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Sonntag, 6. April 2025

Die Wertheraner Kinder des Jahrgangs 1914

So wenig, wie ich mich hier im Blog in den letzten Wochen habe sehen lassen, könnte man doch glatt meinen, ich hätte die Familienforschung drangegeben. Aber weit gefehlt.. das Gegenteil ist der Fall. Es wird Zeit, dass ich mal wieder etwas darüber berichte, was ich so anstelle.

In den letzten Jahren habe ich mir angewöhnt, immer die Geburten des gerade freigegebenen Jahrgangs des standesamtlichen Geburtsregisters in Werthers Gedächtnis einzuarbeiten, am besten gleich zu Beginn des Jahres. Das klappt nicht immer so zügig, wie ich es mir wünschen würde, so zum Beispiel auch in diesem Jahr. Darf ich mir hier einmal die höfliche Kritik erlauben, dass ich es doof finde, dass das Wertheraner Stadtarchiv nur noch an drei Stunden in der Woche geöffnet ist, nämlich donnerstags von 09.00 bis 12.00 Uhr? Für Leute wie mich, die noch nicht im Rentenalter sind, ist das echt verflixt unpraktisch. Wenn dann auch noch der Archivar krankheits- oder urlaubsbedingt ausfällt - kann ja immer mal passieren -, dann rutschen manche Sachen halt zeitlich nach hinten. Und so war es dann auch mit "meinen" Geburten von 1914. 

Unsere zukünftigen Forscher müssen sich da übrigens keine Sorgen machen: 2024 wurde in Werther nicht ein einziges Kind geboren. Null. Zero. Das berichtete zumindest das Westfalen Blatt. Es wurden zwar Kinder geboren, die in Werther wohnen, aber die Geburt fand halt woanders statt. Irgendwie traurig.  

1914 war das noch anders. 

Da kamen immerhin noch 136 kleine Wertheraner und Wertheranerinnen im Amt Werther auf die Welt. Auch nur noch halb soviele wie in den geburtenstärksten Jahrgängen, aber immerhin. 

Die Jungs waren in der Überzahl: Das Verhältnis lag bei 70 zu 66. Es gab ein Zwillingspärchen, alle anderen waren Einzelgeburten. Totgeburten waren nicht verzeichnet, aber ich habe noch nicht gegengecheckt, ob es nicht doch welche gegeben hat. 

Spannend finde ich ja immer die Vornamen. Schade, dass man nie weiß, welcher bei den Doppel-, Dreifach- oder Vierfachnamen der Rufname war.

An erster Stelle bei den Jungs ist eigentlich alles wie immer. Wilhelm (30 Mal) vor Heinrich (21) vor Hermann (19).  Dann folgen Friedrich (13), Gustav und August (je 11), Paul (7), Peter (6), Fritz (5), Erich, Johannes, Karl, Ewald, Walter (je 3), Julius, Ernst, Gerhard, Rudolf, Artur und Adolf (je 2). Außerdem gab es noch je einen Werner, Emil, Bernhard, Hugo, Otto, Christian, Dietrich, Hans, Kaspar, und Siegfried. Interessant finde ich, dass die Johanns nun ganz verschwunden sind, stattdessen findet man halt Johannes oder Hans. Richtig modern für Wertheraner Verhältnisse war auch Fritz - ich denke mal, dass sich diverse Eltern gedacht haben, dass aus ihrem Friedrich sowieso ein Fritz gemacht werden würde, so dass sie den Lütten auch gleich so nennen konnten. Insgesamt gab es bei 70 Jungen immerhin 30 verschiedene Vornamen. 

Bei den Mädchen waren die Eltern auch 1914 wieder etwas kreativer. Allzu viel hat sich aber auch bei ihnen im Vergleich zu den Vorjahren nicht geändert. Marie (17) vor Johanne und Anna (beide 14) und Auguste und Frida (je 10). Auf den Plätzen folgen Martha (9), Luise (8), Erna (7), Elfriede und Herta (5), Wilhelmine, Maria, Elisabeth, Magdalene, Emma (4), Charlotte, Else und Lina (3), Paula, Margarethe, Minna, Alwine, Helene und Katharine (2). Je einmal kamen eine Franziska, Johanna, Erika, Friederike, Henriette, Sophie, Hilde, Elli, Juliane, Alma, Gertrud, Hildegard, Ida und Emmi zur Welt.  Wer wollte, dass seine Tochter wusste, dass sie gemeint war, wenn man sie rief, nannte sie also Gertrud oder Hildegard...

Okay, bei denen Namen gab es also nicht wirklich etwas Besonderes. 

Dafür war etwas anderes im Umbruch: Während im ersten halben Jahr in den allermeisten Fällen die stolzen Väter beim Amtmann erschienen, um die Geburt des Nachwuchses offziell zu machen, waren es danach immer öfter die Hebammen, die diese Aufgabe übernahmen. Kein Wunder, viele Väter waren ja "verhindert", wenn man es harmloser ausdrücken wollte, als es eigentlich war. Auch, wenn die Kriegsbegeisterung in den ersten Monaten ja angeblich so groß gewesen sein soll ("bald sind wir wieder zu Hause!"), so wären die meisten frisch gebackenen Väter wahrscheinlich lieber zu Hause bei Frau und Kind geblieben, wenn man sie im Vertrauen gefragt hätte. Ist jetzt mal meine Vermutung. Aber wenn der Kaiser rief und sich alle vor Nationalismus quasi überschlugen...

Und dieser Jahrgang war dann auch der erste, den es in dem Sinne doppelt übel getroffen hat: Während des Ersten Weltkriegs geboren und dann den Zweiten Weltkrieg umso intensiver miterlebt. Auch hier habe ich erschreckend viele Randvermerke gefunden, dass sie ihn nicht überlebt haben. Ich weiß immer nie, ob mich diese Randvermerke traurig oder einfach nur wütend machen. Vor allem in Zeiten, in denen wir zwangsweise wieder über "Kriegstüchtigkeit" diskutieren müssen.

In diesem Sinne bin ich ja schon auf den Jahrgang 1915 gespannt: Werden dann auch wieder so viele Eltern ihren Sohn "Wilhelm" nennen, oder nimmt dann schon eher davon Abstand? Spontan würde ich ja sagen, dass der Name eher nicht verschwinden wird - das Kind heißt dann halt nur noch wie Opa und nicht zufällig auch noch wie der Kaiser. Ich tippe mal, dass man erst so ab 1919 eine wirkliche Veränderung finden wird... aber da muss ich wohl noch ein paar Jahre warten, bis ich eine Antwort auf diese Frage bekomme.  

Dienstag, 17. Januar 2023

Menschen, die 1960 in Werther gestorben sind, aber nicht in Werther geboren waren

So, die Sterbeeinträge für 1960 habe ich nun auch in Werthers Gedächtnis eingearbeitet. Und weil ich gerade so schön im Flow war, habe ich auch gleich noch eine kleine Liste mit den Leuten erstellt, die zwar in Werther (bzw. im Bereich des Amtes Werther) gestorben sind, die aber nicht in Werther geboren worden waren. Mein Hintergrundgedanke war, dass eine solche Liste vielleicht helfen kann, wenn man als Forscher jemanden sucht, der aus seinem Heimatort "verschwunden" war, aus welchen Gründen auch immer. Nicht immer hat man ja die Gelegenheit, die Geburtsregister mit dem entsprechenden Vermerk einzusehen, oder die Vermerke fehlen. 

Die Liste ist ganz einfach aufgebaut: Nummer im Register, Name, Datum und Ort der Geburt, Datum und Ort des Todes. KH bedeutet Krankenhaus.  

 1. Heinrich Ludwig Strothenke, 14.03.1881 Borgholzhausen, 01.01.1960 KH

2. Christiane Ernestine Kalms geb. Berger, 02.07.1887 Oberwüstegiersdorf, 06.01.1960 KH

3. Hermann Martin Paul Mittmann, 18.04.1894 Nimkau, 06.01.1960 KH 

7. Hanne Wilhelmine Schneider geb. Rekord, 05.02.1878 Senne II, 10.01.1960 KH 

9. Helene Vethake geb. Fröhlich, 24.08.1912 Zwingenberg, 18.01.1960 KH 

10. Wilhelm Meier, 13.11.1882 Niederbonsfeld, 17.01.1960 KH 

11. Anna Catharine gen. Anna Marie Jerrentrup geb. Niemeyer, 04.03.1875 Spenge, 27.01.1960 Meyerfeld 5

13. Hermann Martin Alex, 09.11.1879 Neu Gründann, 10.02.1960 Theenhausen 37

14. August Friedrich Tappe, 21.06.1881 Lenzinghausen, 11.02.1960 Rotenhagen 47

15. Richard Karl Leo Haselbach, 09.07.1884 Stabelwitz, 11.02.1960 Am Markt 8

16. Anna Marie Emma Sahrhage geb. Brocke, 08.03.1895 in Babenhausen, 15.02.1960 KH

17. Heinrich August Gustav Klusmann, 07.10.1885 Lenzinghausen,  15.02.1960 KH 

18. Bertha Marie Anna Kern geb. Foerste, 27.04.1889 Groß Schwechten, 17.02.1960 KH 

19. Friedrich Johann Ruwe, 17.10.1875 Wallenbrück, 17.02.1960 Haller Str. 41

20. Johannes Ernst Paul Schölske, 10.10.1885 Königsberg in der Neumark, 17.02.1960 KH Me

21. Johann Heinrich Schenk, 19.12.1888 Höntrup, 18.02.1960 KH 

23. Anna Johanne Bockermann geb. Blome, 17.03.1879 Bielefeld, 20.02.1960 KH

24. Anna Elisabeth Janikulla geb. Prause, 09.11.1896 Woischwitz, 22.02.1960 KH 

25. Ignatz Härtl, 22.07.1870 Brüsau, 20.02.1960 Engerstr. 46

29. Lisette Luise Dreier geb. Voß, 06.04.1894 Spenge, 28.02.1960 KH 

30. August Decker, 31.12.1885 Neuhof, 28.02.1960 KH 

31. Ida Pauline Lattner, 26.02.1892 Kottwitz, 29.02.1960 Kök 28

33. Anna Marie Rather geb. Griese, 03.07.1899 Spenge, 06.03.1960 KH 

34. Friedrich August Waldhecker, 06.01.1882 Neuenkirchen, 07.03.1960 KH 

35. Paul Heinrich Heitbrink, 10.01.1902 Spenge, 07.03.1960 KH 

36. Hermann Wilhelm Voß, 14.09.1884 Holterdorf, 10.03.1960 KH 

37. Auguste Amalie Beckmann geb. Schumann, 15.10.1888 Bielefeld, 13.03.1960 KH 

41. Bernd Gottlieb Wilhelm Schüler, 03.10.1885 Westerenger, 23.03.1960 KH 

44. Anne Marie Ilsabein Schwentker geb. Krüger, 19.08.1873 Bardüttingdorf, 27.03.1960 KH 

45. Wilhelm Joseph Hansen, 18.12.1884 Aachen, 28.03.1960 KH 

46. Marie Wilhelmine Dröge geb. Beckmann, 07.07.1873 Steinhagen, 30.03.1960 Nordstr. 45 

48. Paul Richard Heinzel, 07.09.1878 Friedland, 04.04.1960 KH 

49. Heinrich Friedrich Wilhelm Hohnhaus, 26.09.1874 Minden, 11.04.1960 KH 

50. Anna Johanne Brünger geb. Holz, 06.10.1898 Lenzinghausen, 12.04.1960 KH 

52. Johanna Marie Ziegan geb. Rößler, 02.08.1883 Borne, 16.04.1960 Engerstr. 38

53. Johanne Marie Blomeyer geb. Ruwe, 17.05.1887 Bardüttingdorf, 16.04.1960 KH 

55. Luise Karoline Bültmann geb. Mohrmann, 05.07.1888 Neuenkirchen, 23.04.1960 Arrode 61

56. Hermann August Kuhlmann, 28.11.1902 Hücker-Aschen, 25.04.1960 KH 

57. Sofie Else Mohrmann geb. Nöltgen, 13.09.1897 Bielefeld, 26.04.1960 KH

59. Anna Marie Auguste Rexmann geb. Düker, 30.01.1883 Wichlinghausen, 04.05.1960 KH 

61. Heinrich Schäpersmann, 19.02.1903 Wallenbrück, 04.05.1960 KH 

62. Fritz Adolf Paul Burkert, 15.01.1885 Breslau 14.05.1960 KH 

66. Karl Hugo Martin Kersten, 20.12.1887 Köslin, 19.05.1960 KH 

67. Johanne Marie Auguste Schacht geb. Beckmann, 16.05.1881 Spenge, 21.05.1960 KH 

68. Amalie Großewächter geb. Wöhrmann, 21.11.1909 Westerenger, 06.06.1960 KH 

69. Paul Karl Ehms, 21.03.1889 Kiel, 07.06.1960 KH 

70. Heinrich Franz Carl Stolle, 04.05.1896 Aschen, 07.06.1960 KH 

72. Catharina Johanne Mormann geb. Lührmann, 31.12.1874 Holterdorf, 12.06.1960 Theenhausen 13

73. Hermann Heinrich Fehring, 04.10.1875 Küingdorf, 11.06.1960 KH 

75. Hermann Heinrich Kamphöner, 31.12.1881 Pödinghausen, 14.06.1960 KH 

76. Ewald Paul Gärtner, 16.11.1890 Weißstein, 16.06.1960 KH 

77. Johanne Schüler 17.10.1895 Spenge, 15.06.1960 KH 

78. Wilhelmine Frosch geb. Püschel, 13.11.1876 Kieslingswalde, 19.06.1960 KH 

79. Minna Martha David geb. Jeschke, 04.04.1883 Steindorf, 22.06.1960 Bielefelder Str. 20

80. August Engel,  09.08.1890 Wanda-Backus, 30.06.1960 Theenhausen 

81. Auguste Elisabeth Konsemüller geb. Böker, 06.11.1882 Obernbeck, 04.07.1960 Feldweg 32

83. Marie Wilhelmine Luise Löwe geb. Lefhalm, 05.04.1884 Spradow, 05.07.1960 KH 

84. Paul Friedrich Leopold Kogel, 21.07.1886 Groß Massow, 07.07.1960 Krankenhaus

85. Alfred Paul Nitsche, 21.04.1883 Frankenstein, 10.07.1960 KH 

86. Robert August David, 27.03.1880 Weichseltal, 12.07.1960 Häger 7

89. Wilhelm Gottlieb Höner, 04.09.1885 Oberjöllenbeck, 16.07.1960 KH 

90. Michael Hoffmann, 18.05.1892 Franzjosefsfeld, 20.07.1960 KH 

91. Hermann Heinrich Robert Kirchhoff, 15.12.1897 Spenge, 21.07.1960 KH 

92. Johanne Marie Nienaber geb. Bille, 30.10.1895 Brockhagen, 23.07.1960 KH  

93. Peter Heinrich August Voß, 27.10.1888 Bardüttingdorf, 27.07.1960 KH 

99. Helene Ida Schlausch geb. Schreiber, 05.07.1891 Fellhammer, 07.08.1960 Haller Str. 17

101. Wilhelm Max Hilbert, 20.01.1887 Bielefeld, 13.08.1960 KH 

102. Karl Heinrich Friedrich Hildebrandt, 23.08.1905 Nienburg, zw. 10. und 15.08.1960 im Walde an der Egge 

105. Maria Hermine Katharina Wilhelmine Ellerbrock geb. Hagmann, 24.11.1870 Laggenbeck, 28.08.1960 KH 

108. Johanne Wilhelmine Kuhlmann geb. Evers, 05.11.1877 Steinhagen, 10.09.1960 Engerstr. 38

110. Luise Theodora Sperling geb. Bassalge, 11.01.1888 Herne, 24.09.1960 KH 

111. Marie Mathilde Emma Dresrüsse geb. Specht, 28.06.1887 Spenge, 30.09.1960 KH 

112. August Karl Scheika, 19.06.1883 Kownatken, 01.10.1960 Theenhausen 62

113. Emilie Hagemann geb. Lüking, 22.07.1878 Babenhausen, 02.10.1960 Ravensberger Str. 26

114. August Heinrich Wilhelm Tiemann, 20.01.1887 Wallenbrück, 04.10.1960 KH 

115. Auguste Karoline Steinbach geb. Hohmeister, 18.04.1892 Helmarshausen, 05.10.1960 KH 

117. August Wilhelm Karl Wiedey, 30.12.1890 Peckeloh, 05.10.1960 KH 

119. Franz Josef Meyer, 18.05.1896 Holtfeld, 08.10.1960 Borgholzhausener Str. 9

120. Anna Marie Katharina Niemeyer geb. Niermann, 29.04.1874 Bardüttingdorf, 10.10.1960 KH 

123. Rudolf Joseph Friedrich Böhm, 15.02.1909 Frankfurt/Main, 12.10.1960 KH 

124. Johann Gottlieb Baltschukat, 10.01.1889 Bersbrüden, 14.10.1960 KH 

126. Auguste Alma Weitkamp geb. Redecker, 14.06.1896 Spenge, 19.10.1960 KH 

128. Marie Friederike Johanne Sußiek, 19.02.1879 Oberjöllenbeck, 21.10.1960 Arrode 5

130. Franz August Kostka, 01.12.1892 Ratibor, 26.10.1960 KH 

136. Emma Johanne Friederike Bieder geb. Gronebaum, 17.05.1892 Gütersloh, 11.11.1960 KH 

139. Anna Barbara Kunze geb. Mosebach, 17.02.1892 Vacha, 17.11.1960 KH 

141. Emilie Kimmel geb. Hilbig, 18.02.1910 Königswalde, 26.11.1960 KH 

142. Erna Elisabeth Ella Poltrock geb. Dode, 31.03.1902 Lauenburg, 25.11.1960 KH 

143. Auguste Wilhelmine Brandt geb. Schulz, 08.10.1874 Elbing, 02.12.1960 KH 

144. Friedrich Wilhelm Heidemann, 22.03.1901 Spenge, 03.12.1960 KH 

145. Johanne Marie Luise Pilgrim geb. Henke, 12.11.1899 Lenzinghausen, 07.12.1960 KH 

146. Otto Hermann Heinrich Gentz, 04.11.1901 Berlin, 10.12.1960 KH 

147. Ida Fieger geb. Pohl, 05.03.1881 Litzmannstadt, 11.12.1960 Teutoburger-Wald-Weg 11

150. Marie Johanne Lechtermann geb. Jürgens, 14.10.1891 Oberjöllenbeck, 28.12.1960 KH  

Ich habe mich an die standesamtlichen Sperrfristen gehalten, soll heißen: Man findet hier keinen, der 1913 oder später geboren ist. Alle diese Informationen sind allgemein zugänglich, wenn auch noch nicht digitalisiert; ich verrate also nichts Neues. Wer genauere Informationen zu den einzelnen Einträgen haben möchte, der weiß nun, wo er suchen kann... viel Spass.

Sonntag, 31. Juli 2022

"Kommen Sie zum Sterben nach Werther!"

Auch, wenn es makaber klingt - manchmal denke ich, dass die Stadt Werther in den 1950ern und 1960ern mit diesem Spruch hätte Werbung machen können. Und wenn nicht die Stadt, dann zumindest das Krankenhaus, das damals anscheinend einen ziemlich guten Ruf hatte. Leider (jedenfalls aus meinerForscherinnensicht) wurden die Todesursachen später nicht mehr festgehalten, sonst könnte ich das wahrscheinlich noch etwas konkretisieren.

Nur mal als Beispiel: 

Ich bin heute mit den Sterbeeinträgen von 1967 fertig geworden. Ja, ich erfasse in Werthers Gedächtnis auch diejenigen, die nicht in Werther gewohnt haben, sondern "nur" in Werther gestorben sind. Die gehören für mich auch dazu.

Insgesamt sind in Werther im Jahr 1967 immerhin 159 Menschen gestorben. Davon waren 75 männlich und 84 weiblich, was mich nicht weiter überrascht hat, denn immerhin war das noch die Zeit, als man die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs (und des entsprechenden Männermangels, wenn man es denn so ausdrücken will) spüren konnte. 

In einem zweiten Schritt habe ich mir angeguckt, wo die Leute denn gewohnt haben, also ob in Werther (mit Häger, Arrode, Isingdorf, Theenhausen, Schröttinghausen, Rotingdorf und Rotenhagen) oder woanders. Und siehe mal an: 86 wohnten in Werther, 73 nicht. Dabei erstaunt mich immer wieder der große Einzugskreis der Orte, in denen die Menschen wohnten, die in diesem doch eigentlich ziemlich kleinen Krankenhaus gestorben sind: Nicht nur Bardüttingdorf oder Halle, also die Orte, die quasi in der Nachbarschaft liegen, sondern ich finde auch viele Leute aus der Bielefelder Innenstadt, aus Spenge und aus Jöllenbeck. Im Grunde kann ich eigentlich nur jedem, dem ein Verwandter aus diesen Orten "abgängig" ist, empfehlen, einfach mal in Werther nachzugucken. Vereinzelt finde ich auch Leute aus Brackwede, Senne I, Brockhagen und Isselhorst. In einer Zeit, in der längst noch nicht jeder Haushalt über ein Auto verfügte, ist das eigentlich ziemlich erstaunlich.

Und noch ein dritter kleiner Beitrag zur Statistik: Schon beim Einarbeiten war mir aufgefallen, dass unheimlich viele Leute nicht nur außerhalb wohnten, sondern auch außerhalb geboren sind. Von den 159 Gestorbenen waren tatsächlich nur 33 in Werther geboren, und da habe ich schon die vier Totgeburten im Wertheraner Krankenhaus eingerechnet. Im Gegenzug dazu hatten gleich 126 Gestorbene einen anderen Geburtsort! Das ist fast ein Verhältnis von 1 zu 4...

Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet, aber es verwundert mich auch nicht unbedingt. Ich habe jetzt die genauen Geburtsorte nicht weiter aufgeschlüsselt, aber so Pi mal Daumen würde ich sagen, dass die eine Hälfte hier aus dem näheren Umkreis kam, also beispielsweise aus Bielefeld, Neuenkirchen oder Jöllenbeck, und die andere Hälfte praktisch aus allen Ecken des ehemaligen Deutschen Reiches, vor allem aber aus den den ehemaligen Ostprovinzen. Logisch, wenn man sich die Geschichte anguckt. Spontan würde ich sagen, dass Schlesien stärker vertreten ist als zum Beispiel Ostpreußen. Ich hätte das ja gerne noch ein bisschen genauer untersucht, aber zu meiner Entschuldigung muss ich sagen, dass nicht immer dabei stand, in welchem Kreis oder in welcher Provinz ein Ort lag, so dass das eine ziemliche Aufgabe ist.

Insgesamt kann man sagen, dass sich Werther zu dem Zeitpunkt im Vergleich zu der Zeit vor dem 2. Weltkrieg schon ziemlich verändert hatte. Man sieht es an den Menschen, die dort wohnten - man war zum größten Teil wohl nicht mehr zusammen aufgewachsen, und man war einfach mobiler geworden, sowohl beim Hinziehen nach Werther als auch beim Wegziehen. Man sieht es aber auch an den Adressen, wo gewohnt wurde. Der Teil der Wertheraner Innenstadt, der in der Arrode liegt, hatte inzwischen auch seine Straßennamen bekommen, was auch mir die Zuordnung der einzelnen Häuser wesentlich leichter macht. Und Werther war größer geworden in dem Sinne, dass man mehr Wohnraum geschaffen hatte - was ja auch dringend notwendig war. Vor allem nach Südosten hatte sich die Innenstadt erweitert, und auch die Straßennamen, die man nun in der Nähe des Schwarzen Weges findet, erzählen die Geschichte ihrer Bewohner teilweise mit - Breslauer und Waldenburger Straße, Schlesierweg. Im Grunde hatte Werther damit die Ausdehnung, das es auch in meiner Kindheit hatte. 

Oha, jetzt komme ich mir irgendwie alt vor.

Donnerstag, 12. August 2021

Die oftmals unterschätzte Kunst der Ad-hoc-Hochzeit: Auch eine Familientradition!

Ich weiß noch genau, was ich heute vor fünf Jahren gemacht habe: "Ja" gesagt, im Haller Standesamt, mit ganz wenigen Leuten dabei und einem großen Hund. Ich weiß auch noch genau, wo ich gestern vor fünf Jahren war: Auch im Standesamt. Zur Vorbesprechung. Wir waren da etwas kurzentschlossen. Und als die Standesbeamtin sagte, dass sie nur noch am nächsten Tag da wäre und danach erstmal für diverse Wochen im Urlaub, da war es klar: "Ach, morgen passt. Elf Uhr ist in Ordnung!" 

Wir sind heute noch froh, dass wir es so gemacht haben, wie wir es gemacht haben. Kein Ins-Kleid-Hungern, keine Platzkärtchen, und keine Bedenken, ob unser Musikgeschmack denn auch mit dem unserer Verwandtschaft übereinstimmt. Über meinen Ehering habe ich hier ja schon einmal was erzählt. Und der befindet sich bis heute nicht ohne Grund an meinem Finger. 

Wenn ich aber so in meiner Familie über die Generationen zurückgucke, dann bin ich nicht die einzige, die Knall auf Fall geheiratet hat. Eine gewisse Tradition gibt es da in meiner Mütterlinie, wenn auch mit anderen Vorzeichen als bei mir. Die einzige, die eine "klassische" Hochzeit im weißen Kleid hatte, war wohl meine Mutter. In den Generationen vor ihr war es anders... 

Meine Großmutter: Martha Sickendiek geb. Hauffe

Ich hatte hier schon einmal etwas über Marthas Hochzeit mit Wilhelm geschrieben. Man schrieb das Jahr 1940, und Wilhelm war Soldat auf Heimaturlaub. Es musste also schnell gehen mit der Organisation. 

Wenn ich sie gewesen wäre, dann hätte ich wohl genau dasselbe gemacht: Nägel mit Köpfen. Wenn die äußeren Umstände schlimm sind, dann weiß man, was - und vor allem: wen - man festhalten will. Da akzeptiert man zur Not auch, dass der Mensch neben einem Uniform und Stiefel trägt. 

Bei den beiden hat es geklappt: Ehedauer 45 Jahre. 


Meine Urgroßmutter: Lina Hauffe geb. Ortmeyer 

Wieder ein Krieg, der bei der Hochzeit eine Rolle spielt, aber dieses mal der 1. Weltkrieg. Aber immerhin hat dieser Krieg erst ermöglicht, dass Lina ihren Willy kennengelernt hat. Ich glaube nämlich nicht, dass es ihn ansonsten aus Burg bei Magdeburg ausgerechnet nach Halle (Westf.) verschlagen hätte. 


Ich kann aber immer noch nicht genau sagen, wie und wann Willy nach Halle gekommen ist. Gesichert ist, dass er im zivilen Leben Kutscher war; diese Angabe findet man sowohl in seinem standesamtlichen Heiratseintrag als auch im kirchlichen. Was ich aber sagen kann ist, dass Willy im Januar oder Februar 1918 in Halle gewesen sein muss, denn Lina wurde am 25.10.1918 Mutter ihrer gemeinsamen Tochter, eben meiner Oma Martha. 

Die Heirat selbst gestaltete sich wohl etwas komplizierter, denn Willy war nach der Zeugung meiner zukünftigen Großmutter eben nicht in Halle geblieben. Die Familienlegende sagt, dass Lina sich deshalb nach Berlin aufmachte, um Willy zu finden. Der wirklich delikate Teil der Familienlegende sagt, dass die ganze Truppe antreten musste, damit Lina den "Missetäter" identifizieren konnte, weil sie seinen Nachnamen nicht kannte (und "Willy" bzw. Wilhelm waren zur Kaisers Zeiten ja wirklich sehr verbreitete Namen). Was an diesem Teil der Geschichte dran ist, kann ich beim besten Willen heute nicht mehr sagen. Ich kann mir die Szene aber lebhaft vorstellen... 

Fakt ist jedenfalls, dass Willy "rechtzeitig" wieder in Halle war: Am 4. September wurde geheiratet, sowohl standesamtlich als auch kirchlich. Im Traueintrag beim Standesamt hat Willy auch angegeben, "zur Zeit" in der Langen Str. 16 zu wohnen, also bei Lina und ihren Eltern. Das Hochzeitsfoto habe ich leider nicht, aber darauf hätte der Babybauch eigentlich ganz gut zu sehen sein müssen - so im 8. Monat... 

Willy war damals 22, Lina 23 Jahre alt. Ehedauer: 51 Jahre. 

Meine Ur-Ur-Großmutter: Minna Ortmeyer geb. Torweihe

Minna war aus meiner Sicht eigentlich diejenige, die in Sachen "Timing" den Vogel abgeschossen hat: 

Am 22.11.1892 wurde sie 24 Jahre alt. 

Am 25.11.1892 hat sie meinen zukünftigen Ur-Ur-Großvater Wilhelm Ortmeyer geheiratet. 

Am 27.11.1892 hat sie meine zukünftige Urgroßtante Martha zur Welt gebracht. 

Ein straffes Programm für eine Woche, oder? Zwischen Kirche und Kindbett kann sie nicht allzuviel Zeit gehabt haben. Und auch hier hätte ich liebend gerne mal ein Hochzeitsfoto gesehen. 

Wilhelm war zu diesem Zeitpunkt übrigens 25 Jahre alt. Ehedauer: 37 Jahre. 

Und was sagt mir das? 

Nun ja, zum einen, dass ich statistisch gesehen eine lange Ehedauer zu erwarten hätte. Wenn ich die Ehen meiner vier direkten Vorfahrinnen als Durchschnitt nehme, komme ich immerhin auf 45,75 Jahre. Allerdings waren meine Vorfahrinnen zum Zeitpunkt ihrer Eheschließung im Schnitt auch erst 22 Jahre alt. Ich war 42 ;-) Mit den 45,75 Jahren könnte es also allein schon deshalb knapp werden. Andererseits: Ich hatte das Glück, mit meinem Mann schon vor dem Gang zum Standesamt 20 Jahre ohne Trauschein verbringen zu können, ohne dass uns jemand schief angeguckt hätte. Damit relativiert sich wieder so einiges. 

Was aber auch auffällt ist die Tatsache, dass hier fünf Frauen in einer Linie stehen, deren Hochzeiten unter komplett unterschiedlichen äußeren Umständen stattfanden. Klar, bei zweien spielten Kriege eine Rolle, bei zweien voreheliche  Schwangerschaften. Trotzdem sind die Geschichten andere. Mal kannte man sich nur kurz, mal über 20 Jahre. Und wahrscheinlich könnte keine von uns fünfen behaupten, dass unsere Umwelt, seien es die Menschen, seien es die allgemeinen Lebensumstände, nicht irgendeine Auswirkung auf unser "Wann und Wie" gehabt hätten. 

Da schließt sich der Kreis wieder. Ein Kreis, in dem ich mich gut aufgehoben fühle. 



Montag, 29. März 2021

Werthers Kinder: Das Geburtsregister des Jahres 1910

Ich hatte mal wieder Lust auf ein bisschen Statistik. Und weil ich es ja nun geschafft habe, mir den Jahrgang 1910 aus dem Wertheraner Stadtarchiv zu ziehen, lag es nahe, meine Statistikspielereien aus den letzten Jahren fortzusetzen. Hier ist das Ergebnis: 

Es wurden insgesamt 143 im Geburtsregister eingetragen, 75 Jungen und 68 Mädchen. Ich habe das jetzt extra so formuliert, weil mir am Ende des Jares aufgefallen war, dass keine Totgeburten dabei waren, so dass ich noch einmal mit dem Sterberegister gegengecheckt habe, ob tatsächlich alle Kinder lebend zur Welt gekommen waren. Und siehe da - doch, es hat Totgeburten gegeben, nämlich 5, drei Jungen und zwei Mädchen. Die müsste man also eigentlich noch dazurechnen. Außerdem fand die letzte Geburt, die eingetragen wurde, schon am 19. Dezember statt, so dass ich fast vermute, dass da noch ein paar Kinder dazu gekommen sind, die ich dann aber erst nächstes Jahr im Register für 1911 finden werde. 

6 Kinder wurden unehelich geboren, und es gab auch wieder zwei Zwillingspärchen - einmal zwei Jungs, einmal Junge und Mädchen.

Was die Vornamen dieses Jahres angeht - hier ist die Verteilung:

Platz

Mädchen

Jungen

1

Marie (28)

Wilhelm (40)

2

Anna (20)

Heinrich (32)

3

Johanne (14)

Hermann (22)

4

Frida (13)

Friedrich (15)

5

Auguste (12)

August (14)

6

Luise (10)

Gustav (12)

Paul (12)

7

Helene (8)

Karl (6)

8

Wilhelmine (7)

Peter (5)

9

Erna (6)

Martha (6)


Franz (2)

Richard (2)

Julius (2)

Eduard (2)

Gottlieb (2)

10

Karoline (5)

Klara (5)

Albert (1)

Kasper (1)

Emil (1)

Diedrich (1)

Walter (1)

Otto (1)

Fridolin (1)

Arnold (1)

Erwin (1)

Arthur (1)

Ernst (1)

Werner (1)

Johann (1)

Erich (1)

Johannes (1)

Rudolf (1)

11

Paula (3)

Emma (3)

Else (3)

Friederike (3)

Alwine (3)


12

Margarethe (2)

Hanna (2)

Maria (2)

Katharine (2)

Elisabeth (2)


13

Alma (1)

Edith (1)

Irene (1)

Selma (1)

Henriette (1)

Gertrud (1)

Meta (1)

Anne (1)

Hanne (1)

Lieselotte (1)

Herta (1)

Frieda (1)

Grete (1)

Lina (1)

Minna (1)

Johanna (1)

Elfriede (1)

Liselotte (1)

Emilie (1)

Irmgard (1)


Es liegen wieder die üblichen Verdächtigen vorne. Und wieder war es so, dass die Eltern bei den Mädchen wesentlich kreativer waren als bei den Jungs. Ich meine sogar zu beobachten, dass die Schere immer weiter auseinander geht: Wenn von 75 Jungs 40 Wilhelm heißen, dann spricht das nicht wirklich für Individualismus. War der Kaiser denn wirklich so beliebt...?

Einer Sache bin ich noch nachgegangen: In den Randvermerken habe ich viele Hinweise zu den Sterbedaten gefunden. Nicht bei allen, aber bei den meisten. Das hier war die Generation, deren Väter im Ersten Weltkrieg waren, während sie selbst den Zweiten Weltkrieg ganz bewusst mitgemacht haben. Und der hat in diesem Jahrgang wirklich heftig zugeschlagen: Von den 75 Jungs hier sind mindestens 21 nicht zurückgekommen, sie sind also entweder direkt gefallen oder sie haben die Kriegsgefangenschaft nicht überstanden. Das sind 28 %, und ich hatte vorher noch nicht einmal die herausgerechnet, die schon im Kindesalter gestorben waren.

(Puh. Und wir beschweren uns, wenn wir wegen Corona keinen Einkaufsbummel machen sollen. Merkwürdige Welt.)


Samstag, 23. Juni 2018

1907 in Werther: Wer bekam eigentlich die Kinder?

Nachdem die neulich schon mal die Namensgebung im Jahre 1907 ein bisschen genauer unter die Lupe genommen habe, konnte ich nun nicht umhin, mir einmal die Berufe der Väter ebenjener Kinder anzugucken. Ich bin mit 44 nun in dem Alter, in dem sich auch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis herauskristallisiert, wer denn nun Kinder haben wird oder nicht (jedenfalls im weiblichen Teil, bei den Herren funktioniert die Biologie ja etwas anders), und mehr als einmal habe ich die Bemerkung gehört, dass ein Kind "jetzt gerade irgendwie ungünstig" wäre, weil man gerade noch in der Ausbildung, mitten im Studium, am Anfang der Karriere oder wo auch immer sei. Meine Generation ist im Grunde die erste, die wirklich die Wahl hat, ob sie sich fortpflanzen will oder nicht, und wenn ja, dann wann.

Aber zurück ins Jahr 1907: Welche Berufe hatten die Väter, deren Frauen diese Wahl nicht hatten?

Am stärksten ausgeprägt war der landwirtschaftliche Bereich: 16 Väter wurden als Neubauern bezeichnet, dazu kamen noch 13, die als Colon oder Landwirt angegeben waren. Das waren also insgesamt 29 Bauern mit einem eigenen Hof. Dann gab es noch 8 Ackersmänner, immerhin 21 Heuerlinge und je einen Tagelöhner, Knecht und Pächter.

Das klassische Handwerk war mit insgesamt 39 Vätern vertreten: Je 7 Tischler und Maurer, 5 Schneider, je 3 Müller, Bäcker und Schmiede, je 2 Zimmermänner, Schlosser und Ziegler, und dann noch je ein Stellmacher, Drechsler, Sattler, Gerber und ein Maler und Glaser, die letzten beiden Berufe gestern wie auch heute noch gerne in Personalunion.

Die dritte Gruppe, die ich ausmachen konnte, war die, die in Industrie, Fertigung und Handel tätig war, und das waren immerhin 45 der frischgebackenen Väter: 18 Zigarrenarbeiter, 12 Fabrikarbeiter, je zwei Kaufmänner, zwei Buchhalter und Weber, und je ein Werkführer, ein Werkmeister, ein Arbeiter, ein Brockenarbeiter, ein Kassengehilfe, ein Sägemüller, ein Viehhändler und ein Holzschuhfabrikant.

Ach, und dann gab es da noch drei Herren, die irgendwie in keine dieser drei Gruppen passen wollten: Drei Briefträger und ein Lehrer. 

Und um die eingangs gestellte Frage zu klären: Die Kinder bekamen, damals wie heute, die Frauen. Also diejenigen, bei denen kein Beruf eingetragen war...

Freitag, 30. März 2018

Die Geburten in Werther im Jahre 1907 - eine kleine Statistikspielerei

Im Moment bin ich gerade dabei, die Geburten des Jahres 1907 in "Werthers Gedächtnis" einzuarbeiten. Wenn mich in letzter Zeit jemand im "Schloss" in Werther angetroffen hat, wo ja inzwischen Bücherei und Stadtarchiv untergebracht sind, und sich gewundert hat, warum ich so frenetisch vor einem alten Buch sitze und vor mich hinschreibe, dann ist das die Erklärung: Ich habe die 154 Geburten fein säuberlich abgepinnt. Inzwischen bin ich ziemlich gut und ziemlich schnell darin, was ja auch kein Wunder ist, weil die Einträge im Grunde immer nach demselben Schema aufgebaut sind. Ein paar Stunden hat es dann trotzdem gedauert.

Als ich den kompletten Jahrgang dann in meinem Ringbuch stehen hatte, erwachte dann wieder die kleine Statistikerin in mir... und hier ist nun das Ergebnis.

Die Basisfakten:

männlich: 73
weiblich: 81
ev./luth.: 153
andere: 1
ehelich: 149
unehelich: 5
Einzelgeburten: 150
Mehrlingsgeburten: 4
totgeboren: 0
lebend geboren: 154

Die Mädchen waren also eindeutig in der Mehrzahl. Man kann sich denken, was das in einer Kleinstadt bedeutete, zumal der Jahrgang 1907 ja zu denen gehörte, die gleich zwei Weltkriege mitmachen mussten: Den ersten noch als Kinder zwischen sieben und 11 Jahren, den zweiten dann als Erwachsene in dem Alter, in dem man eigentlich damit beschäftigt sein sollte, sich eine Existenz aufzubauen. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs würden diese Kinder hier 31 oder 32 Jahre alt sein. Das heißt auch, dass die meisten der kleinen Jungen hier irgendwann in Uniform steckten und Glück hatten, wenn sie den Krieg überhaupt überlebten. So, wie ihre Väter eine Generation davor.

Das eine "andere" Kind war übrigens nicht katholisch, sondern "mosaisch", also jüdisch: Familie Sachs in Werther Nr. 76 hatte Nachwuchs bekommen, ein Mädchen namens Hedwig. Den Holocaust erlebte sie nicht, denn nach meinen Informationen ist sie schon 1909 wieder gestorben.

Es gab zwei Zwillingspärchen; alle anderen waren Einzelgeburten. Totgeburten habe ich nicht gefunden.

Richtig Spass machte mir die Auswertung der Vornamen - so langsam kam man in der Zeit an, in der man nicht mehr jedes Kind nach seinen Paten benannte. Man wurde insgsamt zumindest etwas kreativer, auch in der Anzahl der Namen, die man seinem Nachwuchs mit auf den Weg gab:

ein Vorname
11
zwei Vornamen
46
drei Vornamen
94
vier Vornamen
2
fünf Vornamen
1
gesamt
154

Es gab also immerhin elf Kinder, bei denen den Eltern ein Vorname reichte.

Was die einzelnen Namen angeht:
Platz
Mädchen
Jungen
1
Marie/Maria (34)
Wilhelm (33)
2
Johanne /Johanna (25)
Heinrich (32)
3
Anne/Anna (16)
August (25)
4
Luise (12)
Emma (12)
Auguste (12)
Hermann (21)
5
Martha (11)
Gustav (14)
6
Elisabeth (7)
Frida (7)
Paul (11)
7
Wilhelmine (6)
Friederike (6)
Friedrich (10)
8
Karoline (5)
Pauline (5)
Paula (5)
Rudolf (4)
Karl (4)
9
Alwine (4)
Ernst (3)
Erich (3)
Peter (3)
Julius (3)
10
Lina (3)
Helene (3)
Else (3)
Erna (3)
Henriette (3)
Hugo (2)
Eduard (2)
Otto (2)
Hellmut (2)
Ludwig (2)
Walter (2)
Bernhard (2)
11
Meta (2)
Klara (2)
Elfriede (2)
Emilie (2)
Minna (2)
Franz (1)
Arthur (1)
Adolf (1)
Emil (1)
Ewald (1)
Alfons (1)
Alfred (1)
Hans (1)
Georg (1)
Johannes (1)
Martin (1)
Christian (1)
12
Dorothea (1)
Hertha (1)
Christine (1)
Ida (1)
Anneliese (1)
Alma (1)
Lisette (1)
Regine (1)
Elise (1)
Bertha (1)
Gerhardine (1)
Charlotte (1)
Hedwig (1)
Margarethe (1)



In diesem Sinne kann man also festhalten, dass die "alten" Namen zwar durchaus noch weit verbreitet waren, es aber trotzdem ein paar Modenamen gab, die sich immer mehr durchsetzten. Bei den Mädchen waren das teilweise Kurzformen wie Lina, Minna oder Else, aber auch die Marthas, Paulas und Paulines nahmen zu. Im Grunde unterscheiden sich die Namen hier gar nicht mal so sehr von denen, die heute vergeben werden - wenn man mal davon absieht, dass heute wohl kaum jemand seine Tochter "Gerhardine" nennen würde. Ich glaube, Gerhardine war eine Art Ausrutscher. Was mir aber aufgefallen ist, ist die Abnahme des Namens "Margarethe", der ja über Jahrhunderte ein echter Klassiker war: In diesem Jahr gab es nur noch eine.

Bei den Jungs ging es noch etwas traditioneller zu: Am liebsten nannte man sie immer noch Wilhelm, August, Heinrich oder Hermann, am besten natürlich untereinander kombiniert. Dafür gibt es überhaupt keine Johanns mehr (obwohl "Johanne" ja immer noch sehr beliebt war!); die Gustavs und Pauls waren dagegen stark im Kommen. Und ja, beide "Hellmuts" waren mit Doppel-L geschrieben.

Schade, dass die Rufnamen nicht schon feststanden. Das hätte das Bild wahrscheinlich noch ein bisschen übersichtlicher gemacht.

Mal gucken, vielleicht lege ich mir eine Statistik an, die sich über die verschiedenen Jahrzehnte erstreckt. Wäre mal interessant zu sehen, wie sich die Namensgebung im Mikrokosmos Werther so im Laufe der Zeit entwickelt.

Sonntag, 8. Januar 2017

Die Geburten in der Stadt Werther von 1815 bis 1846

Wenn ich schon einmal dabei bin, die jüdischen Wertheraner in Werthers Gedächtnis einzutragen, dann ist das eine schöne Gelegenheit, auch mal ein bisschen Statistik zu betreiben. Da bietet es sich doch an, mit den Geburten anzufangen...

Zwischen 1815 und 1846 wurden in Werther insgesamt 104 jüdische Kinder geboren. Es ist irgendwie schön, die Statistik genau aufgehen zu sehen, denn es sind genau 52 Jungen und 52 Mädchen:

Jahr Jungen Mädchen gesamt
1815
1
1
2
1816
0
1
1
1817
1
2
3
1818
1
2
3
1819
0
2
2
1820
1
3
4
1821
0
0
0
1822
2
0
2
1823
0
1
1
1824
3
5
8
1825
4
0
4
1826
3
3
6
1827
4
3
7
1828
2
0
2
1829
2
2
4
1830
2
2
4
1831
1
0
1
1832
3
0
3
1833
1
3
4
1834
3
1
4
1835
2
3
5
1836
2
2
4
1837
1
2
3
1838
1
0
1
1839
3
3
6
1840
1
2
3
1841
2
1
3
1842
1
4
5
1843
0
0
0
1844
2
2
4
1845
1
2
3
1846
2
0
2


52
52
104

Alle jüdischen Familien, die in dieser Zeit Zuwachs bekommen haben, lebten in der Wertheraner Innenstadt. Ich konnte keine Familie in den Landgemeinden finden, obwohl es zum Beispiel auch Viehhändler gab und man einen solchen ja durchaus auch nicht zwingend mitten in der Stadt vermuten müsste. Aber weil man sich in der Stadtgemeinde "knubbelte", erschien es mir sinnvoll, doch mal zu gucken, wie viele evangelische Kinder denn in demselben Zeitraum dort geboren worden sind:

Jahr Jungen Mädchen gesamt
1815
34
20
54
1816
28
27
55
1817
28
20
48
1818
20
25
45
1819
34
35
69
1820
31
26
57
1821
35
38
73
1822
27
32
59
1823
33
37
70
1824
40
27
67
1825
32
35
67
1826
39
27
66
1827
29
31
60
1828
39
26
65
1829
24
37
61
1830
29
29
58
1831
23
21
44
1832
30
29
59
1833
39
39
78
1834
41
32
73
1835
34
33
77
1836
36
45
81
1837
36
37
73
1838
35
38
73
1839
40
38
78
1840
40
38
78
1841
45
39
84
1842
41
41
82
1843
38
28
66
1844
30
37
67
1845
38
35
73
1846
42
31
73


1.100
1.033
2.133

2.133 zu 104. Grob gesprochen kann man also sagen, dass ungefähr 20 Mal soviele evangelische wie jüdische Babies geboren wurden, selbst wenn man dabei berücksichtigt, dass in den evangelischen Statistiken auch Totgeburten enthalten sind, die ich in den Judenregistern (ein fürchterliches Wort, oder?) nicht gefunden habe. Wenn man die Landgemeinden noch mit dazu nimmt, dann kann man wahrscheinlich noch einmal ungefähr 4.500 evangelische Kinder in diesem Zeitraum dazurechnen (da muss ich wohl noch ein bisschen Statistik betreiben, um diese Zahl zu verifizieren).

Schade, dass ich keine katholischen Zahlen habe, die ich der Vollständigkeit halber dagegen halten kann, aber ich schaffe es eben nicht so oft nach Paderborn ins Erzbistumsarchiv, und wenn, dann gucke ich eher nach meinen eigenen katholischen Linien. Wenn die A33 endlich mal fertig gebaut ist, wird sich das aber vielleicht ändern...

Jedenfalls kann man sich ungefähr vorstellen, wie sehr sich diese paar Familien in der Minderheit gefühlt haben müssen... aber schlug sich das im alltäglichen Leben auch nieder, und wenn ja, wie? Gut, man ging in die Synagoge, während die anderen in die Kirche gingen (wenn sie es denn taten), aber ansonsten? Man gab den Kindern traditionell andere Namen (ich habe, wie man sich denken kann, keine jüdische Ilsabein gefunden und keinen evangelischen Moses), und die Jungs wurden kurz nach ihrer Geburt eben beschnitten. Für den alltäglichen Umgang miteinander scheint mir vor allem letzteres doch ziemlich irrelevant.

Was waren also die anderen Unterschiede, und was waren die Gemeinsamkeiten? Das ist das, was mich interessiert.