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Bergmannssprech & Damoklesschwerter

Ich bin dabei, immer weiter in die Vorfahrenwelt des Familienforschungsmuffels einzutauchen, und je weiter ich komme, desto interessanter finde ich sie. In den nächsten Tagen werde ich auch die Vorfahrenliste des Familienforschungsmuffels weiter updaten.

Vor einer Woche hatte ich ja den Geburtseintrag seines Großvaters Wilhelm Schwartz aus Aachen bekommen, mit der Info, dass dessen Vater Wilhelm ein Grubenarbeiter war. Auch in den anderen Zweigen der Schwartz-/Derix-Seite finde ich diverse Bergmänner, die aber immer als "Bergmänner" bezeichnet wurden. Deshalb nun meine Frage: 

Sind die Begriffe "Bergmann" und "Grubenarbeiter" synonym? 

Jede Branche hat ja ihre eigene Fachsprache, und der Bergbau bildet dabei keine Ausnahme. Soweit ich es verstanden habe, kann in einer "Grube" sowohl ober- als auch unterirdisch abgebaut werden. Wenn ich hier nun einen "Grubenarbeiter" habe, kann es dann sein, dass derjenige (auch) oberirdisch gearbeitet hat? 

Gerade jetzt im Sommer fällt es mir schwer, mir vorzustellen, wie es gewesen sein muss, wenn man jeden Tag für zig Stunden in die Dunkelheit abzutauchen hatte, und dann auch noch mit der Gewissheit, dass über einem unzählige Tonnen Lehm, Wasser und Gestein gegen die Schwerkraft ankämpfen und einem auf den Kopf zu fallen drohen. Also nicht nur ein harter Job, sondern auch ein ungemein gefährlicher. 

Ganz ehrlich: Ich weiß nicht, ob ich damit klarkommen würde, wenn ich jeden Tag damit rechnen müsste, dass der Familienforschungsmuffel von der Arbeit nicht wieder nach Hause kommt. Er hat vor ein paar Jahren mal auf dem Rückweg vom Job einen Unfall gehabt, bei dem ihn jemand auf der Sandforther Kreuzung bei Tempo 70 so gründlich abgeräumt hat, dass sein Jimny als Totalschaden auf dem Dach gelandet ist und er wie ein Swarowski-Laden glitzerte, als ich ihn dann wieder bekommen habe, weil im Bart noch die ganzen Teile von den zersplitterten Scheiben steckten. Im Arm auch, die hat er sich mit einer Pinzette noch teilweise selbst rausgezogen. An dem Tag kam ein Anruf von ihm: "Keine Panik, ich hatte einen Unfall, Soweit geht's mir gut, nur der Würfel ist ein Totalschaden. Der Krankenwagen ist unterwegs." Hinter genau diesen Krankenwagen mit Blaulicht und Sirene habe ich mich dann geklemmt, nachdem ich zuerst meinen Schwiegervater angerufen hatte (mit ungefähr denselben Worten) und mich dann selbst unter Missachtung des Tempolimits auf den Weg gemacht hatte. Auf gut Deutsch: War ein Scheiß-Gefühl. Und dabei ist ihm im Grunde nicht allzu viel passiert, er hat richtiges Glück gehabt, weil er a) richtig reagiert hat und b) der Lkw, der ihm entgegen kam, noch rechtzeitig zum Stehen gekommen war. Bei mir war dieser Tag die herausstechende Ausnahme. Wenn nun aber dieses Damoklesschwert, dass solche und noch viel, viel schlimmere Nachrichten ankommen können, jeden Tag in dieser Intensität über meinem Kopf schweben würde...? Vielleicht ist so wie mit vielen Dingen: Man lernt erst, sie auszuhalten, wenn man sie tatsächlich aushalten muss. Aber dann lernt man es auch. Manchmal denke ich, wir sind schon irgendwie eine Generation von ... Weicheiern. Sorry.

Das Ironische an diesem Teil der Familiengeschichte des Familienforschungsmuffels ist aber, dass ausgerechnet er, der nie auch nur mit dem Gedanken spielen musste, ob er unter Tage arbeiten soll, nun derjenige ist, der ein Stollenmundloch auf dem eigenen Grundstück hat und und in einem alten Bergwerksgebäude wohnt. 

Der Katharinenstollen. Glück auf! 

Da schließt sich wieder ein Kreis.
 

 

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