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Sonntag, 31. Juli 2022

"Kommen Sie zum Sterben nach Werther!"

Auch, wenn es makaber klingt - manchmal denke ich, dass die Stadt Werther in den 1950ern und 1960ern mit diesem Spruch hätte Werbung machen können. Und wenn nicht die Stadt, dann zumindest das Krankenhaus, das damals anscheinend einen ziemlich guten Ruf hatte. Leider (jedenfalls aus meinerForscherinnensicht) wurden die Todesursachen später nicht mehr festgehalten, sonst könnte ich das wahrscheinlich noch etwas konkretisieren.

Nur mal als Beispiel: 

Ich bin heute mit den Sterbeeinträgen von 1967 fertig geworden. Ja, ich erfasse in Werthers Gedächtnis auch diejenigen, die nicht in Werther gewohnt haben, sondern "nur" in Werther gestorben sind. Die gehören für mich auch dazu.

Insgesamt sind in Werther im Jahr 1967 immerhin 159 Menschen gestorben. Davon waren 75 männlich und 84 weiblich, was mich nicht weiter überrascht hat, denn immerhin war das noch die Zeit, als man die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs (und des entsprechenden Männermangels, wenn man es denn so ausdrücken will) spüren konnte. 

In einem zweiten Schritt habe ich mir angeguckt, wo die Leute denn gewohnt haben, also ob in Werther (mit Häger, Arrode, Isingdorf, Theenhausen, Schröttinghausen, Rotingdorf und Rotenhagen) oder woanders. Und siehe mal an: 86 wohnten in Werther, 73 nicht. Dabei erstaunt mich immer wieder der große Einzugskreis der Orte, in denen die Menschen wohnten, die in diesem doch eigentlich ziemlich kleinen Krankenhaus gestorben sind: Nicht nur Bardüttingdorf oder Halle, also die Orte, die quasi in der Nachbarschaft liegen, sondern ich finde auch viele Leute aus der Bielefelder Innenstadt, aus Spenge und aus Jöllenbeck. Im Grunde kann ich eigentlich nur jedem, dem ein Verwandter aus diesen Orten "abgängig" ist, empfehlen, einfach mal in Werther nachzugucken. Vereinzelt finde ich auch Leute aus Brackwede, Senne I, Brockhagen und Isselhorst. In einer Zeit, in der längst noch nicht jeder Haushalt über ein Auto verfügte, ist das eigentlich ziemlich erstaunlich.

Und noch ein dritter kleiner Beitrag zur Statistik: Schon beim Einarbeiten war mir aufgefallen, dass unheimlich viele Leute nicht nur außerhalb wohnten, sondern auch außerhalb geboren sind. Von den 159 Gestorbenen waren tatsächlich nur 33 in Werther geboren, und da habe ich schon die vier Totgeburten im Wertheraner Krankenhaus eingerechnet. Im Gegenzug dazu hatten gleich 126 Gestorbene einen anderen Geburtsort! Das ist fast ein Verhältnis von 1 zu 4...

Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet, aber es verwundert mich auch nicht unbedingt. Ich habe jetzt die genauen Geburtsorte nicht weiter aufgeschlüsselt, aber so Pi mal Daumen würde ich sagen, dass die eine Hälfte hier aus dem näheren Umkreis kam, also beispielsweise aus Bielefeld, Neuenkirchen oder Jöllenbeck, und die andere Hälfte praktisch aus allen Ecken des ehemaligen Deutschen Reiches, vor allem aber aus den den ehemaligen Ostprovinzen. Logisch, wenn man sich die Geschichte anguckt. Spontan würde ich sagen, dass Schlesien stärker vertreten ist als zum Beispiel Ostpreußen. Ich hätte das ja gerne noch ein bisschen genauer untersucht, aber zu meiner Entschuldigung muss ich sagen, dass nicht immer dabei stand, in welchem Kreis oder in welcher Provinz ein Ort lag, so dass das eine ziemliche Aufgabe ist.

Insgesamt kann man sagen, dass sich Werther zu dem Zeitpunkt im Vergleich zu der Zeit vor dem 2. Weltkrieg schon ziemlich verändert hatte. Man sieht es an den Menschen, die dort wohnten - man war zum größten Teil wohl nicht mehr zusammen aufgewachsen, und man war einfach mobiler geworden, sowohl beim Hinziehen nach Werther als auch beim Wegziehen. Man sieht es aber auch an den Adressen, wo gewohnt wurde. Der Teil der Wertheraner Innenstadt, der in der Arrode liegt, hatte inzwischen auch seine Straßennamen bekommen, was auch mir die Zuordnung der einzelnen Häuser wesentlich leichter macht. Und Werther war größer geworden in dem Sinne, dass man mehr Wohnraum geschaffen hatte - was ja auch dringend notwendig war. Vor allem nach Südosten hatte sich die Innenstadt erweitert, und auch die Straßennamen, die man nun in der Nähe des Schwarzen Weges findet, erzählen die Geschichte ihrer Bewohner teilweise mit - Breslauer und Waldenburger Straße, Schlesierweg. Im Grunde hatte Werther damit die Ausdehnung, das es auch in meiner Kindheit hatte. 

Oha, jetzt komme ich mir irgendwie alt vor.

Sonntag, 8. Mai 2022

Die Spenger Geografie verwirrt mich...

... und zwar nicht zu knapp! 

Ich habe diverse Linien im Stammbaum, die zwischen den Kirchenbüchern von Wallenbrück und Spenge hin- und herpendeln. Sogar meine Schwentkers gehören dazu, denn mein Urgroßvater Hermann Heinrich wurde in Wallenbrück geboren und sein Vater Peter Heinrich in Spenge. Dessen Vater Johann Hermann wurde wiederum in Rotenhagen geboren, hat aber in Spenge geheiratet. Kein Wunder also, dass ich ein gewisses Interesse daran habe, wer wann wo gewohnt hat. 

So ganz leicht macht mir Spenge das nicht. Es ist komisch, ich habe ungefähr zweieinhalb Jahrzehnte direkt nebenan in Werther gewohnt, aber die Male, die ich in Spenge gewesen bin, kann ich an einer Hand abzählen. 

Quelle: wikipedia.org
 

Abgesehen davon, dass ich immer denke, dass Spenge auf einer Landkarte wie eine Hähnchenkeule aussieht, interessieren mich im Moment hauptsächlich die beiden westlichen Ortsteile, Wallenbrück und Bardüttingdorf. Ich glaube, dass die Wertheraner als solche gerne dazu tendieren, diese beiden Begriffe deckungsgleich zu verwenden, was wohl auch einer der Ursprünge meiner Verwirrung ist. In den Kirchenbüchern von Werther taucht nämlich gerne schon mal der Begriff "Wallenbrücker Mark" auf, und die Höfe, die dann gemeint sind, liegen eben nicht in Wallenbrück, sondern in Bardüttingdorf. 

Moment - in Bardüttingdorf oder in Düttingdorf? Das ist nämlich auch nochmal ein Unterschied. Laut wikipedia ist "Bardüttingdorf" nämlich ein Konstrukt aus "Baringdorf" und "Düttingdorf". Aber wo war was? 

Es geht ja noch weiter: Wenn ich mir den Lebenslauf von Peter Heinrich Schwentker so angucke, dann finde ich ihn 1894 in Mantershagen 13 und 1900 in Bardüttingdorf 13. Ich nehme mal stark an, dass das technisch gesehen ein und dieselbe Adresse ist - oder? Und wenn ja, wo ist das heute? 

In den 1880er Jahren finde ich Peter Heinrich "in der Diem[c]ke 44", in den 1870 in Diemke 28 - bzw. in Bardüttingdorf 28. Also gehörten Diemke und Mantershagen auch zu Bardüttingdorf? Oder nur zu Düttingdorf? 

Ganz davon abgesehen: Peter Heinrich war Heuerling, hatte also keinen eigenen Hof. Also hat er mit seiner Familie wohl in einem Kotten dieser Höfe gewohnt. Und ein Kotten musste ja nun nicht unbedingt in direkter Nähe des Hofes stehen. 

Ob ich das noch jemals herausfinden werde?