Dienstag, 26. Februar 2019

Meine DNA & ich

Seit dem Deutschen Genealogentag in Melle im Oktober erwische ich mich immer wieder dabei, darüber nachzudenken, ob ich meiner Forschung nicht auch eine neue Ebene hinzufügen soll, indem ich einfach mal gucke, was so eine DNA-Analyse bei einem der größeren Anbieter bringt.

Mein Hintergedanke dabei ist, dass ich ja tatsächlich Verwandte in den Staaten habe. Einen Teil kenne ich (wenn auch nicht persönlich, aber über Facebook bin ich auf dem Laufenden, was bei der lieben Verwandtschaft an der Westküste so los ist), aber einen anderen Teil kenne ich eben nicht - weil ich nicht weiß, wer da existiert. Vielleicht hat ja eine(n) meiner unbekannten Verwandten auch die Forscherleidenschaft gepackt?

Andererseits habe ich aber auch Bedenken - mir ist es immer schon unangenehm, wenn sie bei meinen Einreisen in die USA fürchterliche Fotos von mir machen (wie man halt so aussieht, wenn man gerade quer über den Atlantik geflogen ist und im Flugzeug wieder nicht schlafen konnte) und meine Fingerabdrücke nehmen, obwohl ich nun wirklich keine bösen Absichten hege. Meine DNA würde ich nochmal ein Stückchen höher ansetzen, und damit ist sie im Grunde - mit Ausnahme meiner Gedanken - das Privateste, das ich habe. Möchte ich wirklich, dass jemand da etwas abgleichen kann?

Ich bin hin- und hergerissen.

Deshalb meine Frage: Hat schon jemand da draußen entsprechende Erfahrungen gemacht?

Samstag, 19. Januar 2019

Werthers Kinder: Das Geburtsregister des Jahres 1908

Wo trifft man mich an einem Mittwochnachmittag im Januar? Genau, in Werther im Lesecafé des Schlosses, Geburtseinträge pinnen!

2019 sind die Geburtsregister von 1908 frei zugänglich geworden. Ich hatte wirklich meinen Spass!

Nicht nur, dass ich den Eintrag von meinem Opa Schwentker direkt vor mir hatte, mit der Originalunterschrift von Uropa, der die Ankunft seines Stammhalters wahrscheinlich stolz beim Standesamt angezeigt hat, denn er hatte immerhin acht Jahre darauf warten müssen (und alle anderen Kinder waren Mädchen...). Außerdem habe ich noch diverse Cousins und Cousinen meiner Großeltern gefunden, von denen ich keine Ahnung hatte, dass es sie überhaupt gab! Das Gedächtnis der Menschen ist so kurz...

Im Moment bin ich also dabei, diese 153 Einträge in Werthers Gedächtnis einzuarbeiten. Und währenddessen wieder ein wenig mit der Statistik zu spielen, genau wie im letzten Jahr.

Die Basisfakten:

männlich: 80
weiblich: 73
ehelich: 146
unehelich: 7
Einzelgeburten: 149
Mehrlingsgeburten: 4
totgeboren: 1
lebend geboren: 152

153 Kinder - das ist zwar eins weniger als im Jahr davor, aber trotzdem bin ich von der Konstanz dieser Zahl überrascht. Während 1907 die Mädchen eindeutig in der Überzahl waren (immerhin mit 81 zu 73), gab es nun mehr Jungs: Das Geschlechterverhältnis war dieses Mal 80 zu 73. Einer dieser kleinen Jungen wurde tot geboren, alle anderen Kinder waren am Leben. Zwei Zwillingspärchen gab es, einmal männlich/weiblich und einmal männlich/männlich. Auch die Zahl ist also konstant geblieben.

Was die Religionen angeht: Das lässt sich dieses Mal nicht ganz so genau sagen. Der totgeborene Junge wäre wohl katholisch gerworden, hätte er überlebt, denn seine Mutter war unverheiratet und katholisch. Bei drei anderen Kindern ist die Sache nicht so eindeutig, denn sie stammten, wenn man so will, aus "Mischehen" - mal war die Mutter katholisch, mal der Vater. Oder reformiert, das war einmal auch der Fall. "Lutherisch" zähle ich jetzt einfach mal zu "evangelisch". Jüdische Kinder gab es in diesem Jahrgang in Werther übrigens nicht.

Die Zahl der unehelichen Kinder hat im Vergleich zu 1907 leicht zugenommen, von 5 auf 7. Abgestellt habe ich dabei übrigens auf den Status zum Zeitpunkt der Geburt; ich habe es außer Acht gelassen, wenn die Mutter nachträglich noch geheiratet hat. Denn ein Ehemann, der später das Kind anerkannt hat, muss ja nicht zwingend auch der biologische Vater gewesen sein.

Kommen wir nun zu meinem Lieblingsteil in der Statistik-Spielerei:

Die Vornamen:

ein Vorname
11
zwei Vornamen
60
drei Vornamen
79
vier Vornamen
2
fünf Vornamen
0
gesamt
152

Dieses Mal gab es also keine Eltern, die ihrem Nachwuchs gleich fünf Vornamen mit auf den Lebensweg gegeben haben - vier waren das höchste der Gefühle. Aber die reichen ja auch. Standard waren immer noch drei Vornamen, wenn auch nicht mehr mit so großem Abstand wie im Vorjahr. Die Zahl mit 11 Nur-Einnamigen ist genauso hoch wie im Jahr 1907.

Was die Verteilung der einzelnen Namen angeht:

Platz
Mädchen
Jungen
1
Marie / Maria (32)
Heinrich (34)
2
Anna / Anne (20)
Hermann (28)
3
Johanne (17)
Wilhelm (24)
August (24)
4
Auguste (13)
Friedrich (14)
5
Luise (12)
Frida (12)
Gustav (9)
6
Emma (8)
Alwine (8)
Elisabeth (8)
Karl (7)
7
Erna (7)
Peter (6)
Paul (6)
Julius (6)
8
Martha (6)
Otto (4)
9
Helene (5)
Ernst (3)
Martin (3)
10
Else (4)
Rudolf (2)
Walter (2)
11
Alma (3)
Karoline (3)
Fritz (2)
12
Herta (2)
Charlotte (2)
Henriette (2)
Katharine (2)
Friederike (2)
Hanna (2)
Minna (2)
Georg (1)
Oskar (1)
Ludwig (1)
Johann (1)
Richard (1)
Eckhart (1)
Ewald (1)
Franz (1)
Anton (1)
Ferdinand (1)
Erich (1)
Erwin (1)
13
Hilde (1)
Elsabein (1)
Emilie (1)
Hedwig (1)
Lisette (1)
Paula (1)
Wilhelmine (1)
Klara (1)
Sophie (1)
Ernestine (1)
Elise (1)
Bertha (1)
Dora (1)



Man kann festhalten, dass man bei der Namensgebung der Mädchen wieder mehr Kreativität an den Tag gelegt hat. Bei ihnen habe ich 33 verschiedene Namen gefunden, bei den Jungs nur 28 (und wie schon erwähnt, die Jungs waren ja in der Mehrzahl). Und selbst dabei gab es noch ein Kind namens Franz Anton Ferdinand Otto - ohne den wären es nur 25 verschiedene Namen gewesen. 

Im Gegensatz zum Vorjahr gibt es aber wieder einen Johann und eine Elsabein. Das sind aber Einzelfälle.  

Überspitzt kann man sagen, dass der typische Wertheraner aus dem Geburtsjahrgang 1908 entweder Hermann Heinrich oder August Wilhelm hieß. Da wurden die Namen der Großväter immer noch ganz konsequent weitergegeben, wobei allerdings die Heinriche (Heinrichs? Was ist der Plural von "Heinrich"?) die Wilhelms an der Spitze der Liste abgelöst haben.

Bei den Mädchen traute man sich auch schon mal, vom üblichen Schema abzuweichen und Namen zu wählen, weil man sie schön fand. Der Trend zu Kurznamen hält aber an und kommt nun auch bei den Jungs durch: Fritz statt Friedrich. Auffällig finde ich aber auch, dass Paula und Pauline fast bzw. sogar ganz verschwunden sind (nur noch eine Paula; 1907 gab es noch fünf Paulas und dazu fünf Paulines). Auch Pauls gab es deutlich weniger als im Vorjahr (sechs im Vergleich zu elf). Ich bin schon gespannt, ob die im Jahr 1909 wiederkommen...

Ich werde es sehen - nächstes Jahr.

Montag, 7. Januar 2019

Die alte Frage: Ist Blut eigentlich wirklich dicker als Wasser?

oder: Wer sind eigentlich "Eltern"?


Dass die Antwort auf diese Frage nicht ganz so einfach ist, sieht man schon allein daran, dass unser Bundesjustizministerium im Februar 2015 einen Arbeitskreis "Abstammungsrecht" ins Leben gerufen hatte, in dem elf Sachverständige aus den Bereichen Recht, Ethik und Psychologie klären sollten, ob das deutsche Familienrecht  "angesichts der Vielzahl von Familienkonstellationen und der Entwicklungen in der modernen Reproduktionsmedizin" reformbedürftig sei. Dieser Arbeitskreis brauchte zwei Jahre, um zu dem Schluss zu kommen, dass das sehr wohl der Fall ist: Im Abschlussbericht werden immerhin geschlagene 91(!) Thesen zur Modernisierung des Abstammungsrechts aufgestellt. 

Man muss aber gar nicht mal alles auf die moderne Medizin schieben. Auch für den gemeinen Familienforscher, der sich meist noch nicht einmal mit Themen wie Samenspende und Leihmutterschaft befassen muss, ist der Elternbegriff manchmal doch mit einigen Komplikationen verbunden. 

Ein Beispiel gefällig? Hier ist eins: 

Nehmen wir mal an, dass ein Kind adoptiert wird. Das muss noch nicht einmal heißen, dass die biologischen Eltern früh gestorben sind - es konnte "damals" wie heute auch gut sein, dass einfach die wirtschaftlichen Verhältnisse es nicht zuließen, dass ein Kind bei seinen leiblichen Eltern aufwachsen konnte. Oft waren die späteren Adoptiveltern zwischenzeitlich auch schon als Pflegeeltern aktiv. Manchmal blieb es aber auch einfach bei dem Pflegeverhältnis.

Oder - auch sehr menschlich: 

Der Mann, mit dem die Mutter eines Kindes verheiratet ist, ist eben nicht auch dessen leiblicher Vater, und das Kind wächst als "Kuckuckskind" auf. Was ist, wenn man genau von diesem "Kuckuckskind" abstammt? Während heute ein DNA-Test solche Familien oft ziemlich schnell und gründlich auseinander bringt, wurden auch im 20. Jahrhundert solche Konstellationen oft (aber nicht immer) noch mit gewissen "Kompensationszahlungen" gelöst, die dann mit einer Stillschweigensklausel einher gingen. Klatsch und Tratsch wird es aber auch dort genug gegeben haben, denn manche Dinge haben sich wohl auch in den letzten Jahrhunderten nicht wesentlich verändert. 

In beiden Fällen fallen die biologische und die rechtliche bzw. die soziale Elternschaft auseinander. Wenn man sich die rechtliche Seite anguckt, dann sieht man sogar, dass bis vor nicht allzu langer Zeit nichtleheliche Kinder nicht als mit ihrem Vater verwandt galten, was man sich heute eigentlich gar nicht mehr vorstellen kann. 

Welche Linie sollte man also erforschen? 

Ich glaube, in dieser Situation ist es gerechtfertigt, sich beide Elternpaare vorzunehmen, aber das ist nur mein persönlicher Geschmack. Ich kann mich noch gut erinnern, wie wir damals in der Oberstufe im Pädagogik-Unterricht diskutiert haben, was denn nun entscheidender für die Entwicklung eines Kindes ist: Seine Gene oder seine Umgebung? Darüber könnte man wahrscheinlich endlos debattieren, aber aus meiner Sicht kann man im Endeffekt nur davon ausgehen, dass beides eine Rolle spielt. 

Ich würde die Forschung aber nicht auf die Spitze treiben, denn sonst wird es erstens unübersichtlich, und zweitens geht der Bezug zum eigentlichen Forschungssubjekt ja irgendwann verloren... 

Wenn ich auf solche Fälle treffe - und das ist durchaus schon vorgekommen -, dann ist mein Stammbaumprogramm in der Lage, beide Elternpaare zu erfassen und auch die jeweiligen Rechtsbeziehungen darzustellen. Aber auch dann, wenn ich kein Stammbaumprogramm nutzen würde, würde ich schon die Familie erforschen, in der mein Forschungssubjekt aufwächst, zumindest in der Eltern- und vielleicht auch noch in der Großelterngeneration, wenn alle unter einem Dach wohnten. Die Bezugspersonen halt. 

Ansonsten würde ich parallel dazu "ganz normal" bei den leiblichen Eltern weitermachen (man merkt, dass ich hier versuche, einen Bogen um das Wort "Blutlinie" zu machen: Es klingt so archaisch und bekommt schnell eine Konnotation, die ich hier nun wirklich vermeiden möchte...), oder zumindest mit den Leuten, die ich für die leiblichen Eltern halte. Denn wer weiß, vielleicht war der Vater ja doch jemand anders ...? 

Manchmal kommt mir der Gedanke, dass es ohne die DNA-Sache einfacher war... ;-)





 

Sonntag, 30. Dezember 2018

2018 - Ein kleiner Rückblick

Ich kann es kaum glauben, dass ich hier sitze und mir schon wieder Gedanken darüber mache, was denn so im letzten Jahr alles passiert ist. Da lese ich meinen Post vom letzten Jahr durch und denke, "Meine Güte..."


Ich hatte ja Besserung gelobt, was meine Blogposts hier angeht. Ähem. Hat nicht so ganz geklappt, vor allem in den letzten Monaten nicht. In diesem Sinne bleibt mir nichts anderes, als wieder Besserung zu geloben... und diesen guten Vorsatz auch aufrecht zu erhalten. Ich habe vor, hier im Jahr 2019 mindestens alle zwei Wochen etwas Sinnvolles von mir hören zu lassen.

Was Werthers Gedächtnis angeht: Ja, es wächst und gedeiht. Durch die Einarbeitung der Quellen hat sich meine Arbeitsweise zwar etwas verändert, aber es macht mir immer noch einen Heidenspass, die einzelnen Puzzleteile zusammen zu setzen. Dabei helfen mir vor allem auch die Personenstandsregister des Standesamts Werther, die mir einige Fragen beantworten, aber naturgemäß wieder auch andere Fragen aufwerfen. Wenn man mich im Landesarchiv in Detmold oder im Lesecafé im Schloss in Werther konzentriert auf große Bücher starren sieht, dann bin ich dabei, wieder ein paar Lücken zu schließen.

Bei meinem eigenen Stammbaum habe ich deshalb übrigens auch einige Ergänzungen vornehmen können, die ich so nicht auf dem Schirm hatte. Im Stammbaum angelegt habe ich im Moment 12.078 Personen, die alle zusammenhängen. Das werden in den nächsten Wochen noch ein paar mehr werden, denn da hat sich ein gewisser Rückstau gebildet... insgesamt fiel mir die Arbeit an meinem eigenen Stammbaum aber wieder wesentlich leichter als im letzten Jahr.

Was die Seite meines Mannes angeht (ja, die Ehe hält immer noch!) - eine glatte Nullnummer. Ich habe einfach nicht die Zeit gehabt, da weiterzuforschen. Mein Mann nimmt es mir aber nicht übel, denn er hält meine Forschung im Grunde für einen Spleen meinerseits, und da er selbst in vieler Hinsicht leicht exzentrisch ist, kommt er gut damit klar. Seine Vorfahren überschneiden sich ja so gar nicht mit meinen, denn meine waren mehrheitlich evangelische Ostwestfalen (mit dem Ausreißer über Uropa Willy über Sachsen-Anhalt und Brandenburg bis in die Niederlausitz), und seine waren Katholiken aus dem Emsland und der Region um Aachen. Soll heißen: Andere Quellen, andere Archive, mehr Arbeit. Für 2019 habe ich aber noch einiges in dieser Hinsicht vor. Da gibt es noch so viel zu entdecken...! Es würde mich auch nicht wundern, wenn mich dieser Teil der Reise noch in andere Regionen verschlägt, denn es waren auch Bergmänner unter seinen Vorfahren, und es war ja schon immer so, dass die Menschen dort hingingen, wo die Arbeit war und man seine Familie am besten durchbringen konnte. Das war bei den Wertheranern und meinen anderen Ostwestfalen nicht anders...

Und ansonsten?

Ich freue mich über jeden, der sich die Mühe macht, mit mir Kontakt aufzunehmen und mich mit Informationen zu versorgen! Das ist längst nicht selbstverständlich, und ich weiß es zu schätzen. Deshalb ein dickes DANKESCHÖN!

Ich weiß auch, dass es noch einige gibt, die auf eine Rückmeldung von mir warten. Keine Angst, ich habe es nicht vergessen. Nur ist Werthers Gedächtnis ein "work in progress", wie man so schön sagt, und noch lange nicht fertig, so dass ich auch nicht alle Antworten auf alle Fragen sofort parat haben kann. Leider! Trotzdem fange ich auch gerne mal an zu graben, weil mich die Neugier dann einfach packt. Nur besteht mein Leben nicht nur aus Familienforschung: Ich bin ja nun seit 15 Jahren selbstständig als Rechtsanwältin, was halt auch einen guten Teil meiner Zeit beansprucht, und auch ein paar andere Menschen, die mir sehr wichtig sind, würden auf Dauer und zu Recht sauer werden, wenn ich mich nur hinter Kirchenbüchern und meinem Rechner verschanzen würde... abgesehen davon, dass ich das auch gar nicht wollen würde, so sehr ich auch nach all den Jahren immer noch Spass daran habe. Deshalb - danke für Eure Geduld!

Was 2019 angeht:

Die Besserung, dass man hier demnächst wieder öfter etwas von mir lesen kann, habe ich ja schon gelobt. Auf meiner Want-to-Do-Liste für 2019 stehen auch darüber hinaus noch ein paar Dinge, die unter das Thema "Familienforschung" fallen. Ich denke da an den Westfälischen Genealogentag und den Start des Geschichtsportals Werther. Davon wird man hier dann auch lesen können...

Also bleibt mir jetzt nur noch eins zu sagen:

EUCH ALLEN EINEN GUTEN RUTSCH! 

Liebe Grüße,

Angela


Freitag, 9. November 2018

Gedenken heißt Nachdenken!

Die Gedenktage knubbeln sich im Moment, oder? Der 9. November mit allem, was in den verschiedenen Jahren ausgerechnet an diesem Tag passiert ist, und dann noch dazu die Tatsache, dass der Erste Weltkrieg vor 100 Jahren zu Ende ging. Wenn man ein bisschen nachdenkt, dann kann man nur zu dem Schluss kommen, dass alle diese Ereignisse zusammengehören. Alles steht in einem größeren Zusammenhang. Vom 9. November 1848 bis zum 9. November 1989.

Deswegen: Gedenken heißt Nachdenken. Ich denke im Moment im wahrsten Sinne des Wortes diese ganzen Geschehnisse nach. Quasi im Sinne einer Kausalitätskette. Schlimm, wenn ich dabei zu dem Schluss kommen muss, dass es auch heute noch immer genug Leute gibt, die "Rasse" (was auch immer das genau sein mag) und "Religion" nicht auseinander halten können. Schlimm, wenn ich dabei zu dem Schluss kommen muss, dass es auch heute immer noch genug Leute gibt, die andere diskriminieren und niedermachen, weil es ihnen selbst nicht gut geht und sie einen Fußabtreter brauchen, um ihren Frust loszuwerden. Ich will jedenfalls nicht dazu gehören.

Der 9. November 1938 (es war übrigens ein Mittwoch) ist auch an Werther nicht spurlos vorbeigegangen. Und an Bielefeld erst recht nicht. Diese Bilder von der brennenden Synagoge in der Turnerstraße jagen mir noch heute Schauer über den Rücken. Die verwüsteten Geschäfte, die mutwillige Zerstörung von Leben und Lebenswerken. Liege ich da so falsch, wenn ich denke, dass sich spätestens ab diesem Moment keiner mehr damit herausreden konnte, dass er "nichts gewusst" habe?

In der Mediathek des WDR findet sich eine Sendung, die auch die Pogromnacht in Werther und Bielefeld behandet: "Als (auch) im Westen die Synagogen brannten". Hier ist der Link. Die dreiundvierzigeinhalb Minuten, die es dauert, sich die Sendung anzugucken, in der viele Zeitzeugen zu Wort kommen, sind gut investiert.

Ich stolpere immer noch darüber, wie man den 9. November 1938 bezeichnen soll. "Reichskristallnacht" klingt wahrscheinlich wirklich verniedlichend. An diesem Tag ist wesentlich mehr zu Bruch gegangen als nur Kristall. Auf der anderen Seite ist "Pogromnacht" nicht nur ein Zungenbrecher, sondern auch ein Wort, das für meinen Geschmack so steril klingt, dass es die Schrecken dieser Zeit nicht wirklich widerspiegelt. Aber mir fällt auch kein besserer Ausdruck ein.

Meine Güte. 1938 ist noch nicht so lange her. Für Familienforscher sind 80 Jahre keine wirklich lange Zeit. 

Mittwoch, 7. November 2018

1. Weltkrieg: Kriegsteilnehmer aus Isingdorf


(aus: "Das Kirchspiel Werther und der Krieg von 1914-18")
Hausnummer, Nachname, Rufname, Beruf, Dienstzeit, Dienstgrad 
Anführungsstriche (") kennzeichen Brüder. 

Nr. 1, Meyer zum Gottesberge, Julius, Bankbeamter, 1914-1916 (gefallen), Leutnant der Reserve

Nr. 1,   " , Ernst, Landwirt, 1914-1917, Feldwebel

Nr. 1b, Meyer, Hermann, Zimmermann, 1915-1918, Fahrer

Nr. 1b,  " , Wilhelm, Landarbeiter, 1917-1918 (gefallen), Kanonier

Nr. 1b, Althoff, Gustav, Müller, 1918-1919, Musketier

Nr. 1b, Kisker, Gustav, Müller, 1915-1918 (gefallen), Landsturm

Nr. 1b, Kansteiner, Wilhelm, Pächter, 1915-1918, Fahrer

Nr. 1b, Schröder, Wilhelm, Landarbeiter, 1916-1917, Musketier

Nr. 1b, Kansteiner, August, Heuerling, 1914-1918, Obergefreiter

Nr. 1b, Milsmann, August (Vater), Heuerling, 1916-1918, Landsturm

Nr. 1b,  " , Heinrich (Sohn), Tischler, 1917-1918, Musketier

Nr. 1b,  " , Julius (Sohn), Maler, 1917-1920 Musketier

Nr. 1b, Hüttemann, Heinrich, Händler, 1917-1918, Musketier

Nr. 1b, Buthenuth, Heinrich, Knecht, 1916-1919, Fahrer

Nr. 1b, Stockmeier, Wilhelm, Maurer, 1914 (gefallen), Reservist

Nr. 1b,  " , Gustav, Arbeiter, 1914-1918, Fahrer

Nr. 1b,  " , August, Arbeiter, 1916-1919, Gefreiter

Nr. 1b,  " , Heinrich, Arbeiter, 1914-1919, Musketier

Nr. 2, Greve, Wilhelm, Landwirt, 1914-1918, Vizewachtmeister

Nr. 2, Falke, Albert, Knecht, 1915-1918, Gefreiter

Nr. 2b, Engelbrecht, Wilhelm, Kaufmann, 1918, Kraftfahrer

Nr. 2b, Kreft, August, Heuerling, 1914-1919, Musketier

Nr. 2b, Tappe, August, Viehhändler, 1915 (gefallen), Landsturm

Nr. 2b, Walkenhorst, August, Heuerling, 1916-1918, Armeesoldat

Nr. 3, Trebbe, August, Uhrmacher, 1915-1918, Jäger

Nr. 3,  " , Hermann, Landwirt, 1914-1918, Sergeant,

Nr. 3b, Horstmann, August, Kaufmann, 1914-1918 (gefallen), Gefreiter

Nr. 3b, " , Hugo, Kassierer, 1914-1918, Vizefeldwebel

Nr. 3b, " , Wilhelm, Kaufmann, 1915-1918, Gefreiter

Nr. 3b, Voß, Wilhelm, Heuerling, 1915-1919 (gefallen), Landsturm

Nr. 3b, Schlömann, Heinrich, Heuerling, 1914-1918, Landsturm

Nr. 3b, Zurmühlen, Heinrich, Kutscher, 1915-1919, Musketier

Nr. 4b, Blome, Gustav, Monteur, 1914-1917 (gefallen), Unteroffizier

Nr. 4b,  " , Wilhelm, Fabrikarbeiter, 1915-1917 (gefallen), Kanonier

Nr. 4b,  " , August, Schneidergeselle, 1916-1919, Musketier

Nr. 4b, Brockmeier, August, Heuerling, 1915-1918, Landsturm

Nr. 4b, Strathmann, Hermann, Fabrikarbeiter, 1915-1916, Armeesoldat

Nr. 4b,  " , Wilhelm, 1914-1915, Reservist

Nr. 4b,  " , August, Schneider, 1914-1918, Kanonier

Nr. 4b,  " , Gustav, Fabrikarbeiter, 1914-1918, Gefreiter

Nr. 5, Greßhöner, Hermann, Landwirt, 1914-1917, Gefreiter

Nr. 5, Grünkemeier, Wilhelm, Knecht, 1917-1919, Musketier

Nr. 5b, Bollmeier, Heinrich, Dachdecker, 1916-1918, Landsturm

Nr. 6, Linhorst, Gustav, Landwirt, 1914-1918, Gefreiter

Nr. 6, Hengstenberg, August, Heuerling, 1915-1917, Fahrer

Nr. 6b, Vossiek, Wilhelm, Wegewärter, 1916-1918, Fahrer

Nr. 6b, Dreckmann, Wilhelm, Schlosser, 1914-1918, Sergeant

Nr. 7, Obermann, Otto, Landwirt, 1915-1918, Fahrer

Nr. 7,  " , August, Lehrer, 1915-1917, Gefreiter

Nr. 7b, Schmidt, Paul, Schuhmacher, 1915-1918, Füsilier

Nr. 7b, Wulfmeier, August, Heuerling, 1914-1918, Gefreiter

Nr. 9, Gehring, August, Tischler, 1914 (gefallen), Reservist

Nr. 9b, Vossiek, Gustav, Fabrikarbeiter, 1914 (gefallen), Unteroffizier

Nr. 9b,  " , Eduard, Unteroffizier, 1914 (gefallen), Unteroffizier

Nr. 10, Börgelt, Hermann, Landwirt, 1915-1918, Pionier

Nr. 11, Schierenbeck, Wilhelm, Landwirt, 1917 (gefallen), Landsturm

Nr. 11,  " , Julius, 1914-1918 (gefallen), Unteroffizier

Nr. 11b, Zurmühlen, August, Fabrikarbeiter, 1914 (gefallen), Wehrmann

Nr. 11b,  " , Karl, Landwirt, 1914 (gefallen), Kanonier

Nr. 11b, Ewering, Peter, Zigarrenarbeiter, 1915-1916, Jäger

Nr. 12, Upmann, August, Landarbeiter, 1915-1919, Musketier

Nr. 13, Prange, Wilhelm, Landwirt, 1917-1919, Pionier

Nr. 13b, Brockmeyer, August, Fabrikarbeiter, 1914-1920, Wehrmann

Nr. 13b,  " , Wilhelm, Maschinist, 1914-1918, Kanonier

Nr. 13b, Vossiek, August, Zigarrenarbeiter, 1916-1918, Landsturm

Nr. 15, Raabe, Gustav, Lehrer, 1914-1918 (gefallen), Leutnant der Reserve

Nr. 16, Jödemann, Gustav, Landwirt, 1915-1919, Schütze

Nr. 17, Struck, Hermann, Landwirt, 1916-1918, Landsturm

Nr. 17b, Spilker, Gustav, Arbeiter, 1914-1918, Gefreiter

Nr. 18, Stürmann, Fritz (Vater), Landwirt, 1915-1918, Fahrer

Nr. 18,  " , Gustav (Sohn), Arbeiter, 1917-1919, Musketier

Nr. 20, Bußberg, Wilhelm, Landwirt, 1915-1918, Wehrmann

Nr. 21, Kipp, Wilhelm, Maurer, 1914-1915, Reservist

Nr. 21, Lotte, Gustav, Gärtner, 1916-1918, Musketier

Nr. 22, Struck, Wilhelm, Arbeiter, 1915-1918, Gefreiter

Nr. 24, Baumann, Heinrich, Landwirt, 1915-1918, Gefreiter

Nr. 25, Diekmann, Otto, Landarbeiter, 1918, Gardeulan

Nr. 26, Lutterkord, Hermann, Landwirt, 1915-1918, Kanonier

Nr. 27, Buschmann, August, Arbeiter, 1914-1915 (gefallen), Reservist

Nr. 28, Wulfmeier, Wilhelm, Landarbeiter, 1915-1920 Musketier

Nr. 29, Diembeck, Hermann, Landarbeiter, 1917-1919, Musketier

Nr. 30, Kranzmann, Heinrich, Postbote, 1916-1917, Musketier

Nr. 32, Rottmann, Wilhelm, Fabrikarbeiter, 1917-1918, Landsturm

Nr. 32, Speckmann, August, Heuerling, 1915-1918 (gefallen), Kanonier

Nr. 33, Abt, Karl, Landwirt, 1914-1918, Vizewachtmeister

Nr. 33,  " , August, Maschinist, 1915-1918, Gefreiter

Nr. 34, Hüttemann, August, Tischler, 1915-1918, Kanonier

Nr. 35, Wittenberg, Hermann, Landwirt, 1916-1918, Landsturm

Nr. 36, Honsel, Karl, Maurer, 1914-1915 (vermisst), Grenadier

Nr. 36,  " , Gustav, Hilfspostbote, 1918, Musketier

Nr. 37, Redeker, Heinrich, Kaufmann, 1914-1919, Unteroffizier

Nr. 37,  " , Gustav, Landwirt, 1916-1918, Landsturm

Nr. 37,  " , Wilhelm, Uhrmacher, 1914-1918, Musketier

Nr. 39, Krüger, Hermann, Wegewärter, 1915-1916 (gefallen), Landsturm

Nr. 40, Klausmeier, Wilhelm, Fleischer, 1917-1920, Musketier

Nr. 40,  ", Heinrich, Händler, 1918, Musketier

Nr. 41, Tubbesing, Heinrich, Gärtner, 1915-1918, Unteroffizier

Nr. 44, Paar, Heinrich, Wirt, 1914-1918, Sergeant

Nr. 45, Schack, Heinrich, Schuhmacher, 1916-1918, Musketier

Nr. 47, Klausmeier, Hermann, Arbeiter, 1917-1918, Landsturm

Nr. 48, Sudbrack, Heinrich, Landwirt, 1915-1918, Landsturm

Nr. 49, Uffmann, Hermann, Lehrer, 1914-1918, Leutnant der Reserve

Nr. 49, Stedtfeld, Hans, Lehrer, 1914-1918, Unteroffizier


Donnerstag, 25. Oktober 2018

Was wurde aus der Langen Straße 16 in Halle?

Die junge Dame hier auf diesem Foto wäre heute 100 Jahre alt geworden - herzlichen Glückwunsch!


Sie ist meine Oma mütterlicherseits, Martha Sickendiek, geborene Hauffe. Klar, als dieses Foto hier aufgenommen wurde, war sie noch weit davon entfernt. Das muss Anfang, vielleicht auch Frühe Mitte der 30er Jahre gewesen sein. Meine Großmutter wurde sie erst 1973. Ihren Ehering trage ich übrigens heute, und eingraviert sind die Hochzeitsdaten von uns beiden. Einen kleinen Teil von ihr habe ich also seit einiger Zeit ständig am Ringfinger. Nur, dass ich ihn mir den Ring doch etwas weiter machen lassen musste... 

Geboren wurde Martha am 25.10.1918 im Haus Lange Straße 16 hier in Halle (Westf.). Die Lange Straße ist heute als B 68 insbesondere im Berufsverkehr eine echte Geduldsprobe und fürchterliche Lärmquelle, zumindest solange, bis das letzte Teilstück der A 33 fertig ist und die Haller Innenstadt hoffentlich um einiges entlasten wird. Ich meide sie, so gut es geht, aber wirklich gut geht auch das nicht. 

Vor 100 Jahren war das noch ein bisschen anders. Damals kämpften sich keine Blechlawinen vor dem Haus in Richtung Nadelöhr am (seinerzeit noch Königlichen) Amtsgericht vorbei. Soviel kann ich zumindest sagen. 

Was ich dagegen nicht sagen kann: Ich habe keine Ahnung, wie das Haus ausgesehen hat, denn heute steht es nicht mehr. Ich meine zu wissen, dass sich die Hausnummern an der Langen Straßen seit 1918 nicht bzw. nur unwesentlich verändert haben, aber ich lasse mich da gerne eines Besseren belehren. Wenn ich Google Maps nach der Hausnummer 16 frage, dann lande ich genau auf der Kreuzung B 68, Oldendorfer Straße und Bismarckstraße. Die geraden Nummern der Langen Straße sind auf der Seite, von der die Bismarckstraße abgeht. Ich gehe deshalb davon aus, dass das Haus genau dort gestanden hat, wo heute das DRK in einem Neubau arbeitet. Kann das vielleicht jemand bestätigen, oder hat sogar noch jemand Fotos von dem alten Haus? 

Es ist schon merkwürdig, wie sich die Vergangenheit und Gegenwart manchmal vermischen. Im Moment läuft hier in Halle eine rege Diskussion darüber, was denn demnächst mit einigen alten Häusern an der Langen Straße passieren soll; von Abbruch ist - zumindest in der Gerüchteküche - die Rede. Ich fände das persönlich sehr schade, vor allem, wenn man bedenkt, dass es auf der Langen Straße demnächst ja hoffentlich wieder etwas ruhiger zugehen wird. Auch interessiert man sich auf einmal wieder dafür, wer denn alles früher in diesen Häusern gewohnt hat - das kann man inzwischen sogar im Haller Kreisblatt nachlesen. Andererseits gucke ich mir die Häuser an und denke, dass man sich da vielleicht auch früher hätte engagieren können oder müssen: So ganz toll scheint ihr Zustand nicht mehr zu sein, man müsste also einiges an Geld in die Hand nehmen, um wieder etwas aus ihnen zu machen. Unmöglich wäre das aber nicht. Fortschritt muss sein, klar, aber man muss auch nicht immer alles dem Straßenverkehr unterordnen. Was da gebraucht wird, ist ein Plan, und zwar ein guter. Was wollen wir für unsere Stadt? Haben wir hier nicht zu wenig bezahlbaren Wohnraum...?