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Montag, 11. November 2024

Mohnblumen und Narrenkappen

Es fällt mir in jedem Jahr wieder auf: 

Ganz Europa erinnert sich an diesem Tag an den Waffenstillstand von Compiègne, denn damit war der Erste Weltkrieg beendet. 

Überall sieht man Poppies, also Mohnblumen. Jedenfalls dann, wenn man mal über den deutschen Tellerrand hinausschaut. 

Foto: mati-foto auf pixabay.com

Und was sieht man bei uns? 

Leute, die sich freuen, dass die "fünfte Jahreszeit" wieder anfängt. Tätä-täta-tätä. 

So ganz nachvollziehen kann ich das nicht. Der Erste Weltkrieg fällt in der Erinnerung im Vergleich zum Zweiten Weltkrieg ziemlich hinten runter, und das, obwohl er gerade mal etwas mehr als 100 Jahre her ist - und obwohl er im Grunde den Weg für die N*zis leichter gemacht hat, weil alle wegen seiner Folgen "mit der Gesamtsituation unzufrieden" waren. Und was unzufriedene Wähler anrichten können, hat man am Beispiel der Geschichte gesehen. Da muss man gar nicht auf die aktuellen Nachrichten zurückgreifen.  

Ich will ja keinem den Karneval vermiesen. Ich meine nur, dass beides seinen Platz im öffentlichen Gedächtnis haben sollte. 

Wer mal auf einem Soldatenfriedhof war, der kann diese Gedanken vielleicht nachvollziehen. Ich denke heute noch an unseren Besuch in Cambrai. Oder den in Ypern

 

        In Flanders fields, the poppies blow              

        between the crosses, row on row...


 

 

Sonntag, 12. Februar 2023

Französische Wurzeln?

Es passieren noch Zeichen und Wunder! 

Wir erinnern uns: Am 1. Januar hatte ich hier - passend zum neuen Jahr - eine kleine Liste mit Dingen gepostet, die ich 2023 gerne erledigen würde. Punkt Nummer 9 auf dieser Liste war "Familie Schwartz erforschen" - das sind die Vorfahren mütterlicherseits meines Mannes. 

Der Ausgangspunkt ist folgender: 

Ich wusste, dass die Großeltern meines Mannes der Bergmann Wilhelm Schwartz und seine Frau Franziska Derix waren, die in Kohlscheid bei Aachen gewohnt haben. Konkrete Daten hatte ich nicht; der Familienforschungsmuffel kann sich nur daran erinnern, dass sein Großvater Anfang der 1990er Jahre gestorben sein muss und seine Großmutter noch früher. Dazu muss man sagen, dass mein Mann schon im frühen Teenageralter Halbwaise geworden ist - die Generation, die man eigentlich über die eigenen Vorfahren ausfragen würde, fehlt also. 

Es gibt aber noch einen Onkel, zu dem der Kontakt einigermaßen abgerissen war. Schade eigentlich, kommt aber in den besten Familien vor, vor allem, wenn man weiter auseinander wohnt. Der Familienforschungsmuffel und ich sind nun schon über 27 Jahre ein Paar, aber diesen Onkel hatte ich noch nie zu Gesicht bekommen, geschweige denn mit ihm gesprochen. Es wäre also irgendwie merkwürdig gewesen, wenn eine ihm gänzlich unbekannte Frau einfach mal bei ihm angerufen hätte, um ihn über seine Familie auszuquetschen. Sowas lässt einen heutzutage ja an Enkel-Tricks denken.

Und wer rief jetzt am Wochenende an? Richtig. Besagter Onkel! Einfach so, ohne Agenda. Nur mal, um zu hören. Der Familienmuffel fand dann einen Zettel vor seiner Nase mit der Aufschrift: 

"Du weißt, was Du zu tun hast!"

Er wusste es. Er hat mir das Telefon rübergereicht. Ich mag ja diesen Öcher (Aachener) Singsang, obwohl ich ihn ehrlich gesagt nicht vom kölner unterscheiden kann.

Und so habe ich dann erfahren, dass Wilhelm und Franziska 1916 bzw. 1923 geboren sind, und zwar aller Wahrscheinlichkeit nach in Kohlscheid respektive in Dürwiß. Das ist doch schon mal was. Damit kann ich etwas anfangen. 

Vom Stuhl gefallen bin ich dann (fast), als Onkel erwähnte, dass die Familie über die Derix-Seite französische Wurzeln gehabt haben soll. Comment? Der Familienforschungsmuffel, dessen Französisch noch einen Tick schlechter ist als meins (bis jetzt haben es alle Franzosen aber mit dem gebührenden Humor genommen), soll zumindest teilweise französischen Ursprungs sein?

Mit niederländischen Wurzeln hatte ich ja gerechnet, denn Kohlscheid liegt direkt an der deutsch-niederländischen Grenze, aber mit französischen?! Nun ja, wenn ich so darüber nachdenke, dann würde es einiges erklären.

Und wenn es sich als wahr erweisen sollte, dann wird's lustig. 

Je vous tiendrai au courant.

Dienstag, 5. Oktober 2021

Tour de Force Teil 3: Omaha Beach

Wenn man das Wort "D-Day" hört, denkt man automatisch an Omaha Beach. Eigentlich gehört der Strand zu einem kleinen Dorf namens Saint Laurent-sur-Mer mit gerade einmal 268 Einwohnern, 22 km von Bayeaux entfernt, wo man den berühmten Wandteppich bestaunen kann. 

Neben Verdun ist das einer der Orte, den ich an bestimmten Tagen in der Geschichte als "Hölle auf Erden" beschreiben würde. 

77 Jahre später stand ich nun da und versuchte, mir vorzustellen, wie die Ereignisse des 6. Juni 1944 damals abgelaufen sind. Klar, mir kam auch die Anfangsszene aus "Der Soldat James Ryan" in den Sinn, aber dazu sollte man vielleicht wissen, dass sie nicht am Originalschauplatz, sondern in Irland gedreht worden ist. Trotzdem, ungefähr so musste es gewesen sein. 

Massensterben. 

Ich habe auf den kleinen Mäuerchen gesessen, aufs Meer geguckt und mich im Stillen bei den Männern bedankt, die ihr Leben dafür gelassen haben, dass Europa von den Nazis befreit worden ist, mit der Konsequenz, dass meine Eltern und ich nicht in einer Diktatur aufwachsen mussten und Krieg etwas ist, dass ich nie selbst erleben musste. Die meisten waren noch so schrecklich jung... 


Wie man sehen kann, waren wir nicht alleine da. Leute gingen mit ihrem Hund spazieren, Kinder buddelten im Sand. Vielleicht hätten wir direkt morgens nach Sonnenaufgang hinfahren sollen und nicht am Nachmittag? Andererseits hat mich diese Normalität aber auch irgendwie beruhigt - trotz allem geht das Leben weiter.  


Ja, es gibt Denkmäler. Ich fand es anrührend, dass dort noch frische Blumen lagen. 

Man sah natürlich auch ziemlich viele Touristen. Es gibt nur ein paar Meter vom Strand entfernt ein relativ großes Museum, das sich mit der Landung am D-Day beschäftigt. Das haben wir uns aber gespart, weil wir uns nicht ganz sicher waren, wie authentisch ein Museum zu einem solchen Thema sein kann, wenn es sich selbst als "child-friendly" bezeichnet. Kann man den Schrecken dieser Tage wirklich deutlich machen, wenn man auch Kinder als Publikum haben will? Abgesehen von diesem gibt es aber noch mehrere Museen, die sich mit dem D-Day befassen, man muss nur ein paar Kilometer fahren. Die Spuren des D-Day sind halt noch allgegenwärtig. 

Montag, 13. September 2021

Tour de Force Teil 2: Batterie Todt

 Am Ärmelkanal in der Nähe von Calais, um genauer zu sein: in einem Örtchen namens Audinghen am Cap Gris-Nez (was soviel wie "Graunase" bedeutet) liegt ein Überbleibsel der Nazis. "Überbleibsel" klingt eigentlich viel zu niedlich, denn die Batterie Todt ist eins der sieben größten Bauwerke, die die Nazis bis heute in Frankreich hinterlassen haben. Früher hieß die Batterie ganz germanisch "Siegfried", aber das hat man 1942 geändert, nachdem Fritz Todt, seines Zeichens "Reichsminister für Bewaffnung und Munition" (wenn ich mir das so durch den Kopf gehen lasse, bin ich heilfroh, dass wir heute stattdessen ein Verteidigungsministerium haben) bei einem Flugzeugabsturz nahe der Wolfsschanze ums Leben gekommen war.  

Ich weiß bis heute nicht, ob man den Namen "Todt" mit kurzem oder langem "o" spricht. Ist da vielleicht Nomen auch Omen gewesen? 

Jedenfalls war Fritz Todt nicht nur der mit den Autobahnen, sondern der Chef der "Organisation Todt", kurz OT. Das war ein paramilitärischer Bautrupp, der primär dazu da war, die militärischen Projekte der Nazis baulich umzusetzen, und zwar nicht nur am Westwall, sondern quasi überall, wo die Deutschen ungefragt eingefallen waren. Die eigentliche Schufterei beim Bau der verschiedenen Anlagen mussten oft genug Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge übernehmen. Nach Todts Tod wurde Albert Speer sein Nachfolger als Minister, die OT aber blieb unter dem alten Namen bestehen, bis sie im Oktober 1945 vom Alliierten Kontrollrat endlich verboten wurde. 

Von hier aus haben sie ab September 1941 mit vier 38-cm-Schiffsgeschützen "Engeland" beschossen. Oder zumindest einen Teil davon, denn der Ärmelkanal ist an der Stelle ungefähr 30 km breit, und die Geschütze hatten eine Reichweite von bis zu 42 km. Für Dover und Folkestone hat es gereicht, aber für London nicht. Außerdem konnte man deutschen Kriegsschiffen wie der Scharnhorst beim Unternehmen Cerberus Feuerschutz geben. 

Heute ist die Batterie Todt ein Museum, das in privater Hand ist. Wenn man sich ungefähr eineinhalb Stunden Zeit nimmt, kann man sich drinnen und draußen umgucken (bei richtig gutem Wetter kann man auch die Kreidefelsen auf der englischen Seite des Ärmelkanals erkennen). Wir konnten sie höchstens erahnen. 

Weil der Bunker zur Küstenartillerie gehörte, die der Kriegsmarine unterstellt war, waren hier keine Soldaten abgestellt, sondern Matrosen. Die wurden auch nicht in einer Küche bekocht, sondern in einer Kombüse. 

Insgesamt gelingt es ganz gut, das Leben auf der Batterie darzustellen, auch wenn die deutsche Übersetzung manchmal ein bisschen drollig ist. Manche Sachen müssen aber auch gar nicht übersetzt werden, so wie der Briefkasten hier...

Selbst nach der Landung der Alliierten am D-Day ging der Beschuss Englands absurderweise noch weiter. Am 29. September 1944 waren es dann die Kanadier, dem Spuk ein Ende bereiteten.