Freitag, 9. November 2018

Gedenken heißt Nachdenken!

Die Gedenktage knubbeln sich im Moment, oder? Der 9. November mit allem, was in den verschiedenen Jahren ausgerechnet an diesem Tag passiert ist, und dann noch dazu die Tatsache, dass der Erste Weltkrieg vor 100 Jahren zu Ende ging. Wenn man ein bisschen nachdenkt, dann kann man nur zu dem Schluss kommen, dass alle diese Ereignisse zusammengehören. Alles steht in einem größeren Zusammenhang. Vom 9. November 1848 bis zum 9. November 1989.

Deswegen: Gedenken heißt Nachdenken. Ich denke im Moment im wahrsten Sinne des Wortes diese ganzen Geschehnisse nach. Quasi im Sinne einer Kausalitätskette. Schlimm, wenn ich dabei zu dem Schluss kommen muss, dass es auch heute noch immer genug Leute gibt, die "Rasse" (was auch immer das genau sein mag) und "Religion" nicht auseinander halten können. Schlimm, wenn ich dabei zu dem Schluss kommen muss, dass es auch heute immer noch genug Leute gibt, die andere diskriminieren und niedermachen, weil es ihnen selbst nicht gut geht und sie einen Fußabtreter brauchen, um ihren Frust loszuwerden. Ich will jedenfalls nicht dazu gehören.

Der 9. November 1938 (es war übrigens ein Mittwoch) ist auch an Werther nicht spurlos vorbeigegangen. Und an Bielefeld erst recht nicht. Diese Bilder von der brennenden Synagoge in der Turnerstraße jagen mir noch heute Schauer über den Rücken. Die verwüsteten Geschäfte, die mutwillige Zerstörung von Leben und Lebenswerken. Liege ich da so falsch, wenn ich denke, dass sich spätestens ab diesem Moment keiner mehr damit herausreden konnte, dass er "nichts gewusst" habe?

In der Mediathek des WDR findet sich eine Sendung, die auch die Pogromnacht in Werther und Bielefeld behandet: "Als (auch) im Westen die Synagogen brannten". Hier ist der Link. Die dreiundvierzigeinhalb Minuten, die es dauert, sich die Sendung anzugucken, in der viele Zeitzeugen zu Wort kommen, sind gut investiert.

Ich stolpere immer noch darüber, wie man den 9. November 1938 bezeichnen soll. "Reichskristallnacht" klingt wahrscheinlich wirklich verniedlichend. An diesem Tag ist wesentlich mehr zu Bruch gegangen als nur Kristall. Auf der anderen Seite ist "Pogromnacht" nicht nur ein Zungenbrecher, sondern auch ein Wort, das für meinen Geschmack so steril klingt, dass es die Schrecken dieser Zeit nicht wirklich widerspiegelt. Aber mir fällt auch kein besserer Ausdruck ein.

Meine Güte. 1938 ist noch nicht so lange her. Für Familienforscher sind 80 Jahre keine wirklich lange Zeit. 

Mittwoch, 7. November 2018

1. Weltkrieg: Kriegsteilnehmer aus Isingdorf


(aus: "Das Kirchspiel Werther und der Krieg von 1914-18")
Hausnummer, Nachname, Rufname, Beruf, Dienstzeit, Dienstgrad 
Anführungsstriche (") kennzeichen Brüder. 

Nr. 1, Meyer zum Gottesberge, Julius, Bankbeamter, 1914-1916 (gefallen), Leutnant der Reserve

Nr. 1,   " , Ernst, Landwirt, 1914-1917, Feldwebel

Nr. 1b, Meyer, Hermann, Zimmermann, 1915-1918, Fahrer

Nr. 1b,  " , Wilhelm, Landarbeiter, 1917-1918 (gefallen), Kanonier

Nr. 1b, Althoff, Gustav, Müller, 1918-1919, Musketier

Nr. 1b, Kisker, Gustav, Müller, 1915-1918 (gefallen), Landsturm

Nr. 1b, Kansteiner, Wilhelm, Pächter, 1915-1918, Fahrer

Nr. 1b, Schröder, Wilhelm, Landarbeiter, 1916-1917, Musketier

Nr. 1b, Kansteiner, August, Heuerling, 1914-1918, Obergefreiter

Nr. 1b, Milsmann, August (Vater), Heuerling, 1916-1918, Landsturm

Nr. 1b,  " , Heinrich (Sohn), Tischler, 1917-1918, Musketier

Nr. 1b,  " , Julius (Sohn), Maler, 1917-1920 Musketier

Nr. 1b, Hüttemann, Heinrich, Händler, 1917-1918, Musketier

Nr. 1b, Buthenuth, Heinrich, Knecht, 1916-1919, Fahrer

Nr. 1b, Stockmeier, Wilhelm, Maurer, 1914 (gefallen), Reservist

Nr. 1b,  " , Gustav, Arbeiter, 1914-1918, Fahrer

Nr. 1b,  " , August, Arbeiter, 1916-1919, Gefreiter

Nr. 1b,  " , Heinrich, Arbeiter, 1914-1919, Musketier

Nr. 2, Greve, Wilhelm, Landwirt, 1914-1918, Vizewachtmeister

Nr. 2, Falke, Albert, Knecht, 1915-1918, Gefreiter

Nr. 2b, Engelbrecht, Wilhelm, Kaufmann, 1918, Kraftfahrer

Nr. 2b, Kreft, August, Heuerling, 1914-1919, Musketier

Nr. 2b, Tappe, August, Viehhändler, 1915 (gefallen), Landsturm

Nr. 2b, Walkenhorst, August, Heuerling, 1916-1918, Armeesoldat

Nr. 3, Trebbe, August, Uhrmacher, 1915-1918, Jäger

Nr. 3,  " , Hermann, Landwirt, 1914-1918, Sergeant,

Nr. 3b, Horstmann, August, Kaufmann, 1914-1918 (gefallen), Gefreiter

Nr. 3b, " , Hugo, Kassierer, 1914-1918, Vizefeldwebel

Nr. 3b, " , Wilhelm, Kaufmann, 1915-1918, Gefreiter

Nr. 3b, Voß, Wilhelm, Heuerling, 1915-1919 (gefallen), Landsturm

Nr. 3b, Schlömann, Heinrich, Heuerling, 1914-1918, Landsturm

Nr. 3b, Zurmühlen, Heinrich, Kutscher, 1915-1919, Musketier

Nr. 4b, Blome, Gustav, Monteur, 1914-1917 (gefallen), Unteroffizier

Nr. 4b,  " , Wilhelm, Fabrikarbeiter, 1915-1917 (gefallen), Kanonier

Nr. 4b,  " , August, Schneidergeselle, 1916-1919, Musketier

Nr. 4b, Brockmeier, August, Heuerling, 1915-1918, Landsturm

Nr. 4b, Strathmann, Hermann, Fabrikarbeiter, 1915-1916, Armeesoldat

Nr. 4b,  " , Wilhelm, 1914-1915, Reservist

Nr. 4b,  " , August, Schneider, 1914-1918, Kanonier

Nr. 4b,  " , Gustav, Fabrikarbeiter, 1914-1918, Gefreiter

Nr. 5, Greßhöner, Hermann, Landwirt, 1914-1917, Gefreiter

Nr. 5, Grünkemeier, Wilhelm, Knecht, 1917-1919, Musketier

Nr. 5b, Bollmeier, Heinrich, Dachdecker, 1916-1918, Landsturm

Nr. 6, Linhorst, Gustav, Landwirt, 1914-1918, Gefreiter

Nr. 6, Hengstenberg, August, Heuerling, 1915-1917, Fahrer

Nr. 6b, Vossiek, Wilhelm, Wegewärter, 1916-1918, Fahrer

Nr. 6b, Dreckmann, Wilhelm, Schlosser, 1914-1918, Sergeant

Nr. 7, Obermann, Otto, Landwirt, 1915-1918, Fahrer

Nr. 7,  " , August, Lehrer, 1915-1917, Gefreiter

Nr. 7b, Schmidt, Paul, Schuhmacher, 1915-1918, Füsilier

Nr. 7b, Wulfmeier, August, Heuerling, 1914-1918, Gefreiter

Nr. 9, Gehring, August, Tischler, 1914 (gefallen), Reservist

Nr. 9b, Vossiek, Gustav, Fabrikarbeiter, 1914 (gefallen), Unteroffizier

Nr. 9b,  " , Eduard, Unteroffizier, 1914 (gefallen), Unteroffizier

Nr. 10, Börgelt, Hermann, Landwirt, 1915-1918, Pionier

Nr. 11, Schierenbeck, Wilhelm, Landwirt, 1917 (gefallen), Landsturm

Nr. 11,  " , Julius, 1914-1918 (gefallen), Unteroffizier

Nr. 11b, Zurmühlen, August, Fabrikarbeiter, 1914 (gefallen), Wehrmann

Nr. 11b,  " , Karl, Landwirt, 1914 (gefallen), Kanonier

Nr. 11b, Ewering, Peter, Zigarrenarbeiter, 1915-1916, Jäger

Nr. 12, Upmann, August, Landarbeiter, 1915-1919, Musketier

Nr. 13, Prange, Wilhelm, Landwirt, 1917-1919, Pionier

Nr. 13b, Brockmeyer, August, Fabrikarbeiter, 1914-1920, Wehrmann

Nr. 13b,  " , Wilhelm, Maschinist, 1914-1918, Kanonier

Nr. 13b, Vossiek, August, Zigarrenarbeiter, 1916-1918, Landsturm

Nr. 15, Raabe, Gustav, Lehrer, 1914-1918 (gefallen), Leutnant der Reserve

Nr. 16, Jödemann, Gustav, Landwirt, 1915-1919, Schütze

Nr. 17, Struck, Hermann, Landwirt, 1916-1918, Landsturm

Nr. 17b, Spilker, Gustav, Arbeiter, 1914-1918, Gefreiter

Nr. 18, Stürmann, Fritz (Vater), Landwirt, 1915-1918, Fahrer

Nr. 18,  " , Gustav (Sohn), Arbeiter, 1917-1919, Musketier

Nr. 20, Bußberg, Wilhelm, Landwirt, 1915-1918, Wehrmann

Nr. 21, Kipp, Wilhelm, Maurer, 1914-1915, Reservist

Nr. 21, Lotte, Gustav, Gärtner, 1916-1918, Musketier

Nr. 22, Struck, Wilhelm, Arbeiter, 1915-1918, Gefreiter

Nr. 24, Baumann, Heinrich, Landwirt, 1915-1918, Gefreiter

Nr. 25, Diekmann, Otto, Landarbeiter, 1918, Gardeulan

Nr. 26, Lutterkord, Hermann, Landwirt, 1915-1918, Kanonier

Nr. 27, Buschmann, August, Arbeiter, 1914-1915 (gefallen), Reservist

Nr. 28, Wulfmeier, Wilhelm, Landarbeiter, 1915-1920 Musketier

Nr. 29, Diembeck, Hermann, Landarbeiter, 1917-1919, Musketier

Nr. 30, Kranzmann, Heinrich, Postbote, 1916-1917, Musketier

Nr. 32, Rottmann, Wilhelm, Fabrikarbeiter, 1917-1918, Landsturm

Nr. 32, Speckmann, August, Heuerling, 1915-1918 (gefallen), Kanonier

Nr. 33, Abt, Karl, Landwirt, 1914-1918, Vizewachtmeister

Nr. 33,  " , August, Maschinist, 1915-1918, Gefreiter

Nr. 34, Hüttemann, August, Tischler, 1915-1918, Kanonier

Nr. 35, Wittenberg, Hermann, Landwirt, 1916-1918, Landsturm

Nr. 36, Honsel, Karl, Maurer, 1914-1915 (vermisst), Grenadier

Nr. 36,  " , Gustav, Hilfspostbote, 1918, Musketier

Nr. 37, Redeker, Heinrich, Kaufmann, 1914-1919, Unteroffizier

Nr. 37,  " , Gustav, Landwirt, 1916-1918, Landsturm

Nr. 37,  " , Wilhelm, Uhrmacher, 1914-1918, Musketier

Nr. 39, Krüger, Hermann, Wegewärter, 1915-1916 (gefallen), Landsturm

Nr. 40, Klausmeier, Wilhelm, Fleischer, 1917-1920, Musketier

Nr. 40,  ", Heinrich, Händler, 1918, Musketier

Nr. 41, Tubbesing, Heinrich, Gärtner, 1915-1918, Unteroffizier

Nr. 44, Paar, Heinrich, Wirt, 1914-1918, Sergeant

Nr. 45, Schack, Heinrich, Schuhmacher, 1916-1918, Musketier

Nr. 47, Klausmeier, Hermann, Arbeiter, 1917-1918, Landsturm

Nr. 48, Sudbrack, Heinrich, Landwirt, 1915-1918, Landsturm

Nr. 49, Uffmann, Hermann, Lehrer, 1914-1918, Leutnant der Reserve

Nr. 49, Stedtfeld, Hans, Lehrer, 1914-1918, Unteroffizier


Donnerstag, 25. Oktober 2018

Was wurde aus der Langen Straße 16 in Halle?

Die junge Dame hier auf diesem Foto wäre heute 100 Jahre alt geworden - herzlichen Glückwunsch!


Sie ist meine Oma mütterlicherseits, Martha Sickendiek, geborene Hauffe. Klar, als dieses Foto hier aufgenommen wurde, war sie noch weit davon entfernt. Das muss Anfang, vielleicht auch Frühe Mitte der 30er Jahre gewesen sein. Meine Großmutter wurde sie erst 1973. Ihren Ehering trage ich übrigens heute, und eingraviert sind die Hochzeitsdaten von uns beiden. Einen kleinen Teil von ihr habe ich also seit einiger Zeit ständig am Ringfinger. Nur, dass ich ihn mir den Ring doch etwas weiter machen lassen musste... 

Geboren wurde Martha am 25.10.1918 im Haus Lange Straße 16 hier in Halle (Westf.). Die Lange Straße ist heute als B 68 insbesondere im Berufsverkehr eine echte Geduldsprobe und fürchterliche Lärmquelle, zumindest solange, bis das letzte Teilstück der A 33 fertig ist und die Haller Innenstadt hoffentlich um einiges entlasten wird. Ich meide sie, so gut es geht, aber wirklich gut geht auch das nicht. 

Vor 100 Jahren war das noch ein bisschen anders. Damals kämpften sich keine Blechlawinen vor dem Haus in Richtung Nadelöhr am (seinerzeit noch Königlichen) Amtsgericht vorbei. Soviel kann ich zumindest sagen. 

Was ich dagegen nicht sagen kann: Ich habe keine Ahnung, wie das Haus ausgesehen hat, denn heute steht es nicht mehr. Ich meine zu wissen, dass sich die Hausnummern an der Langen Straßen seit 1918 nicht bzw. nur unwesentlich verändert haben, aber ich lasse mich da gerne eines Besseren belehren. Wenn ich Google Maps nach der Hausnummer 16 frage, dann lande ich genau auf der Kreuzung B 68, Oldendorfer Straße und Bismarckstraße. Die geraden Nummern der Langen Straße sind auf der Seite, von der die Bismarckstraße abgeht. Ich gehe deshalb davon aus, dass das Haus genau dort gestanden hat, wo heute das DRK in einem Neubau arbeitet. Kann das vielleicht jemand bestätigen, oder hat sogar noch jemand Fotos von dem alten Haus? 

Es ist schon merkwürdig, wie sich die Vergangenheit und Gegenwart manchmal vermischen. Im Moment läuft hier in Halle eine rege Diskussion darüber, was denn demnächst mit einigen alten Häusern an der Langen Straße passieren soll; von Abbruch ist - zumindest in der Gerüchteküche - die Rede. Ich fände das persönlich sehr schade, vor allem, wenn man bedenkt, dass es auf der Langen Straße demnächst ja hoffentlich wieder etwas ruhiger zugehen wird. Auch interessiert man sich auf einmal wieder dafür, wer denn alles früher in diesen Häusern gewohnt hat - das kann man inzwischen sogar im Haller Kreisblatt nachlesen. Andererseits gucke ich mir die Häuser an und denke, dass man sich da vielleicht auch früher hätte engagieren können oder müssen: So ganz toll scheint ihr Zustand nicht mehr zu sein, man müsste also einiges an Geld in die Hand nehmen, um wieder etwas aus ihnen zu machen. Unmöglich wäre das aber nicht. Fortschritt muss sein, klar, aber man muss auch nicht immer alles dem Straßenverkehr unterordnen. Was da gebraucht wird, ist ein Plan, und zwar ein guter. Was wollen wir für unsere Stadt? Haben wir hier nicht zu wenig bezahlbaren Wohnraum...? 


Montag, 22. Oktober 2018

Das ZDF entdeckt die Ahnenforschung

Zugegeben, soooo viele Sendungen gucke ich im ZDF nicht, meist nur Wilsberg und Inspector Barnaby (wobei ich die meisten Folgen inzwischen schon nach ungefähr 10 Sekunden erkenne). Und die Nachrichten, die aber dafür in Kurzform in der Mediathek. Und in eben jener Mediathek bin ich per Zufall auf zwei aktuelle Sendereihen gestoßen, die mit Ahnenforschung zu tun haben:

Da gibt es einmal "Geneal - Endlich Ahnung von den Ahnen". Das sind kleine Dokus, die wohl im Rahmen der "Drehscheibe" (ja, die gibt es immer noch!) laufen.

Und dann musste ich nun auch noch feststellen, dass Thomas Anders(!) inzwischen unter die Moderatoren gegangen ist und in einer Sendung namens "Du ahnst es nicht!" auftaucht. Soweit ich es bis jetzt beurteilen kann, wird auf musikalische Zwischendarbietungen verzichtet, und "ganz normale Leute" kommen ins Studio, weil sie etwas über ihre Ahnen hören wollen. Was dann natürlich auch passiert.

Schade, dass bei beiden Formaten eigentlich nicht wirklich etwas über die Forschung als solches gezeigt wird - es werden im Grunde nur die Ergebnisse präsentiert. Das ist in etwa so, als ob sich ein Fernsehkoch vor die Kamera stellt und verkündet, dass er gerade ein ganz fantastisches Gericht gekocht hat, ohne denn zu verraten, wie er den tollen Geschmack denn hinbekommen hat.

Aber immerhin. Es ist ein Anfang. Wenn es Leute dazu bringt, sich mal mit ihrer Familiengeschichte auseinanderzusetzen, dann sehe ich meine Gebühren wenigstens einigermaßen sinnvoll eingesetzt.

PS: Ich hätte gerne neue Folgen von Inspector Barnaby. Müssen auch noch nichtmal synchronisiert sein...!

Freitag, 14. September 2018

"Geburtstag im Hause Gehring"

Ein aufmerksamer Forscherkollege hat sich augenscheinlich an mich und meine Suche nach den Gehrings erinnert, als er die Westfalen-Zeitung von 1950 durchstöberte und dabei auf einen Artikel mit dem oben genannten schönen Titel stieß - und nicht nur das, er hat mir den Artikel auch noch gemailt! Nochmal vielen Dank an dieser Stelle!


Der Jubilar war in diesem Falle Wilhelm Gehring, Bruder meines Uropas August und Bäcker in Theenhausen. Ich habe ihn hier im Blog schon ab und an mal erwähnt, zum Beispiel hier. Wilhelm war am 25.01.1875 in Häger Nr. 33 geboren worden, und der Artikel bezieht sich demnach auf seinen 75. Geburtstag. Ich nehme mal an, dass Uropa August bei der Party auch dabei war!

Der Artikel hat für mich eine wichtige Frage beantwortet, nämlich die, wann Wilhelm seine Bäckerei gegründet hat: Im Jahre 1900, als er 25 war. Da war er schon frischgebackener Vater und und auch frisch verheiratet, und zwar genau in dieser Reihenfolge. Dieses kleine Detail lässt der Artikel bezeichnenderweise aus... Schwamm drüber.

Die Bäckerei hatte die Adresse Theenhausen Nr. 35 und lag mitten im Ortskern, wenn man so will. Heute findet man dort die Bäckerei Welter.

Ich weiß nicht warum, aber aus irgendeinem Grunde bin ich immer davon ausgegangen, dass es sich um eine kleine Landbäckerei handelte, die ganz einfach die Theenhausener und vielleicht auch noch die Rotenhagener mit Brot und Brötchen versorgte. Werther und Häger waren in dieser Hinsicht ja auch gut versorgt. In Häger übrigens von der eigenen Familie: Bäcker Gustav Wefing war Wilhelms Schwager, denn er hatte im Jahr 1902 seine - also Wilhelms - Schwester Louise geheiratet.

Man kann sich also meine Verblüfftheit vorstellen, als ich dann im Artikel las, dass 1950 tatsächlich "20 Fachkräfte und Hilfsarbeiter unter der immer noch umsichtigen Leitung des sehr rüstigen, tatkräftigen und lebensfrohen Meisters" arbeiteten. Das Unternehmen war also längst nicht so klein, wie ich gedacht hatte...

Deshalb nun mein Gedanke: Wer hat bei Gehring gearbeitet? Es müsste doch eigentlich auch heute noch Leute geben, die sich daran erinnern können, dass sie jemanden kannten, der bei Gehring Brot und Brötchen gebacken hat, oder? Falls ja - ich bin für jede Info dankbar. Seinen Sohn Gustav Gehring, der im Artikel erwähnt wird, habe ich jedenfalls nicht mehr fragen können, denn er ist schon 1957 im Alter von nur 51 Jahren gestorben.

Was auch erstaunlich ist: Ich glaube nicht, dass ich ein Foto von Wilhelm oder seinem Nachwuchs habe (oder wenn, dann kann ich ihn auf den Fotos, die ich habe, nicht identifizieren). Falls da jemand weiter ist als ich - immer gerne! 


Dienstag, 28. August 2018

Merkwürdige Träume...

Letzte Nacht habe ich sogar von meiner Forscherei geträumt. 

Ich war in einem alten Gebäude, aber nicht alleine. Irgendjemand war bei mir, denn dieser Jemand meinte, unbedingt eine Mauer im Inneren dieses Gebäudes einreißen zu müssen, weil er mir unbedingt etwas zeigen wolle. Gesagt, getan - ich stand also vor einem Haufen roter angedötschter Ziegel und blickte auf... noch eine Wand, aber dieses Mal aus Beton. Und auf dieser Wand standen Geburts- und Todesdaten meiner Vorfahren Wilhelm Deppermann und Catrina Ilsabein Schwentker, und zwar extrem gut leserlich.

Das Blöde war nur, dass das Geburtsdatum des Herrn Deppermann nicht mit dem in meinem Stammbaum übereinstimmte und er danach am 9. Oktober 1760 in Dornberg geboren war, und zwar als Johann Wilhelm Deppermann. Und das bedeutete natürlich, dass ich mit meiner gesamten Deppermann-Linie komplett falsch lag...

Als ich aufwachte, musste ich mich erst zweimal schütteln, so real war diese Situation. Vor allem, weil ich auch die konkreten Daten gleich mitgeträumt habe (wenn es doch immer so einfach wäre!). Zählt das eigentlich als Albtraum?!

Egal.

[Ich habe auch schon mal geträumt, dass ich mit einem Klemmbrett in der Hand Eisbären auf einer Wiese in Amshausen zählen musste. Ich denke mal, der Realitätsgehalt ist ähnlich zu bewerten.]

Dienstag, 7. August 2018

Peregrina sind keine Hobbits

Um 1800 herum findet man in den Wertheraner Kirchenbüchern bei den Geburtseinträgen ab und an mal das Wörtchen "Peregrina", und zwar meist neben oder unter der Hausnummer.

Das erste, was mir dabei in den Sinn kam, war zugegebenerweise der Hobbit ähnlichen Namens. Das zweite war Wikipedia, und Wikipedia erzählt mir, dass es sich bei einem "peregrinus" entweder um einen Wanderfalken mit einer Flügelspannweite von immerhin bis zu 114 Zentimetern handelt oder aber um einen "Fremden".


"Peregrina" im Sinne des Wertheraner Kirchenbuchs sind also Leute, die sich nicht dauerhaft in Werther aufhielten. Ich habe schon mehrere Kinder gefunden, die "auf der Durchreise" geboren wurden, wobei man sich dann immer fragt, warum eine augenscheinlich hochschwangere Frau dann überhaupt unterwegs war und wohin. Es kann aber auch sein, dass jemand einfach nur auf Besuch bei Verwandten war, bei der eigenen Mutter zum Beispiel. Eben bei jemandem, den man gerne dabei hat, wenn's kritisch wird.

Weshalb diese "Wandervögel" in Werther ausgerechnet als "Peregrina" bezeichnet werden, bleibt trotzdem ein kleines Rätsel. Wenn ich mich richtig erinnere, was mir mein Lateinlehrer damals in der Quarta am KGH versucht hat einzutrichtern, dann ist der Plural von "peregrinus" immer noch "peregrini". Oder war damit nur die Mutter gemeint, und auf den Vater kam es in dem Zusammenhang gar nicht an...?