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Die kleinste Schrift der Welt

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Das Standesamt Eschweiler war dann doch schneller, als ich zu hoffen gewagt hatte! Am Dienstag hatte ich das hier in der Post:    Allerdings ohne die Lochung; die stammt von mir. Ich konnte mich also doch schon vor Pfingsten auf die Suche nach den weiteren Vorfahren des Familienforschungsmuffels machen. Der guckte übrigens nur etwas verdattert auf die beiden Kopien und sagte:  "Ich sehe nur schräge Striche...!"   Er sieht Striche, ich sehe Möglichkeiten.   Zugegeben, die Schrift ist wirklich sehr klein, aber zum einen hilft das jahrelange Kurrent-Lesen, und zum anderen weiß man ja immer schon zumindest ungefähr, was in den  Lücken der Formulare stehen muss - eine Berufsbezeichnung, gefolgt von einem Namen, oder eine Zahl als Datumsangabe...  Das einzige Wort, bei dem ich etwas gekämpft habe, war der Geburtsname der Mutter der Braut. Kümmerling vielleicht?  Nein, nicht Kümmerling. Kämmerling . Da die Sterberegister von Dürwiß bei www.archive,...

Kopfwasser?

Ich hatte ja schon in der letzten Woche erwähnt, dass ich im Moment mal wieder an den Wertheraner Sterbeeinträgen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sitze und mich insbesondere mit Pastor Tzschabrans Schrift quäle. Ich bin auch immer noch nicht fertig damit.  Eine Todesursache ist mir dabei aufgefallen, weil sie mir ständig über den Weg läuft und ich ziemlich wenig damit anfangen kann.  Kopfwasser.   Am häufigsten waren kleine Kinder betroffen, und zwar Pi mal Daumen eins auf jeder Doppelseite im Kirchenbuch. Oft genug finde ich aber auch zwei oder drei "Kopfwasser-Einträge" hintereinander. Das erscheint mir doch ziemlich viel.  Aber was bitte schön soll "Kopfwasser" sein?   Dass es sich um eine Flüssigkeitsansammlung im Kopf handelte, die so auffällig gewesen sein muss, dass sie auch ohne die heutzutage relativ problemlos verfügbaren bildgebenden Verfahren diagnostiziert werden konnte, liegt auf der Hand. Dass der Schädel eines Kleinkindes noch weicher und ...

Zwei Pastoren und eine Diskussion

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Es ist Karfreitag , also habe ich mich aus gegebenem Anlass entschieden, heute nicht nur mittags Backfischstäbchen zu essen, sondern im Anschluss auch mal wieder mit den Wertheraner Kirchenbüchern zu arbeiten und ein paar Beerdigungen einzuarbeiten, Das erschien mir irgendwie passend. Das eine genauso wie das andere. Und ja, das war jetzt leicht ironisch gemeint. Ich bin hauptsächlich in den 1820ern und 1830 unterwegs, was ein bedeutet, dass ich es mit relativ lesbaren Aufzeichnungen zu tun habe, die aber trotzdem ihre Tücken haben.  Kirchenbücher wurden ja immer doppelt geführt - zur Sicherheit, man weiß ja nie. Werther hatte auch damals schon zwei Pfarrer, und die beiden Herren haben sich die Schreibarbeit geteilt. Dummerweise hatten sie auch unterschiedliche Angewohnheiten, was das Führen der Kirchenbücher angeht. Der eine war "textlastiger" und hatte eine Schrift, die man extrem gut lesen kann (Pastor Gieseler), der andere arbeitete in reiner Tabellenform und tendierte d...

Neue Digitalisate im Archivportal NRW

Es hat sich mal wieder etwas getan: Die Zivilstandsregister und diverse Zweitschriften der Kirchenbücher aus dem Regierungsbezirk Detmold/Minden sind jetzt vom Landesarchiv NRW, Abteilung Ostwestfalen-Lippe als Digitalisate veröffentlicht worden. Es handelt sich dabei um den Bestand P1 B-D . Die Kirchenbücher des Fürstentums Lippe fehlen zwar immer noch, aber dafür kann man sich auch diverse Belegakten angucken...  Wer weiß, vielleicht kann hier ja jemand einen toten Punkt überwinden...?  Hier ist der Link. 

Frollein Meiers toter Punkt

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Ich habe mal wieder in Burg bei Magdeburg gearbeitet. Also nicht in Burg selbst (obwohl ich es dort ja wirklich sehr schön fand), sondern in seinen Kirchenbüchern. Dieses Mal wollte ich bei Maria Sophia Besters anderer Großmutter noch ein Stückchen weiter kommen. Bislang wusste ich nur, dass sie eine geborene Maria Sophia Meier war, die den Bürger und Arbeitsmann Christian Lahne aus Burg geheiratet hatte und mit ihm mindestens sechs Kinder bekam, vier Töchter und einen Sohn.  Man könnte jetzt meinen, " Ausgerechnet eine Meier, davon muss es doch Hunderte gegeben haben ", aber das ist nicht mein Problem . Tatsächlich wäre man mit den Kirchenbüchern von Burg viel schneller durch, wenn nicht gefühlt ein Drittel der Menschen dort Schulze geheißen hätte... Ich habe nun Maria Sophias Sterbeeintrag gefunden, Nr. 78/1789 im Kirchenbuch von St. Nicolai . Ihr Alter ist mit 50 Jahren angegeben.  Gut, wir wissen alle, dass wir mit so runden Altersangaben immer ein bisschen vorsichtig ...

Wenn das Dorf brennt, dann sollte jemand die Kirchenbücher retten...

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Bei Ur-Opa Willys Teil der Familie bin ich auch wieder ein Stück weiter gekommen, um genauer zu sein, auf der Seite seiner Großmutter Maria Sophia (geb. am 29.11.1804), die eine geborene Bester aus Burg bei Magdeburg war. Maria Sophias Großmutter mütterlicherseits war eine gewisse Maria Catharina Meineke , die einen Johann Joachim Bester geheiratet hatte. Mehr wusste ich bis jetzt allerdings nicht über sie. Bis ich ihren Sterbeeintrag gefunden habe:  Hier ist sie, unter Nr. 56 im Kirchenbuch Unser Lieben Frauen in Burg, gefunden bei Archion.  Schön, dass der Pfarrer die Kinder so ausführlich mit in den Eintrag geschrieben hat, das freut die Forscherin. Fast (aber auch nur fast) hätte ich da vor lauter Kindern doch glatt ihren Geburtsort überlesen. Heißt das... Gerwisch?!   Ein kurzer Check bei google maps hat meine Lesart bestätigt. Das ist das Schöne, wenn man in den Kirchenbüchern der eigenen heimischen Gefilde unterwegs ist - man kennt die Namen. Von einer Stadt n...

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen

Manchmal sitze ich vor Kirchenbüchern und verstehe die Welt nicht mehr. Nehmen wir mal die Neuenkirchener Examplare in den 1760ern und 1770ern. Alles wunderbar zu lesen... wenn denn etwas da steht!  Wie kann man eine Taufe eintragen, samt Eltern und Paten, aber den Namen des Kindes weglassen? Und das kommt bei Weitem nicht nur einmal vor.  Wie kann man einfach nur hinschreiben, "2 Kinder aus Wismans Kotten"? Da kann man noch nichtmal sagen, zu welchen Familien die beiden gehörten. Das müssen noch nicht einmal Wismanns gewesen sein... Bei den Trauungen ein ähnliches Bild: Die Namen der Getrauten und das Datum. Mehr nicht. Kein Alter, keine Eltern, keine Angaben, ob es für eine(n) der beiden vielleicht schon die zweite Ehe war.  Bei den Sterbefällen: Kein Sterbedatum. Keine Namen der Ehegatten. Kein Wort über die Hinterbliebenen. Wäre ja auch zu hilfreich gewesen...  Da kann man teilweise nur nach dem Ausschlussprinzip arbeiten. Und das kann dauern. Wann läuft mein Ar...

Wie immer: Die Neuenkirchener Kirchenbücher machen es mir nicht leicht...

Archion hat aber auch ein Timing: Da warte ich seit geschlagenen 20 Jahren (ach Quatsch, länger!) darauf, dass sich jemand mal die Mühe macht, die Kirchenbücher von Neuenkirchen hochzuladen, und dann passiert es endlich, und kann ich mich sofort drüber hermachen? Nein! Das ist Ironie , oder? Zugegeben, der Grund dafür war ein guter: Der Familienforschungsmuffel hatte Geburtstag. Über den Tag verteilt hieß das Einkaufen, Essen in größeren Mengen zubereiten, zwischendurch ein bisschen arbeiten, und dann hatten wir auch quasi in Schichten unsere Lieblings-Verwandten und Freunde hier. Die Altersspanne reichte von zwölf Wochen bis 85 Jahren. Das sind so Tage, an denen die Forschung stumpf hinten anstehen muss. Irgendwann sind wir nur noch todmüde ins Bett gefallen. Das war Donnerstag .  Freitag war dann ein normaler Arbeitstag. Da bin ich immerhin dazu gekommen, ein paar Sterbeeinträge zu durchforsten, während im Hintergrund die Olympischen Spiele 2020 eröffnet wurden. Mit einer gewi...

Neues von der "Ersten Martha" und ihrem "Hypnotiseur"

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Langsam bekomme ich eine Ahnung, wer denn der geheimnisvolle "Hypnotiseur" sein könnte, mit dem Martha Ortmeier durchgebrannt sein könnte... und meine Zweifel an seiner "Berufsbezeichnung" haben sich als berechtigt herausgestellt.  Hier ist Marthas Heiratseintrag:  Am 25.08.1921 wurde aus Martha Ortmeier eine Martha Mandt .  Nach der Auskunft vom Stadtarchiv Halle (Westf.), dass Martha in Eitorf gestorben ist, habe das Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland, angemailt, ob man mir eine Kopie von Marthas Sterbeeintrag ziehen kann. Ja, man kann, sie sollte irgendwann nächste Woche kommen. Ich hatte in meiner Mail darum gebeten, mir auch eine Kopie eines eventuell vorhandenen Traueintrages zu ziehen, wenn sich denn aus einem Randvermerk Ort und Datum ergeben sollten. Auf diese Bitte bekam ich die Auskunft, dass ich mich doch bitte ans Stadtarchiv Bochum wenden möge, da Martha 1921 in Linden-Dahlhausen geheiratet hätte.  Erster Gedanke: " Noch ein Archiv... so lange...

Die Neuenkirchener Taufen sind online

  ... und ich hatte es noch nicht mal gemerkt!  Kann passieren.  Melle-Neuenkirchen ist ja so eine Dauerbaustelle bei mir. Es ist wirklich ironisch - ich wohne nur ungefähr 5 Kilometer von der Grenze nach Suttorf (das ja in den Neuenkirchener Kirchenbüchern zu finden ist) entfernt, und ich habe ja auch genug direkte Vorfahren, die im Kirchspiel Neuenkirchen gelebt haben, schon alleine, weil meine Urgroßmutter Lina Plessner , die Frau des hier schon öfter mal erwähnten August Gehring , aus Suttorf Nr. 20 kam.  Trotzdem ist es wie verhext. Klar, ich habe schon über den Neuenkirchener Kirchenbüchern gesessen, und zwar direkt in Neuenkirchen selbst. Aber dann kam immer irgendetwas dazwischen. Zeitmangel, Krankheit, Pandemie... das Leben halt. Und so gerne ich auch über Originalen brüte, ich habe schon so manches mal geflucht, dass die Kirchenbücher nicht im Netz zu finden sind.  Und dann läuft mir der Zufall über den Weg. In Form eines bloggenden Forscherkollegen n...

Aller guten Dinge sind drei...

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Probieren wir's doch mal aus:  1. Wir haben im Moment mehr Zeit zum Forschen - Corona sei Dank. 2. Archion hat bis zum 27. April die Preise gesenkt, weil Archion jetzt fünf Jahre online ist. (Meine Güte - echt schon?) 3. Bei Archion sind in der letzten Woche nicht nur Kirchenbücher aus Mecklenburg online gegangen, sondern auch aus OWL! (Leider nicht aus dem Kirchenkreis Halle, aber immerhin...) Wenn man das zusammennimmt, dann sind das schon gute Neuigkeiten. Und die können wir im Moment ja alle brauchen, oder? 

Peregrina sind keine Hobbits

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Um 1800 herum findet man in den Wertheraner Kirchenbüchern bei den Geburtseinträgen ab und an mal das Wörtchen "Peregrina", und zwar meist neben oder unter der Hausnummer. Das erste, was mir dabei in den Sinn kam, war zugegebenerweise der Hobbit ähnlichen Namens. Das zweite war Wikipedia, und Wikipedia erzählt mir, dass es sich bei einem "peregrinus" entweder um einen Wanderfalken mit einer Flügelspannweite von immerhin bis zu 114 Zentimetern handelt oder aber um einen "Fremden". "Peregrina" im Sinne des Wertheraner Kirchenbuchs sind also Leute, die sich nicht dauerhaft in Werther aufhielten. Ich habe schon mehrere Kinder gefunden, die "auf der Durchreise" geboren wurden, wobei man sich dann immer fragt, warum eine augenscheinlich hochschwangere Frau dann überhaupt unterwegs war und wohin. Es kann aber auch sein, dass jemand einfach nur auf Besuch bei Verwandten war, bei der eigenen Mutter zum Beispiel. Eben bei jemandem, den man...

Mitten in der Stadt war früher auf dem Land...

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Irgendwann fiel mir auf, dass sich Ende des 19. Jahrhunderts die Todesfälle in Arrode Nr. 13 nur so knubbelten. Kein Wunder, denn es handelte sich um das St. Jacobi-Stift , das sich ab 1875 vom "Pflegehaus" im Laufe der Jahre zu einem "richtigen Krankenhaus" entwickelte. Das war zu einer Zeit, als Krankenhäuser noch nicht wie reine Wirtschaftsunternehmen geführt werden mussten und man es noch wichtig fand, auch in einer Kleinstadt zumindest eine Primärversorgung vor Ort zu haben, die man sich heute nicht mehr leisten kann. Inzwischen ist das Krankenhaus schon längst wieder abgerissen und damit ein abgeschlossener Teil der Geschichte. Wer Bilder sehen will, der muss nur mal " Krankenhaus Werther " in die Google-Bilder-Suche eingeben. An seiner Stelle und Stätte findet man aber wieder ein Jacobistift - dieses Mal in Form eines Seniorenheims, unten an der Mühlenstraße. Was heute so selbstverständlich mitten in der Stadt liegt, war in früheren Zeiten tats...

Die Grobmotorikerin und ihre Probleme mit Archion

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Archion macht es einem ja manchmal nicht leicht... Wenn ich die (hauptsächlich ostwestfälischen) Kirchenbücher online lese, dann sitze ich meistens mit meinem Laptop abends in meinem Lieblingssessel. Ich gehöre ja noch zur arbeitenden Bevölkerung, also versuche ich, meinen Forschungsdrang wenigstens während meiner Bürozeiten zu zähmen, obwohl ich dann mit einem größeren Bildschirm arbeiten könnte. Ist nicht immer einfach... Meistens schaffe ich es aber doch, und dann kann ich ohne Probleme stundenlang Kirchenbücher durchforsten. Meine Geduld dabei ist in den letzten Jahren ständig gewachsen... Ebenjene Geduld wird aber manchmal doch auf eine harte Probe gestellt: Immer dann, wenn ich meinen Finger beim Hin- und Hergucken auch nur eine Zehntelsekunde zu lange auf dem Touchpad lasse, dann meint der Viewer, nun die eingestellte Größe verändern zu müssen. Da muss dann die Kirchenbuchseite wieder neu geladen und fokussiert werden... und es kommt einem so vor, als würde das eine kl...

Die Verkartung der Haller Kirchenbücher

Ich weiß noch, als ich damals (das muss 1996 oder 1997 gewesen sein) das allererste Mal in Bielefeld im Landeskirchlichen Archiv der Evangelischen Kirche von Westfalen saß und über einem Kirchenbuch brütete: Ich war ziemlich erschlagen. Bei vielen Wörtern, die ich zu lesen versuchte, war ich einfach mit der Schrift überfordert. Mit der Zeit besserte sich das ungemein. Trotzdem war ich heilfroh zu entdecken, dass es zumindest für Halle (Westf.) eine wunderbare Verkartung im Bielefelder Archiv gibt. Ich habe zwar keine Ahnung, wer sich diese ganze Mühe gemacht und jeden einzelnen Eintrag aus den Haller Kirchenbüchern auf jeweils eine eigene Karteikarte übertragen hat (zumindest von den Anfängen der Kirchenbücher um 1650 bis knapp 1880), aber ich werde diesem Menschen wahrscheinlich für immer dankbar sein, dass er mir so viele Stunden erspart und mir die Erfolgserlebnisse verschafft hat, die ich brauchte.  Um sich das einmal vorzustellen: Wir reden hier von einem guten Dutzen...

Pater ipse?

Ich stolpere immer wieder über Taufen, bei denen als Pate "pater ipse" angegeben ist.  Viereinhalb Jahre (also eine gefühlte Ewigkeit) Schullatein reichen bei mir noch aus, um diese beiden Wörtchen mit " der Vater selbst " zu übersetzen. Woraus ich aber nicht schlau werde ich die Frage, warum man bei seinem eigenen Kind den Paten geben sollte. Und nur, um es einmal klarzustellen: Wir reden hier nicht von Nottaufen, bei denen auf die Schnelle keiner aufzutreiben war, der als Pate hätte herhalten können, sondern von ganz "normalen" Taufen. Was war der Sinn der Patenschaft? Dafür zu sorgen, dass das Kind auch ja im christlichen Glauben erzogen wurde? Dafür hatte man als Elternteil ja sowieso schon Sorge zu tragen, oder? Die soziale Komponente, wenn man möglichst angesehene Paten für das Kind fand? Oder einfach nur die Bezeugung, dass die Taufe als solche stattgefunden hat? Das wiederum hätte aber ja auch der Pfarrer bestätigen können, der die Taufe ja sc...

Die Sache mit den Impflisten

Kirchenbücher dienten augenscheinlich nicht nur dazu, die Taufen der jeweiligen Sprösslinge zu dokumentieren. Sie wurden, wenn auch eher "nebenbei", auch zu anderen eher verwaltungstechnischen Dingen genutzt, denn ansonsten würde sich wohl kaum erklären lassen, weshalb ich öfter mal den Vermerk  "Impfliste bis hier"  am Rand finde. Nun meine Frage: Ist hier jemand, der mir sagen kann, worauf sich diese Einträge beziehen? Gegen was wurde geimpft? Im Moment bin ich in den 1830er Jahren unterwegs, und dort wimmelt es nur so von diesen Impflisten-Einträgen. Ich habe eher den Eindruck, dass diese Impfaktionen nicht sonderlich anschlugen, weil die Kinder immer noch an allen möglichen Krankheiten starben, bei denen man heute stumpf Antibiotika verabreicht, wenn sie denn doch mal auftreten. Auch sonst kamen die größeren Entwicklungen in der Medizin doch eher in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, oder? Falls sich hier also jemand mit Medizingeschichte auskennt... ...

"Mischehen" zwischen Katholiken und Protestanten im Altkreis Halle: Wenn die Kirche sich einmischte

Der Altkreis Halle (mit Halle, Werther, Versmold, Borgholzhausen und Steinhagen) war nicht gerade eine katholische Hochburg. Im Gegenteil - im Grunde konnte man die katholischen Familien in den Städten an einer Hand abzählen, und bis zum 19. Jahrhundert tauchen immer wieder dieselben Namen auf. Man findet sie alle im Kirchenbuch von Stockkämpen. Ehepartner waren also Mangelware, zumindest, wenn sie auch katholisch sein sollten. Das führte dann auch dazu, dass die Zahl der "Mischehen" immer weiter zunahm. Viele Ehepartner werden dann als "acath." ("acatholicus" bzw. "acatholica") oder als "luth." im Kirchenbuch erwähnt. Phasenweise kommt in fast jedem zweiten Eintrag ein "acath." vor, auch bei den Taufpaten der Kinder. Die katholische Kirche mischte sich dann auch in die Eheschließung selbst ein: Wo sollte man sich trauen lassen, in Stockkämpen oder in der protestantischen Kirche? Überflüssig zu sagen, dass die katholische Ki...

Der kleine Unterschied - Sütterlin und Kurrentschrift

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Wissen Sie, was mich wahnsinnig macht? Die Tatsache, dass mir viele Leute erklären, dass sie ja gerne nach ihrer eigenen Familie forschen würden, wenn sie denn nur Sütterlin lesen könnten. Dumm nur, dass man mit Sütterlin auch nicht viel weiter kommt, weil sie im Grunde nur eine Generation lang geschrieben wurde: Ab 1915 wurde sie in Preußen eingeführt, und 1941 schon wieder verboten. Danach kam die "Deutsche Normalschrift". Die Schrift, die man am allermeisten braucht, ist deshalb die Kurrentschrift , die Vorläuferin der Sütterlinschrift. Die beiden sind sich zwar ähnlich, trotzdem gibt es einige Unterschiede: Sütterlin wird gerade geschrieben, Kurrent eher schräg. Ich persönlich finde Kurrent auch einfacher, weil es nicht ganz so verspielt und verschnörkelt ist. Bei Sütterlin habe ich immer eher das Gefühl, dass man es malen muss, anstatt es tatsächlich zu schreiben. Die gute Nachricht ist, dass man es im Zweifel aber gar nicht schreiben können muss, sondern "nur...

Eins nach dem anderen... oder doch lieber alle zusammen?

Auf die Ostwestfalen ist Verlass, jedenfalls dann, wenn es um die Taufen ihrer Kinder ging. Die Taufe fand immer ziemlich schnell nach der Geburt statt, sei es als Nottaufe, sei es in der regulären Weise oft schon am nächsten Sonntag oder spätestens ein paar Wochen später, wenn die Paten weiter weg wohnten als im nächsten Dorf, was eher bei den Kaufmannsfamilien der Fall war als bei den gemeinen Heuerlingen. Das habe ich auch schon anders gesehen: Man muss nur einen Blick auf die Kirchenbücher aus dem Ruhrpott werfen, und auch in manchen Gegenden in Sachsen-Anhalt ist mir schon die Variante über den Weg gelaufen, dass die Familien erst einmal ein paar Kinder "ansammelten" und sie dann an einem einzigen Tag haben taufen lassen . Da konnte ein Kind auch schon mal sechs Jahre alt sein, bevor es in einem Kirchenbuch auftauchte, dann aber zusammen mit seinen nach ihm zur Welt gekommenen Geschwistern. Manchmal mit einem, manchmal auch mit drei oder vier. Für den Famlienforscher he...