Direkt zum Hauptbereich

Die erste Martha

Ich hatte hier im Blog vor geraumer Zeit schon einmal kurz über über Catharine Wilhelmine Martha Ortmeier berichtet, die älteste Tochter meiner Ur-Ur-Großeltern Friedrich Wilhelm August Ortmeyer und Franziska Wilhelmine (genannt Minna) Torweihe. Das ist diejenige welche, die nie auf Familienfotos auftaucht (jedenfalls habe ich sie noch nicht identifizieren können) und von der die Familienlegende erzählt, dass sie mit einem Hypnotiseur das Weite gesucht haben soll...

Inzwischen weiß ich etwas mehr über Martha. Ich kann sie jetzt einfach nur Martha nennen, weil das der einzige Name war, der in ihrem Geburtseintrag steht: 


Nr. 187
Halle am 2. December 1892
Vor dem unterzeichneten Standesbeamten erschien heute, der 
Persönlichkeit nach bekannt, 
der Ackersmann Friedrich Wilhelm 
August Ortmeier, 
wohnhaft zu Oldendorf, Arode Steinhausen No. 5, 
evangelischer Religion, und zeigte an, daß von der 
Franziska Wilhelmine Ortmeier, 
geborene Torweihe, seiner Ehe-
frau, 
evangelischer Religion, 
wohnhaft bei ihm, 
zu Oldendorf, Arode Steinhausen No. 5, 
in seiner Wohnung, 
am siebenundzwanzigsten November des Jahres 
tausend acht hundert neunzig und zwei, Nachmittags 
um neun Uhr ein Kind weiblichen 
Geschlechts geboren worden sei, welches den Vornamen 
Martha 
erhalten habe. 

Martha war also ein Sonntagskind. Ihr Vater ist aber nicht gleich am nächsten Morgen beim Standesamt erschienen, sondern erst am Freitag. Er hat sich also Zeit gelassen. Oder besser: Er hat sich Zeit genommen, denn auch für ihn und seine Frau war es eine ereignisreiche Vorwoche gewesen. 

Die Frage, ob es nun "Ortmeier" oder "Ortmeyer" heißen muss, kann für Martha nun ziemlich eindeutig beantwortet werden: Sie ist eine Ortmeier. Wenn man sich den Taufeintrag etwas genauer anguckt, dann findet man dort ja auch Augusts Unterschrift, und die lautet ganz einfach 

Ortmejer. 

Okay, damit gibt es noch eine dritte Variante. Ich hätte eigentlich damit rechnen müssen, denn damals schrieb man ja oft das "I" als "J", trotzdem musste ich grinsen. Optisch gesehen ist das ja eigentlich ein schöner Kompromiss zwischen "i" und "y"...

In ihrem Taufeintrag ist Martha dann schon eine Catharine Wilhelmine Martha, da hat sie noch die beiden Vornamen ihrer Taufpatinnen vorangestellt bekommen: 

Dass ein Kind nicht unbedingt genau auf den oder die Namen getauft wird, die im Geburtsregister stehen, ist für mich nichts Neues. Da sind die Gehrings das beste Beispiel, und wenn ich mich nicht ganz stark irre, dann hatte sogar mein Schwiegervater im Jahr 1948 zur Taufe noch einen zusätzlichen Hermann bekommen. 

Ihre Patin Catharine Torweihe war ihre Großmutter mütterlicherseits, also meine Ur-Ur-Urgroßmutter. Sie war eine geborene Lünstroth aus Hörste. Wie Wilhelmine Bohnekamp aus Bielefeld ins Bild passt, weiß ich dagegen noch nicht.

Martha ist die erste Martha in der Familie. Sie sollte aber nicht die letzte sein, denn auch ihre kleine Schwester Lina nannte ihre erste Tochter Martha, obwohl die erste Martha da nicht einmal Taufpatin war. Kann ich das als Hinweis nehmen, dass die beiden sich nahe standen? Diese zweite (und wohl auch letzte) Martha war dann meine Oma mütterlicherseits, Martha Sickendiek (geb. Hauffe)

Ab diesem Zeitpunkt werden die Informationen zur ersten Martha wesentlich knapper. Kein Wunder, wenn sie weggezogen war, ob nun mit dem ominösen Hypnotiseur durchgebrannt oder nicht. Ich wusste bislang nur, dass sie 1930 noch gelebt haben musste, denn als ihre Mutter Minna 1930 starb, waren dort alle zwölf Kinder als Hinterbliebene im Kirchenbuch eingetragen. 

Tatsächlich lebte Martha bis 1964. Im Geburtseintrag findet sich ganz unten der entsprechende Randvermerk: "Gestorben am 28.2.1964 in Forst". Den Ort Forst gibt es heute als solchen nicht mehr, er gehört nun zu Bitze, das wiederum ein Ortsteil von Eitorf im Rhein-Sieg-Kreis ist. Bitze liegt Luftlinie ungefähr 20 km östlich von Bonn. Der Wikipedia-Eintrag zu Bitze gibt nicht viel her, aber immerhin soll Angelo Kelly da mal für ein paar Jahre gewohnt haben, was für mich jetzt wiederum nicht wirklich interessant ist...

Ob und wann Martha geheiratet hat, weiß ich immer noch nicht, genauso wenig, ob sie Kinder hatte und meine Großmutter vielleicht Heerscharen von rheinländischen Cousins und Cousinen. Martha ist jedenfalls als Rheinländerin gestorben. 

Mein nächster Schritt wird nun sein, mir vom Landesarchiv NRW Marthas Sterbeeintrag zu besorgen. Die Registernummer kenne ich ja jetzt, also werde ich nicht selbst hinfahren, sondern suchen lassen. Bei der Gelegenheit kann ich dann auch noch eine bis drei andere rheinländische Fliegen mit einer Klappe schlagen.  Man wird hier im Blog wohl noch öfter auf Geschichten aus dem Rheinland stolpern.        


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Als Hörste unabhängig wurde

Seit geraumer Zeit tendiert man ja dazu, Orte zusammenzulegen und einzugemeinden. Sinn und Zweck dieser Übung ist, wohl, sie besser verwalten zu können, wobei ich mir nicht immer sicher bin, ob das auch so klappt, wie es einmal beabsichtigt war. Und weil immer mehr Menschen aus den beiden großen Hauptkirchen austreten, passiert in diesem Bereich genau dasselbe: Pfarreien werden zusammengelegt. Vor etwas mehr als 300 Jahren, nämlich im Jahr 1707, konnte man die umgekehrte Entwicklung in Hörste beobachten: Hörste nabelte sich von der Haller Kirchengemeinde ab und wurde selbstständig!  Das Geld für den Kirchenbau hatte man übrigens durch eine Lotterie zusammenbekommen... Zu dieser Zeit lebten auch Vorfahren von mir in Hörste, zum Beispiel ein Teil meiner Fronemann-Sippe: Gerhard Hinrich Fronemann , Colon in Hörste 6, und seine Frau Anne Catharine geb. Heitmann . Beide waren im Jahr 1671 geboren worden und heirateten dann 1701. Die entsprechenden Eintragungen finden sich also im K...

Hilfe vom Sofa aus

Im Moment arbeite ich mal wieder etwas weniger an meinen eigenen Sachen, was aber nicht bedeutet, dass ich untätig bin. Vergrippt, ja, mitunter, aber untätig? Nee...  Bei den Arolsen Archives kann ich mich auch vergrippt und vom Sofa aus nützlich machen: Die Ausländermeldekartei des ehemaligen Amtes Halle (Westfalen) steht online, und es warten noch Tausende von Karten darauf, transkribiert zu werden. Hier ist der  Link .  Das Schöne ist: Man braucht kein Benutzerkonto , um mitzumachen. Das einzige, was man braucht, ist ein bisschen Zeit - und es könnte nicht schaden, wenn man Kurrent und Sütterlin lesen kann.  Man muss sich auch keine Sorgen machen, dass man etwas falsch macht, denn es gilt das Sechs-Augen-Prinzip . Soll heißen: Wenn nicht wenigstens drei Leute unabhängig voneinander dasselbe gelesen haben, wird die Angabe im Endergebnis nicht frei gegeben. Das finde ich persönlich jetzt mal sehr beruhigend, vor allem, wenn es um die Namen und Herkunftsorte der oft...

Der Arbeitskreis Familienforschung Steinhagen

... trifft sich wieder, und zwar am    Samstag, dem 21. Juni 2025,  um 14.30 Uhr  in der Alten Feuerwehr in Steinhagen-Amshausen.    Ja genau, das ist der Samstag zwischen dem Fronleichnams-Brückenfreitag und dem Sonntag des letzten langen Wochenendes dieses Halbjahrs. Mit den ganzen Feiertagen kann man ja nur durcheinander kommen...    ;-)