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Freitag, 29. April 2022

Frollein Meiers toter Punkt

Ich habe mal wieder in Burg bei Magdeburg gearbeitet. Also nicht in Burg selbst (obwohl ich es dort ja wirklich sehr schön fand), sondern in seinen Kirchenbüchern.

Dieses Mal wollte ich bei Maria Sophia Besters anderer Großmutter noch ein Stückchen weiter kommen. Bislang wusste ich nur, dass sie eine geborene Maria Sophia Meier war, die den Bürger und Arbeitsmann Christian Lahne aus Burg geheiratet hatte und mit ihm mindestens sechs Kinder bekam, vier Töchter und einen Sohn. 

Man könnte jetzt meinen, "Ausgerechnet eine Meier, davon muss es doch Hunderte gegeben haben", aber das ist nicht mein Problem. Tatsächlich wäre man mit den Kirchenbüchern von Burg viel schneller durch, wenn nicht gefühlt ein Drittel der Menschen dort Schulze geheißen hätte...

Ich habe nun Maria Sophias Sterbeeintrag gefunden, Nr. 78/1789 im Kirchenbuch von St. Nicolai. Ihr Alter ist mit 50 Jahren angegeben. 

Gut, wir wissen alle, dass wir mit so runden Altersangaben immer ein bisschen vorsichtig sein müssen. Aber wir können annehmen, dass Maria Sophia so ungefähr 1739 geboren worden ist. Plus oder minus ein paar Jahre. Aber das ist auch nicht mein Problem. 

Mein Problem ist, dass Maria Sophie laut ihres Sterbeeintrags in Niegrip[p] geboren wurde. Im Gegensatz zum abgebrannten Gerwisch gibt es Niegripp zwar noch, es ist inzwischen nach Burg eingemeindet, aber die Kirchenbücher beginnen erst 1807, obwohl die Kirche schon von 1732 stammt. Ich kann also annehmen, dass Maria Sophia dort schon getauft worden ist, als die Kirche quasi noch brandneu war. Das hier ist sie übrigens:

Die Niegripper Kirche (wikipedia.de)

Niegripp wurde wohl von Schartau abgepfarrt, das ungefähr zwei Kilometer nördlich liegt. So weit, so gut. Aber auch da fangen die Kirchenbücher, die ich online finde, erst 1760 an. Zumindest sind das die Informationen, die ich beim Landeskirchenarchiv Magdeburg finde. 

Zum Mäusemelken. Irgendwie scheint das erste Kirchenbuch von Schartau im Laufe der Jahrhunderte abhanden gekommen zu sein. Das könnte natürlich damit zu tun haben, dass - so zumindest wikipedia - im Jahre 1759 ein Großbrand große Teile des Ortes zerstört hat. Wie könnte es auch anders sein... So ein ... ! Da hat keiner daran gedacht, die Kirchenbücher zu retten.

Damit ist Maria Sophias Geburt erstmal ein toter Punkt. 

Falls jemand da draußen eine Idee hat, wie ich ihn überbrücken kann - her damit! 

Freitag, 28. Januar 2022

Wer schwängerte Fräulein Flandermeyer?

Ich hatte hier ja schon mal erwähnt, dass eine meine Ur-Ur-Großmütter eine gewisse Katharine Elisabeth Flandermeyer war, die Johann Peter Heidemann geheiratet hat und am 3. Februar 1917 in Werther Nr. 89 starb. 

Geboren wurde sie am 30. Januar 1842, und zwar in Groß-Aschen Nr. 12. Ihre Taufe am 06.02.1842 habe ich im Kirchenbuch von Hücker-Aschen gefunden (dort Nr. 3/1842). Als Paten sind Marie Flandermeier in Spenge und Elisabeth Brennemann angegeben. 

Mit Groß-Aschen und Hücker-Aschen ist das so eine Sache. Man sollte eigentlich annehmen, dass beide zusammengehören. So ganz richtig ist das aber nicht mehr, denn Groß-Aschen wurde 1970 in die Gemeinde Riemsloh eingemeindet, die wiederum zur Stadt Melle gehört und damit in Niedersachsen liegt. Hücker-Aschen dagegen war schon 1968 der nördlichste Ortsteil von Spenge geworden und gehört damit zu Nordrhein-Westfalen. Das sind die Konstellationen, die einem das Forscherdasein leichter machen... 

Das wirklich Komplizierte an Katherine Elisabeth Flandermeyer ist aber etwas ganz anderes: Wer bitte schön war ihr Vater? 

In ihrem Taufeintrag ist nur ihre Mutter vermerkt, Anna Margarethe Ilsabein Flandermeyer. Vom Vater keine Spur... kein "angeblich", kein "als Vater hat sich erklärt" oder "Vater soll sein" - nichts. 

Katharine Elisabeth ist damit die einzige meiner Ur-Urgroßeltern, deren Eltern ich nicht vollständig kenne. Ihr Vater ist also die erste Lücke, die ich sehe, wenn ich mir meine Vorfahren als Diagramm anzeigen lasse, und das macht mich, wenn ich ehrlich sein soll, doch ein bisschen ramdösig. Ich kann's nicht besser formulieren, da schlägt halt die Ostwestfälin in mir komplett durch... 

Samstag, 18. Juni 2016

Der Gärtner und seine Blume

Mein Archion-Abo hat sich schon dadurch bezahlt gemacht, dass ich mir einen Trip nach Berlin ersparen konnte. Denn so schräg ich es als Ostwestfälin auch finde - ich habe tatsächlich Berliner Wurzeln... oder besser: eine zumindest.

Als ich vor ein paar Jahren in Brandenburg im Archiv war, habe ich den Heiratseintrag zweier meiner Rohde-Vorfahren im kleinen Dorf Butzow in Brandenburg gefunden. Butzow gehört heute zur Gemeinde Beetzseeheide, wo auch heute keine 700 Leute wohnen.1 

Am 29.10.1820 heirateten dort Johann Andreas Friedrich Rohde, der am 26.10.1791 in Seelensdorf geboren worden war, und eine gewisse Luise Charlotte Christine Elisabeth Seiler2. Luise Charlotte Christine Elisabeths Geburtsdatum war nicht angegeben, wohl aber ihr Alter: Demnach war sie circa 1799 geboren worden. Ihr Vater war der Kunstgärtner Otto Friedrich Wilhelm Seiler in Charlottenburg, ihre Mutter war gar nicht genannt.

Mehr wusste ich über ihre Herkunft nicht - bis ich auf Archion sehen konnte, dass nun auch die Kirchenbücher von Charlottenburg online sind. Aber wo anfangen? Kirchen gibt es da ja nun auch mehrere, und Charlottenburg war ja nun auch etwas dichter besiedelt als ... Butzow.

Ich entschied mich für eine praktische Vorgehensweise, und zwar über google maps. Ich habe das Charlottenburger Schloss als Ausgangspunkt genommen (in der Hoffnung, dass Papa Seiler vielleicht dort kunstgegärtnert hat) und dann nach Kirchen in der näheren Umgebung gesucht. 

Und tatsächlich: Ich habe "meine" Seilers gefunden, auch wenn sie in Charlottenburg etwas anders geschrieben als Familie "Seyler" auftauchten. Und zwar in den Kirchenbüchern der heutigen Luisengemeinde, die damals allerdings noch gar nicht so hieß. Königin Luise, nach der die Kirche posthum in den 1820ern benannt wurde, war nämlich erst 1810 gestorben (ja, das war die, die Napoleon damals so gehasst und beeindruckt hatte).

Zurück zu den Seylers: Ich habe sie zum ersten Mal im Jahr 1797 in Charlottenburg gefunden. Dem "herrschaftlichen Gärtner" Otto Friedrich Wilhelm Seyler und seiner Frau Dorothea Luisa Blume wird am 15.11.1797 eine Tochter namens Margarethe Dorothea Maria geboren, die am 19.11.1797 getauft wurde3.

Ungefähr ein Jahr später, am 10.12.1798, folgt dann die zweite Tochter: Isabelle Charlotte Christine Elisabeth4. Das muss meine "Luise Charlotte Christine Elisabeth" sein, und ich schließe daraus, dass Isabelle nicht gerade ihr Rufname war. Auf jeden Fall aber ist "Isabelle" einer der exotischeren Vornamen in meinem Stammbaum, und ich frage mich, woher er kommt. Die Paten geben jedenfalls nichts her. Die Taufe fand am 23.12.1798 statt.

Damit ist auch klar, Papa Seilers Ehefrau und damit meine direkte Vorfahrin war: Der herrschaftliche Gärtner hatte ausgerechnet ein Fräulein Blume geheiratet! Wenn das nicht konsequent ist, dann weiß ich es auch nicht!

Nochmal etwas mehr als ein Jahr später kommt dann folgerichtig die dritte Tochter der Familie zur Welt: Wilhelmine Henriette Juliane5. Sie wurde am 01.03.1800 geboren und am 09.03.1800 getauft.

Das war dann aber leider auch schon alles, was ich bis jetzt über die Familie herausfinden konnte. In den Jahren davor und danach tauchen sie in Charlottenburg jedenfalls nicht mehr auf. Ich weiß also nicht, woher sie kamen und wohin es sie später verschlagen hat. Falls jemand da draußen eine Ahnung hat - ich bin für jeden Anknüpfungspunkt dankbar! 

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1wikipedia.org
2Kirchenbuch Ketzür, 1/1820
3Kirchenbuch Luisengemeinde Charlottenburg, 89/1797
4Kirchenbuch Luisengemeinde Charlottenburg, 116/1798
5Kirchenbuch Luisengemeinde Charlottenburg, 16/1800

Dienstag, 8. März 2016

Woher kam Familie Willbränder? oder: Der große Einzugsbereich von Stockkämpen

Eine Sache nervt mich wirklich an den (katholischen) Stockkämper Kirchenbüchern: Sie sind zwar an sich super-lesbar (gestochen scharf im 17. Jahrhundert - wann hat man das schon mal?!), aber dummerweise fehlen in den ersten hundert Jahren so gut wie sämtliche Ortsangaben. Und gerade das ist die Zeit, die mich interessiert.

Dabei muss man sich vor Augen halten, dass der Pfarrbezirk für ein solch kleines Kirchlein doch verflixt groß war: Er umfasste immerhin Halle, Hörste, Borgholzhausen, Versmold, Brockhagen und Werther, mit allen heute eingemeindeten Ortsteilen. Das wiederum liegt daran, dass die Katholiken hier in der Gegend ziemlich rar gesät waren. Von der Karte hier muss man sich also nur Steinhagen wegdenken.
Es machte also schon einen gewissen Unterschied, ob man aus Theenhausen oder aus Peckeloh kam. Und bei meinen Willbränders, die später auch als Willbrand oder Willebrand auftauchen, finde ich nicht wirklich eine örtliche Zuordnung. Wenn man in den IGI guckt, dann findet man für den Namen Willebrand schon eine gewisse Ausrichtung zum Münsterland hin, aber das sagt ja nun nicht wirklich etwas aus.

Der älteste Vorfahre, den ich in dieser Linie kenne, ist Johannes Willbränder. Er war mit Margaretha Baum verheiratet. Das erste Kind, von dem ich weiß, ist Anna Margaretha Willbränder, die am 15.09.1702 in Stockkämpen getauft wurde. Die Trauung von Johannes und Margaretha habe ich bis jetzt noch nicht gefunden, jedenfalls nicht in Stockkämpen.

Falls es noch ältere Kinder der beiden gab, dann sind sie auch nicht in Stockkämpen getauft worden. Es ist ja relativ unwahrscheinlich, dass ein Ehepaar sechs Jahre lang keine Kinder bekommt, und von Anbeginn der Stockkämpener Kirchenbücher (St. Johannes Baptist wurde 1696 geweiht) bis zur Geburt von Anna Margaretha sind keine Willbränder-Taufen verzeichnet. Ich gehe deshalb davon aus, dass Johannes und Margaretha zugezogen sind. Aber von wo?

Ich fürchte, dass das für eine Weile noch ein Geheimnis bleiben wird. Aber vielleicht hilft mir Kommissar Zufall ja irgendwann einmal weiter...




Sonntag, 20. April 2014

Von uns war's keiner!

Uneheliche Kinder fallen einem im Kirchenbuch ja schon allein deshalb ins Auge, weil die Spalte, in der "normalerweise" der Kindsvater angegeben wurde, leer geblieben ist.

Natürlich lässt es den Familienforscher vor schierer Verzweiflung den Kopf auf den Tisch schlagen, wenn der Vater unbekannt bleibt. Oft genug findet man aber wenigstens einen kleinen Hinweis bei der Mutter: "hatte in xy gedient". In den meisten Fällen wird da wohl jemand die Magd geschwängert haben, jedenfalls dürfte das wohl die Vermutung des Pastors gewesen sein, der die Taufe eingetragen hat. Und zwar ganz so, als wollte er mit dem Eintrag auch sagen:

"Von meinen Schäfchen war's wenigstens keiner!"

Immerhin ein klitzekleiner Hinweis auf den potentiellen Vater. Und ein Hinweis auf den Lebenslauf der Mutter, die anscheinend doch aus ihrem kleinen Dorf wenigstens einmal herausgekommen ist...

Freitag, 19. April 2013

Woher kamen eigentlich die Schwentkers?

Gute Frage. Irgendwie ist der eigene Name doch immer noch der, der einen am meisten interessiert, oder? Das liegt wahrscheinlich daran, dass man die größte Bindung dazu hat; jedenfalls ist das bei mir so. Ich bin nunmal als eine "Schwentker" geboren (auch wenn ich durchaus anerkenne, dass das aufgrund der westfälischen "Genannt-Namen" durchaus ein Zufall ist), und ich habe auch vor, als eine "Schwentker" zu sterben, wenn auch hoffentlich nicht in allzu naher Zukunft. Soll heißen: Selbst wenn ich mich irgendwann dazu hinreißen ließe, einen Standesbeamten in eigener Sache aufzusuchen, würde ich meinen Namen behalten- und zwar als einzigen Namen, weil ich mit Doppelnamen nicht wirklich viel anfangen kann.

Was ich über den Ursprung des Namens "Schwentker" weiß, ist, dass ich zumindest meine Sippe in den Wertheraner Kirchenbüchern bis zu ihrem Anfang zurückverfolgen kann; es haben also auch schon Anfang des 17. Jahrhunderts Schwentkers im Kirchspiel Werther gelebt. Im Gegensatz zu vielen anderen Namen ist er auch während der letzten 400 Jahre dort nicht ausgestorben; der Name ist immer noch ziemlich bekannt. Heute taucht er in Werther noch in zwei Varianten auf: Mit "t" oder ohne, soll heißen, die "Schwentkers" und "Schwenkers" sind alle irgendwie verwandt, schreiben sich nur teilweise unterschiedlich. Leute, die mich seit Ewigkeiten kennen, sprechen mich mit "Frau Schwenker" an, und ich denke mal, dass die Schwenkers zumindest ab und an auch mal das umgekehrte Problem haben.

Dieses Phänomen ist aber nicht neu; man muss sich nur einmal die Kirchenbücher von anno dazumal angucken. Ich habe darin nicht nur Schwentkers und Schwenkers, sondern auch Schwenckers und Schwenneckers gefunden, wenn sich die beiden letzten Varianten auch nicht erhalten haben. Teilweise geht es sogar soweit, dass mehrere Namensvarianten in einem einzigen Eintrag auftauchen. Kein Wunder, dass die allgemeine Verwirrung bis heute anhält.

Einen zweiten Stamm der Schwen(t)kers habe ich in Hille bei Minden gefunden, was Luftlinie ungefähr 45 Kilometer von Werther entfernt liegt. Leider kriege ich beide Sippen bis heute nicht zusammen. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich vor 400 oder mehr Jahren mal ein Schwen(t)ker auf den Weg gemacht und einen neuen Familienstamm begründet hat, aber ich könnte nicht sagen, von welchem Ort aus er losgewandert ist. Falls sich jemand da draußen schon einmal mit dieser speziellen Frage beschäftigt und eine Antwort gefunden hat - ich wäre interessiert!

Weitere größere Vorkommen von Schwen(t)kers findet man nicht wirklich, so dass ich davon ausgehe, dass alle heute lebenden Schwen(t)kers von diesen beiden Sippen abstammen. Je mobiler die Menschen wurden, desto mehr verteilten sie sich eben, und auch die amerikanischen Schwen(t)kers werden irgendwann bei einer der beiden Sippen ankommen.

Was die Bedeutung des Namens angeht, so gibt sie keinen großartigen Anhaltspunkt, was die Herkunft der Familie angeht: Allgemein wird angenommen, dass sich der Name vom mittelhochdeutschen Wort für "schwanken" ableitet. Einer meiner Vorfahren dürfte also mal geschwankt haben, aus welchem Grunde auch immer. Vielleicht war ein Bein kürzer als das andere, vielleicht hatte er die Angewohnheit, mehr Alkohol zu konsumieren, als gut für ihn war. Vielleicht meinte er auch, seine Meinung ständig ändern zu müssen (obwohl ich mir das bei einem Westfalen eigentlich nicht so gut vorstellen kann). Man weiß es einfach nicht, und man wird es wohl auch nie wirklich wissen können - schade.

Eine kleine Anmerkung noch in eigener Sache:

Auch, wenn die Leute meinen Namen schon beim ersten Anlauf richtig verstehen:
Nein, ich schreibe mich nicht(!!!!) mit "dt".

Das ist die einzige Namensvariante, die ich tatsächlich noch nie gefunden habe.

Mittwoch, 1. August 2012

Die ominöse Geburt des Heinrich Ortmeyer

Die Geburt meines Ur-Ur-Ur-Großvaters Heinrich Ortmeyer gibt mir immer noch Rätsel auf. Heinrich war einer der Urgroßväter meiner Großmutter mütterlicherseits. In einer Zeit, in der die Angaben in den Kirchenbüchern in den allermeisten Fällen schon sehr präzise sind, sehe ich lauter Fragezeichen...

Es steht fest, dass Heinrich am 8. Dezember 1899 in der Steinhauser Arrode Nr. 5 in Halle (Westf.) an Altersschwäche gestorben ist. Die Jahrhundertwende hat er damit nur um rund dreieinhalb Wochen verpasst. In seinem Sterbeeintrag im Haller Kirchenbuch wird er als Leibzüchter bezeichnet, der zwei Söhne hinterließ.

Soweit, so gut. Das eigentliche Problem beginnt damit, dass im Sterbeeintrag kein konkretes Geburtsdatum, sondern nur sein Alter angegeben ist: 75 Jahre. Danach wäre er 1824 geboren. Als Geburtsort wird Enger angegeben. Von Enger, das heute im Kreis Herford liegt, bis nach Halle sind es ungefähr 20 Kilometer. Nur hört der Familienforscher eben die Nachtigall trapsen, wenn in einem Sterbeeintrag einfach nur ein rundes Alter angegeben wird.

Ebenfalls aus dem Sterbeeintrag weiß ich, dass die Hochzeit mit seiner Frau Anne Marie Elisabeth Schulte am 26.04.1857 in Brockhagen stattgefunden haben soll. Aus irgendeinem Grunde führen mich in meiner Forschung ständig Linien nach Brockhagen.

Der Heiratseintrag in Brockhagen war schnell gefunden:

Heinrich Ortmeier, geb. 1824 in Enger, Eltern: Hermann Heinrich Ortmeier und Catharine Wilhelmine Schäffer, Eltern beide tot, heiratete am 26.04.1857 Anne Marie Elisabeth Schulte, geb. am 16.03.1833 in Brockhagen, Eltern: Johann Heinrich Schulte und Anne Marie Lindert.

Der Eintrag hilft mir aber auch nur bedingt weiter, denn ich weiß inzwischen, dass er nicht ganz korrekt ist: Anne Marie Elisabeth Schulte wurde eben nicht in Brockhagen geboren, sondern in Künsebeck. Wenn der Pastor bei ihr einen falschen Geburtsort einträgt, warum dann nicht auch bei ihm? Vor allem, weil er Fräulein Schultes Geburtsdatum ganz einfach hätte nachprüfen können. Ganz davon abgesehen nannte sich die Familie ihrer Mutter nicht "Lindert", sondern auf gut Westfälisch "Linnert". Ich bin aber durchaus bereit, über diese Kleinigkeit hinwegzusehen, auch wenn Fräulein Schultes Mutter tatsächlich eine geborene Linnert aus Brockhagen war.

Der nächste Schritt bestand im Wälzen der Kirchenbücher von Enger, die die kleine Tücke aufweisen, dass sie in Stadt- und Landgemeinde unterteilt sind. Ich habe beide Bücher durchgesehen: Von Ortmeiers oder Ortmeyers habe ich keine Spur gefunden. Die einzigen Ortmeyers zu dieser Zeit in Enger bekamen ihre Kinder erst ab 1836, und die Mutter zu diesen Kindern war auch keine geborene Schäffer. Hmmm.

Heinrich und Anne Marie Elisabeth Ortmeyer bekamen zumindest ihre ersten beiden Kinder in Brockhagen. Danach zogen sie ins Kirchspiel Halle und bekamen noch mindestens zwei weitere Kinder, darunter meinen Ururgroßvater Friedrich Wilhelm August Ortmeyer.

Die Tatsache, dass im Landeskirchlichen Archiv in Bielefeld die Verkartungen der Haller Kirchenbücher zu finden sind, nutze ich, um einmal nachzusehen, ob es denn noch weitere Ortmeyers in Halle gab. Und siehe da: Ich fand die Heirat eines Caspar Heinrich Ortmeyer, 1801 in Halle geboren, mit einer Anne Marie Elisabeth Castrup, die in Jöllenbeck geboren sein soll. Die Hochzeit fand am 10. Mai 1826 in Halle statt. Und genau diese Anne Marie Elisabeth Castrup war die Witwe von Johann Petrus Schäfer, den sie am 8. November 1824 in Enger geheiratet hatte.

Wenn ich die Indizien zusammennehme, dann muss ich davon ausgehen, dass Heinrich der Sohn von Johann Petrus Schäffer, der übrigens aus Lügde stammte, und Anne Marie Elisabeth Castrup war. Als Johann Petrus Schäffer starb und kurz darauf seine Witwe den Caspar Henrich Ortmeyer aus Halle heiratete, dürfte er den meisten Hallern einfach als Heinrich Ortmeyer bekannt gewesen sein. Dass die Vornamen der Eltern nicht mit dem Brockhagener Heiratseintrag zusammenpassen, bleibt ein Makel, kann aber eventuell damit erklärt werden, dass der das Kirchenbuch führende Pastor auch schon an anderer Stelle der "Schlamperei" überführt werden konnte. (Und wenn die Eltern des Bräutigams sowieso tot sind - wen sollten dann ein paar falsche Vornamen stören? Genau - den Familienforscher!)

Die Frage, wo Heinrich denn nun geboren wurde, bleibt aber. Wenn jemand den Eintrag findet, dann kann er mir gerne Bescheid geben.

Und solange ich Heinrichs Taufeintrag nicht gefunden habe, werde ich diese Geschichte als das betrachten, was sie (noch) ist: Eine Theorie.






Donnerstag, 26. April 2012

Johann Friedrich Schulze

Ein toter Punkt, über den ich wahrscheinlich nie hinwegkommen werde, ist die Geburt meines direkten Vorfahren Johann Friedrich Schulze.

Johann Friedrich war Heuerling und Schneider und starb am 26.02.1855 in Ascheloh 10 an Altersschwäche. Sein Alter ist in seinem Sterbeeintrag im Haller Kirchenbuch mit 80 Jahren angegeben, so dass er entweder 1774 oder 1775 geboren wurde. Leider beschränkt sich der Eintrag darauf, dass Johann Friedrich "aus dem Waldeckschen" stammte.

Das sind die Momente, in denen man sich Vorfahren mit sehr speziellen Nachnamen wünscht. "Schulze" gehört leider nun so gar nicht dazu.

Den ersten Hinweis auf Johann Friedrich finde ich in seinem Heiratseintrag vom 20.09.1800. Auch bei den Paten seiner Kinder habe ich bis jetzt noch keinen Hinweis auf die weitere "Schulze"-Linie gefunden.

Wenn einem von Ihnen also ein Johann Friedrich Schulze, der um 1775 im Waldeckschen geboren wurde, "abhanden gekommen" ist, dann lassen Sie es mich bitte wissen...