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Memorial Day vs. Europäischer Realismus

Als ich heute Morgen meine Facebook-Seite aufmachte, merkte ich ziemlich schnell, dass meine amerikanischen Freunde ihren morgigen Memorial Day feiern. Überall Schwarz-weiß-Fotos von ernst blickenden Menschen in Uniform, versehen mit Geburts- und Sterbedaten, und oft fielen auch die Worte "hero" und "died for his country". Ach ja, und gefeiert wird mit Barbecue und Feuerwerk. Ziemlich amerikanisch eben. Unser Volkstrauertag sieht ja doch ein bisschen anders aus.

Fast hätte ein Bild von Uropa Heinrich Sickendiek hochgeladen, mit dem Kommentar: 

"Das ist mein Urgroßvater Heinrich Sickendiek (1892-1915). Er wurde nur 23 Jahre alt. Ich habe keine Ahnung, ob er ein Held war oder ob er im größten Schlachtgetümmel am liebsten einfach wieder nach Hause zurückgelaufen wäre. Ich bin mir aber sicher, dass er nicht für sein Land gestorben ist, sondern im Grunde... für nichts und wieder nichts. Höchstens für eine gescheiterte Außenpolitik."





Zynisch? Keine Ahnung; ich hoffe nicht. Wohl eher realistisch. So gerne ich auch immer noch in die USA fahre, diese "Heldenverehrung" sehe ich doch mit einer gewissen - sehr europäischen - Skepsis. 

Ich habe den Kommentar dann doch nicht auf Facebook gepostet, obwohl es mir in den Fingern juckte. Warum ich es nicht getan habe? Wahrscheinlich, weil ich gedacht habe, dass es "rude" wäre, jemand anderen, der gerade jemandem gedenkt, in diesem Moment wegen seiner Wortwahl anzugehen und zu kritisieren. Und es ist doch besser, wenn man sich auf diese "amerikanische" Art und Weise erinnert, als sich überhaupt nicht zu erinnern, oder? 

Ich fahre gerne in die USA, und ich habe auch amerikanische Freunde. Die Unterschiede zwischen uns sind immer wieder ein Thema, aber nie ein Problem. Wir reden miteinander. Und so soll es auch bleiben. 

Selbst dann, falls sich die USA wirklich Donald Trump zum Präsidenten wählen sollten, was ich übrigens für durchaus möglich halte (aber ich lasse mich gerne positiv überraschen). 

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