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Posts mit dem Label "Die dunklen Jahre (1933-1945)" werden angezeigt.

Augusts Karteikarte

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Ja, jetzt ist es raus: Uropa August Gehring war ein Mitglied der NSDAP . Hier ist seine Karteikarte:    Hätte ich mir auch anders gewünscht, ist aber so. Verwechselung ausgeschlossen.  Aufnahme am 01.05.37, klassisch, also an dem Tag, an dem statistisch die meisten Mitglieder aufgenommen wurde.  Was ich mich aber frage, und dabei kann mir ja vielleicht die Schwarmintelligenz helfen : Der Aufnahme wurde am 22.11.37 beantragt, also ein halbes Jahr später. Ohne Antrag keine Aufnahme. Also: Bloßer Schreibfehler, was das Antragsdatum angeht? Kann ja mal passieren, wenn man mit einem Schlag ein paar Hundert Tausend Leute in eine Partei aufnimmt.   Ich hatte ja damit gerechnet, trotzdem bin ich im Moment doch ein bisschen wütend auf ihn.  Dafür bin ich nun umso neugieriger, was seine Entnazifizierungsakte hergeben wird. Also nicht an postapokalyptischem Wunschdenken, sondern an Fakten.    

Die Einschläge kommen näher... Erste Erfahrungen mit der NSDAP-Mitgliederkartei

Okay, nun haben also die Amerikaner das online gestellt, das die Deutschen bisher aus Gründen des "Datenschutzes" nur im analogen Archiv und damit mit den entsprechenden langen Wartezeiten zugänglich gemacht haben: Die Mitgliedskartei der Nazis. Oder jedenfalls den größten Teil davon, denn 20 % haben es seinerzeit ja anscheinend doch leider in den Schredder geschafft.  Für Familienforscher wesentlich interessanter als die Epstein Files.  Und was ist nun?  Sagen wir mal: Es ist mühsam...  Die Kartei als solche ist leicht zu finden. Einfach bei catalog.archives.gov "12044361" als Suchbegriff eingeben.   Der schwierige Teil ist, in die Kartei auch tatsächlich reinzukommen. Als ich es es erstmals endlich geschafft hatte, musste ich schon nach ein paar Minuten unterbrechen, weil Besuch kam (die lebende Verwandtschaft sollte der toten doch noch vorgehen), und als ich mich dann eine Stunde später wieder an den Rechner gesetzt habe, bekam ich nur eine Fehlermeldun...

Alle Jahre wieder... im Januar: Gedenken muss man nicht organisieren

Der Holocaust-Gedenktag war ja nun schon gestern, in Deutschland Gedenktag für alle Opfer des Nationalsozialismus, und heute finden sich dann auch die Artikel über die verschiedenen Gedenkveranstaltungen in der Zeitung. Genauso wie übrigens jedes Jahr im November. Und wie jedes Jahr kommt in mir der Gedanke auf, dass es im Grunde immer wieder dieselben Leute sind, die dort hingehen - Schüler und Leute aus verschiedenen Arbeitskreisen, von denen aber die meisten schon in Rente sind.  (Nein, das soll hier jetzt kein Boomer-Bashing werden. Liegt mir fern, komplette Generationen zu verurteilen, obwohl ich heilfroh bin, dass ich mich zur Generation X zählen kann. Nicht nur, weil wir Grunge hatten, sondern vor allem, weil wir als "Generation dazwischen" sowohl digital als auch analog können. Aber zurück zum Thema.)  Vielleicht würden mehr Leute zu den - immer noch richtigen und wichtigen! - Gedenkveranstaltungen kommen, wenn sie nicht immer mitten in der Arbeitszeit eines großen T...

Hilfe vom Sofa aus

Im Moment arbeite ich mal wieder etwas weniger an meinen eigenen Sachen, was aber nicht bedeutet, dass ich untätig bin. Vergrippt, ja, mitunter, aber untätig? Nee...  Bei den Arolsen Archives kann ich mich auch vergrippt und vom Sofa aus nützlich machen: Die Ausländermeldekartei des ehemaligen Amtes Halle (Westfalen) steht online, und es warten noch Tausende von Karten darauf, transkribiert zu werden. Hier ist der  Link .  Das Schöne ist: Man braucht kein Benutzerkonto , um mitzumachen. Das einzige, was man braucht, ist ein bisschen Zeit - und es könnte nicht schaden, wenn man Kurrent und Sütterlin lesen kann.  Man muss sich auch keine Sorgen machen, dass man etwas falsch macht, denn es gilt das Sechs-Augen-Prinzip . Soll heißen: Wenn nicht wenigstens drei Leute unabhängig voneinander dasselbe gelesen haben, wird die Angabe im Endergebnis nicht frei gegeben. Das finde ich persönlich jetzt mal sehr beruhigend, vor allem, wenn es um die Namen und Herkunftsorte der oft...

Post vom Historischen Verein

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Normalerweise freue ich mich ja immer, wenn ich Post vom Historischen Verein für die Grafschaft Ravensberg e.V. bekomme. In der Regel bedeutet das nämlich, dass es etwas Interessantes zum Lesen gibt.    Das war auch in diesem Fall so, und zwar in Form der neuen Ravensberger Blätter.  Aber leider nicht nur.    (c) Historischer Verein   Die Ravensberger Blätter sind wieder superinteressant, vor allem für mich als alte Wertheranerin. Der Arbeitskreis Spuren jüdischen Lebens in Werther  hat darin nämlich eine Fallstudie zu Max Sachs (1898 bis wahrscheinlich 1942) veröffentlicht. Max Sachs war leicht geistig behindert und wohnte in Werther an der Bielefelder Straße, ungefähr dort, wo heute das evangelische Gemeindehaus steht. Seine Spur verliert sich mit der Deportation ins Warschauer Ghetto. Vorher war er in Bethel zwangssterilisiert worden und dann in einer jüdischen Einrichtung in Berlin-Weissensee untergebracht. Aber auch schon in der Zeit, als er...

Eine gute Fehlanzeige

Im Stadtarchiv hier in Halle gibt es eine Mitgliederkartei der NSDAP von 1938. In dieser Kartei findet man zumindest die Mitglieder, die in Halle-Stadt und Oldendorf gewohnt haben; die anderen Ortsteile aus dem heutigen Stadtgebiet sind nicht dabei, weil sie damals ja noch nicht eingemeindet waren (bei Oldendorf war das am 01.10.1938 passiert).  Wenn man solche Quellen hat, dann sollte man sie auch nutzen. Deshalb hier eine Zwischenmeldung aus dem Stadtarchiv:  Keine Sickendieks, keine Hauffes, keine Ortmeyers.  Auch nicht in den anderen phonetischen Schreibweisen.  Ich kann mir nicht helfen, aber ich war doch ein bisschen erleichtert, obwohl ich mich ja nun wirklich nicht für das Handeln meiner Großeltern und Urgroßeltern in der Nazizeit verantwortlich fühle. Eher dafür, dass wir nicht wieder in die Lage kommen, in der sie damals waren.  Dennoch, eine Gewähr dafür, dass meine Vorfahren nicht das damalige Regime in irgendeiner Art und Weise unterstützt haben, i...

Spuren Jüdischen Lebens in Werther

Ende 2007 wurde zum insgesamt vierten(!) Mal der Jüdische Friedhof in Werther geschändet. Diesen Friedhof oben an der Egge gibt es seit 1889; das letzte Begräbnis fand noch 1942 statt. Insgesamt findet man hier 23 Gräber.  Man hätte sich nun darauf beschränken können, sich lautstark darüber zu beschweren, dass es Leute gibt, die so dermaßen neben der Spur sind, dass sie überhaupt auf die Idee kommen, Grabsteine zu beschmieren oder umzuschubsen (was aus meiner Sicht übrigens für alle Gräber gilt, nicht nur für die auf jüdischen Friedhöfen). Aber nein, in Werther passierte etwas anderes: Es gründete sich 2008 ein Arbeitskreis mit den Zielen, das Schicksal der jüdischen Familien aus Werther aufzuarbeiten, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und damit ein deutlich sichtbares Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen .  Das war der Beginn des Arbeitskreises Spuren jüdischen Lebens in Werther.  Dieser Arbeitskreis kann jetzt sein 15jähriges Jubiläum feiern, denn selbst in ei...

Tabus bei der Familienforschung?

Es gibt Momente, in denen ich mich fühle wie ein Eindringling.  Und, wenn man es mal genau nimmt, das bin ich auch.  Wenn ich anfange, eine Familie zu erforschen, dann dringe ich unvermeidbar in deren Sphäre ein. Ich habe hier extra nicht das Wort "Privatsphäre" gewählt, weil es mitunter die Frage ist, was "privat" ist und was nicht. Von verschiedenen Stellen wird diese Frage auch in verschiedener Weise beantwortet. Ich für meinen Teil frage mich zum Beispiel, warum Geburts-, Hochzeits- und Sterbedaten vom Gesetzgeber als privat eingestuft und die entsprechenden Urkunden mit Sperrfristen versehen werden, während man die meisten Informationen heutzutage als Anzeige in der Zeitung oder auf Facebook finden kann.  Andere Informationen sehe ich da schon kritischer. Klar, ich finde es spannend, wenn ich lese, wer sich wie viel Geld von wem geliehen hat, aber über Finanzen spricht man auch heute ja nicht gerne. Trotzdem finde ich es interessant zu erfahren, wenn sich mei...

Elli - eine etwas andere Weihnachtsgeschichte

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Elli Hauffe war meine Großtante. Ich weiß gar nicht, ob ich sie hier im Blog schon einmal erähnt habe. Sie war die jüngste Schwester meiner Großmutter Martha ; ihre Eltern waren Willy und Lina Hauffe . Als Elli am 9. April 1931 geboren wurde, war Martha schon zwölf Jahre alt. An Ellis standesamtlichen Geburtseintrag komme ich leider nicht heran, weil sie von mir aus gesehen ja "nur" eine Verwandte in der Seitenlinie ist, aber ich weiß, dass sie in Halle-Oldendorf geboren wurde. Damals hat die Familie noch bei meinen Ururgroßeltern Wilhelm und Minna Ortmeyer gewohnt; demnach war es Oldendorf Nr. 61. Ich würde ja wirklich gerne wissen, weshalb ihre Eltern sie nicht "Elisabeth" genannt haben, denn tatsächlich habe ich sie bisher nur als "Elli" gefunden. "Elli" klingt so unförmlich, so locker - und deshalb vielleicht auch wie ein Wunschkind. Ob sie das tatsächlich war, weiß ich natürlich nicht. Von allen (lebend geborenen) Geschwistern meiner Groß...

Politisch und menschlich nicht korrekt (Sterben in den 1950ern, Teil 3)

Schön an den Sterbeeinträgen aus den 1950ern ist, dass meist nicht nur die eigentliche (=konkrete) Todesursache eingetragen ist, sondern auch noch die Nebendiagnosen und chronische Zustände, an denen die Leute mitunter ihr ganzes Leben lang gelitten haben. Damit wird ein Lebenslauf immer ein bisschen "runder".  Es gibt aber auch Einträge, über die man heute den Kopf schüttelt, weil man ihre Worte so nicht mehr wählen würde. Über so einen Eintrag bin ich im Jahr 1951 gestolpert; ein zweijähriger Junge war gestorben, was für die Eltern mit Sicherheit schon schlimm genug war. Als "Todesursache" waren genannt:  "Herzfehler, Blausucht, Mongoloider Idiot."   Diese letzte Formulierung würde man heute nicht mehr hinschreiben; sie klingt einfach nur rüde und abfällig. Und wenn man sich dann nochmal verdeutlicht, dass es hier um ein Kleinkind ging, dann findet man es nochmal doppelt schlimm. Um mal im Bild zu bleiben: Heute würden nur noch Idioten so reden. Aber dam...

Tour de Force Teil 2: Batterie Todt

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  Am Ärmelkanal in der Nähe von Calais, um genauer zu sein: in einem Örtchen namens Audinghen am Cap Gris-Nez (was soviel wie "Graunase" bedeutet) liegt ein Überbleibsel der Nazis. "Überbleibsel" klingt eigentlich viel zu niedlich, denn die Batterie Todt ist eins der sieben größten Bauwerke, die die Nazis bis heute in Frankreich hinterlassen haben. Früher hieß die Batterie ganz germanisch "Siegfried", aber das hat man 1942 geändert, nachdem Fritz Todt, seines Zeichens "Reichsminister für Bewaffnung und Munition" (wenn ich mir das so durch den Kopf gehen lasse, bin ich heilfroh, dass wir heute stattdessen ein Verteidigungsministerium haben) bei einem Flugzeugabsturz nahe der Wolfsschanze ums Leben gekommen war.   Ich weiß bis heute nicht, ob man den Namen "Todt" mit kurzem oder langem "o" spricht. Ist da vielleicht Nomen auch Omen gewesen?  Jedenfalls war Fritz Todt nicht nur der mit den Autobahnen, sondern der Chef der ...

Werthers Kinder: Das Geburtsregister des Jahres 1910

Ich hatte mal wieder Lust auf ein bisschen Statistik. Und weil ich es ja nun geschafft habe, mir den Jahrgang 1910 aus dem Wertheraner Stadtarchiv zu ziehen, lag es nahe, meine Statistikspielereien aus den letzten Jahren fortzusetzen. Hier ist das Ergebnis:  Es wurden insgesamt 143 im Geburtsregister eingetragen, 75 Jungen und 68 Mädchen. Ich habe das jetzt extra so formuliert, weil mir am Ende des Jares aufgefallen war, dass keine Totgeburten dabei waren, so dass ich noch einmal mit dem Sterberegister gegengecheckt habe, ob tatsächlich alle Kinder lebend zur Welt gekommen waren. Und siehe da - doch, es hat Totgeburten gegeben, nämlich 5, drei Jungen und zwei Mädchen. Die müsste man also eigentlich noch dazurechnen. Außerdem fand die letzte Geburt, die eingetragen wurde, schon am 19. Dezember statt, so dass ich fast vermute, dass da noch ein paar Kinder dazu gekommen sind, die ich dann aber erst nächstes Jahr im Register für 1911 finden werde.  6 Kinder wurden unehelich gebor...

Eine Heiratsurkunde als Pandemie-Trostpflaster

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Langsam komme ich in die Phase, in der mir die Pandemie auf die Nerven geht. Bis jetzt hatte ich eigentlich das Gefühl, ziemlich gut durchgehalten zu haben. Arbeiten aus dem Homeoffice? Mache ich eh seit 10 Jahren. Homeschooling? Fällt flach, wir haben Schildkröten. Ausgedehnte Shoppingtrips? Waren auch "vorher" nur die Ausnahme.  Was mir langsam fehlt, ist der Austausch mit den Forscherkollegen. Und die Besuche in den Archiven!  Wären dies "normale" Zeiten, denn hätte ich schon längst die Geburten des Jahres 1910 gepinnt und in Werthers Gedächtnis eingearbeitet. Wahrscheinlich würde ich jetzt über den Trauungen von 1940 sitzen und dabei den Ehemännern die Daumen drücken, dass sie aus diesem Scheiß-Krieg heile zurückkommen (was leider oft genug nicht der Fall war, die Randvermerke sprechen da eine deutliche Sprache).  Aber nein, ich sitze hier und warte, bis der Lockdown mich wieder in der Teeküche des Herrenhauses in Werther arbeiten lässt. Grmpf. Ich kann's j...

Werther, im November 1938

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Mit dem 9. November tue ich mich immer ein bisschen schwer , und erst recht mit dieser Bezeichnung "Schicksalstag der Deutschen". Das klingt so fatalistisch, als käme man nicht gegen aktuelle Geschehnisse an und könne nichts selbst beeinflussen, was ich einfach nicht glauben kann und will. Dass sich einzelne Ereignisse just an diesem Tag im Kalender so kumulieren, halte ich für einen ziemlichen Zufall, wenn man mal die Verbindung zwischen gescheitertem Putsch in München und der Pogromnacht rausnimmt. Dass die Mauer ausgerechnet am 9. November fiel, hat damit jedenfalls datumsmäßig ziemlich wenig zu tun.  Ich kann mich noch an einen 9. November erinnern, an dem ich (damals noch als Teenager zu CVJM-Zeiten, also wirklich lange her) bei der Mahnwache auf dem Jüdischen Friedhof oben an der Egge war. Zu meiner eigenen Schande muss ich gestehen, dass ich den Friedhof seitdem nicht mehr betreten habe. Ich war auch noch nie auf dem jüdischen Friedhof hier in Halle (Westf.). Ich rede ...

Die A.-H.-Straße ... und mein Widerwille

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Das ist der Haken, wenn man in den 30er und 40er Jahren des letzten Jahrhunderts unterwegs ist - man stolpert über unschön veränderte Straßennamen. Da wurde in Werther zum Beispiel aus der Bielefelder Straße die A.-H.-Straße, benannt nach der Person, die sich seinerzeit als "Führer" feiern ließ, in Wirklichkeit aber nichts anderes war als ein Verbrecher. Die Schloßstraße wurde nach dem Medikamentenabhängigen mit den Fantasieuniformen benannt, warum auch immer.  Die (Alte) Bielefelder Straße (Quelle: www.geschichtsportal-werther.de ) Und nun sitze ich hier und frage mich, wie ich das in Werthers Gedächtnis verarbeiten soll, denn nach den "dunklen Zeiten" wurden die betreffenden Straßen ja ziemlich schnell wieder in ihre ursprünglichen Namen unbenannt. Komplett ignorieren kann ich diese zwölf Jahre aber nun auch nicht; zumindest habe ich das Gefühl, dass das der Geschichte nicht gerecht werden würde. Ich denke mal, dass ich den eigentlichen (= ursprünglichen und dann...