Samstag, 25. Juli 2020

Der Duft von Tosca


Eines meiner mehr oder weniger heimlichen Vergnügen ist ja das Gucken von Dokus über sogenannte Familiendynastien. Von den Tudors über die Kennedys bis zu den Oetkers - ich bin dabei. Im Gegenzug erspare ich es mir, mich fremdzuschämen, wenn sich irgendwelche E-Promis in irgendwelchen Villen respektive in irgendwelchen Camps zum Horst machen. Dafür wurden schließlich Fernbedienungen erfunden. 

Neulich habe ich im ZDF eine Doku über Familie Mülhens gesehen - ja, genau, "die von 4711". Nicht uninteressant. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass es eine Wiederholung war, was ja im Sommer auch nicht verwundert. Den Link gibt es bestimmt noch in der ZDF-Mediathek. 

Wirklich hellhörig wurde ich ja, als der Name "Tosca" fiel - und schwupp, da waren sie wieder, die Erinnerungen: Meine Oma hat es immer benutzt, und jedes Mal, wenn ich an sie denke, habe ich irgendwie diesen Duft in der Nase, obwohl ich ihn wohl tatsächlich seit bestimmt 10 Jahren nicht mehr gerochen habe. 

Ist es nicht merkwürdig, wie sehr man bestimmte Düfte mit bestimmten Menschen verbindet? Das sind solche Erinnerungen, die man meist nirgendwo in Schriftform findet - vielleicht sollte man sie gerade deshalb in einer ruhigen Minute auch mal aufschreiben. 

Ich habe "Tosca" jedenfalls erstmal wikipediert - die Kopfnote besteht aus Bergamotte, Zitrone, Neroli und Orange. Hätte ich so nicht sagen können. Ich hätte auch nicht gewusst, dass es zur selben Zeit herausgekommen ist wie Chanel No 5, nämlich 1921. Konzipiert als Duft für die Frau ab 50, was ich jetzt mal kommentarlos dahinstehen lasse. Ob Uroma wohl auch schon Tosca genommen hat? Ich werde da wohl mal meine Mutter befragen müssen, die mich wahrscheinlich wieder mit diesem Blick bedenken wird, "Du stellst wieder Fragen...!" 

Aber unabhängig davon, ob ich eine Antwort finde - wenn ich das nächste Mal in einer Parfümerie bin, dann sprühe ich mir einen dieser Papierteststreifen mit Tosca ein und nehme ihn mit. 

Freitag, 17. Juli 2020

Der Arbeitskreis Genealogie Steinhagen trifft sich wieder...

... zumindest wollen wir es versuchen, und zwar am

Samstag, dem 18.07.20, um 14.00 Uhr im Quellental in Steinhagen. 

Corona zum Trotz. Wer weiß, vielleicht können wir uns ja nach draußen setzen, falls das Wetter es zulässt. Und falls nicht, dann gibt es im Quellental ja genug große Räume, die es uns erlauben sollten, die einen gewissen Abstand einzuhalten.
Eine feste Tagesordnung gibt es übrigens nicht. Aber hoffentlich wieder Apfelstrudel ;-) 

Mittwoch, 15. Juli 2020

Gottgläubig?!

Im Moment bin ich ja dabei, die Wertheraner Sterbeeinträge aus den 1940ern in Werthers Gedächtnis einzuarbeiten. Höchst interessant, obwohl ja teilweise noch nicht einmal 80 Jahre vergangen sind. Und außerdem ist es schön, immer mal wieder auf Daten zu treffen, die den eigenen Stammbaum ein bisschen vollständiger machen (komplett vollständig wird er ja wahrscheinlich nie sein...).

Ich bin da über eine Sache gestolpert, bei der ich mir etwas unsicher bin: 

Generell ist es mir ziemlich egal, welcher Religion jemand angehört. Da kann sich jemand bekreuzigen, koscher oder halal essen, mehrarmige Wesen anbeten oder meinetwegen auch das Fliegende Spaghettimonster, alles okay für mich. Mir kommt es mehr darauf an, wie sich diese Person mir gegenüber verhält als darauf, ob er/sie an eine höhere Macht glaubt oder nicht.

Soweit, so gut.

Bei der Familienforschung bin ich da ein bisschen strenger und ein bisschen neugieriger, was ja auch in der Natur der Sache liegt. Einträge in Kirchenbüchern sind wesentlich leichter zu finden, wenn man weiß, in welcher Kirche man suchen muss.

In den besagten Wertheraner Sterberegistern läuft mir beim Formularpunkt "Religion" nun immer öfter die Formulierung "gottgläubig" über den Weg.

Was bitte schön soll das heißen?

Bedeutet es, dass jemand zwar an Gott glaubte, aber formell aus der Kirche ausgetreten ist? Und woher wollte der Standesbeamte das wissen?

Oder gehörte derjenige zu einer Kirchengemeinde, die nun nicht die klassische "evangelische" oder "katholische" war? Dafür habe ich zumindest keine Anhaltspunkte gefunden, denn "reformiert", "lutherisch" (in dem Fall waren die meisten nebenan im Kirchspiel Neuenkirchen geboren), "altlutherisch" oder "jüdisch" (bzw. "mosaisch") waren ja auch eingetragen. Mit anderen Glaubensrichtungen und dem, was manche Leute als "Sekte" qualifizieren, fange ich hier gar nicht erst an. Das ist so ein weites Feld...

Was also war mit "gottgläubig" gemeint? 

Falls jemand die Antwort kennt - ich würde sie wirklich gerne wissen.

Donnerstag, 9. Juli 2020

Menschen von heute

"Es kostet so viel Energie sich klarzuwerden, dass Geschichte aus Menschen von heute besteht, nur ist es ein anderes Heute. Dass sie dachten wie wir, auf der Suche waren, Sachen ausprobiert haben, dass ihr Leben aus schwierigen Entscheidungen bestand, aus wirklichem Leid und echtem Schmerz. Dass es echt war, ein genauso wirres und chaotisches Leben wie jetzt unseres." 
aus Marjolijn van Heemstra, "Ein Name für dich"

Dieses Zitat hier habe ich zufälligerweise in einem Roman gefunden, das ich mir im letzten Jahr aus der Bücherei in Halle ausgeliehen hatte. (Welchen Familienforscher wundert es, wenn Familienforscher Bücher über andere Familienforscher lesen? Wahrscheinlich keinen.) 

Der Gedanke hinter diesem Zitat ist aber nicht fiktional, im Gegenteil. Unsere Vorfahren lebten zwar in anderen Zeiten als wir, aber waren sie als Menschen wirklich so anders? Ich glaube nicht. 

Donnerstag, 25. Juni 2020

Marthas Ehering

Halle (Westf.), heute vor 80 Jahren.

Marthas Ehering kann man auf diesem Foto leider nicht sehen, aber es gibt ihn immer noch - ich trage ihn gerade an meinem linken Ringfinger. Es ist nämlich auch mein Ehering. Als ich ihn im Standesamt in Halle auf den Finger gesteckt bekam, hatte er schon mehr als 45 Ehejahre auf dem Buckel. Ehejahre, die nicht immer leicht waren (man kann ja schon am Foto erkennen, dass es eine Trauung in schwierigen Zeiten war), aber die beiden hier waren trotzdem glücklich miteinander, so wie ich sie in Erinnerung habe.

Inzwischen hat der Ring schon wieder knapp vier Jahre gute Dienste geleistet. Ich muss allerdings zugeben, dass ich ihn mir ein gutes Stück weiter machen lassen musste, weil ich ausgerechnet die Keilfinger aus meiner väterlichen Linie geerbt habe. Egal.

Nicht egal ist die Gravur. Als ich den Ring bekommen habe, war keine zu sehen - entweder hat es nie eine gegeben, oder sie ist im Laufe der 45 Jahre irgendwann verschwunden.

Ich habe das geändert. Ich weiß nicht, wie gut man es auf diesem Bild hier erkennen kann, aber nun sind zwei Daten eingraviert: Der 12.08.16 (für meine bessere Hälfte und mich) und der 25.06.1940. Für Martha und Wilhelm.

Freitag, 12. Juni 2020

Eingeschlossen im Herrenhaus

Am Mittwoch war ich wieder im Schloss in Werther, weil ich die Sterberegister des Jahres 1944 pinnen wollte. Habe ich auch, und es dauerte. Kein Wunder, über 140 Einträge. Da ist man nicht ganz so schnell, auch wenn man pünktlich um drei Uhr nachmittags anfängt.

Ich habe mal wieder in der Teeküche im Herrenhaus gesessen, weil man da ruhiger arbeiten kann als im Lesecafé neben der Bücherei. Außerdem hat man meist noch eine musikalische Untermalung, weil Schüler der Musikschule über einem proben. Und bei einem solchen Wetter lässt man ja meist auch das Fenster auf... angenehmes Arbeiten, kann man nicht anders sagen.

Ungefähr vier Stunden später (unterbrochen von zwei winzig kleinen Zigarettenpausen) war ich dann fertig - im doppelten Sinne. Ich kann mir jedenfalls nicht vorwerfen lassen, zu wenig mit der Hand zu schreiben... ich packte also meine sieben Sachen zusammen, machte mich auf den Weg zu der großen schweren Holztür, die auf den Innenhof führt... und stellte fest, dass sie abgeschlossen ist!

F*ck. Aber sicher: Die Musik hatte schon vor geraumer Zeit aufgehört.

Und nu?

Zur Hintertür. Auch abgeschlossen. Habe ich schon erwähnt, dass ich kein Handy dabei hatte?

Wieder in die Teeküche. Vielleicht kann ich ja aus dem Fenster...?

Was man auf dem Foto hier nicht sieht: Das Gelände fällt nach hinten nochmal leicht ab. Für einen unsportlichen Menschen wie mich heißt das: Zu hoch!

Ich hatte trotzdem Glück: Eine junge Frau mit Kinderwagen hatte sich entschieden, den Schleichweg an den Garagen lang zu nehmen. Dann kommt man an der Stelle zwischen Fachwerkbau und Herrenhaus raus. Also Fenster auf: "Entschuldigung, könnten Sie bitte in der Bücherei nebenan Bescheid sagen, dass jemand vorne aufschließen soll...?" Ja, die Dame war ein bisschen erstaunt, aber nichtsdestotrotz war ich keine zwei Minuten später wieder in Freiheit. Ich musste Fronleichnam nicht im Herrenhaus verbringen... 

Tja, das ist halt der Nachteil an einer so ruhigen Tätigkeit wie der Familienforschung ... man wird schnell vergessen.

Und für alle Fälle sollte ich beim nächsten Mal mein Handy mitnehmen.

Dienstag, 9. Juni 2020

Großonkels Sterbeeintrag

Das hier ist der Sterbeeintrag meines Großonkels Helmut Gehring. Standesamt Werther, Nr. 71/1943.

Der war mir so wichtig, dass ich ihn mir abfotografiert habe, als ich ihn letzte Woche im Archiv fand. Vor der coronabedingten Archivschließung war ich bei den Sterberegistern ja nur bis 1942 gekommen, und da war dieses Schätzchen hier noch nicht dabei, obwohl ich das Sterbedatum (15.07.1942) ja schon kannte. Ich musste mich also ein bisschen gedulden.

Erstaunlich finde ich Helmuts Sterbeeort:

"1,5 km westlich Solchose links der Straße (östlicher Kriegsschauplatz)". 

Ähem. Da ist wohl ein Fehler passiert, in Kombination mit einer einer Auslassung. Einen Ort namens "Solchose" gab es auf dem "östlichen Kriegsschauplatz" (wussten die Nazis eigentlich selbst nicht, wie sie die Länder nennen sollten, in die sie gerade einfielen?) nicht, und wenn ich mich nicht irre, auch sonst nirgendwo. Da sind wohl die "Kolchose" und die "Sowchose" irgendwie ineinandergerutscht... kann passieren. Trotzdem wird aber kein Ort genannt. Und Straßen und Kolchosen (und Sowchosen) gab es "im Osten" ja nun auch so einige... Ist aber auch egal, den Ort kannte ich ja schon aus dem Schreiben vom Volksbund.

Das war übrigens nicht Amtmann Ellerbrakes Schuld. Der hat nur abgeschrieben, was ihm gemeldet wurde, und zwar das hier:



Die Karteikarten stammen aus der Sammlung "Deutschland, im Kampf gefallene Soldaten, 1939 bis 1948", die im Mai bei ancestry hochgeladen wurde. Ich habe zwar selbst kein ancestry-Account, aber ein Forscherkollege aus den USA war so nett und hat mal für mich nachgeguckt (an dieser Stelle nochmal danke!). Er hat "meinen" Helmut Gehring auch direkt gefunden.

Ich nehme also mal an, dass man Herrn Ellerbrake nur die Informationen aus der unteren gelben Karte zur Verfügung gestellt hat.

Dass man in Berlin nicht unbedingt mit den westfälischen Ortsnamen vertraut war, zeigt sich übrigens daran, dass man Häger als zum "Kreis Haste" gehörend vermerkt. Nicht Haste - Halle!

Ich frage mich nur, warum der Eintrag im Sterberegister in Werther so spät erfolgte - rund elfeinhalb Monate nach Helmuts Tod. Lag es daran, dass die WASt (Wehrmachtsauskunftsstelle) wegen der vielen Toten komplett überfordert war? Oder hat man sich mit der Verwaltungsarbeit nicht gerade beeilt, um das "Deutsche Volk" nicht mit dem wahren Ausmaß dieses Angriffskrieges konfrontieren zu müssen? Die Nazis waren ja schließlich Meister der "fake news"... aber vielleicht war es auch eine Mischung aus beidem. Zu Hause in Werther war man auf jeden Fall schon im September 1942 informiert, denn ansonsten hätte meine Oma Anneliese (Helmuts Schwester) ihren Sohn nicht auch Helmut genannt, sondern Peter.

Falls da draußen jemand ist, der sich mit der Wehrmacht auskennt: Lässt sich aus den WASt-Karten irgendetwas ableiten, das mir verrät, wie Helmut in den hintersten Winkel der heutigen Ukraine kam? Und durch was er einen Volltreffer bekommen hat?