Mittwoch, 30. Juni 2021

Schulabschlüsse sind was Feines...

... und zwar auch für Familienforscher. 

Wenn ich in dieser Woche die Lokalzeitungen durchblättere, dann sehe ich, dass praktisch jede Schule ihre Absolventen vorstellt, mit Foto. Die meisten Mädels im langen Kleid, die meisten Jungs im blauen Power-Anzug (als ob es keine anderen Farben mehr gäbe). Die Namen werden auch genannt, und zwar sämtliche Vornamen, auch wenn sie in den meisten Fällen nicht den Gesichtern zugeordnet werden. Aber immerhin. 

Für diejenigen von uns, die sich schwer tun, die aktuell lebende Verwandtschaft zusammen zu puzzeln, kann das eine Hilfe sein. Man erfährt vielleicht noch einen weiteren bislang unbekannten Vornamen (viele der Kids dieser Generation haben ja wieder zwei oder mehr) oder kann das Alter besser eingrenzen. Und bei der Gelegenheit auch schon mal die Schulbildung bei dieser Person eintragen, ruhig auch mit der Anmerkung, dass die Corona-Pandemie nur eingeschränkt Präsenz-Unterricht zugelassen hat. Wenn man die Zeitung nicht im E-Abo hat, kann man auch ruhig mal nachgucken, ob der jeweilige Artikel auf der Homepage der Zeitung frei verfügbar ist. Schön ist es dann, wenn man die Fotos runterladen kann. Mit ein bisschen Glück haben sie eine Auflösung, bei der es sich lohnt, das Foto entsprechend auszuschneiden und im Stammbaum zu speichern. 

Ich bin übrigens auch nur auf die Idee gekommen, etwas dazu zu schreiben, weil ich auf diese Weise heute Morgen gleich zwei "Sickendieks" (in verschiedenen Schreibweisen) gefunden habe. 

Ich überlege gerade, wo der Artikel geblieben ist, in dem ich damals erwähnt worden bin. Wahrscheinlich lagert er noch irgendwo in der Ablage bei meiner Mutter. Aber ich kann mich auch noch so dran erinnern: Kreisgymnasium Halle (Westf.), Abi 1993. Unser Motto war bezeichnenderweise 

"Humor ist, wenn man's trotzdem macht." 

Passte zu uns. Wir haben zwar keine Hütchen in die Luft geschmissen, und ich habe mich auch nicht in ein Kleid zwingen lassen, aber gefeiert haben wir trotzdem ...! 

Dienstag, 29. Juni 2021

Wenn Deutschland gegen England spielt...

Während ich dies hier tippe, spielt die deutsche Nationalmannschaft der Männer gerade gegen die englische. So gerne ich auch Fußball gucke, irgendwas muss ich immer noch nebenbei machen. So wie bei jedem anderen Fernsehprogramm auch. 

Mit drei meiner Lieblingsmenschen habe ich eine kleine "Challenge" laufen: Wir tippen. Ein Punkt für die richtige Tendenz, drei für das richtige Ergebnis. Im Moment liege ich auf dem Bronzerang. Ich habe heute 2-1 getippt - wohl gemerkt, für England. Und schon musste ich mir sagen lassen, dass ich als Deutsche doch nicht gegen Deutschland tippen könne. Doch, kann ich! 

Zunächst mal: Fußball ist kein Wunschkonzert.

Außerdem haben mich in diesem Jahr bis jetzt weder die Engländer noch die Deutschen vom Stuhl gerissen. Wenn es nach mir ginge, dann wären Rückpässe über die Mittellinie verboten. 

Und drittens: Nur, weil ich einen deutschen Pass habe, muss ich jetzt keine deutschen Fähnchen an mein Auto frickeln und "Schland" schreien. Und nur, weil ich auf England getippt habe, heißt das auch nicht, dass ich mir wünschen würde, dass England gewinnt. Beim Tippen geht es schlicht um eine Prognose. Und die erste Viertelstunde war jetzt auch nicht so schlecht.

Trotzdem: Wie ich gerade gemerkt habe, wird beim Fußball Patriotismus erwartet. Oder sogar noch mehr? 

"Deutsch sein", was ist das eigentlich? Haben sich meine Vorfahren als "deutsch" definiert? "Deutschland" gibt es nun ja auch noch nicht sooo lange, Stichwort Flickenteppich. Schwierig also. Spontan würde ich sagen, dass die meisten wahrscheinlich eher "Preußen" gesagt hätten, oder vielleicht auch "Westfalen" oder "Ravensberger". Wieder andere hätten wahrscheinlich "Brandenburger" geantwortet, oder "Hannoveraner". Wenn ich die Geschichte weiter zurückdenke, dann waren manche auch mal zwischendurch für ein paar Jahre Franzosen, zumindest technisch gesehen. Da war er wieder, der Unterschied zwischen gefühlter Identität und Staatsbürgerschaft. Das, was sie alle geinsam hatten, war die Sprache, mit welchem Dialekt auch immer.

Die Wechsel der Staatsbürgerschaft muss ich jedenfalls noch in den Lebensläufen meiner Vorfahren einarbeiten. Schon alleine der Vollständigkeit halber.  

Der Vollständigkeit muss ich vielleich auch erwähnen, dass ich das Spiel alleine gucke. Mein Mann ist mit einem Kumpel spontan nach Werther gefahren, zur Eisdiele. "Ist jetzt vielleicht schön leer da." Damit könnte er Recht haben. Er ist halt nicht nur Familienforschungsmuffel, er ist auch Fußballmuffel...

Und falls sich jemand fragt, wen ich denn gerne als Europameister sehen würde - mit Dänemark könnte ich gut leben. Sind gute Typen dabei.

20.00 Uhr, Nachtrag. Da haben sie eigentlich ganz gut gespielt, aber geholfen hat's nicht. Tut mir ja leid, aber wenn ich den Ball nicht ins gegnerische Tor kriege, dann komme ich halt nicht ins Viertelfinale. Schade. Aber beim Tippen habe ich wieder einen Punkt aufgeholt... 

 

Freitag, 25. Juni 2021

Die erste Martha

Ich hatte hier im Blog vor geraumer Zeit schon einmal kurz über über Catharine Wilhelmine Martha Ortmeier berichtet, die älteste Tochter meiner Ur-Ur-Großeltern Friedrich Wilhelm August Ortmeyer und Franziska Wilhelmine (genannt Minna) Torweihe. Das ist diejenige welche, die nie auf Familienfotos auftaucht (jedenfalls habe ich sie noch nicht identifizieren können) und von der die Familienlegende erzählt, dass sie mit einem Hypnotiseur das Weite gesucht haben soll...

Inzwischen weiß ich etwas mehr über Martha. Ich kann sie jetzt einfach nur Martha nennen, weil das der einzige Name war, der in ihrem Geburtseintrag steht: 


Nr. 187
Halle am 2. December 1892
Vor dem unterzeichneten Standesbeamten erschien heute, der 
Persönlichkeit nach bekannt, 
der Ackersmann Friedrich Wilhelm 
August Ortmeier, 
wohnhaft zu Oldendorf, Arode Steinhausen No. 5, 
evangelischer Religion, und zeigte an, daß von der 
Franziska Wilhelmine Ortmeier, 
geborene Torweihe, seiner Ehe-
frau, 
evangelischer Religion, 
wohnhaft bei ihm, 
zu Oldendorf, Arode Steinhausen No. 5, 
in seiner Wohnung, 
am siebenundzwanzigsten November des Jahres 
tausend acht hundert neunzig und zwei, Nachmittags 
um neun Uhr ein Kind weiblichen 
Geschlechts geboren worden sei, welches den Vornamen 
Martha 
erhalten habe. 

Martha war also ein Sonntagskind. Ihr Vater ist aber nicht gleich am nächsten Morgen beim Standesamt erschienen, sondern erst am Freitag. Er hat sich also Zeit gelassen. Oder besser: Er hat sich Zeit genommen, denn auch für ihn und seine Frau war es eine ereignisreiche Vorwoche gewesen. 

Die Frage, ob es nun "Ortmeier" oder "Ortmeyer" heißen muss, kann für Martha nun ziemlich eindeutig beantwortet werden: Sie ist eine Ortmeier. Wenn man sich den Taufeintrag etwas genauer anguckt, dann findet man dort ja auch Augusts Unterschrift, und die lautet ganz einfach 

Ortmejer. 

Okay, damit gibt es noch eine dritte Variante. Ich hätte eigentlich damit rechnen müssen, denn damals schrieb man ja oft das "I" als "J", trotzdem musste ich grinsen. Optisch gesehen ist das ja eigentlich ein schöner Kompromiss zwischen "i" und "y"...

In ihrem Taufeintrag ist Martha dann schon eine Catharine Wilhelmine Martha, da hat sie noch die beiden Vornamen ihrer Taufpatinnen vorangestellt bekommen: 

Dass ein Kind nicht unbedingt genau auf den oder die Namen getauft wird, die im Geburtsregister stehen, ist für mich nichts Neues. Da sind die Gehrings das beste Beispiel, und wenn ich mich nicht ganz stark irre, dann hatte sogar mein Schwiegervater im Jahr 1948 zur Taufe noch einen zusätzlichen Hermann bekommen. 

Ihre Patin Catharine Torweihe war ihre Großmutter mütterlicherseits, also meine Ur-Ur-Urgroßmutter. Sie war eine geborene Lünstroth aus Hörste. Wie Wilhelmine Bohnekamp aus Bielefeld ins Bild passt, weiß ich dagegen noch nicht.

Martha ist die erste Martha in der Familie. Sie sollte aber nicht die letzte sein, denn auch ihre kleine Schwester Lina nannte ihre erste Tochter Martha, obwohl die erste Martha da nicht einmal Taufpatin war. Kann ich das als Hinweis nehmen, dass die beiden sich nahe standen? Diese zweite (und wohl auch letzte) Martha war dann meine Oma mütterlicherseits, Martha Sickendiek (geb. Hauffe)

Ab diesem Zeitpunkt werden die Informationen zur ersten Martha wesentlich knapper. Kein Wunder, wenn sie weggezogen war, ob nun mit dem ominösen Hypnotiseur durchgebrannt oder nicht. Ich wusste bislang nur, dass sie 1930 noch gelebt haben musste, denn als ihre Mutter Minna 1930 starb, waren dort alle zwölf Kinder als Hinterbliebene im Kirchenbuch eingetragen. 

Tatsächlich lebte Martha bis 1964. Im Geburtseintrag findet sich ganz unten der entsprechende Randvermerk: "Gestorben am 28.2.1964 in Forst". Den Ort Forst gibt es heute als solchen nicht mehr, er gehört nun zu Bitze, das wiederum ein Ortsteil von Eitorf im Rhein-Sieg-Kreis ist. Bitze liegt Luftlinie ungefähr 20 km östlich von Bonn. Der Wikipedia-Eintrag zu Bitze gibt nicht viel her, aber immerhin soll Angelo Kelly da mal für ein paar Jahre gewohnt haben, was für mich jetzt wiederum nicht wirklich interessant ist...

Ob und wann Martha geheiratet hat, weiß ich immer noch nicht, genauso wenig, ob sie Kinder hatte und meine Großmutter vielleicht Heerscharen von rheinländischen Cousins und Cousinen. Martha ist jedenfalls als Rheinländerin gestorben. 

Mein nächster Schritt wird nun sein, mir vom Landesarchiv NRW Marthas Sterbeeintrag zu besorgen. Die Registernummer kenne ich ja jetzt, also werde ich nicht selbst hinfahren, sondern suchen lassen. Bei der Gelegenheit kann ich dann auch noch eine bis drei andere rheinländische Fliegen mit einer Klappe schlagen.  Man wird hier im Blog wohl noch öfter auf Geschichten aus dem Rheinland stolpern.        


Dienstag, 22. Juni 2021

Ach, wenn es doch so einfach wäre...

Täusche ich mich, oder sehe ich in der letzten Zeit vermehrt Werbung für Ahnenforschungsportale im Fernsehen? Nicht unbedingt in den Halbzeitpausen beim Fußball (ja, ich gucke Fußball, sehr gerne sogar), aber auf anderen Sendern. Ständig höre ich Sätze wie "Familienforschung leicht gemacht..."

Mal im Ernst - wenn es so einfach wäre, dann würden nicht jahrelang über unseren Forschungen brüten. Deswegen ärgert es mich, wenn suggeriert wird, dass man schwupp-di-wupp mit ein paar Klicks die gesammelte Familiengeschichte an einem Tag aufrollen könnte. Nein, das kann man nicht. Ich will ja nun niemandem seine Illusionen rauben (oder vielleicht doch?), aber wer das glaubt, der glaubt auch, dass man innerhalb von zwei Wochen ohne zu hungern dauerhaft zwanzig Kilo abnehmen könne oder dass es bei der Fußball-EM einzig und allein um Fußball ginge. 

Es ist völlig okay, wenn man erstmal nur ein bisschen in die eigene Familiengeschichte hineinschnuppern will. Wer aber nur die Stammbäume anderer Leute abschreibt, der forscht nicht. Der schreibt einfach nur ab. Und das ist auch in Ordnung, solange man es nicht als eigene Forschung hinstellt. 

Ich habe auch nichts dagegen, wenn jemand meine Daten abpinnt, im Gegenteil. Im Gegenzug bin ich auch heilfroh, wenn mir jemand einen Hinweis gibt, wo ich vielleicht etwas finden kann, das ich schon lange gesucht habe. Ich bilde mir auch ein, einigermaßen einschätzen zu können, welche Quellen seriös sind und welche ich besser nochmal selbst überprüfe, und das mache ich im Zweifel auch.  

Was mich an solchen "Leicht-gemacht"-Angeboten ärgert, ist die Suggestion, dass man alles auf dem Silbertablett serviert bekäme. Dass es völlig unwichtig sei, ob man die Kurrentschrift lesen kann oder nicht. Dass man kein Archiv heimsuchen oder stundenlang in Kirchenbüchern nach einem Sterbeeintrag suchen muss, nur um ihn dann da zu finden, wo man ihn nie vermutet hätte. Dass es völlig unnötig sei, sich auch nur ansatzweise mit dem geschichtlichen Hintergrund auseinanderzusetzen, vor dem sich unsere Familiengeschichte abgespielt hat. 

Und gerade das ist es doch, das die Forschung so interessant macht, oder?


Donnerstag, 17. Juni 2021

Eine kleine Korrektur und ein kurzer Nachtrag

Ups, da bin ich doch glatt Opfer meiner eigenen Vorurteile geworden... 

In meinem Post von gestern hatte ich sinngemäß geschrieben, dass es meine Oma Martha gewesen sei, die Opas Kniff so perfekt in die Mitte seiner Hosenbeine gezaubert hätte. 

Irrtum! 

Das war er selbst! 

Ja, er hat seine Hosen selbst gebügelt, wie ich mich gestern Abend von meiner Mutter aufklären lassen musste. Jetzt stellt sich nur noch warum. Wenn ich nochmal in meiner Vorurteilskiste grabe, dann würde nämlich immer noch behaupten, dass es meist die Frauen waren, die ihren Männern die Hosen gebügelt haben. Für Oma freut es mich so im Nachhinein jedenfalls, denn eine Leidenschaft fürs Bügeln habe zumindest ich nie entwickelt. Und ein Talent erst recht nicht...

Nun ja. Andere Geschichte. 

Einen Nachtrag zum Foto habe ich noch: Ich hatte ja schon erwähnt, dass es in Tatenhausen aufgenommen worden ist. Übrigens von dem Mann einer der Cousinen meiner Oma auf der Ortmeyer-Seite. Dessen Sohn hat es mir geschickt (an dieser Stelle noch einmal ein dickes Danke dafür!),  und zwar in einer wunderbaren Auflösung gescannt, und ich habe mir hier einfach die Freiheit genommen, es zu posten. Als wir gestern Abend über das Foto sprachen, kamen wir darauf, warum es denn überhaupt zu diesem Familienausflug nach Tatenhausen gekommen war. Schloss Tatenhausen war damals nämlich genauso bewohnt wie heute und damit Privatgrundstück; es ist nicht so, dass man als Tourist mal einfach so über den Wassergraben in den Schlosshof spazieren könnte. Ich selbst bin bis jetzt auch nur zum Weihnachtsmarkt da gewesen. Dass es sich hier um irgendeine Veranstaltung handelte, liegt nahe, wenn man sich mal dieses kleine Teil anguckt, das Opa am Revers trägt - das könnte so eine Art Eintrittskarte gewesen sein. Und die meisten Veranstaltungen, die damals in Tatenhausen stattfanden, waren Reitturniere. Also wird es hier wohl auch eins gewesen sein... 

Mittwoch, 16. Juni 2021

Das Mädchen mit der wilden Tolle...


 ... wird heute 75! Alles Liebe zum Geburtstag, Mama! 

Heute trägt sie zwar keine knielangen Hängekleidchen mehr, sondern stattdessen lieber Shirts und Pullis (am allerliebsten dunkelblau-weiß gestreift), aber schon damals konnte man sehen, dass dieses Kind einiges an Energie hat. Und die hat sie auch heute noch, was mich unter Umständen an den Rand des Wahnsinns treiben kann :-) To-do-Listen sind nicht ihr Ding, sie legt lieber direkt los. Dazu passt, dass sie ihren Kaffee bis heute schwarz trinkt. Wenn sie nicht gerade ausgedehnte Spaziergänge durch Werther oder von Duhnen zur Kugelbake unternimmt (das Wandern ist, zumindest im Moment, Corona zum Opfer gefallen), dann kann man sie auch oft im Auto antreffen, und zwar relativ zügig unterwegs. Vor allem, wenn sie mit einem Spaghettieis aus der Wertheraner Eisdiele unterwegs zu mir ist. Sie behauptet dann immer mit unschuldiger Miene, sie passe sich nur dem Verkehrsfluss an. Solange ich mich erinnern kann, hat sie immer am Steuer gesessen, und zwar richtig gerne! Ich glaube, das unterscheidet sie - mit Verlaub - von vielen Frauen in ihrem Alter. Sie hatte auch den (Auto-)Führerschein, bevor ihr Vater seinen hatte. Wenn das nicht bezeichnend ist...

Das Foto hier muss Anfang der 50er Jahre entstanden sein, und zwar in Tatenhausen. Ist schon praktisch, wenn man in Halle wohnt und so ein Wasserschloss in der Nähe ist. Das eignet sich wunderbar für einen Familienausflug. Und wenn dann noch jemand eine Kamera dabei hat...

Ich liebe dieses Foto. Nicht nur, weil das Mädchen, das mal meine Mutter werden würde, den Schalk sprichwörtlich im Nacken hat. Auch, weil Opa so liebevoll zu ihr runterguckt, während Oma sich nicht entscheiden kann, ob sie fürs Foto huldvoll lächeln oder sich nicht doch vor Lachen wegschmeißen soll. Dazu kommen dann natürlich noch Opas weite Hosenbeine, in extrem lässiger Art zur Schau gestellt und mit von Oma akkurat gebügelter Falte. Oma fein im schwarzen Blazer. Damals machte man sich für Familienausflüge noch schick! 

Schick ist Mama immer tatsächlich immer noch - aber dabei wesentlich "flotter" als sämtliche Generationen vor ihr. 

Danke, Mama, für alles - ich hab' Dich lieb! 







Samstag, 12. Juni 2021

Achtung, neue Adresse!

Als ich damals mit dem Blog hier angefangen habe, habe ich mir eigentlich keine großartigen Gedanken darüber gemacht, was ich schreiben wollte. Nur, dass ich schreiben wollte. Das letzte, worüber ich mir Gedanken gemacht habe, war ein Domain-Name. Ich habe einfach "ahnenforschung-owl" eingetippt und dachte mir, "Ach, zur Not kann ich's ja ändern..." 

Äh, ja. In einem schwachen Moment habe ich quasi Domain und Name verwechselt. Kann passieren. Im besten Falle sollte ja beides zusammenpassen. 

Dazu kam dann noch, dass ich mir selbst kaum den Domain-Namen merken konnte. Also habe ich heute mal Konsequenzen gezogen: 

Das hier ist ein Familienforschungsblog. Deshalb findet man mich nun unter 

familienforschungsblog.de

So einfach kann es manchmal sein.  

Warum ich's jetzt geändert habe? 

Dafür gibt's eigentlich mehrere Gründe. 

Zunächst mal war mir der Begriff "Ahnenforschung" irgendwann ein Dorn im Auge. 

"Ahnenforschung", das klingt so, als würde ich mich nur mit den Menschen beschäftigen, von denen ich in direkter Linie abstamme. Dem ist aber ja nicht so. Es interessiert mich immer die ganze Familie, sei es in meinen Stammbäumen, sei es bei Werthers Gedächtnis. Ich will ja nicht einfach nur Geburts- und Todesdaten sammeln. Eigentlich hätte ich das Ganze hier auch "Familiengeschichtsforschungsblog" nennen können, aber dieses Kettenwort war mir dann doch zu lang. 

Außerdem hat sich mein Forschungsschwerpunkt seitdem etwas verlagert: Früher habe ich ja nur an meinem eigenen Stammbaum geforscht. Ich wusste zwar schon immer, dass sich ein Teil meiner Familiengeschichte außerhalb von OWL abgespielt hat, aber damals gab es einfach zu wenige Quellen im Netz, dass ich mich wirklich ausführlich damit beschäftigt hätte. 

Alles andere war ein riesiger Aufwand. Wenn  ich an die erstaunten Blicke denke, die ich mir eingefangen habe, als kundtat, dass ich nach Burg bei Magdeburg fahren wollte, um mal zu gucken, wo Uropa geboren wurde, und bei der Gelegenheit auch noch nach Magdeburg und Brandenburg ins Archiv, dann muss ich heute noch grinsen... Es gab noch kein Archion und kein Matricula, Datenbanken waren noch nicht so ausführlich zahlreich wie jetzt. 

Irgendwann habe ich mich dann ja auch noch entschlossen, mich an die Vorfahren meines - inzwischen - Ehegatten zu wagen. Soll heißen: Aachen, zumindest irgendwann, aber erstmal Emsland. Zwar beides NRW, aber eben nicht OWL. (Um ehrlich zu sein: Genau das macht es für mich eigentlich interessant. Da kann man ja vielleicht noch was lernen...?) 

Tja, und jetzt ist noch ein neuer Stammbaum dazu gekommen: Der unseres Neffen. Ist zwar eigentlich ein "Stief-Neffe", aber in dem Fall kommt's nicht auf Blutsverwandtschaft an. Und auch Klein Fiete soll ja mal wissen, wo seine Wurzeln sind. Da kommen dann nochmal andere Ecken dazu: Breslau und (nach jetzigem Stand) diverse kleine Dörfer rund um Leipzig. Da stehe ich aber noch ziemlich am Anfang; man wird demnächst aber wahrscheinlich hier auch noch ein bisschen mehr darüber lesen können. 

Es sprach also viel dafür, aus "Ahnenforschung OWL" den "Familienforschungsblog" zu machen. 

Trotzdem, die Forschung vor allem hier in Ostwestfalen wird immer mein "schwerster" Schwerpunkt bleiben. 

PS: Unter der "alten" Adresse wird trotzdem noch weitergeleitet, und auch die E-Mail bleibt dieselbe. 

 

Dienstag, 8. Juni 2021

Schwiegermuttergift (Sterben in den 1950ern, Teil 2)

Für den geneigten Familienforscher ist es ja hilfreich, dass in den 1950ern durchgängig die Todesursachen (samt eventueller Nebendiagnosen) angegeben wurden. Außerdem kann man gleichzeitig noch seine Kenntnisse in Chemie, Medizin- und Kriminalgeschichte erweitern. 

Bei diversen Todesfällen fiel mir die Bezeichnung "E 605" auf. Mein Hirn, das sich im Grunde noch immer gegen jegliches Begreifen naturwissenschaftlicher Vorgänge sperrt (nach dem Motto, "ich weiß, dass Schwerkraft existiert, ich muss sie nicht auch noch erklären können") führte mich zunächst auf die falsche Spur. Mit E-Nummern, die wir heute als "Lebensmittelzusatzstoffe" kennen, hatte E 605 nämlich nur sehr periphär etwas zu tun, und dann auch noch in einem anderen Sinn. 

E 605 ist ein anderer Name für Parathion, ein hochwirksames InsektizidDas bedeutet, dass man Pflanzen damit behandeln kann, ohne dass sie absterben; die Insekten, die man loswerden will, bezahlen diese Aktion allerdings mit ihrem Leben. Entwickelt wurde E 605, das man entweder flüssig oder als "Staub" erwerben konnte, übrigens von Gerhard Schrader, einem deutschen Chemiker, der auch für das Nervengift Sarin verantwortlich zeichnete. Ab 1947 konnte man es in den USA kaufen, u.a. von Monsanto, und ein Jahr später kam es auf den deutschen Markt, vertrieben von Bayer. 

Der menschliche Organismus kann mit Parathion extrem schlecht umgehen; selbst das Einatmen kleinster Mengen kann schon zu schwersten Gesundheitsschädigungen führen, selbst wenn man draußen mit dem Zeug arbeitet und Blätter einstäubt. Darauf wurde auch ab 1949(!) auf den Verpackungen hingewiesen. 

Hinzu kommt, dass E 605 in seiner Reinform durchsichtig und fast völlig geruchslos ist, also perfekt, wenn man jemanden ohne seine Kenntnis ins Jenseits befördern will. Das dachte sich auch eine gewisse Christa Lehmann aus Worms, die sich auf diese Weise zuerst im September 1952 ihres eigenen Mannes (die Beziehung war wohl schon vorher von Alkohol und gewissen Gewalttätigkeiten geprägt) und dann im Oktober 1953 auch noch ihres Schwiegervaters entledigte. Zunächst dachte man noch, die beiden Herren seien eines natürlichen Todes gestorben. Auch die Mutter ihrer Freundin Annie Hamann mochte Frau Lehmann wohl nicht, denn Februar 1954 brachte sie den Hamanns Schokopilze vorbei, die eben nicht nur mit Likör, sondern auch mit E 605 gefüllt waren. Die alte Frau Hamann hatte, wie sich später herausstellte, dankend auf die Kalorienbombe verzichtet, aber Annie Hamann und ihr Hund starben qualvoll unter Krämpfen. Da hatte es die Falschen erwischt. Nun wurde auch die Polizei misstrauisch, die beiden Lehmänner wurden exhumiert, und Christa Lehmann wurde zu dreimal lebenslanger Haft verurteilt. Ungefähr 1977 wurde Frau Lehmann dann wieder auf freien Fuß gesetzt und bekam eine neue Identität. 

E 605 hatte mit diesem "sensationellen" Fall einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht. Man kannte es auch als "Wormser Gift" oder als "Schwiegermuttergift". Es wurde deshalb - später auch unter dem Namen E 605 forte - zu einem beliebten Mittel zur Selbsttötung. Das änderte sich auch nicht, als man beschloss, es fortan nur noch eingefärbt und mit einer starken Knoblauchnote versehen zu verkaufen. Aber so war immerhin die Tauglichkeit zum Mordwerkzeug erheblich eingeschränkt. 

Wie gesagt, in Werther habe ich einige Leute gefunden, die ihr Leben mit E 605 beendet haben, und zwar quer durch die Bank vom Polsterlehrling bis zur gestandenen Hausfrau mit Wechseljahrsmelancholie. Meine Mutter kann sich noch an eine Nachbarin meiner Großmutter in Halle erinnern, die eines Abends bei ihr vorbeischaute und sich danach vergiftete. Es war also ein Abschiedsbesuch gewesen, ohne dass meine Großmutter es gewusst hatte. Auch das könnte gut E 605 gewesen sein, zumindest würden die Symptome passen, und aus der Erzählung weiß ich, dass es ein fürchterlicher Tod gewesen sein muss. 

Heute ist E 605 in der EU verboten. Richtig so. Früher war eben nicht alles besser. 

Mittwoch, 2. Juni 2021

Wenn Sterbeeinträge aufs Gemüt schlagen (Sterben in den 1950ern, Teil 1)

Wenn ich mir Sterbeeinträge aus den 1950ern vornehme, dann merke ich richtig, dass mir das auf die Stimmung schlägt. Nicht nur, weil ich ständig neue Dateien anlegen muss, weil seit 1945 einfach viele neue Familien (oder das, was noch von ihnen übrig geblieben ist) in Werther aufgetaucht sind, sondern wegen der Todesursachen

Ich meine dabei noch nicht einmal die derjenigen, die im Krieg geblieben sind, auf dem "Rücktransport von der Krim in die Heimat" verstorben oder in irgendeinem russischen Lager an Unterernährung verreckt sind. So schlimm das alles auch ist (und das ist es), das waren eben die Folgen des Krieges (ob die Menschheit daraus was gelernt hat, wird sich zeigen). Ich bin 1973 geboren und damit in einer Zeit aufgewachsen, als die Spuren des Zweiten Krieges in meinem direkten Umfeld nicht mehr offensichtlich waren, zumindest für mich als Kind nicht. Jemand, der zum Beispiel in Berlin oder Dresden aufgewachsen ist, könnte das durchaus anders sehen. Diese Todesursachen sind gefühlt weit weg und haben nichts mit mir direkt zu tun. 

Nein, ich meine die Todesursachen, die mit der Zeit immer genauer diagnostiziert werden konnten. Diverse Herz-Kreislauf-Erkrankungen zum Beispiel. Während "früher" die Leute an "Schlagfluss" oder einem "Herzleiden" gestorben sind, sind es plötzlich Aneurysmen und dekompensierte Herzklappenfehler. Am schlimmsten finde ich aber, dass nun auf einmal auch da steht, welche Art von Krebs die Leute hatten und wohin er schon gestreut hatte. Und das steht bei erschreckend vielen Menschen da. 

Sprich: Es könnte heute genauso gut da stehen. Bei meinen Lieblingsmenschen oder auch bei mir. Die "früheren" Todesursachen sind praktisch verschwunden. Wer stirbt heute schon noch an Auszehrung, Frieseln, Kinderschrecken, Pocken oder Schwindsucht? Keiner, zumindest hier nicht. Da guckt man mit einer gewissen Distanz drauf. Aber Herzinfarkte, Schlaganfälle und die unzähligen Arten von Karzinomen? Da guckt man drauf und fühlt die Einschläge unweigerlich näherkommen. 

Und man freut sich über jeden, der einfach nur nach einem langen und hoffentlich erfüllten Leben an Altersschwäche gestorben ist. 


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