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Freitag, 10. März 2023

Kirche ohne Namen?

 

Ich hatte ja schon mal erwähnt, dass ich 2023 endlich mal meine Forschung in eine sinnvolle Ordnung bringen wollte. Ja, ich bin dabei, und das hier ist ein Teilergebnis dieses hehren Ansinnens. 

Dieses Foto habe ich auf meinem alten Rechner gefunden, versteckt in einem Unterordner eines Unterordners eines Unterordners, die alle so bezeichnende Namen tragen wie "Forschung", "Bilder", "Verschiedenes" und (mein Favorit!): "Diverses, muss noch sortiert werden".  

Ich habe das Foto am 15.08.2012 gemacht, also vor ungefähr 12 1/2 Jahren, nachmittags um kurz nach 5. Hätte ich nicht die Fotos davor gesehen, dann hätte ich wahrscheinlich gar nicht mehr gewusst, was für eine Kirche ich denn da überhaupt fotografiert habe, aber inzwischen ist die Erinnerung wieder da. 

Ich hatte im Archiv in Brandenburg geforscht und war dabei darauf gestoßen, dass meine Ur-Ur-Großeltern Carl und Sophie Hauffe (geb. Rohde) am 26.10.1881 in Klein Kreutz geheiratet hatten und innerhalb von ein paar Jahren davor und danach meist, aber nicht immer miteinander, diverse Kinder bekommen haben. Ich hatte hier schon einmal von den beiden erzählt. 2012 war das ein Ort, von dem ich noch nie etwas gehört hatte. Und weil Klein Kreutz nur ein paar Kilometer vom Stadtzentrum Brandenburgs entfernt lag, bin ich nach dem Besuch im Archiv noch schnell hingefahren. Weil die Tür verschlossen war, konnte ich aber nicht in die Kirche hinein. Schade. Aber ich musste abends noch zurück nach Hause, und ein paar Stunden fährt man ja doch.

Bei wikipedia erfährt man ein bisschen über die Kirche, die anscheinend nur "Dorfkirche" genannt wird: Sie war erst 1867/1868 gebaut worden. Als Carl und Sophie hier getraut wurden und ihre Kinder taufen ließen, war sie also quasi noch brandneu. Nur der untere Teil des Turms gehörte schon zum Vorgängerbau, Obwohl - mit dem Wort "brandneu" muss man, was Klein Kreutz betrifft, wohl etwas vorsichtig sein, denn sowohl 1778 als auch 1823 haben Feuer jeweils große Teile des kleinen Ortes vernichtet. Aber da waren meine Verwandten noch nicht einmal in der Nähe. Ist vielleicht auch besser so - ich denke mal, über Carl und Sophie werden sie sich schon genug das Maul zerrissen haben...

 

Montag, 21. November 2016

Auf Opas Spuren in Brüssel

Am letzten Wochenende sind wir einfach mal so mit Freunden nach Brüssel gefahren. Und was guckt man sich an, wenn man nach Brüssel fährt? Klar, das Atomium!

Eine Sache war mir gar nicht klar gewesen, bis mein Vater sie erwähnte: Mein Großvater Hermann war auch schon einmal da - allerdings im Jahr 1958, zur Weltausstellung. Wieder ein Punkt mehr, den ich in Hermanns Lebenslauf aufnehmen muss...

Und tatsächlich - im Inneren kann man auch noch einige Ausstellungsstücke bewundern, die anlässlich der Weltausstellung auf den Markt gebracht wurden. Ob Opa sich wohl auch ein paar von den Weltausstellungszigaretten mit einem Weltausstellungsfeuerzeug angezündet hat?

In einer Sache bin ich mir aber ziemlich sicher: Seine Kamera hatte keine Einstellung für "dramatische" Bilder. Unsere schon...

Hat was, oder nicht?

Montag, 20. August 2012

Forschungstrip nach Sachsen-Anhalt und Brandenburg Teil 2: Spaziergang durch Burg

Um es vorwegzunehmen: Nach dem ersten Teil dieses kleinen Reiseberichts haben mich einige Leute gefragt, warum ich mich nicht auf sämtliche Zehenspitzen gestellt und einfach über das Tor hinüberfotografiert habe ("Sogar mit 1,62 m müsste sich das doch eigentlich machen lassen!"). Die einfache Antwort lautet: "Ich würde ja auch auch nicht wollen, dass das jemand bei mir macht!"

Abgesehen davon hatte ich keine Lust, uniformierten Freunden und Helfern erklären zu müssen, was ich denn da bitte schön treibe. Wie gesagt, die Schulstraße ist eine sehr enge und noch immer auch eine sehr bewohnte Straße. Ich konnte genau hören, welche Anwohner gerade die Tagesschau guckten. Die Wahrscheinlichkeit, dass, genau in dem Moment, in dem ich versuche, ein gutes (= nicht übermäßig verwackeltes) Foto zu bekommen, ein Nachbar aus seinem Fenster guckt, weil ihn die Berichterstattung über die Euro-Krise langsam nervt, war also nicht gerade gering.

Gut, das Haus schräg gegenüber wäre dabei wohl außen vor gewesen:


Es sah ja nun nicht gerade bewohnt aus. Aber immerhin war es noch da. Im Gegensatz zu Nummer 7. Grmpf.

Aber wie es im Osten eben (immer noch) ist: Hier findet man in ein und derselben Straße derart viele Kontraste, dass man gar nicht weiß, welches Haus man sich zuerst angucken soll. Und für den Familienforscher haben die oft immer noch nicht endgültig geklärten Eigentumsverhältnisse den großen Vorteil, dass es einfach einfacher ist, sich vorzustellen, wie es früher war... (in Farbe und bunt, und nicht nur in Sepia).

Geht man die Schulstraße weiter hoch, dann findet man zum Beispiel das hier...


... oder eben auch das hier:


Biegt man an dieser Ecke links ab, dann kommt man direkt zur Oberkirche "Unser lieben Frauen".



Fragen Sie mich bitte nicht, wer die gute alte deutsche Grammatik so gequält hat.

Die Kirche liegt an der Straße der Romanik. Für mich aber war es eben noch wichtiger, dass sie direkt an der Ecke zur Schulstraße liegt. Wenn man nämlich keine Ahnung hat, in welcher Kirche die lieben Verwandten ihre Kinder haben taufen lassen, dann ist am nächsten liegende Kirche die erste Wahl. Am nächsten Tag sollte sich herausstellen, dass ich mit meiner Vermutung richtig gelegen hatte.

Der Schatten der Turmspitze auf dem Turm stammt übrigens vom Türmchen des Rathauses, das wieder nur ein paar Meter weiter liegt...


... und wirklich schön restauriert ist.


Hier also wurde mein Urgroßonkel Wilhelm Rohde im Februar 1910 vorstellig, um anzuzeigen, dass seine Mutter, meine Ururoma Sophie, gestorben war.

War das Rathaus damals eigentlich auch schon gelb? Wenn es jemand weiß, dann möge er mir es bitte sagen! Ich bin neugierig!

Langsam aber sicher kam ich nun auch dahinter, warum sich Burg auch die "Stadt der Türme" nennt. Nicht nur das Rathaus und die Kirchen haben welche, es stehen auch ansonsten noch diverse Türme in der Stadt, zum Beispiel der Wasserturm...


... und der Hexenturm...


(Ich hoffe doch mal ganz stark, dass keine meiner weiblichen Verwandten diesen Turm jemals von innen gesehen hat - in späteren Jahren, als man nicht mehr an Hexen glaubte, ist der Turm jedenfalls als ganz normales Gefängnis genutzt worden.)

Ach ja, es gibt auch noch den Berliner Torturm...


... und den Bismarckturm, zu dem ich aber nicht mehr gewandert bin. Dafür haben die Burger Türme auch ihre eigene Homepage:


Für einen ersten Überblick war das ein richtig schöner kleiner Spaziergang. Und es war schön, die Stadt mit eigenen Augen zu sehen, in der diverse meine Vorfahren gelebt haben, schon allein, weil ich eben wusste, dass sich seitdem nicht allzu viel verändert hat, weil Burg in beiden Weltkriegen nicht allzu viele Schäden davongetragen hat.

Und bevor ich es vergesse: Hameln mag zwar zwar seinen Rattenfänger haben, aber Burg hat seinen Trommler!


Und der hat auch seine eigene Sage:

Vor vielen Jahren saß in einer Weinschänke zu Burg eine fröhliche Gesellschaft, die von alten Zeiten erzählte. Sie berichteten über Schicksale und Taten und prahlten mit ihren Erlebnissen und Erfahrungen. Der Wirt der Schänke wusste so manches aus seinem Erfahrungsschatz zu berichten und erzählen, dass ein verborgener Weg nach dem Weinberg, wie auch nach dem Inneren der Stadt von seinem Hause aus führte. Die Gäste wollten die Geschichte nicht glauben und es kam zu einer Wette.

Am anderen Morgen trafen sich alle wieder beim Wirt, um dieser Geschichte mit den unterirdischen Gängen nachzugehen. Dem Mutigsten wurde eine Trommel umgehangen und mit Windlichtern versehen und frohen Mutes auf den Trommelschlag hörend, ging es den Gang entlang. Nach einiger Zeit hörte man nur noch einen dumpfen Ton, der nach einiger Zeit ganz verstummte.
Erschrocken über das Verstummen des Trommelschlages, eilten sie dem Freund zu Hilfe und drangen immer tiefer in den finsteren Gang ein, in der Hoffnung den Freund zu retten. Der Modergeruch und eine dumpfe Schwüle ließen sie bald ermatten. Schon waren einige erschöpft und wankten, die Lichter waren dem Erlöschen nahe. Der Wirt, der diese Kellerluft gewöhnt war, rief mit kräftiger Stimme, rette sich wer kann, sonst sind alle verloren.

Zu Tode erschöpft erreichten sie den Ausgang. Aber vom Freund fehlte jede Spur. Er blieb für immer verschwunden. Seitdem wurde kein weiterer Versuch mehr unternommen, die unterirdischen Gänge weiter zu erforschen. Im Laufe der Zeit verfielen sie, aber die Illusion von unterirdischen Gängen lebt in den Köpfen der Menschen weiter.
 
 
 
Zugegeben, erschöpft war ich nun auch ein bisschen. Also zurück in die Pension, damit ich auch ja am nächsten Morgen pünktlich im Archiv war. Aber nein - das ist eine andere Geschichte....

Sonntag, 19. August 2012

Forschungstrip nach Sachsen-Anhalt und Brandenburg - Teil I: Clausewitz, Fontane und mein Uropa...

Ich habe es nun endlich geschafft, meinen lange gehegten Plan vom Forschungsurlaub in Sachsen-Anhalt und Brandenburg auch tatsächlich in die Tat umzusetzen, wenn auch nur für ganze dreieinhalb Tage. Und ich muss sagen, es hat sich gelohnt. Es war ein sehr ereignisreicher Trip, in mehr als einer Weise.


Was mich bis jetzt immer davon abgehalten hatte waren die langen Vorlaufzeiten, auf die man sich einstellen muss, wenn man das Kirchenarchiv der Kirchenprovinz Sachsen in Magdeburg heimsuchen möchte: mindestens vier Monate kann man dort einplanen. Ich hatte nun aber einen Archivplatz für den 13. und den 14. August ergattert, und das sogar relativ kurzfristig, weil man ein zusätzliches Lesegerät angeschafft hatte und deshalb Zusatzplätze vergeben konnte.


Um auch ja gaaaanz pünktlich montags um 08.30 Uhr im Archiv zu sein, hatte ich mich entschlossen, mich schon am Sonntag nachmittag auf den Weg zu machen und mich am Sonntag abend noch ein bisschen in Burg, dem Geburtsort meines Uropas Willy Hauffe, umzusehen.


Ich hatte Glück, kam gegen 17.30 Uhr in meiner Pension an, brachte meine Sachen auf mein Zimmer im zweiten Stock und machte mich direkt danach auf den Weg in die Burger Altstadt, um die Adresse Schulstraße 7 zu suchen. Dort wurde Willy am 27.05.1896 als Sohn des Schuhmachermeisters Carl Hauffe und seiner Frau Sophie geb. Rohde geboren.


Die Adresse habe ich auch sofort gefunden, obwohl die Schulstraße inzwischen eine Einbahnstraße ist:


Nur um es klarzustellen: Das Haus am rechten Bildrand ist Nummer 6, nicht Nummer 7.

Da stand ich also nun mit meinen 1,62 m und versuchte herauszufinden, was sich denn hinter dem Tor befindet: Es kann sich eigentlich nur um einen Carport handeln. Ich bin also zu spät gekommen; das Geburtshaus von Willy steht nicht mehr.


Man kann sich vorstellen, dass ich im ersten Moment erst einmal eine Fleppe gezogen habe, wie man hier in Ostwestfalen so schön sagt. Es könnte aber immerhin gut sein, dass der graue Mauerteil rechts von der Tür noch zum ursprünglichen Haus gehört hat (man sieht, ich war an einem Punkt angekommen, an dem ich mich auch an Kleinigkeiten festhalten wollte...).


Die Schulstraße ist eine der ältesten Straßen in Burg; sie führt parallel des Breiten Weges vom Ihle-Kanal direkt nach Norden hoch zur Berliner Straße.



Ungefähr 50 Meter von Willys Geburtshaus entfernt, in der Schulstraße 12, wurde 1780 Carl von Clausewitz geboren, der sich später als preußischer General und Militärhistoriker einen Namen machte:






Ein Ausspruch, mit dem Herr von Clausewitz nicht ganz unrecht hatte, findet sich auf der Gedenktafel über der Tür:




"Die Zeit ist Euer, was sie sein wird, wird sie durch Euch sein."


Ich hätte es nicht besser sagen können.


Noch einmal zwei Häuser weiter, in der Schulstraße 14, befand sich ein Festsaal, in dem 1840 Theodor Fontane verkehrte, als er für ein Jahr lang als Apothekenhelfer in Burg arbeitete.



Die blaue Tür ist ein echter Hingucker, oder?


Fontane schrieb übrigens über Burg, es sei eine "ansehnliche Stadt, von der trotzdem niemand nichts weiß. Oder doch nicht viel. Die Nähe Magdeburgs hat es von Anfang an in den Schatten gestellt." Da könnte er recht gehabt haben.

Man kann also durchaus konstatieren, dass in der Schulstraße einige interessante Gestalten ein und aus gingen: Clausewitz, Fontane und mein Uropa.



Samstag, 23. Juni 2012

Der Traumurlaub des Familienforschers

Ich habe es in dieser Woche geschafft, mir wieder einmal einen Tag "freizugraben", um im Landeskirchenarchiv in Bethel zu forschen. Meist ärgere ich mich dann ja, dass zwischen 12.30 und 13.30 Uhr Mittagspause gemacht wird, auch wenn man inzwischen die Kantine direkt um die Ecke nutzen kann.

Dieses Mal war es etwas anders, denn ich hatte dort unterhaltsame Gesellschaft: Stan Wilson aus Baltimore, MD, USA.

Stan ist auf großer Tour durch die deutschen Archive, um seine Familiengeschichte weiter zu erforschen. Sechs seiner acht Urgroßeltern kamen aus Deutschland, so dass er einiges zu tun hat. Bevor er nach Bielefeld kam, um sich die Strucks aus Heepen genauer anzugucken, war er in Wolfenbüttel. Ich kann leider nicht mehr genau sagen, wohin die Reise für ihn dann noch geht, aber ich wünsche ihm viel Erfolg!

Das ist doch der Traumurlaub eines jeden Familienforschers, oder? Forschend von Archiv zu Archiv zu ziehen, sich die Orte anzugucken, wo die Vorfahren gewohnt haben und dabei dem großen Puzzle jedes Mal und jeden Tag ein kleines Stück hinzuzufügen - und das über Wochen!

Vielleicht schaffe ich es ja, mich in diesem Jahr noch auf eine kleine Reise zu meinen eigenen sträflich vernachlässigten ostdeutschen Wurzeln zu begeben - mein Urgroßvater Willy (nein, nicht Wilhelm!) Hauffe wurde zum Ende des Ersten Weltkrieges aus Burg bei Magdeburg nach Halle (Westf.) "importiert", und seine Mutter Sophie geb. Rohde kam gebürtig aus Brandenburg an der Havel. Wenn es über die Generationen immer ein kleines Stück weiter Richtung Osten geht - wer weiß, wo ich dann lande?!

Wenn ich mich nicht stark irre, dann liegen die Kirchenbücher aus Burg inzwischen im Archiv in Magdeburg. Beim telefonischen Kontakt wurde mir gesagt, dass die Vorlaufzeit für einen Platz im Archiv rund drei Monate beträgt, was für mich natürlich einige Probleme logistischer Art mit sich bringt, weil ich noch nicht weiß, wie mein Terminkalender dann aussieht, und wie viele Tage ich im Archiv brauche, um meine diversen Vorfahren-Linien zu finden, denn es steht ja nicht fest, dass die Hauffes und ihre Vorfahren "immer" aus Burg kamen.

Grübele ich einfach nur viel nach? Sollte ich mich nicht einfach für drei Tage im Archiv einbuchen und einfach mal gucken, wie weit ich komme?!

And, by the way: Stan, if you should read this: If you have difficulties decyphering that 1814 entry - I'd be happy to help!