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Posts mit dem Label "Jüdisches Leben" werden angezeigt.

Post vom Historischen Verein

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Normalerweise freue ich mich ja immer, wenn ich Post vom Historischen Verein für die Grafschaft Ravensberg e.V. bekomme. In der Regel bedeutet das nämlich, dass es etwas Interessantes zum Lesen gibt.    Das war auch in diesem Fall so, und zwar in Form der neuen Ravensberger Blätter.  Aber leider nicht nur.    (c) Historischer Verein   Die Ravensberger Blätter sind wieder superinteressant, vor allem für mich als alte Wertheranerin. Der Arbeitskreis Spuren jüdischen Lebens in Werther  hat darin nämlich eine Fallstudie zu Max Sachs (1898 bis wahrscheinlich 1942) veröffentlicht. Max Sachs war leicht geistig behindert und wohnte in Werther an der Bielefelder Straße, ungefähr dort, wo heute das evangelische Gemeindehaus steht. Seine Spur verliert sich mit der Deportation ins Warschauer Ghetto. Vorher war er in Bethel zwangssterilisiert worden und dann in einer jüdischen Einrichtung in Berlin-Weissensee untergebracht. Aber auch schon in der Zeit, als er...

Als Werther noch eine Insel hatte (Werther gestern und heute Teil 1)

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Wenn man früher aus Richtung Bielefeld nach Werther kam, dann musste man tatsächlich eine Insel überqueren - wenn auch nur eine kleine.  Dieses Foto hier stammt aus dem Jahr 1909 und zeigt die heutige Alte Bielefelder Straße . Die wurde zu der Zeit zwar gerne auch Kirchstraße genannt - weil sie eben direkt an der Kirche vorbeiführte -, hieß aber offiziell seit der Einführung der Straßennamen in Werther 1925 " Bielefelder Straße ". Damals gab es die heutige "Bielefelder Straße" in ihrer jetzigen Form noch nicht. Dafür war das hier eine von Werthers Hauptverkehrsachsen (was wohl auch einer der Gründe war, weshalb man sie in den 1930er Jahren nochmal umbenannt hat, dieses Mal aber nur für zwölf Jahre und nach einem österreichischen Malermeister mit Allmachtsfantasien).  Wenn man genauer hinguckt, dann sieht man, dass die ersten beiden Häuser auf der rechten und linken Seite auf einer Insel im Schwarzbach lagen. Den Bach selbst kann man zwar nur erahnen, aber vorne li...

Spuren Jüdischen Lebens in Werther

Ende 2007 wurde zum insgesamt vierten(!) Mal der Jüdische Friedhof in Werther geschändet. Diesen Friedhof oben an der Egge gibt es seit 1889; das letzte Begräbnis fand noch 1942 statt. Insgesamt findet man hier 23 Gräber.  Man hätte sich nun darauf beschränken können, sich lautstark darüber zu beschweren, dass es Leute gibt, die so dermaßen neben der Spur sind, dass sie überhaupt auf die Idee kommen, Grabsteine zu beschmieren oder umzuschubsen (was aus meiner Sicht übrigens für alle Gräber gilt, nicht nur für die auf jüdischen Friedhöfen). Aber nein, in Werther passierte etwas anderes: Es gründete sich 2008 ein Arbeitskreis mit den Zielen, das Schicksal der jüdischen Familien aus Werther aufzuarbeiten, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und damit ein deutlich sichtbares Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen .  Das war der Beginn des Arbeitskreises Spuren jüdischen Lebens in Werther.  Dieser Arbeitskreis kann jetzt sein 15jähriges Jubiläum feiern, denn selbst in ei...

Halles "Lumpenbude"

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Halle (Westf.) hat anscheinend ein Problem mit alten Gebäuden - bzw. mit der Frage, ob man sie abreißen soll oder ob es sich lohnt, sie in irgendeiner Art und Weise zu erhalten und wenn ja, als was? Eins dieser Probleme kennt man hier unter dem Stichwort " Borgers ".  Vor ein paar Tagen war ich mit meiner Mutter im Auto unterwegs. Wir kamen an der Ecke Klingenhagen/Mönchstraße vorbei, und der Anblick, der sich einem dort bietet, ist wirklich kein schöner: Ein altes, verfallenes und ziemlich häßliches Fabrikgebäude, das wirklich nicht mehr zu retten sein dürfte. Darüber besteht sogar ein gewisser Konsens, was in Halle längst nicht bei allen alten Gebäuden der Fall ist. Das Problem ist nicht das Gebäude selbst, sondern das, was sich an Giftstoffen unter der Erde verbirgt: Altlasten. Der Kommentar, den ich von meiner Mutter hörte, ging dann auch in eine ähnliche Richtung:  "Die Lumpenbude... da haben sie sich alle die Lunge kaputt gemacht..."   Solche Sätze sollte ma...

Ein Päckchen zum Jahresende

Gestern drückte mir mein Postbote ein Päckchen in die Hand, das ich für mich durchaus als "Happy Mail" bezeichnen würde: Post vom Historischen Verein , dieses Mal die Ravensberger Blätter II/2021 und der inzwischen 106. Jahresbericht , Jahrgang 2021. Und das, obwohl ich es noch nicht einmal geschafft habe, die neue Computer-Genealogie ganz zu lesen, die mir derselbe Postbote kurz vor Weihnachten gebracht hatte...!  Dieses Mal befassen sich die Ravensberger Blätter schwerpunktmäßig mit dem Thema "Bomben auf Bielefeld - Aspekte des Luftkriegs" , was für mich ja auch interessant ist, weil ja auch meine erweiterte Familie betroffen war; ich hatte hier schon mal darüber berichtet. Trotzdem habe ich mich erst einmal auf einen anderen Artikel gestürzt: "Die Geschichte der jüdischen Familie Stern in Halle (Westf.)" von Wolfgang und Katja Kosubek und Martin Wiegand. Die Historie als solche kannte ich zwar schon, und die Sterns sind mir im "Juden- und Diss...

Werthers Gedächtnis und die kniffelige Frage der Religion

Wenn man genealogische Quellen auswertet, dann hat man oft das Problem, dass Leute fehlen. Ich meine das in dem Sinne, dass in Kirchenbüchern meist die Nicht- oder Andersgläubigen ausgeblendet sind (die man dann vielleicht in einem "Juden- und Dissidenten-Register" findet) und in Hofchroniken die "Untergebenen", wenn sich die Darstellung darauf beschränkt, in welcher Linie ein Hof weitergegeben wurde. Erfasst wird meist nur eine bestimmte Gruppe von Menschen, und zwar durch den Zweck der Quelle vorgegeben. Bei Werthers Gedächtnis hatte ich immer den Hintergedanken, dass sich hier alle gleichberechtigt nebeneinander tummeln sollten, egal, ob oder welcher Religion sie angehört haben, wie alt sie geworden sind oder welche gesellschaftliche Stellung sie inne hatten. Wenn jemand in Werther geboren war, geheiratet hatte oder dort gestorben war, und sei es auch nur durch einen doofen Zufall, dann reicht das völlig aus, um in Werthers Gedächtnis aufzutauchen. Man kann auch...

Werther, im November 1938

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Mit dem 9. November tue ich mich immer ein bisschen schwer , und erst recht mit dieser Bezeichnung "Schicksalstag der Deutschen". Das klingt so fatalistisch, als käme man nicht gegen aktuelle Geschehnisse an und könne nichts selbst beeinflussen, was ich einfach nicht glauben kann und will. Dass sich einzelne Ereignisse just an diesem Tag im Kalender so kumulieren, halte ich für einen ziemlichen Zufall, wenn man mal die Verbindung zwischen gescheitertem Putsch in München und der Pogromnacht rausnimmt. Dass die Mauer ausgerechnet am 9. November fiel, hat damit jedenfalls datumsmäßig ziemlich wenig zu tun.  Ich kann mich noch an einen 9. November erinnern, an dem ich (damals noch als Teenager zu CVJM-Zeiten, also wirklich lange her) bei der Mahnwache auf dem Jüdischen Friedhof oben an der Egge war. Zu meiner eigenen Schande muss ich gestehen, dass ich den Friedhof seitdem nicht mehr betreten habe. Ich war auch noch nie auf dem jüdischen Friedhof hier in Halle (Westf.). Ich rede ...

Die Sache mit der Beschneidung...

... betrifft mich jetzt zwar nicht direkt, interessiert mich aus irgendeinem Grunde aber trotzdem. Das ist wahrscheinlich die Eigenschaft, die man bei allen Forschern in überproportionalem Maße findet - Neugier.  Als ich die Judenregister von Werther bzw. aus dem Altkreis Halle durchguckte, fiel mir auf, dass bis 1846 in den allermeisten Fällen nicht nur das Datum der Beschneidung (Brit Mila) genannt wurde, sondern auch derjenige, der dieses Ritual durchgeführt hat. In der Zeit von 1815 bis 1821, als Pastor Gieseler das Register geführt hat, erwähnt er zwar nur in einem einzigen Fall, wer die Beschneidung vorgenommen hatte ("Rabbi Moses"), aber danach, im kreisweiten Register, steht es bei jedem Jungen explizit dabei. Und ich frage mich, was diese Information überhaupt in behördlichen Akten zu suchen hatte. Ist ja schließlich ein religiöser und kein staatlicher Akt. Trotzdem: Wenn man diese Informationen schon mal hat, dann kann man sie ja auch nutzen. Ich habe sie also...

Die Geburten in der Stadt Werther von 1815 bis 1846

Wenn ich schon einmal dabei bin, die jüdischen Wertheraner in Werthers Gedächtnis einzutragen, dann ist das eine schöne Gelegenheit, auch mal ein bisschen Statistik zu betreiben. Da bietet es sich doch an, mit den Geburten anzufangen... Zwischen 1815 und 1846 wurden in Werther insgesamt 104 jüdische Kinder geboren. Es ist irgendwie schön, die Statistik genau aufgehen zu sehen, denn es sind genau 52 Jungen und 52 Mädchen: Jahr Jungen Mädchen gesamt 1815 1 1 2 1816 0 1 1 1817 1 2 3 1818 1 2 3 1819 0 2 2 1820 1 3 4 1821 0 0 0 1822 2 0 2 1823 0 1 1 1824 3 5 8 1825 4 0 4 1826 3 3 6 1827 4 3 7 1828 2 0 2 1829 2 2 4 1830 ...

Die westfälischen Juden- und Dissidentenregister von 1808 bis 1874

Von vielen Familienforschern unbemerkt hat das unbemerkt hat das Landesarchiv NRW inzwischen sämtliche Juden- und Dissidentenregister aus den Jahren 1808 bis 1874 online gestellt . Und das auch noch gratis! Da muss man doch mal "danke" sagen. Man klicke einfach auf den gewünschten Ort, dann dort auf das Kamerasymbol, und schwupp - man hat die Register innerhalb ein von nur ein paar Sekunden auf dem Bildschirm. Eine kleine Tücke hat die Sache allerdings doch: Wie zum Beispiel für Werther findet man die meisten Register nicht unbedingt in der Stadt, in der man eigentlich sucht - dann muss man sich mal in der nächsten Kreisstadt umgucken (Werther gehörte damals ja zum Kreis Halle, der 1973 aufgelöst wurde - also findet man die Register unter Halle).  Oft lohnte es sich eben nicht, für jede Kleinstadt eigene Register anzulegen... Meinen Nachmittag habe ich dann auch damit verbracht, die jüdischen Geburten von 1815 bis 1846 in "Werthers Gedächtnis" einzutragen. Da...