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Dienstag, 31. Dezember 2024

Der Plan für 2025

Vor einem Jahr habe ich geplant, keine Pläne zu haben. Und was ist passiert? Ich habe mich irgendwie verheddert, oder zumindest ist das das Gefühl, das ich habe, wenn ich so an die letzten zwölf Monate denke, jedenfalls im genealogischen Sinn. Ich habe mal hier geforscht und mal da, mal hier ein bisschen editiert und mal da ein bisschen transkribiert. Und ab und zu mal zugehört und zugeliefert. Aber insgesamt? Nee, so richtig rund fühlt sich das nicht an. 

Was kann also das einzige logische Fazit sein (außer, dass ich vielleicht ein kleines bisschen neurotisch bin, wenn um Genealogie geht)? 

Richtig. 

Ein Plan!


 Es gibt wieder einen für 2025. Here we go: 

1. Werthers Gedächtnis zu Ende digitalisieren. 

Ein paar Buchstaben sind noch übrig. Und dann war da noch die Tatsache, dass mir einer dieser dicken schwarzen Ordner runtergefallen ist, während er offen war, und sich ungefähr 350 Blätter über den Fußboden unseres Wohnzimmers verteilt haben. Nicht, dass hier je etwas wegkommen würde (eher im Gegenteil), aber so richtig in der richtigen Reihenfolge sind diese 350 Blätter nicht mehr. Falls sich noch jemand an die Simpsons-Folge erinnert, in der Bart die Memoiren von George H. W. Bush durcheinanderwirbelt... genau so. 

2. Die Schwartz-Kuckelkorn-Linie weiter erforschen. 

Der kleine Aststummel im Stammbaum des Familienforschungsmuffels. Ich kann's gar nicht mehr mit ansehen. Irgendwas muss da passieren. Ich weiß zwar noch nicht genau, wie ich es anstelle, aber irgendwie wird's schon gehen. Und mit ein bisschen Glück stellt Matricula ja auch mal die richtigen Kirchenbücher online... sonst muss ich mir was einfallen lassen. 

3. Einen Vortrag beim Westfälischen Genealogentag hören. 

Ich weiß zwar noch nicht, welche Vorträge es gibt, aber irgendwas Interessantes ist eigentlich immer dabei. 

4. Die Geburten von 1914 in Werthers Gedächtnis einarbeiten. 

Die von 1913 waren dieses Jahr dran, und nun folgt logischerweise... genau. Ein bisschen Kontinuität muss sein.

5. Die Wertheraner Opferliste des Zweiten Weltkriegs soweit wie möglich vervollständigen. 

Diese Liste ist jetzt schon lang, und sie wird noch um einiges länger werden. 2025 ist diese Katastrophe der Menschheit 80 Jahre her. Wenn das nicht ein Anlass ist, sich nochmal mit dieser Liste auseinanderzusetzen, was dann? 

6. Die Haller Meldekartei checken. 

Und da werde ich dann vor allem zwei Namen suchen: Sickendiek und Ortmeyer. Vor allem meine Großeltern (aber auch meine Urgroßeltern) sind ziemlich oft innerhalb von Halle umgezogen. Wäre schon schön, wenn ich die Daten etwas genauer hinkriegen könnte. 

7. Meine Ancestry-Ergebnisse mit denen von MyHeritage vergleichen. 

Was natürlich voraussetzt, dass sie irgendwann mal bei mir ankommen. Gucken wir mal, wo die Unterschiede sind. Und ob ich Entschuldigungen für meine zahlreichen Macken finde, die gerne als Anflüge von Exzentrik zu kaschieren versuche. 

8. Mir die Hörster Kirche von innen angucken. 

Das ist eigentlich ein schlechter Scherz: Ich wohne gerade mal 10 Minuten mit dem Auto von dort entfernt, wo mein Großvater mütterlicherseits getauft wurde und wo viele meiner Vorfahren vor dem Traualtar gestanden haben. Von außen kenne ich die Kirche, aber ich war noch nie! drin. Zeit, das mal zu ändern. Am besten außerhalb eines Gottesdienstes. Ich muss mal checken, ob es da eine Offene Kirche gibt. 

9. Meine handschriftlichen Notizen in Werthers Gedächtnis einarbeiten. 

Also die, die nicht in den dicken schwarzen Ordnern darauf warten, sondern die anderen. Die in den DIN/A-5-Ringbüchern, die so schön handlich sind. 

10. Meine Stammbaum-Forschungen in einem Ordner übersichtlich zusammenfassen. 

Jedenfalls meine direkten Linien. 

Ich kann nicht anders, ab und zu brauche ich halt mal was, in dem ich blättern und mir Notizen machen kann. Ich glaube, ich habe hier schon mal geschrieben, dass ich das Hin- und Herblättern vermisse und dass mir diese Welt, obwohl ich die Vorteile der Technik schon sehe und auch selbst nutze, irgendwie zu digital geworden ist. Zeit, mir da mal einen kleinen Rückzugsort zu schaffen. Und zwar so kompakt, dass es nicht aus dem Ruder läuft. In einem schönen dicken Ordner, auch wenn der vielleicht nicht in diesem einen Jahr 2025 komplett voll werden wird. 

_____________

Schon klar, dass das alles zumindest teilweise parallel ablaufen wird und nicht schön brav hintereinander. Wenn ich darauf warte, dass ich mit Werthers Gedächtnis durch bin, würde der Genealogentag schon gelaufen sein. Aber so habe ich jedenfalls ein paar Leitlinien, an denen ich mich langhangeln kann. Obwohl ich natürlich nicht ausschließen kann, dass ich auch ab und an mal etwas mache, das nicht auf der Liste steht. Dazu macht das Forschen (das Lesen, das Denken, das Kombinieren, ...) einfach zu viel Spass... 

Allen einen guten Rutsch in ein wunderbares neues Jahr 

- wir sehen uns 2025!  

Freitag, 18. Oktober 2024

"Sie haben eine neue Theory of Family Relativity"

Seit ein paar Wochen bekomme ich von MyHeritage ständig Mails mit dem Titel, "Angela, Sie haben eine neue Theory of Family Relativity"

Ah, neue Verwandtschaftstheorien. An sich immer wieder gerne. 

Die Sache hat nur einen Haken: 

So, wie ich das sehe, nimmt sich MyHeritage (oder präziser formuliert: die KI/AI dahinter, je nachdem, in welcher Sprache man gerade unterwegs ist) diverse Stammbäume vor, die irgendwelche Leute irgendwann man irgendwo eingestellt haben, sei es bei familysearch, sei es bei Geni, sei es bei MyHeritage selbst, setzt sie zusammen und fragt mich dann, ob das so stimmt. 

Und in den allermeisten Fällen stimmte es bisher so nicht.  

Im Moment konzentriert sich MyHeritage dabei auf meine Sickendieks. Und Sickendieks (Sieckendieks, Sickendiecks, etc. pp.) gab und gibt es in Halle, Hörste, Bockhorst und Versmold zwar nicht wie Sand am Meer, aber doch ziemlich zahlreich. Dazu kommt, dass gerade die Sickendieks zu den Familien gehörten, die im 19. Jahrhundert nicht unbedingt durch eine erhöhte Kreativität bei der Vornamenswahl hervorgestochen sind. Diese beiden Umstände führen dann dazu, dass Friedrich Wilhelms und Heinrich Augusts dieselbe Person sein sollen, obwohl sie mehrere Jahre auseinander in verschiedenen Ortschaften geboren sein sollen. 

Frei nach dem Motto: "WAS NICHT PASST, WIRD PASSEND GEMACHT." 

Wenn man mich fragt, dann ist das das Schlimmste, was man bei der Familienforschung anrichten kann.

Ich mache mir die Mühe und klicke dann auf "Theorie ablehnen", schon alleine, damit MyHeritage diesen Schwachsinn nicht weiter verbreitet.  

Theorien sind schön und gut - aber sie sind halt nicht mehr als das: Theorien. Arbeitshypothesen. Damit man sie überhaupt ernst nehmen kann, müssen schon Anhaltspunkte einer gewissen Schwere erkennbar sein. Und hier erschließt sich eigentlich immer schon auf den ersten Blick, dass das etwas ganz und gar nicht stimmen kann. 

Und dennoch: 

Es gibt einen Aspekt, unter dem diese Theorien ganz nützlich sein können. My Heritage nimmt immer zwei Personen als Ausgangspunkte, einen in der Darstellung links (das bin dann in meinem Fall ich), und eine in der Darstellung rechts. Das ist dann eine Person, deren Stammbaum mit meinem potentiell verknüpft werden soll. Die Angaben, die ich im Stammbaum dieser Person finde, halte ich - bis zu einem gewissen Grad - für einigermaßen glaubwürdig, denn man sollte schon annehmen können, dass jemand, der seinen Stammbaum im Netz veröffentlicht, weiß, wer seine Großeltern waren. Das ist dann ein Punkt, an den man anknüpfen kann, um zu gucken, ob da nicht doch ein Verwandtschaftsverhältnis besteht - nur eben ein anderes, als MyHeritage angenommen hat... Das sind dann auch Daten, die ich mir rausschreibe, für eine eventuelle spätere Verwendung.

Da kann dann mitunter mal das Passende passend gemacht werden.

 

Freitag, 27. Januar 2023

Der Käfer in Klacks Kurve

26. Januar 2023: Es ist tatsächlich mal ein Wintertag, und ich habe mal wieder beruflich in Warendorf zu tun. Viele Wege führen von hier nach Warendorf, aber ich nehme immer den über Hörste und Greffen.

Wenn man durch Hörste "durch" ist, dann kommt man nach ein paar Hundert Metern durch "Klack's Kurve". Das heißt, man kommt durch, wenn man vernünftig fährt. Klacks Kurve ist in Halle und der näheren Umgebung berühmt-berüchtigt und ein stehender Begriff: "Pass' in Klacks Kurve auf!" Vor allem bei Wetter wie diesem, wenn man nicht weiß, ob sich da nicht vielleicht doch noch eine glatte Stelle versteckt hat.

Heute fahre ich also im Schneetreiben durch Klacks Kurve, und sowohl Bertha Benz (ja, mein Auto hat einen Namen) als auch ich überstehen es heile und ohne Schrammen oder Beulen. Dasselbe gilt für den Baum, der seit zig Jahren da steht und schon ungewollt näheren Kontakt mit sehr, sehr vielen Autos hatte. 

Eines dieser vielen Autos war der weiße Käfer meiner Mutter. Allerdings saß nicht sie am Steuer, sondern mein Großvater, Wilhelm. Genau erinnern kann sich meine Mutter nicht mehr, aber es muss so um 1975 oder 1976 herum gewesen sein. Opa war unterwegs, um sich eine Schaukel anzugucken (für mich, nicht für sich). Vor ihm zwei Autos, und Opa ging es einfach nicht schnell genug. Also wollte er überholen. Kurz vor Klack's Kurve. Er kannte sie, er kam ja schließlich aus Hörste. Dummerweise hatte er nicht bemerkt bzw. gesehen, dass das erste Auto vor ihm langsamer geworden war, weil es links abbiegen wollte. Das passte nicht gut zusammen. 

Die gute Nachricht ist, dass alle den Unfall lebend überstanden haben. Es hätte auch anders ausgehen können... Der Käfer allerdings war nur noch ein Fall für den Käferhimmel. Schade.

An diese Geschichte musste ich heute heute denken, als ich so im Schneegestöber vor mich hin fuhr. Und auch daran, dass es hier in dieser Gegend, in der ich wirklich gerne lebe, so dermaßen viele Orte gibt, die mir meine Familiengeschichte - und damit auch meine eigene - erzählen. Das ist nicht selbstverständlich; man muss sich nur die Nachrichten angucken um zu erkennen, dass das etwas ist, das längst nicht alle Menschen von sich sagen können. 

War ein guter Tag heute.

Sonntag, 24. April 2022

Mit Nadel und Faden

YouTube ist eine Wundertüte, und manchmal findet man auch Kanäle, bei denen man richtig etwas lernen kann. Zum Beispiel den eines Schneiders, der sich auf historische Kleidung spezialisiert hat, und deshalb viel per Hand näht.

Warum ich hier davon berichte? Nun ja - erstens, weil es mir einen ganz neuen Blick auf das Thema eröffnet hat, und zweitens, weil ich - wie ich hier schon einmal geschrieben habe - ziemlich viele Schneider in meinem Stammbaum habe, vor allem bei meinen Sickendieks

Wie also arbeitete so ein Schneider?

Zunächst einmal wurde der Tisch so nah wie möglich ans Fenster gerückt, um das Tageslicht so effektiv wie möglich ausnutzen zu können. Alles andere hätte die Augen auf Dauer zu sehr angestrengt. Ein guter Schneider schaffte immerhin 30 Stiche in der Minute. Aber warum saß man zum Nähen überhaupt auf dem Tisch und nicht auf einem Stuhl oder auf dem Boden? 

Der Boden schied schon aus zwei Gründen aus: erstens war er schwieriger sauber zu halten (was ich mir vor allem dann gut vorstellen kann, wenn der Schneider wie so oft auch noch eine kleine Landwirtschaft betrieb, um die Familie ernähren zu können), und zweitens hatte der Schneider dann das Problem, dass es ihm im wahrsten Sinnes des Wortes "arschkalt" wurde. Keine Ahnung, ob der Begriff so entstanden ist, aber wundern würde es mich nicht. Außerdem hatte man es mitunter mit großen Mengen Stoff zu tun, die man nicht über den Boden schleifen wollte, die aber je nach der Art des Stoffes schwer zu bewegen waren.

Warum aber setzte sich der Schneider dann nicht einfach auf einen Stuhl? Ganz einfach eigentlich - es ist eine Frage der Haltung! 

Sitzt man auf einem Stuhl, fängt man irgendwann an, den Rücken krumm zu machen. Erwischen wir uns nicht alle dabei, wenn wir mal längere Zeit am Schreibtisch verbringen? Ich mich jedenfalls schon. Fehlt einem aber die Lehne, sitzt man aufrechter, und der Rücken wird entlastet. Sicher, es gab immer Schneider, die ein Kissen zwischen den Tisch und ihren Allerwertesten geschoben haben, um es wenigstens etwas bequemer zu haben, denn eine Tischplatte ist nunmal relativ hart. Das ändert aber nichts daran, dass man dann die Lendenwirbelsäule gerade macht und die Schultern nach hinten nimmt, also genau das, wozu einem die Apotheken-Umschau und sämtliche Orthopäden immer raten. 

Trotzdem - ich würde das nicht lange aushalten. Aber ich bin ja auch ungeübt und habe einen bequemen Schreibtischstuhl. Eins ist ist mir aber klar geworden: Auch wenn ein Schneider meist im Schneidersitz  vor sich hinwerkelte, die Schneiderei war tatsächlich verflixt harte körperliche Arbeit! 

In unseren Breiten kamen Nähmaschinen erst in den 1850er Jahren auf, und zwar zunächst als Nachbauten der schon vorhandenen amerikanischen Modelle. Ich denke mal, dass mein Urgroßonkel Johann Wilhelm Schwentker (geboren 1877), der Schneider in Werther war, schon hauptsächlich mit einer Nähmaschine gearbeitet hat, genauso wie mein Ur-Urgroßvater Heinrich Wilhelm Sickendiek (geb. 1863) in Hörste. Das Arbeiten des Schneiders änderte sich damit grundlegend, blieb aber immer noch anstrengend genug. 

Dadurch, dass dank der Industriellen Revolution zunehmend in Fabriken genäht wurde, wurde von denen, die dort arbeiteten, immer mehr Akkordarbeit gefordert, um die Gewinne hochzuschrauben. Damit wurde der Job immer mehr von Frauen gemacht, die klassischen kleinen Schneidereien wurden weniger.

Das hat sich bis heute nicht geändert, nur, dass die Näherei kaum mehr in Deutschland stattfindet. Wir haben das Problem der schlecht bezahlten Akkord-Schufterei schlicht verlagert. Auch wenn ich mit gutem Gewissen behaupten kann, dass ich nie im Leben einen Primark-Laden betreten habe, so wird mir doch mulmig, wenn ich auf den Etiketten sehe, wo meine Kleidung gefertigt wurde. Genau heute vor neun Jahren, am 24.04.2013, ist das Rana Plaza bei Dhaka in Bangladesch eingestürzt, das achtstöckige Gebäude, in dem viele Textilfirmen untergebracht waren und in denen Tausende Näherinnen unter Bedingungen schufteten, die wir als Gesellschaft eigentlich schon längst hinter uns gelassen haben sollten. 1.135 Menschen kamen ums Leben, 2.438 wurden verletzt. 

Es ist ein langer Weg von meinem Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Urgroßvater Erdwien Sickendiek (geb. ca. 1692, gest. Anfang November 1740 in Bockhorst) bis zum Rana Plaza. Ich bin mir aber sicher, dass ein paar entscheidende Unterschiede gibt: Erdwien arbeitete auf eigene Rechnung, und deshalb musste er darauf achten, dass die Kleidungsstücke, die er nähte, qualitativ so gut waren, dass seine Kunden wieder kamen, so dass seine Werke nicht nach dreimaligem Tragen auf einer Müllkippe gelandet sind. 

Vielleicht sollten wir uns in diesem Fall wirklich mal auf die alten Werte rückbesinnen: Qualität statt Quantität. 

Freitag, 14. Januar 2022

Wilhelm und Caroline Ahlemeyer

Über meine Urgroßmutter Johanne Marie Catharine Sickendiek geb. Ahlemeyer habe ich hier im Blog schon einmal geschrieben, aber mit ihrer Ursprungsfamilie habe ich mich hier noch nicht auseinander gesetzt. Es wird also Zeit, das nachzuholen.

Johanne war das siebte Kind ihrer Eltern Friedrich Wilhelm Ahlemeyer (Wilhelm war auch sein Rufname) und Katharine Caroline Schulze. Ich behalte der Einfachheit halber hier die Schreibweise mit H und Y bei, denn den Namen habe ich in zig verschiedenen Schreibweisen gefunden: Ahlemeier, Alemeier, Alemeyer, ... wie das halt so ist bei Namen, in denen ein stimmloses H vorkommt (oder eben auch nicht) und die dann auch noch auf -meyer enden. Die Kombinationsmöglichkeiten sind vielfältig, und dafür, dass die Ostwestfalen eigentlich nicht sehr viele Worte brauchen, sind sie aber ziemlich gut darin, zusätzliche Buchstaben in eben diesen Worten unterzubringen, auch wenn sie mitnichten beabsichtigen, diese Buchstaben auch auszusprechen... 

Ironischerweise beginnt Wilhelms Geschichte kirchenbuchtechnisch aber gar nicht in Ostwestfalen, sondern nur ein paar Meter weiter hinter der Grenze, in Dissen: Wilhelm wird am 14.09.1843 in Kleekamp Nr. 4 geboren. Kleekamp gehört heute zu Borgholzhausen, aber Wilhelms Taufeintrag finde ich im Kirchenbuch von Dissen, das ja nun heute in Niedersachsen liegt. Anscheinend gehörte Kleekamp zumindest damals zum Kirchenkreis Georgsmarienhütte. Keine Ahnung, ob das heute auch noch so ist, aber für meine Forschungen ist das wahrscheinlich auch nicht wichtig, denn Wilhelm war der einzige aus seiner Familie, der in Kleekamp geboren wurde. Wenn die Eltern Heuerlinge sind, dann kann die Familie halt schon mal den Ort wechseln. 1847 finde ich die Familie in Hörste, spätestens ab 1879 wohnte und arbeitete man in Ascheloh Nr. 8

Genau dort finde ich Wilhelm auch zum Zeitpunkt seiner Heirat am 07.04.1872: An diesem Tag heiratet er Katharine Caroline (Caroline war wohl ihr Rufname) Schulze. Sie war am 28.02.1846 in Ascheloh Nr. 22 geboren worden und mit ihren 26 Jahren ungefähr zweieinhalb Jahre jünger als ihr Gatte. Zu Weihnachten 1872, also ungefähr 38einhalb Wochen nach der Hochzeit, waren die Ahlemeyers dann zu dritt, denn am 25.12.1872 wird ihr erstes Kind geboren, Heinrich August. Da wohnen Wilhelm und Caroline schon in Oldendorf Nr. 8. Auch ihre weiteren Kinder werden dort geboren, und zwar 

- Catherine Marie Wilhelmine am 13.09.1874, 

- Anna Wilhelmine Johanne am 02.04.1877, 

- Wilhelmine Catharine am 12.03.1880, 

- Heinrich Wilhelm am 16.07.1882, 

- Anna Auguste am 18.06.1884 

 und eben meine Urgroßmutter, 

- Johanne Marie Catharine am 26.09.1886. 

Catherine Marie Wilhemine und Wilhelmine Catharine ähnelten sich nicht nur vom Namen her, sondern auch vom Lebensmittelpunkt: Sie sind beide nicht in Halle geblieben, sondern haben beide Männer aus Werther geheiratet. Und mit dieser Erkenntnis stellte sich auch heraus, dass mein Opa Wilhelm diverse Cousins in Werther hatte. Da war sogar meine Mutter ein wenig überrascht, denn zumindest bei manchen von ihnen war ihr zwar immer klar gewesen, dass sie "irgendwie um ein paar Ecken" verwandt waren, aber dass die Verwandtschaft so eng war, wusste sie auch nicht. Das beruhte übrigens auf Gegenseitigkeit :-) 

Anna Auguste dagegen kam gar nicht dazu, sich über eine Eheschließung auch nur ernsthafte Gedanken zu machen, denn im August 1889, also mit gerade einmal fünf Jahren, erkrankte sie an der Brechruhr und starb am 09.08.1889. Was hieß das eigentlich konkret? In Herders Conversations-Lexikon von 1854 findet sich die folgende Erläuterung: 

Brechruhr, Brechdurchfall (Cholera), ist eine stürmisch und schnell verlaufende Krankheit, die mit heftigen und sehr häufigen wässerigen Ausleerungen nach oben und unten, und baldigem Sinken der Kräfte auftritt. Sie erscheint in 2 Formen, einmal endemisch u. in großer. mörderischer Verbreitung, als die bekannte und gefürchtete Cholera asiatica (s. d. Art.), sodann sporadisch oder in kleineren Epidemien, als Cholera nostras, europ. Cholera. Die letztere, vorzugsweise B. genannt, ist häufig bei uns, besonders in warmen Sommern. Meistens ohne Vorboten stellen sich sogleich heftige u. schnell sich wiederholende Ausleerungen durch Brechen und Stuhl ein. von Druck und Schmerz in der Herzgrube begleitet. Anfangs ist es noch der Inhalt des Magens mit Galle, nachher aber wässerige, schleimige Flüssigkeit. Dazu kommen starker Durst. und bald Verfallen des Gesichts, Blässe und Kälte der Haut. kalte Schweiße, Angst, Krämpfe und Ohnmachten. Richtig und bald behandelt geht die europ. Cholera, so stürmend und drohend sie auch auftritt. meist in Genesung über, oft schon am 1. oder 2. Tage, unter kritischem Schweiß und Harn; kann aber bei Versäumniß der rechten Hilfe auch schnell tödtlich werden. Die Behandlung geschieht theils durch äußere Mittel. trockene warme Ueberschläge, aromatische Kräuterkissen, Einreibungen von Kampferliniment mit Opiumtinktur, Vesicantien; theils innerlich, und hier ist Hauptmittel Opium, dann aromatische Wasser, Emulsionen, Brausepulver, Brechwurz in kleinen Gaben."

Man kann sich also nur ungefähr vorstellen, wie es für Wilhelm und Caroline gewesen sein muss, diese Symptome bei ihrer kleinen Tochter mit ansehen zu müssen, ohne ihr wirklich helfen zu können. Gleichzeitig mussten sie auch Angst haben, dass die anderen Kinder auch erkranken würden, was aber wohl nicht passierte. Ich frage mich, wie sie das damals gelöst haben. Haben sie die anderen in Quarantäne geschickt, und wenn ja, wo? (An dieser Frage erkennt man die Zeit, in der wir gerade leben.) 

Die beiden Jungs, Heinrich August und Heinrich Wilhelm, blieben in Halle, und wurden Cigarrenarbeiter respektive Heuerling. Heinrich Wilhelm stirbt 1927, mit gerade einmal 44 Jahren. Aus heutiger Sicht auch viel zu früh. Heinrich Augusts Sterbeeintrag habe ich bis heute noch nicht gefunden. 

Caroline stirbt am 10.01.1918 und wird am 16.01.1918 in Halle beerdigt. Wilhelm folgt ihr am 11.11.1921. In seinem Sterbeeintrag wird er als Invalide bezeichnet, aber er ist immerhin 78 Jahre alt geworden. 

Mittwoch, 8. Juli 2015

Als Hörste unabhängig wurde

Seit geraumer Zeit tendiert man ja dazu, Orte zusammenzulegen und einzugemeinden. Sinn und Zweck dieser Übung ist, wohl, sie besser verwalten zu können, wobei ich mir nicht immer sicher bin, ob das auch so klappt, wie es einmal beabsichtigt war. Und weil immer mehr Menschen aus den beiden großen Hauptkirchen austreten, passiert in diesem Bereich genau dasselbe: Pfarreien werden zusammengelegt.

Vor etwas mehr als 300 Jahren, nämlich im Jahr 1707, konnte man die umgekehrte Entwicklung in Hörste beobachten: Hörste nabelte sich von der Haller Kirchengemeinde ab und wurde selbstständig! Das Geld für den Kirchenbau hatte man übrigens durch eine Lotterie zusammenbekommen...

Zu dieser Zeit lebten auch Vorfahren von mir in Hörste, zum Beispiel ein Teil meiner Fronemann-Sippe: Gerhard Hinrich Fronemann, Colon in Hörste 6, und seine Frau Anne Catharine geb. Heitmann. Beide waren im Jahr 1671 geboren worden und heirateten dann 1701. Die entsprechenden Eintragungen finden sich also im Kirchenbuch von Halle, genauso wie die Taufeinträge ihrer ersten drei Kinder:

Cathrina Margreta, geb. 1702
Anna Maria, geb. 1703
und
Anna Elsabein, geb. 1706

Weil Hörste ab 1707 dann aber natürlich auch eigene Kirchenbücher führte, sind die restlichen sechs Kinder, die ich bis jetzt ausfindig machen konnte, in ebendiesen Hörster Kirchenbüchern zu finden, einschließlich meine direkten xfachen Urgroßmutter Catharine Ilsabein Fronemann:


Sie wurde am 18. Mai 1719 in Hörste getauft, und zwar als letztes Kind ihrer Eltern. Kein Wunder, denn Catharine Ilsabein war ja schließlich auch schon 48! Leider hat Catharine Ilsabein dann auch nicht mehr allzu viel von ihrer Tochter gehabt, denn sie starb nur etwas mehr als zwei Jahre später, im September 1721.

Meine Sickendieks sucht man um diese Zeit in Hörste übrigens vergebens; sie siedelten sich erst um 1804, also rund ein Jahrhundert später, dort an, als Johann Wilhelm Sickendiek aus Bockhorst Anna Marie Elisabeth Wellemeyer heiratete und damit den Hörster Zweig der Sickendieks begründete. Dafür habe ich aber noch Brüggenkochs... und Harstrombergs...

Ironischerweise kam es dann im letzten Jahrhundert so, wie es kommen musste, und es schließt sich der Kreis: Hörste gehört heute wieder zu Halle...

(Ein kleiner Beitrag zur "52 Ancestors in 52 Weeks"-Challenge 2015, week 27: "Independent".)