass sie ja gerne nach ihrer eigenen Familie forschen würden, wenn sie denn nur Sütterlin lesen könnten.

Dumm nur, dass man mit Sütterlin auch nicht viel weiter kommt, weil sie im Grunde nur eine Generation lang geschrieben wurde: Ab 1915 wurde sie in Preußen eingeführt, und 1941 schon wieder verboten. Danach kam die "Deutsche Normalschrift".

Die Schrift, die man am allermeisten braucht, ist deshalb die Kurrentschrift, die Vorläuferin der Sütterlinschrift. Die beiden sind sich zwar ähnlich, trotzdem gibt es einige Unterschiede: Sütterlin wird gerade geschrieben, Kurrent eher schräg. Ich persönlich finde Kurrent auch einfacher, weil es nicht ganz so verspielt und verschnörkelt ist. Bei Sütterlin habe ich immer eher das Gefühl, dass man es malen muss, anstatt es tatsächlich zu schreiben.

Die gute Nachricht ist, dass man es im Zweifel aber gar nicht schreiben können muss, sondern "nur" lesen. Glauben Sie mir, das ist eine unheimlich große Erleichterung.


Abgesehen davon, dass ich auch keine Ahnung von den alten Schriften hatte, als ich mit meiner Forschung angefangen habe: Die Reise ist das Ziel. Man muss sich eben die Zeit nehmen, sich hineinzulesen, auch wenn es vielleicht eine Weile, vielleicht auch ein paar Jahre, dauert. Wenn ich meine Aufzeichnungen aus den Anfängen meiner Forschungen durchgucke, dann habe ich damals teilweise auch ziemlich große Lücken gehabt, weil ich manche Sachen einfach nicht lesen konnte. Was einem dabei entgeht, merkt man eben erst hinterher.

Kann ich deshalb alles lesen? Nein! Definitiv nicht. Genauso, wie ich heute bei manchen Handschriften echte Probleme habe. Es gibt immer Leute, die so mikroskopisch klein schreiben, dass einem auch eine Lupe nicht mehr weiter hilft. Wenn manche Worte unter Tintenflecken begraben sind, kann ich auch nichts machen (heute hat man das Problem eher mit Kaffee). Und wer eine Sauklaue hat, der hat eben eine Sauklaue, egal in welcher Schrift er sie auslebt...



Sonntag, 27. April 2014

Eins nach dem anderen... oder doch lieber alle zusammen?

Auf die Ostwestfalen ist Verlass, jedenfalls dann, wenn es um die Taufen ihrer Kinder ging. Die Taufe fand immer ziemlich schnell nach der Geburt statt, sei es als Nottaufe, sei es in der regulären Weise oft schon am nächsten Sonntag oder spätestens ein paar Wochen später, wenn die Paten weiter weg wohnten als im nächsten Dorf, was eher bei den Kaufmannsfamilien der Fall war als bei den gemeinen Heuerlingen.

Das habe ich auch schon anders gesehen: Man muss nur einen Blick auf die Kirchenbücher aus dem Ruhrpott werfen, und auch in manchen Gegenden in Sachsen-Anhalt ist mir schon die Variante über den Weg gelaufen, dass die Familien erst einmal ein paar Kinder "ansammelten" und sie dann an einem einzigen Tag haben taufen lassen. Da konnte ein Kind auch schon mal sechs Jahre alt sein, bevor es in einem Kirchenbuch auftauchte, dann aber zusammen mit seinen nach ihm zur Welt gekommenen Geschwistern. Manchmal mit einem, manchmal auch mit drei oder vier.

Für den Famlienforscher heißt das, dass man dann erst einmal ein paar Jahrgänge von Taufen durchsuchen darf, bis man denn den Eintrag findet, den man ursprünglich gesucht hat, dann aber manchmal sogar die ganze Kinderschar quasi auf einem Silbertablett serviert bekommt.

Ich nehme mal stark an, dass es nicht zwingend eine Frage des Glaubens war, ob man seine Kinder eins nach dem anderen oder zusammen hat taufen lassen. Vielmehr war es, wie so oft, meist wahrscheinlich eine Frage des Geldes (auch die pastoralen Handlungen gab es eben nicht umsonst), und wenn es in der Gegend sowieso üblich war, gleich mehrere Kinder in einem Rutsch taufen zu lassen, dann fiel man auch nicht negativ auf. Und das war auf dem Dorf damals wahrscheinlich genauso wichtig wie heute...