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Dienstag, 31. Dezember 2024

Der Plan für 2025

Vor einem Jahr habe ich geplant, keine Pläne zu haben. Und was ist passiert? Ich habe mich irgendwie verheddert, oder zumindest ist das das Gefühl, das ich habe, wenn ich so an die letzten zwölf Monate denke, jedenfalls im genealogischen Sinn. Ich habe mal hier geforscht und mal da, mal hier ein bisschen editiert und mal da ein bisschen transkribiert. Und ab und zu mal zugehört und zugeliefert. Aber insgesamt? Nee, so richtig rund fühlt sich das nicht an. 

Was kann also das einzige logische Fazit sein (außer, dass ich vielleicht ein kleines bisschen neurotisch bin, wenn um Genealogie geht)? 

Richtig. 

Ein Plan!


 Es gibt wieder einen für 2025. Here we go: 

1. Werthers Gedächtnis zu Ende digitalisieren. 

Ein paar Buchstaben sind noch übrig. Und dann war da noch die Tatsache, dass mir einer dieser dicken schwarzen Ordner runtergefallen ist, während er offen war, und sich ungefähr 350 Blätter über den Fußboden unseres Wohnzimmers verteilt haben. Nicht, dass hier je etwas wegkommen würde (eher im Gegenteil), aber so richtig in der richtigen Reihenfolge sind diese 350 Blätter nicht mehr. Falls sich noch jemand an die Simpsons-Folge erinnert, in der Bart die Memoiren von George H. W. Bush durcheinanderwirbelt... genau so. 

2. Die Schwartz-Kuckelkorn-Linie weiter erforschen. 

Der kleine Aststummel im Stammbaum des Familienforschungsmuffels. Ich kann's gar nicht mehr mit ansehen. Irgendwas muss da passieren. Ich weiß zwar noch nicht genau, wie ich es anstelle, aber irgendwie wird's schon gehen. Und mit ein bisschen Glück stellt Matricula ja auch mal die richtigen Kirchenbücher online... sonst muss ich mir was einfallen lassen. 

3. Einen Vortrag beim Westfälischen Genealogentag hören. 

Ich weiß zwar noch nicht, welche Vorträge es gibt, aber irgendwas Interessantes ist eigentlich immer dabei. 

4. Die Geburten von 1914 in Werthers Gedächtnis einarbeiten. 

Die von 1913 waren dieses Jahr dran, und nun folgt logischerweise... genau. Ein bisschen Kontinuität muss sein.

5. Die Wertheraner Opferliste des Zweiten Weltkriegs soweit wie möglich vervollständigen. 

Diese Liste ist jetzt schon lang, und sie wird noch um einiges länger werden. 2025 ist diese Katastrophe der Menschheit 80 Jahre her. Wenn das nicht ein Anlass ist, sich nochmal mit dieser Liste auseinanderzusetzen, was dann? 

6. Die Haller Meldekartei checken. 

Und da werde ich dann vor allem zwei Namen suchen: Sickendiek und Ortmeyer. Vor allem meine Großeltern (aber auch meine Urgroßeltern) sind ziemlich oft innerhalb von Halle umgezogen. Wäre schon schön, wenn ich die Daten etwas genauer hinkriegen könnte. 

7. Meine Ancestry-Ergebnisse mit denen von MyHeritage vergleichen. 

Was natürlich voraussetzt, dass sie irgendwann mal bei mir ankommen. Gucken wir mal, wo die Unterschiede sind. Und ob ich Entschuldigungen für meine zahlreichen Macken finde, die gerne als Anflüge von Exzentrik zu kaschieren versuche. 

8. Mir die Hörster Kirche von innen angucken. 

Das ist eigentlich ein schlechter Scherz: Ich wohne gerade mal 10 Minuten mit dem Auto von dort entfernt, wo mein Großvater mütterlicherseits getauft wurde und wo viele meiner Vorfahren vor dem Traualtar gestanden haben. Von außen kenne ich die Kirche, aber ich war noch nie! drin. Zeit, das mal zu ändern. Am besten außerhalb eines Gottesdienstes. Ich muss mal checken, ob es da eine Offene Kirche gibt. 

9. Meine handschriftlichen Notizen in Werthers Gedächtnis einarbeiten. 

Also die, die nicht in den dicken schwarzen Ordnern darauf warten, sondern die anderen. Die in den DIN/A-5-Ringbüchern, die so schön handlich sind. 

10. Meine Stammbaum-Forschungen in einem Ordner übersichtlich zusammenfassen. 

Jedenfalls meine direkten Linien. 

Ich kann nicht anders, ab und zu brauche ich halt mal was, in dem ich blättern und mir Notizen machen kann. Ich glaube, ich habe hier schon mal geschrieben, dass ich das Hin- und Herblättern vermisse und dass mir diese Welt, obwohl ich die Vorteile der Technik schon sehe und auch selbst nutze, irgendwie zu digital geworden ist. Zeit, mir da mal einen kleinen Rückzugsort zu schaffen. Und zwar so kompakt, dass es nicht aus dem Ruder läuft. In einem schönen dicken Ordner, auch wenn der vielleicht nicht in diesem einen Jahr 2025 komplett voll werden wird. 

_____________

Schon klar, dass das alles zumindest teilweise parallel ablaufen wird und nicht schön brav hintereinander. Wenn ich darauf warte, dass ich mit Werthers Gedächtnis durch bin, würde der Genealogentag schon gelaufen sein. Aber so habe ich jedenfalls ein paar Leitlinien, an denen ich mich langhangeln kann. Obwohl ich natürlich nicht ausschließen kann, dass ich auch ab und an mal etwas mache, das nicht auf der Liste steht. Dazu macht das Forschen (das Lesen, das Denken, das Kombinieren, ...) einfach zu viel Spass... 

Allen einen guten Rutsch in ein wunderbares neues Jahr 

- wir sehen uns 2025!  

Freitag, 9. Juni 2023

Bergmannssprech & Damoklesschwerter

Ich bin dabei, immer weiter in die Vorfahrenwelt des Familienforschungsmuffels einzutauchen, und je weiter ich komme, desto interessanter finde ich sie. In den nächsten Tagen werde ich auch die Vorfahrenliste des Familienforschungsmuffels weiter updaten.

Vor einer Woche hatte ich ja den Geburtseintrag seines Großvaters Wilhelm Schwartz aus Aachen bekommen, mit der Info, dass dessen Vater Wilhelm ein Grubenarbeiter war. Auch in den anderen Zweigen der Schwartz-/Derix-Seite finde ich diverse Bergmänner, die aber immer als "Bergmänner" bezeichnet wurden. Deshalb nun meine Frage: 

Sind die Begriffe "Bergmann" und "Grubenarbeiter" synonym? 

Jede Branche hat ja ihre eigene Fachsprache, und der Bergbau bildet dabei keine Ausnahme. Soweit ich es verstanden habe, kann in einer "Grube" sowohl ober- als auch unterirdisch abgebaut werden. Wenn ich hier nun einen "Grubenarbeiter" habe, kann es dann sein, dass derjenige (auch) oberirdisch gearbeitet hat? 

Gerade jetzt im Sommer fällt es mir schwer, mir vorzustellen, wie es gewesen sein muss, wenn man jeden Tag für zig Stunden in die Dunkelheit abzutauchen hatte, und dann auch noch mit der Gewissheit, dass über einem unzählige Tonnen Lehm, Wasser und Gestein gegen die Schwerkraft ankämpfen und einem auf den Kopf zu fallen drohen. Also nicht nur ein harter Job, sondern auch ein ungemein gefährlicher. 

Ganz ehrlich: Ich weiß nicht, ob ich damit klarkommen würde, wenn ich jeden Tag damit rechnen müsste, dass der Familienforschungsmuffel von der Arbeit nicht wieder nach Hause kommt. Er hat vor ein paar Jahren mal auf dem Rückweg vom Job einen Unfall gehabt, bei dem ihn jemand auf der Sandforther Kreuzung bei Tempo 70 so gründlich abgeräumt hat, dass sein Jimny als Totalschaden auf dem Dach gelandet ist und er wie ein Swarowski-Laden glitzerte, als ich ihn dann wieder bekommen habe, weil im Bart noch die ganzen Teile von den zersplitterten Scheiben steckten. Im Arm auch, die hat er sich mit einer Pinzette noch teilweise selbst rausgezogen. An dem Tag kam ein Anruf von ihm: "Keine Panik, ich hatte einen Unfall, Soweit geht's mir gut, nur der Würfel ist ein Totalschaden. Der Krankenwagen ist unterwegs." Hinter genau diesen Krankenwagen mit Blaulicht und Sirene habe ich mich dann geklemmt, nachdem ich zuerst meinen Schwiegervater angerufen hatte (mit ungefähr denselben Worten) und mich dann selbst unter Missachtung des Tempolimits auf den Weg gemacht hatte. Auf gut Deutsch: War ein Scheiß-Gefühl. Und dabei ist ihm im Grunde nicht allzu viel passiert, er hat richtiges Glück gehabt, weil er a) richtig reagiert hat und b) der Lkw, der ihm entgegen kam, noch rechtzeitig zum Stehen gekommen war. Bei mir war dieser Tag die herausstechende Ausnahme. Wenn nun aber dieses Damoklesschwert, dass solche und noch viel, viel schlimmere Nachrichten ankommen können, jeden Tag in dieser Intensität über meinem Kopf schweben würde...? Vielleicht ist so wie mit vielen Dingen: Man lernt erst, sie auszuhalten, wenn man sie tatsächlich aushalten muss. Aber dann lernt man es auch. Manchmal denke ich, wir sind schon irgendwie eine Generation von ... Weicheiern. Sorry.

Das Ironische an diesem Teil der Familiengeschichte des Familienforschungsmuffels ist aber, dass ausgerechnet er, der nie auch nur mit dem Gedanken spielen musste, ob er unter Tage arbeiten soll, nun derjenige ist, der ein Stollenmundloch auf dem eigenen Grundstück hat und und in einem alten Bergwerksgebäude wohnt. 

Der Katharinenstollen. Glück auf! 

Da schließt sich wieder ein Kreis.
 

 

Freitag, 2. Juni 2023

Geburt in der Wohnung der Hebamme?

Der Familienforschungsmuffel hat heute unsere Post entgegen genommen. Er war gerade zufällig draußen und stand mit einem Freund vor dessen (ehemaligem) gelben (Post-)Bulli, als der aktuelle Postbulli auf den Hof gefahren kam. Ja, unser Postbote war etwas irritiert... 

Minuten später stand der Familienforschungsmuffel dann auch grinsend vor mir: 

"Post vom Standesamt Aachen!"

Er weiß ja genau, was mich triggert... 

In der festen Überzeugung, dass das erstmal nur wieder der Gebührenbescheid sein konnte, schnappte ich mir also den Brieföffner (ja, ich habe tatsächlich noch so ein Gerät) und war baff erstaunt, als mir das hier quasi entgegen fiel: 

Der Geburtseintrag von Friedrich Wilhelm Schwartz, dem Großvater mütterlicherseits des Familienforschungsmuffels. Geboren am 10.11.1916 in Aachen. 

Wilhelms Vater war, wie ich wegen der Einträge in den einschlägigen Adressbüchern schon vermutet hatte, auch ein Wilhelm. Grubenarbeiter, wundert mich nicht. Auch Wilhelm war ja Bergmann. 

Bei Wilhelms Mutter musste ich dann doch etwas grinsen, nachdem ich ihren Namen dann entziffert hatte: Theresia Kuckelkorn

Der Name Kuckelkorn ist mir in den letzten Tagen schon öfter mal über den Weg gelaufen; er scheint im Rheinländischen ziemlich verbreitet zu sein. Außerdem klingt er in meinen ostwestfälischen Ohren so drollig, dass er mir einfach im Gedächtnis geblieben ist, als ich ihn zum ersten Mal gehört habe. Lustigerweise war das im ZDF: Es gab vor ein paar Jahren mal eine Serie mit einem alleinerziehenden Pfarrer mit diversen Söhnen in Bonn, und der Küster in dieser Serie hieß... richtig. Keine Ahnung, weshalb mein Gehirn solche Informationen abspeichert. Vielleicht, weil ich 2016 selbst öfter in Bonn zu tun hatte? Richtig drollig wurde es aber, als ich bei wikipedia darüber gestolpert bin, wo diese Serie gedreht wurde: In der Kartäuserkirche in Köln. Die hatte ich mir online nämlich mal angeguckt, weil Wolfram Gehring, der Cousin meiner Großmutter Anneliese über deren Onkel Heinrich, dort lange Jahre Organist war. Und nach dem, was ich online über ihn finde, auch ein richtig guter.  

Zurück zu Familie Schwartz

Nun stehe ich vor einem Problem. Ich weiß zwar nun, wer die Urgroßeltern des Familienforschungsmuffels waren, aber ich kenne weder ihre Geburts- und Sterbedaten noch das Heiratsdatum. Ich habe als allererstes mal die Sterbeeinträge von Kohlscheid und Bardenberg von 1916 bis 1937/38 auf der Seite des Landesarchivs NRW durchgeguckt, aber dort finde ich nichts, weder Wilhelm noch Theresia oder ein früh verstorbenes Kind der beiden, das mir geholfen hätte, meinen Suchradius etwas einzugrenzen. In Kohlscheid gibt es mit St. Katharina zwar eine schöne neoklassizistische Kirche, aber ihre Kirchenbücher sind bei matricula noch nicht online. Da muss ich mal sehen, wie es weitergeht. 

Außerdem grübele ich noch darüber, dass Wilhelm in Aachen geboren wurde, obwohl seine Eltern in Kohlscheid lebten. Der Geburtseintrag ist da sehr klar: "wohnhaft bei ihrem Ehemann in Kohlscheid, Kreis Aachen Land". Als Geburtsort des Kindes wird die Adresse der Hebamme Maria Licher genannt, nämlich die Jakobstraße 18 in Aachen. Google Maps verrät mir, dass die Jakobstraße in Aachen mitten in der Stadt am Markt und damit in direkter Nähe des Doms beginnt und dann quer durch die Altstadt nach Südwesten verläuft. Eine Nr. 18 kennt Google Maps heute zwar nicht mehr, aber es würde mich nicht wundern, wenn sich da in den letzten 107 Jahren etwas an der Numerierung geändert hätte, denn Aachen ist im 2. Weltkrieg ja nun nicht gerade verschont geblieben, im Gegenteil: Es gab fünf große Luftangriffe, die über 5.000 Häuser zerstört haben. Ich weiß noch, dass der Familienforschungsmuffel und ich vor 10 Jahren mal in Aachen waren und wir uns gewundert haben, dass es den Dom überhaupt noch gibt (in Köln erging es uns übrigens nicht anders). Ich gehe auch mal ganz stark davon aus, dass die Numerierung am Markt anfing und nicht am äußeren Ende der Straße. Demnach könnte man in Aachen nicht viel zentraler geboren sein als Wilhelm. 

Aber - warum? Warum bekam Theresia ihr Kind nicht zu Hause in Kohlscheid? 

Ich habe eine Theorie, die das erklären könnte: Wenn wir davon ausgehen, dass der Vater Wilhelm 1916 im "wehrfähigen" Alter war, ist es gut möglich, dass er zur Geburt seines Kindes gar nicht zu Hause war, sondern in irgendeinem Schützengraben lag. Vielleicht hat sich dann Theresia gedacht, dass sie ob dieser Situation auch woanders besser aufgehoben wäre als alleine zu Hause und ist vielleicht bei Verwandten in Aachen untergekommen? Vielleicht kam sie ja sogar aus Aachen? Aber selbst das würde nicht erklären, weshalb Wilhelm in der Wohnung der Hebamme zur Welt kam. Ich kenne es eigentlich eher so, dass auch damals schon die Hebamme zur Gebärenden kam und nicht umgekehrt. 

Ideen?

Freitag, 26. Mai 2023

Die kleinste Schrift der Welt

Das Standesamt Eschweiler war dann doch schneller, als ich zu hoffen gewagt hatte! Am Dienstag hatte ich das hier in der Post: 


 

Allerdings ohne die Lochung; die stammt von mir. Ich konnte mich also doch schon vor Pfingsten auf die Suche nach den weiteren Vorfahren des Familienforschungsmuffels machen. Der guckte übrigens nur etwas verdattert auf die beiden Kopien und sagte: 

"Ich sehe nur schräge Striche...!" 

Er sieht Striche, ich sehe Möglichkeiten.  

Zugegeben, die Schrift ist wirklich sehr klein, aber zum einen hilft das jahrelange Kurrent-Lesen, und zum anderen weiß man ja immer schon zumindest ungefähr, was in den  Lücken der Formulare stehen muss - eine Berufsbezeichnung, gefolgt von einem Namen, oder eine Zahl als Datumsangabe... 

Das einzige Wort, bei dem ich etwas gekämpft habe, war der Geburtsname der Mutter der Braut. Kümmerling vielleicht? 

Nein, nicht Kümmerling. Kämmerling. Da die Sterberegister von Dürwiß bei www.archive,nrw.de mit Namensregister online stehen und man ja sehen kann, dass Katharina bei der Heirat ihrer Tochter Anna Hubertina mit Wilhelm Joseph Derix 1920 schon nicht mehr am Leben war, musste ich nicht lange suchen. 

Katharina Clermont geb. Kämmerling war schon 1907 gestorben, mit nur 34 Jahren. 15 Jahre jünger als ich jetzt bin; diese Einträge geben mir immer zu denken. Geboren war sie nicht in Dürwiß, sondern in Barmen im Kreis Jülich. 

Laurenz Clermont, ihr Ehemann und jetzt Witwer, ist noch am selben Tag zum Standesamt gegangen und hat ihren Tod angezeigt. 

Das Schöne an den Sterbeeinträgen aus dieser Zeit ist, dass sie einem gleich auch noch die Eltern des oder der Verstorbenen mitliefern. Bei Katharina waren das der Fuhrmann Florentin Kämmerling und seine Frau Elisabeth geb. Velden. Laurenz, Florentin... die Vornamen der Vorfahren des Familienforschungsmuffels sind wirklich abwechselungsreicher als bei meinen. 

1919 musste Laurenz dann wieder beim Standesamt den Tod einer jungen Frau anzeigen: Seine Tochter Barbara Clermont, gewerbslos, war mit 18 Jahren und 5 Monaten gestorben. Das war dann Anna Hubertinas jüngere Schwester. 

Ich bin folglich nun seit ein paar Tagen dabei, fröhlich rheinländische Sterberegister und katholische Kirchenbücher durchzuforsten, so sie denn online verfügbar sind. Dem Familienforschungsmuffel ist das nicht ganz geheuer. Mit gibt eher zu denken, dass in der Gegend um Eschweiler und Dürwiß der Name "Goebbels" ziemlich häufig auftaucht. Immerhin so oft, dass ich erstmal wikipediert habe, wo denn "der" Goebbels geboren worden war - in Erkelenz. Auch nicht sooo weit weg, Luftlinie nur 10 bis 15 Kilometer weiter nördlich. Auch wenn es ja nun so gar nicht von mir beeinflusst werden kann und ich auch niemanden in Sippenhaft nehmen will, so hoffe ich irgendwie schon, dass der Name nicht im Stammbaum auftauchen wird... Das ist aber eine Emotion, die ich mir bei aller Sachlichkeit durchaus gestatte.

Ja, ich habe gut zu tun, obwohl ich mir natürlich wünschen würde, dass mehr Standesamtsregister aus dem Rheinland online wären. Ein Gedanke ist mir dabei aber noch gekommen: 

Vielleicht sollte ich mich hier öfter über die Bürokratie und den damit verbundenen Aufwand beschweren, damit es dann letztlich schneller geht als gedacht...? Scheint ja zu helfen ;-)

Also, mir fehlt immer noch  der Geburtseintrag von Opa Wilhelm Schwartz aus Aachen... 

Freitag, 12. Mai 2023

Öcher Singsang in meinen ostwestfälischen Ohren

Nachdem ich nun Opa Wilhelm Schwartz' Geburts-, Heirats- und Sterbedaten in Erfahrung hatte bringen können, habe ich mich direkt wieder an den Rechner gesetzt und zwei Mails geschrieben: 

Einmal an das Standesamt in Aachen, um an eine Kopie von Wilhelms Geburtseintrag zu kommen, denn dann kenne ich auch seine Eltern. Ich habe mal ein bisschen in den alten Adressbüchern von Kohlscheid gestöbert, die man online finden kann. Es würde mich deshalb nicht wundern, wenn sein Vater auch ein Wilhelm war. Hier warte ich noch auf Antwort. 

Das Standesamt in Eschweiler war dagegen war schneller. Ich bin inzwischen schon ganz happy, wenn das Telefon klingelt und die Vorwahl im Display mit "042" beginnt. Außerdem höre ich den "Öcher Singsang", wie ich ihn nenne,  extrem gerne. Diese Sprachmelodie, die so ganz anders ist die ostwestfälische hier. Wenn ich ehrlich bin, dann können meine ostwestfälischen Ohren sie zwar nicht wirklich vom Kölner Dialekt unterscheiden, aber egal.

Dort hatte ich um eine Kopie des Traueintrags von Wilhelm und Franziska Derix gebeten. Franziska soll laut onkelscher Erzählung in Dürwiß geboren sein, das inzwischen nach Eschweiler eingemeindet wurde. Also habe ich auch nach einer Kopie ihres Geburtseintrages gefragt. Langsam gehen mir diese ganzen Eingemeindungen zwar auf die Nerven, aber aus familienforscherischer Sicht sind sie eigentlich ganz praktisch, weil dann die Unterlagen der ehemalig eigenständigen Gemeinden zusammen aufbewahrt werden. Immerhin.

Beide Einträge hat man im Standesamt gefunden, und auch Franziskas Eltern haben in Dürwiß geheiratet, so dass ich gleich schriftlich (also online) auch noch eine Kopie dieses Traueintrag nachgeordert habe.  

Ein paar Infos über die Derixens habe ich mir aber vorab schon erfragt. Ich konnte einfach nicht anders... 

Franziska Derix' Vater war ein Wilhelm Josef Derix. Er wurde am 23.07.1890 in Eschweiler geboren und starb am 18.01.1970 in Dürwiß. Guck an, er ist immerhin fast 80 geworden. 

Sechs Tage vor seinem 30. Geburtstag, und zwar am 17.07.1920, hat er in Dürwiß geheiratet, und zwar eine Anna Hubertina Clermont

Clermont! 

Vielleicht ist an der Sache mit den französischen Wurzeln ja doch was dran. Aber in welcher Generation? Oder lande ich mit meinem Stammbaum in Belgien? Schließlich sind es ja nur ein paar Kilometer bis zur belgischen Grenze. Also sind die belgischen Wurzeln erstmal naheliegender als französische.

Und "Hubertina"? 

Der Familienforschungsmuffel musste genauso breit grinsen wie ich. Wir hoffen nur, dass ihr Spitzname nicht "Hubsi" war.

Donnerstag, 11. Mai 2023

Vielleicht war er ja noch nicht richtig tot...?

Der Großvater mütterlicherseits des Familienforschungsmuffels war Friedrich Wilhelm Schwartz aus Kohlscheid bei Aachen. Wilhelm war sein Rufname, er war Bergmann, und mit Franziska geb. Derix verheiratet. 

Das Kohlscheider Wappen: Drei Schlägel als Symbole des Bergbaus.

Laut dem einzigen Onkel meines Mannes auf mütterlicher Seite sollte Wilhelm im November 1916 in Kohlscheid geboren worden sein. Und in Kohlscheid soll er auch gestorben sein. Nach der onkelschen  Erzählung soll er aus dem Krankenhaus gekommen und mit den Worten "Ich gehe jetzt sterben" die Treppe hochgegangen sein. Und das soll er dann auch getan haben. 

Das muss irgendwann zwischen 1990 und 1993 gewesen sein. Der Familienforschungsmuffel wohnte da schon lange mit seinen Eltern hier in Ostwestfalen, so dass er das alles im Grunde nur noch aus zweiter Hand mitbekommen hat, zumal es im Informationsfluss zwischen Kohlscheid und OWL wohl gehakt hat. Wie das Leben halt manchmal so spielt. 

Die Mutter des Familienforschungsmuffels habe ich schon gar nicht mehr kennen gelernt; sie war gestorben, lange bevor wir zusammengekommen sind.  Sie konnte ich also nicht mehr fragen. Wenn ich von meiner Schwiegermutter spreche, dann meine ich eigentlich meine Stief-Schwiegermutter, aber das ist im täglichen Umgang einer der Fälle, in denen ich es nicht so genau nehme. Schließlich ist sie die einzige Schwiegermutter, die ich je gehabt habe (und hoffentlich haben werde). Mein Schwiegervater hatte die einzelnen Daten auch nicht mehr konkret im Kopf. 

Die einzige Quelle, die mir somit geblieben ist, ist also der Onkel in Kohlscheid. Seit ein paar Monaten telefonieren wir ab und an. Das blöde ist nur, dass ich ihn nicht mal einfach so zum Unterlagen-Sichten in den Keller schicken kann, weil er inzwischen fast komplett blind ist. Also musste ich mich erstmal auf sein Gedächtnis verlassen und alles, was er mit erzählt, als Arbeitshypothese betrachten. . 

Ich habe also erstmal das Standesamt in Herzogenrath angemailt, weil Kohlscheid inzwischen nach Herzogenrath eingemeindet wurde und ich ja angenommen hatte, dass Wilhelm in Kohlscheid geboren worden war. 

Das Standesamt Herzogenrath hat ihn nicht gefunden. Keine Spur von ihm. 

Also weiter über das Stadtarchiv Herzogenrath. Vielleicht konnte man ja da Wilhelms Sterbeeintrag finden? 

Nein, konnte man nicht. Dafür führte ich mit der netten Mitarbeiterin dort ein ziemlich denkwürdiges Telefonat, in dem dann auch die Frage fiel, 

´"Vielleicht war er ja noch nicht richtig tot...?!" 

Der Hintergedanke war, dass Wilhelm vielleicht doch noch ins Krankenhaus gekommen ist und er erst dort von einem Arzt für tot erklärt wurde. 

Also habe ich als nächstes das Standesamt in Würselen angemailt. Von meiner Schwiegermutter wusste ich, dass mein Schwiegervater und die Mutter des Familienforschungsmuffels 1969 in Würselen geheiratet hatten, und ich hatte gehofft, dass sich in der dortigen Sammelakte vielleicht ein paar Hinweise auf die Brauteltern finden ließen. 

Das war dann zwar nicht der Fall, aber es gab einen Sterbeeintrag von Großvater Wilhelm, der aber nicht im Standesamt, sondern in der Verwaltungsregistratur liegt. Man war so nett und hat meine Mail entsprechend weitergeleitet, und heute habe ich die Mail aus Würselen bekommen: Ja, Opa Wilhelm ist in Würselen gestorben, konkreter: am 2. Mai 1992 in Bardenberg, das inzwischen - wie sollte es auch anders sein - nach Würselen eingemeindet wurde . Er starb nicht zu Hause, sondern im Krankenhaus. Also war er wohl tatsächlich noch nicht "richtig tot". Außerdem stand in der Mail, dass er und Franziska im Mai 1949 in Eschweiler geheiratet haben. Wenn ich einen Scan des Sterbeeintrags haben wolle, dann müsse ich 24,70 EUR berappen. 

Mmmmh, 

Weil ich sowieso schon auf heißen Kohlen gesessen habe, habe ich stattdessen zum Telefon gegriffen. Der nette Herr in der Registratur hatte das Sterberegister auch noch in Griffweite liegen und hat mir auch noch meine restlichen Fragen beantwortet: Ja, Wilhelm war auch tatsächlich im November 1916 geboren, nur eben halt nicht in Kohlscheid, sondern in - Aachen

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. 

Sonntag, 12. Februar 2023

Französische Wurzeln?

Es passieren noch Zeichen und Wunder! 

Wir erinnern uns: Am 1. Januar hatte ich hier - passend zum neuen Jahr - eine kleine Liste mit Dingen gepostet, die ich 2023 gerne erledigen würde. Punkt Nummer 9 auf dieser Liste war "Familie Schwartz erforschen" - das sind die Vorfahren mütterlicherseits meines Mannes. 

Der Ausgangspunkt ist folgender: 

Ich wusste, dass die Großeltern meines Mannes der Bergmann Wilhelm Schwartz und seine Frau Franziska Derix waren, die in Kohlscheid bei Aachen gewohnt haben. Konkrete Daten hatte ich nicht; der Familienforschungsmuffel kann sich nur daran erinnern, dass sein Großvater Anfang der 1990er Jahre gestorben sein muss und seine Großmutter noch früher. Dazu muss man sagen, dass mein Mann schon im frühen Teenageralter Halbwaise geworden ist - die Generation, die man eigentlich über die eigenen Vorfahren ausfragen würde, fehlt also. 

Es gibt aber noch einen Onkel, zu dem der Kontakt einigermaßen abgerissen war. Schade eigentlich, kommt aber in den besten Familien vor, vor allem, wenn man weiter auseinander wohnt. Der Familienforschungsmuffel und ich sind nun schon über 27 Jahre ein Paar, aber diesen Onkel hatte ich noch nie zu Gesicht bekommen, geschweige denn mit ihm gesprochen. Es wäre also irgendwie merkwürdig gewesen, wenn eine ihm gänzlich unbekannte Frau einfach mal bei ihm angerufen hätte, um ihn über seine Familie auszuquetschen. Sowas lässt einen heutzutage ja an Enkel-Tricks denken.

Und wer rief jetzt am Wochenende an? Richtig. Besagter Onkel! Einfach so, ohne Agenda. Nur mal, um zu hören. Der Familienmuffel fand dann einen Zettel vor seiner Nase mit der Aufschrift: 

"Du weißt, was Du zu tun hast!"

Er wusste es. Er hat mir das Telefon rübergereicht. Ich mag ja diesen Öcher (Aachener) Singsang, obwohl ich ihn ehrlich gesagt nicht vom kölner unterscheiden kann.

Und so habe ich dann erfahren, dass Wilhelm und Franziska 1916 bzw. 1923 geboren sind, und zwar aller Wahrscheinlichkeit nach in Kohlscheid respektive in Dürwiß. Das ist doch schon mal was. Damit kann ich etwas anfangen. 

Vom Stuhl gefallen bin ich dann (fast), als Onkel erwähnte, dass die Familie über die Derix-Seite französische Wurzeln gehabt haben soll. Comment? Der Familienforschungsmuffel, dessen Französisch noch einen Tick schlechter ist als meins (bis jetzt haben es alle Franzosen aber mit dem gebührenden Humor genommen), soll zumindest teilweise französischen Ursprungs sein?

Mit niederländischen Wurzeln hatte ich ja gerechnet, denn Kohlscheid liegt direkt an der deutsch-niederländischen Grenze, aber mit französischen?! Nun ja, wenn ich so darüber nachdenke, dann würde es einiges erklären.

Und wenn es sich als wahr erweisen sollte, dann wird's lustig. 

Je vous tiendrai au courant.