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Die Verkartung der Haller Kirchenbücher

Ich weiß noch, als ich damals (das muss 1996 oder 1997 gewesen sein) das allererste Mal in Bielefeld im Landeskirchlichen Archiv der Evangelischen Kirche von Westfalen saß und über einem Kirchenbuch brütete: Ich war ziemlich erschlagen. Bei vielen Wörtern, die ich zu lesen versuchte, war ich einfach mit der Schrift überfordert.

Mit der Zeit besserte sich das ungemein. Trotzdem war ich heilfroh zu entdecken, dass es zumindest für Halle (Westf.) eine wunderbare Verkartung im Bielefelder Archiv gibt. Ich habe zwar keine Ahnung, wer sich diese ganze Mühe gemacht und jeden einzelnen Eintrag aus den Haller Kirchenbüchern auf jeweils eine eigene Karteikarte übertragen hat (zumindest von den Anfängen der Kirchenbücher um 1650 bis knapp 1880), aber ich werde diesem Menschen wahrscheinlich für immer dankbar sein, dass er mir so viele Stunden erspart und mir die Erfolgserlebnisse verschafft hat, die ich brauchte. 

Um sich das einmal vorzustellen: Wir reden hier von einem guten Dutzend Karteikästen, von denen jeder ungefähr einen halben Meter lang ist. Diese Karteikästen sind komplett vollgestopft mit teilweise schon ziemlich abgenutzten Karteikarten. Ich bin also bei weitem nicht die einzige, die davon profitiert hat. Ich weiß nicht, wieviele Karten es genau sind, aber mit Sicherheit mehr als 10.000 Stück. 

Richtig geholfen hat mir die Kartei bei meinen Schulzes, Schultes, Herkströters und Kindermanns, aber auch bei meinen ganzen anderen Haller Linien. Aber nicht nur bei denen: Bevor Hörste 1707 unabhängig wurde, gehörte es ja zum Kirchspiel Halle, so dass sich die älteren Hörster Familien auch in der Kartei finden. 

Mit diesen Karten ist es mir also teilweise gelungen, nur so durch die Generationen zu rasen. Es gab Tage, an denen mir wirklich der Kopf schwirrte, wenn ich aus dem Archiv kam. Es ist kein Problem, die Kinder einer bestimmten Familie zu finden. Am meisten Zeit spart man allerdings bei der Suche nach Sterbeeinträgen, zum Beispiel, wenn man wissen will, was aus Geschwisterkindern geworden ist. Man muss nicht mehr 90 Jahre durchsuchen. Die Kartei ist also auch ein Grund dafür, weshalb mein eigener Stammbaum immer mehr in die Breite gegangen ist. 

Die Logik, nach der die Kartei sortiert ist, ist eigentlich ziemlich einfach: Immer die beiden ersten Buchstaben des Nachnamens und dann innerhalb dieser groben Aufteilung chronologisch. Insgesamt sind die Karten nach Taufen, Trauungen und Beerdigungen unterteilt, wobei die Trauungen sich nach den Namen des jeweiligen Bräutigams richten. Wenn man nach der Heirat einer bestimmten Frau sucht, hilft einem die Kartei also nicht wirklich weiter. Bei allem anderen schon. 

Inzwischen habe ich mir zwar angewöhnt, mir auch die Originaleinträge zu den Karten anzugucken, nur um sicherzugehen, aber ich bin immer noch heilfroh darüber, dass ich, wenn ich will, mal gerade nach Bielefeld fahren und einen Blick in die Kartei werfen kann, wenn ich will, z.B. weil ich auf die Idee komme, dass ein bestimmter Pate vielleicht auch gleichzeitig ein Verwandter sein könnte. Daran ändert auch Archion nichts. 

Ein kleiner Tipp für alle, die mit der Kartei arbeiten wollten: Ich würde nicht unbedingt schwarze Klamotten anziehen. Mitunter sind die Karten doch ein wenig... staubig. 

(Dies ist ein kleiner Beitag zur "52 Ancestors in 52 Weeks Challenge 2015": Week 31: "Easy".)





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