Als ich damals anfing, die Linie von meinem nach Ostwestfalen "importierten" Urgroßvater Willy Hauffe zu erforschen, war das, was mir meine Mutter über diesen Teil der Familie sagen konnte, eher rudimentär. Kein Wunder, denn im Grunde kamen alle Informationen, die sie hatte, über ihre Mutter, so dass das bisschen, mit dem ich anfangen musste, aus mindestens zweiter Hand kam.
Darunter war auch die Information, dass Willy einen Zwillingsbruder gehabt haben sollte, und zwar Waldemar. Abgesehen davon, dass ich dabei auch damals schon entweder an weißbiertrinkende Sportmoderatoren dachte oder zumindest an kurzbeinige Jagdhunde, die ständig Rücken haben, fand ich den Namen allein schon eher stammbaum-untypisch, obwohl ich zugeben musste, dass ein Zwillingspärchen namens "Willy und Waldi" doch eigentlich nicht ganz unwahrscheinlich klang. Alliteration sei Dank.
Weil ich die Reste seines alten Personalausweises in die Finger bekommen hatte, wusste ich, dass Willy am 27.05.1896 in Burg bei Magdeburg geboren war. Nach der Familienlogik hätte ich Waldemars Geburts- bzw. Taufeintrag dann ja auch in der unmittelbaren Nähe finden müssen...
... aber: Nein. Willy war definitiv ohne Zwillingsbruder zur Welt gekommen.
Aber wie konnte die Waldemar-Legende denn nun zustande kommen?
Ich saß also eines schönen Tages im Magdeburger Archiv und guckte die Taufen aus Burg durch, von hinten nach vorne, denn ich hatte auch noch gehört, dass Willy und Waldemar zwei ältere Schwestern namens Agnes und Else gehabt haben sollen. Das erwies sich übrigens als wahr, und es gab auch noch einige Geschwister mehr. Aber Waldemar fand ich in Burg trotzdem nicht. Auch nicht nach 1896.
Um es kurz zu machen: Ich habe Waldemar dann doch noch gefunden, und zwar zwei Tage später im Archiv in Brandenburg. Er war schon am 28.12.1880 geboren, und zwar in Klein Kreutz.
Zwischen Willy und Waldemar lagen also Pi mal Daumen fünfzehneinhalb Jahre!!!
Uff. Damit war die Zwillingstheorie gestorben, und ich kann mir auch nicht erklären, wie sie überhaupt zustande gekommen sein könnte. Vielleicht sahen sich die beiden ja wenigstens ähnlich?!
Lektion gelernt: Wenn Dir jemand aus der Familie erzählt, dass sein Großvater ein Zwilling gewesen sein soll, dann glaube das erst, wenn Du die Geburtseinträge auch tätsächlich selbst gesehen hast. Ansonsten könntest Du glatt eineinhalb Jahrzehnte daneben liegen.
Von Waldemar weiß ich übrigens, dass er mindestens bis 1932 gelebt hat. Da steht er im Adressbuch von Burg; er war Arbeiter und wohnte im Breiten Weg 49, und zwar in der ersten Etage. Was danach mit ihm passiert ist, ob er geheiratet hat oder ob er Kinder hatte, das weiß ich bis heute nicht. Wenn also jemand einen Waldemar Hauffe im Stammbaum hat, auf den diese Informationen zutreffen... bitte einfach hier einen Kommentar hinterlassen!
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Mittwoch, 11. April 2018
Samstag, 24. Februar 2018
Lektion gelernt: Zwillinge (Teil 2)
Mein Vater konnte sich noch gut an seine Großmutter Lina, mit vollem Namen Margarethe Katharine Karoline Gehring geborene Plessner, erinnern. Kein Wunder, denn als sie am 6. August 1962 starb, war mein Vater immerhin schon 19 Jahre alt.
Was mein Vater nicht wusste: Lina hatte eine Zwillingsschwester. Er hat also erst von mir erfahren, dass er eine Großtante hatte, Marie Katharine Elise Plessner.
Die beiden Zwillinge wurden am 25. September 1887 in Suttorf Nr. 20 (im Kirchspiel Neuenkirchen, gehört heute zu Melle) geboren, als Töchter des Colons Heinrich Wilhelm Plessner und Caroline Marie Dieckmannskamp. Ich kann mir noch gut an meine eigene Überraschung erinnern, denn mit einer Zwillingsschwester von Lina hätte ich nun gar nicht gerechnet.
Es war ein ziemlich schöner Frühsommerabend Ende Mai 2011, als ich mit Herrn Werner, dem Hüter der Neuenkirchener Kirchenbücher, im Pfarramt in Neuenkirchen saß und in den Originalen blättern durfte. Wie man sieht, habe ich meine Neuenkirchener Linie lange Zeit ziemlich vernachlässigt. Mein Gedanke war: "Moment. Wenn sich keiner mehr an eine Zwillingsschwester erinnern kann, dann ist sie vielleicht früh gestorben." Meine Ahnung war leider richtig, und wir mussten auch nicht allzu lange nach dem entsprechenden Eintrag suchen, es war nämlich der erste im Jahr 1889: Marie Katharine Elise ist schon am 2. Januar 1889 wieder gestorben, also mit gerade einmal fünfzehn Monaten. Sie hatte sich mit den Masern angesteckt.
Ich nehme also an, dass selbst meine Uroma Lina keine Erinnerung mehr an ihre Zwillingsschwester hatte. Auch die ältere Schwester der beiden, Luise, war damals noch nicht einmal vier Jahre alt, so dass für sie dasselbe gegolten haben wird. Und die beiden anderen Geschwister (von denen ich weiß), Marie und Heinrich Wilhelm, waren noch gar nicht auf der Welt.
Zwei Generationen später war damit schon wieder vergessen, dass es damals noch ein kleines Mädchen gab, das die Masern nicht überlebt hat. So schlecht ist das menschliche Gedächtnis...
Lektion gelernt: Schließe nie aus, dass Dein Vorfahr ein Zwilling war, bis Du den Eintrag vor und den Eintrag nach seinem Geburts- bzw. Taufeintrag kontrolliert hast, denn es braucht im Zweifelsfall nur zwei Generationen, bis ein früh gestorbenes Kind in Vergessenheit gerät.
Ganz abgesehen davon: Masern sind und waren hochinfektiös. Heute gibt es die entsprechenden Impfungen dagegen (und es ist mir ein Rätsel, warum es Menschen gibt, die sie ablehnen), aber damals war man davon noch ziemlich weit entfernt. Es kann also gut sein, dass Lina die Masern damals auch hatte - dann nur mit dem entscheidenden Unterschied, dass sie sie überlebt hat. Reines Glück also.
Was mein Vater nicht wusste: Lina hatte eine Zwillingsschwester. Er hat also erst von mir erfahren, dass er eine Großtante hatte, Marie Katharine Elise Plessner.
Die beiden Zwillinge wurden am 25. September 1887 in Suttorf Nr. 20 (im Kirchspiel Neuenkirchen, gehört heute zu Melle) geboren, als Töchter des Colons Heinrich Wilhelm Plessner und Caroline Marie Dieckmannskamp. Ich kann mir noch gut an meine eigene Überraschung erinnern, denn mit einer Zwillingsschwester von Lina hätte ich nun gar nicht gerechnet.
Es war ein ziemlich schöner Frühsommerabend Ende Mai 2011, als ich mit Herrn Werner, dem Hüter der Neuenkirchener Kirchenbücher, im Pfarramt in Neuenkirchen saß und in den Originalen blättern durfte. Wie man sieht, habe ich meine Neuenkirchener Linie lange Zeit ziemlich vernachlässigt. Mein Gedanke war: "Moment. Wenn sich keiner mehr an eine Zwillingsschwester erinnern kann, dann ist sie vielleicht früh gestorben." Meine Ahnung war leider richtig, und wir mussten auch nicht allzu lange nach dem entsprechenden Eintrag suchen, es war nämlich der erste im Jahr 1889: Marie Katharine Elise ist schon am 2. Januar 1889 wieder gestorben, also mit gerade einmal fünfzehn Monaten. Sie hatte sich mit den Masern angesteckt.
Ich nehme also an, dass selbst meine Uroma Lina keine Erinnerung mehr an ihre Zwillingsschwester hatte. Auch die ältere Schwester der beiden, Luise, war damals noch nicht einmal vier Jahre alt, so dass für sie dasselbe gegolten haben wird. Und die beiden anderen Geschwister (von denen ich weiß), Marie und Heinrich Wilhelm, waren noch gar nicht auf der Welt.
Zwei Generationen später war damit schon wieder vergessen, dass es damals noch ein kleines Mädchen gab, das die Masern nicht überlebt hat. So schlecht ist das menschliche Gedächtnis...
Lektion gelernt: Schließe nie aus, dass Dein Vorfahr ein Zwilling war, bis Du den Eintrag vor und den Eintrag nach seinem Geburts- bzw. Taufeintrag kontrolliert hast, denn es braucht im Zweifelsfall nur zwei Generationen, bis ein früh gestorbenes Kind in Vergessenheit gerät.
Ganz abgesehen davon: Masern sind und waren hochinfektiös. Heute gibt es die entsprechenden Impfungen dagegen (und es ist mir ein Rätsel, warum es Menschen gibt, die sie ablehnen), aber damals war man davon noch ziemlich weit entfernt. Es kann also gut sein, dass Lina die Masern damals auch hatte - dann nur mit dem entscheidenden Unterschied, dass sie sie überlebt hat. Reines Glück also.
Sonntag, 28. Januar 2018
Lektion gelernt: Zwillinge (Teil 1)
Wenn man an Zwillinge denkt, dann denkt man als erstes an das Wort "gleich". Gleiches Aussehen, gleiche Kleidung, gleicher Geburtstag...
Halt. Das muss alles nicht zwingend sein.
Abgesehen davon, dass es ja auch zweieiige Zwillinge gibt, bei denen man auf den ersten Blick keine so große Ähnlichkeit feststellen kann, und auch abgesehen davon, dass die Wahl der Kleidung völlig optional ist: Nur, weil jemand einen Zwilling hat, muss das noch lange nicht bedeuten, dass die beiden Zwillinge auch am selben (und erst recht nicht am gleichen) Tag Geburtstag haben!
Nehmen wir zum Beispiel mal den
Urgroßvater meines Mannes, Johann Hermann Schwarte. Er wurde
am 05.11.1862 als Sohn des Käthners Hermann Heinrich Schwarte
und seiner Frau Elisabeth geb. Brümmer "zwischen Walchum
und Steinbild auf'm Berge" (ja, das ist ein Zitat) im Emsland
geboren1.
Sein "kleiner" Zwillingsbruder Bernhard Heinrich
dagegen erblickte erst am 06.11.1862 das Licht der Welt2.
Die Lösung ist ganz einfach: Johann Hermann wurde vor Mitternacht
geboren, Bernhard Heinrich erst kurz danach.
Lektion gelernt: Wenn ich weiß,
dass es da noch einen Zwillingsbruder oder eine Zwillingsschwester
gibt, ich aber den Geburts- bzw. Taufeintrag noch nicht einsehen
konnte, dann notiere ich das Geburtsdatum dieses Zwillings jetzt
immer als Circa-Datum.
Getauft wurden die beiden dann übrigens
wieder zusammen, und zwar am 17.11.1862 in Steinbild3.
Ich muss noch herausfinden, was mit Bernhard Heinrich passierte, aber
bei Johann Hermann weiß ich es: Er heiratete am 19.02.1902 (wenn er
sich das Datum nicht merken konnte, dann weiß ich es auch nicht!) in
Lathen Anna Wilkens aus Oberlangen4.
_______________________________________________
1 Taufeintrag
Kirchenbuch Steinbild (St. Georg), 45/1862
2 Taufeintrag
Kirchenbuch Steinbild (St. Georg), 46/1862
3 wie
oben
4 Trauungen
Kirchenbuch Lathen (St. Vitus), 2/1902
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