Posts

Posts mit dem Label "20. Jahrhundert" werden angezeigt.

Kurz und knapp und ohne Gedöns

Bild
Wenn man ein eigenes Geschäft hat, dann muss man dafür sorgen, dass die Leute auch wissen, dass man etwas zu bieten und zu verkaufen hat. Das war vor 100 Jahren nicht anders als heute, wenn sich vielleicht auch der Stil ein wenig geändert hat...  Diese Anzeige hier hat mein Uropa Schwentker in der Festschrift zum 25. Bestehen des Turnvereins Werther geschaltet:  Einfach und auf den Punkt. Der Ostwestfale macht keine unnötigen Worte. Etwas erstaunt bin ich allerdings, dass keine Adresse dabei steht. Aber andererseits... so groß war Werther nun auch nicht. Wer etwas brauchte, der wusste, wo sie Uropa (und Opa) und "sämtliche Baumaterialien" finden konnten. Da konnte man sich die "Engerstraße 25" auch sparen...  

Geburt in der Wohnung der Hebamme?

Bild
Der Familienforschungsmuffel hat heute unsere Post entgegen genommen. Er war gerade zufällig draußen und stand mit einem Freund vor dessen (ehemaligem) gelben (Post-)Bulli, als der aktuelle Postbulli auf den Hof gefahren kam. Ja, unser Postbote war etwas irritiert...  Minuten später stand der Familienforschungsmuffel dann auch grinsend vor mir:  "Post vom Standesamt Aachen!" Er weiß ja genau, was mich triggert...  In der festen Überzeugung, dass das erstmal nur wieder der Gebührenbescheid sein konnte, schnappte ich mir also den Brieföffner (ja, ich habe tatsächlich noch so ein Gerät) und war baff erstaunt, als mir das hier quasi entgegen fiel:  Der Geburtseintrag von Friedrich Wilhelm Schwartz , dem Großvater mütterlicherseits des Familienforschungsmuffels. Geboren am 10.11.1916 in Aachen.  Wilhelms Vater war, wie ich wegen der Einträge in den einschlägigen Adressbüchern schon vermutet hatte, auch ein Wilhelm. Grubenarbeiter, wundert mich nicht. Auch Wilhelm wa...

Hermann Peter Heinrich Schwentker (1908-1966)

Bild
Heute vor genau 55 Jahren, ist mein "anderer" Großvater gestorben, Hermann Peter Heinrich Schwentker . Mein "anderer" Großvater deshalb, weil ich ihn nie kennengelernt habe. Hätte ich aber gerne, denn irgendwie habe ich Probleme, mir eine Vorstellung von ihm zu machen. Hermann war am 15. Februar 1908 in Werther Nr. 203 geboren worden, als Sohn des Maurermeisters Hermann Heinrich Schwentker und dessen Frau Marie Elisabeth Heidemann . Er war das dritte Kind der beiden und ihr einziger Sohn, also war schon früh vorprogrammiert, dass er einmal das Baugeschäft an der Engerstraße weiterführen sollte. Bis er das alleinige Sagen hatte, musste er allerdings noch bis zum Tod seines alten Herrn im Jahr 1957 warten, denn Uropa Hermann ging auch im hohen Alter abends immer noch durch sämtliche Räumlichkeiten, um zu gucken, dass ja auch alle Lichter aus waren.  Das hier ist eindeutig mein Lieblingsfoto von ihm, weil er da so dynamisch rüberkommt. Und diese Haare! Ich weiß nicht...

Das Berufsrisiko des Hufschmieds

Bild
An  Wilhelms Geburtstag kann ich einfach nicht anders; ich musste dieses Foto einfach nochmal posten. Nicht nur, weil mein Opa hier so lässig auf der Maschine sitzt, sondern auch, weil es eine Geschichte gibt, die in dieses Foto hereinspielt.   Wenn man genauer hinguckt, dann kann man erkennen, dass Wilhelms untere Gesichtspartie doch ein wenig angespannt aussieht, während der Rest von ihm doch ziemlich entspannt wirkt. Das lag an einem Arbeitsunfall... Wilhelm hatte nach der Volksschule den Beruf des Schmiedes gelernt. Das passt auch zu ihm, vor allem, dass er auch als Hufschmied arbeiten konnte. Dass er Pferde (in seinem Duktus: Gäule) mochte, weiß ich noch aus meiner eigenen Erinnerung. Kurz bevor dieses Foto entstanden ist, hat sich einer dieser Gäule aber beim Beschlagen nicht ganz so kooperativ verhalten, wie Wilhelm es sich gewünscht hätte, im Gegenteil: Voll erwischt. Es ist leider nicht überliefert, wo genau sich diese Geschichte abgespielt hat. Ich kann mir auch nu...

Schwiegermuttergift (Sterben in den 1950ern, Teil 2)

Bild
Für den geneigten Familienforscher ist es ja hilfreich, dass in den 1950ern durchgängig die Todesursachen (samt eventueller Nebendiagnosen) angegeben wurden. Außerdem kann man gleichzeitig noch seine Kenntnisse in Chemie, Medizin- und Kriminalgeschichte erweitern.  Bei diversen Todesfällen fiel mir die Bezeichnung "E 605" auf. Mein Hirn, das sich im Grunde noch immer gegen jegliches Begreifen naturwissenschaftlicher Vorgänge sperrt ( nach dem Motto, "ich weiß, dass Schwerkraft existiert, ich muss sie nicht auch noch erklären können" ) führte mich zunächst auf die falsche Spur. Mit E-Nummern, die wir heute als "Lebensmittelzusatzstoffe" kennen, hatte E 605 nämlich nur sehr periphär etwas zu tun, und dann auch noch in einem anderen Sinn.  E 605 ist ein anderer Name für Parathion , ein hochwirksames Insektizid .  Das bedeutet, dass man Pflanzen damit behandeln kann, ohne dass sie absterben; die Insekten, die man loswerden will, bezahlen diese Aktion allerdi...

Wenn Sterbeeinträge aufs Gemüt schlagen (Sterben in den 1950ern, Teil 1)

Wenn ich mir Sterbeeinträge aus den 1950ern vornehme, dann merke ich richtig, dass mir das auf die Stimmung schlägt. Nicht nur, weil ich ständig neue Dateien anlegen muss, weil seit 1945 einfach viele neue Familien (oder das, was noch von ihnen übrig geblieben ist) in Werther aufgetaucht sind, sondern wegen der Todesursachen .  Ich meine dabei noch nicht einmal die derjenigen, die im Krieg geblieben sind, auf dem "Rücktransport von der Krim in die Heimat" verstorben oder in irgendeinem russischen Lager an Unterernährung verreckt sind. So schlimm das alles auch ist ( und das ist es ) , das waren eben die Folgen des Krieges ( ob die Menschheit daraus was gelernt hat, wird sich zeigen ). Ich bin 1973 geboren und damit in einer Zeit aufgewachsen, als die Spuren des Zweiten Krieges in meinem direkten Umfeld nicht mehr offensichtlich waren, zumindest für mich als Kind nicht. Jemand, der zum Beispiel in Berlin oder Dresden aufgewachsen ist, könnte das durchaus anders sehen. Diese T...

Cefrisch bei Tante Erna

Bild
Ich kann mich noch erinnern, dass meine Mutter mich Ende der 1970er ab und zu mal mitgenommen hat zu einem Besuch bei einer alten Dame (für mich waren damals alle über 35 "alt") in der Ziegelstraße in Werther. Diese "alte Dame" kannte ich als " Tante Erna ". Die Ziegelstraße war nicht weit von uns, Luftlinie vielleicht 150 Meter.  Worüber sich meine Mutter und Tante Erna unterhielten, interessierte mich damals eigentlich nicht besonders. Kein Wunder, ich war damals so zwischen 4 und 6, und "Erwachsenenkram" findet man in dem Alter ja einfach nur langweilig. Ich freute mich immer, dass es bei Tante Erna Cefrisch gab, denn zu Hause hatten wir es nicht. Kennt jemand noch Cefrisch?  gefunden bei www.erinnerstdudich.de Man rührte Pulver in ein Glas Wasser und hatte dann etwas, das Orangensaft entfernt ähnelte. Je nach Konzentration nur viel süßer. Oder man ließ das Wasser weg und schleckte einfach nur das Pulver von einem Löffel...  An den Geschmac...

Bauer oder Landwirt?

Als jemand, der nicht auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, stellt sich mir die Frage, ob diese beiden Begriffe deckungsgleich sind. Je mehr ich in den Sterbeeinträgen des 20. Jahrhunderts unterwegs bin, desto stärker hege ich den Verdacht, dass dem nicht so ist und mehr dahintersteckt.  Ich habe also mal in meinem Umkreis rumgefragt. Und siehe da, so richtig sicher war sich da auch keiner. Es gab aber verschiedene Theorien, die ich jetzt einfach mal in den Raum stelle, ohne sie zu kommentieren:  1. "Bauern waren eher "konservativ und national" eingestellt, Landwirte schon fortschrittlicher."  2. "Bauern haben den Beruf von klein auf gelernt, Landwirte an irgendeiner Institution, Landwirtschaftsschule oder so. Und Landwirte legten mehr Wert auf den wirtschaftlichen Aspekt."  3. "Kann es sein, dass Bauern generell mehr Tierzucht betrieben und Landwirte mehr Ackerbau? So wie Rancher und Farmer im Englischen?"  4. "Bauer war der Oberbegriff, ab...

Werthers Kinder: Das Geburtsregister des Jahres 1910

Ich hatte mal wieder Lust auf ein bisschen Statistik. Und weil ich es ja nun geschafft habe, mir den Jahrgang 1910 aus dem Wertheraner Stadtarchiv zu ziehen, lag es nahe, meine Statistikspielereien aus den letzten Jahren fortzusetzen. Hier ist das Ergebnis:  Es wurden insgesamt 143 im Geburtsregister eingetragen, 75 Jungen und 68 Mädchen. Ich habe das jetzt extra so formuliert, weil mir am Ende des Jares aufgefallen war, dass keine Totgeburten dabei waren, so dass ich noch einmal mit dem Sterberegister gegengecheckt habe, ob tatsächlich alle Kinder lebend zur Welt gekommen waren. Und siehe da - doch, es hat Totgeburten gegeben, nämlich 5, drei Jungen und zwei Mädchen. Die müsste man also eigentlich noch dazurechnen. Außerdem fand die letzte Geburt, die eingetragen wurde, schon am 19. Dezember statt, so dass ich fast vermute, dass da noch ein paar Kinder dazu gekommen sind, die ich dann aber erst nächstes Jahr im Register für 1911 finden werde.  6 Kinder wurden unehelich gebor...

Die Kinder, die im luftleeren Raum schweben

Bild
So nenne ich für mich die Kinder, die in den 1920ern gestorben sind und die ich ihren Familien - noch - nicht zuordnen kann, weil man aus irgendeinem Grunde dazu übergegangen ist, bei Minderjährigen die Eltern nicht mit einzutragen(!). Und das im 20. Jahrhundert!  Irgendwie hat sich diese etwas umständliche Bezeichnung in meinem Kopf festgesetzt ; ich kann gar nicht genauer erklären, warum. Denn sie schweben ja tatsächlich nicht im luftleeren Raum, sondern als Einzelpersonen durch Werthers Gedächtnis .  Noch.   Aber das soll sich in den nächsten Wochen ändern, jedenfalls bei den meisten.  Wegen des Datenschutzes komme ich ja nun noch nicht an die Geburtseinträge heran. Bis die freigegeben werden, können noch gut und gerne 20 Jahre ins Land ziehen. Solange will ich aber eigentlich nicht warten...  Ich muss also einen Umweg nehmen, und zwar über die Traueinträge .  Traueinträge einarbeiten dauert immer eine gefühlte Ewigkeit: Die Familie neu anlegen, wenn ic...

Die Ungeduld hatte ein Ende

Bild
Manchmal kommt mir dieser Spruch in den Sinn, "Patience is such a waste of time" - "Geduld ist eine solche Zeitverschwendung". Ungeduldig werde ich meistens aber nur, wenn es um Genealogie geht. Und den Ablauf von Sperrfristen.  Ich konnte mir jetzt endlich im Stadtarchiv Werther die Geburten von 1910 ziehen (die ja am 01.01.21 in ihrer Gesamtheit frei geworden sind). Pandemiebedingt musste ich da ja ein bisschen länger warten, als mir lieb war. Ach, war schon schön, wieder im Herrenhaus zu sein... ;-) 

Die Ortmeyers

Es wird Zeit, dass ich mich wieder einmal den Ortmeyers zuwende.  Der Sterbeeintrag meiner Ur-Urgroßmutter Franziska Wilhelmine (genannt Minna) Ortmeyer (geb. Torweihe) im Haller Kirchenbuch von 1930 ist schon etwas besonders, jedenfalls wenn man sich anguckt, was denn bei den Hinterbliebenen steht:  12 Kinder.   Das sind auch alle, die sie hatte - jedenfalls soweit ich weiß.  Im einzelnen waren das Catharine Wilhelmine Martha , geb. am 27.11.1892 Caroline Wilhelmine , geb. am 14.06.1895 Heinrich August , geb. am 09.12.1896 Luise Catharine , geb. am 12.11.1898 Karl Wilhelm , geb. am 27.01.1900 Emma Catharine , geb. am 31.03.1901 Wilhelm August , geb. am 18.07.1902 Catharine Wilhelmine Ella , geb. am 09.02.1904 Friedrich Wilhelm , geb. am 24.05.1906 Heinrich August Erich , geb. am 03.08.1907  Paul Friedrich Wilhelm , geb. am 30.04.1909 und  Friedrich Emil Otto , geb. am 09.03.1911.  Alle wurden im selben Haus geboren, nämlich in der Steinhauser Arrode ...

Eine Heiratsurkunde als Pandemie-Trostpflaster

Bild
Langsam komme ich in die Phase, in der mir die Pandemie auf die Nerven geht. Bis jetzt hatte ich eigentlich das Gefühl, ziemlich gut durchgehalten zu haben. Arbeiten aus dem Homeoffice? Mache ich eh seit 10 Jahren. Homeschooling? Fällt flach, wir haben Schildkröten. Ausgedehnte Shoppingtrips? Waren auch "vorher" nur die Ausnahme.  Was mir langsam fehlt, ist der Austausch mit den Forscherkollegen. Und die Besuche in den Archiven!  Wären dies "normale" Zeiten, denn hätte ich schon längst die Geburten des Jahres 1910 gepinnt und in Werthers Gedächtnis eingearbeitet. Wahrscheinlich würde ich jetzt über den Trauungen von 1940 sitzen und dabei den Ehemännern die Daumen drücken, dass sie aus diesem Scheiß-Krieg heile zurückkommen (was leider oft genug nicht der Fall war, die Randvermerke sprechen da eine deutliche Sprache).  Aber nein, ich sitze hier und warte, bis der Lockdown mich wieder in der Teeküche des Herrenhauses in Werther arbeiten lässt. Grmpf. Ich kann's j...

Hilfe aus dem Homeoffice: Die "kleine Fingerübung"

Wir sind nach Sturmtief Tristan immer noch ziemlich eingeschneit hier. Der Blick aus meinem Fenster auf den inzwischen in der Sonne glitzernden Schnee ist als Ausgleich dafür zwar traumhaft, aber ich kann ja nicht den ganzen Tag am Schreibtisch verdösen, oder?  Aus einer Spontanlaune hinaus habe ich beschlossen, mich der Schulte-Sippe aus dem Emsland zu widmen. Um das hier einmal einzuordnen: Die Großmutter meines Mannes war Maria Gesina Schulte . Ich wusste bislang nur, dass sie 1907 geboren war, aber der Geburtsort fehlte mir genauso wie die notwendige Information, wer denn ihre Eltern waren. Und wer schon mal im Emsland geforscht hat, der weiß, dass gefühlt drei Schulte-Kinder auf jeder Seite des Taufregisters stehen... außerdem sieht matricula-online.eu die Sache mit den Sperrfristen sehr, sehr eng: Für Taufen haben sie 120 Jahre angesetzt, und für Trauungen und sogar Sterbefälle glatt 100 Jahre. Ich persönlich finde das ein bisschen übertrieben, aber so isses nunmal. Ich bin...

Der Beleg, dass man sich über Rechnungen auch freuen kann

Bild
In Werther scheint es sich inzwischen herumgesprochen zu haben, dass ich da so ein gewisses Faible für Familienforschung habe. Ab und an passiert es dann, dass jemand zu meiner Sammlung das eine oder andere Fundstück beitragen kann.  Letzte Woche war das der Fall. Ich bekam ausnahmsweise mal zwei Rechnungen, über die ich mich wirklich von ganzem Herzen gefreut habe. Nicht nur, weil ich sie nicht selbst bezahlen muss, sondern auch, weil ich allen Ernstes zum ersten Mal die Unterschrift meines Großvaters Hermann Schwentker gesehen habe (jedenfalls, soweit ich mich erinnern kann).  Die erste dieser beiden Rechnungen bringt uns zurück ins Jahr 1953. Damals gab es zwei Hermann Schwentkers , Vater und Sohn. Der eine, Hermann Heinrich , war mein Urgroßvater, und der andere, Hermann Peter Heinrich , war mein Großvater. 1953 lebte Uropa noch (er starb erst vier Jahre später, 1957), aber das Tagesgeschäft führte Grunde Opa Schwentker. Ich weiß gar nicht, ob die Firma zu Uropas Lebzei...

Werther, im November 1938

Bild
Mit dem 9. November tue ich mich immer ein bisschen schwer , und erst recht mit dieser Bezeichnung "Schicksalstag der Deutschen". Das klingt so fatalistisch, als käme man nicht gegen aktuelle Geschehnisse an und könne nichts selbst beeinflussen, was ich einfach nicht glauben kann und will. Dass sich einzelne Ereignisse just an diesem Tag im Kalender so kumulieren, halte ich für einen ziemlichen Zufall, wenn man mal die Verbindung zwischen gescheitertem Putsch in München und der Pogromnacht rausnimmt. Dass die Mauer ausgerechnet am 9. November fiel, hat damit jedenfalls datumsmäßig ziemlich wenig zu tun.  Ich kann mich noch an einen 9. November erinnern, an dem ich (damals noch als Teenager zu CVJM-Zeiten, also wirklich lange her) bei der Mahnwache auf dem Jüdischen Friedhof oben an der Egge war. Zu meiner eigenen Schande muss ich gestehen, dass ich den Friedhof seitdem nicht mehr betreten habe. Ich war auch noch nie auf dem jüdischen Friedhof hier in Halle (Westf.). Ich rede ...

Die A.-H.-Straße ... und mein Widerwille

Bild
Das ist der Haken, wenn man in den 30er und 40er Jahren des letzten Jahrhunderts unterwegs ist - man stolpert über unschön veränderte Straßennamen. Da wurde in Werther zum Beispiel aus der Bielefelder Straße die A.-H.-Straße, benannt nach der Person, die sich seinerzeit als "Führer" feiern ließ, in Wirklichkeit aber nichts anderes war als ein Verbrecher. Die Schloßstraße wurde nach dem Medikamentenabhängigen mit den Fantasieuniformen benannt, warum auch immer.  Die (Alte) Bielefelder Straße (Quelle: www.geschichtsportal-werther.de ) Und nun sitze ich hier und frage mich, wie ich das in Werthers Gedächtnis verarbeiten soll, denn nach den "dunklen Zeiten" wurden die betreffenden Straßen ja ziemlich schnell wieder in ihre ursprünglichen Namen unbenannt. Komplett ignorieren kann ich diese zwölf Jahre aber nun auch nicht; zumindest habe ich das Gefühl, dass das der Geschichte nicht gerecht werden würde. Ich denke mal, dass ich den eigentlichen (= ursprünglichen und dann...

Von Forschern und Buchhaltern

Bild
Eine Freundin von mir ist Buchhalterin und, soweit ich das mit meinen bescheidenen Buchhaltungskenntnissen beurteilen kann, eine gute. Ab und zu lädt sie ihren Frust bei mir ab, wenn ihre lieben Kollegen mal wieder Buchungen auf Konten gezaubert haben, die da eigentlich so nicht hingehören. Irgendwann fällt immer ein bestimmter Satz:  "Ich hab' halt gerne meine Konten schön."   Ich kann's verstehen, denn im Grunde geht es mir mit Stammbäumen genauso.  Mich nerven keine falschen Buchungen, aber lose Enden. Ich weiß, dass viele Forscher beim Gedanken an die letzten 120 Jahre abfällig grinsen, weil sie Forschung eigentlich erst ab dem 18. Jahrhundert rückwärts so richtig Ernst nehmen, aber ich finde das verfehlt. Wir haben alle Familien, bei denen diverse Leute im 19. Jahrhundert geboren und im 20. Jahrhundert gestorben sind - alleine bei mir im Stammbaum sind das ein paar Hundert Leute. Aber es kann halt gut sein, dass jemand, der 1860 geboren wurde, noch gelebt hat, al...

Werther 203 und seine rätselhaften Bewohner

Bild
 Falls sich jemand fragt, warum meine E-Mail-Adresse ausgerechnet "werther203"[at]gmx.de ist - hier ist des Rätsels Lösung. Das hier ist das "Original" - Werther Nr. 203:  Für die alten Wertheraner: Es ist das Haus zwischen Delius und dem Kippskrug. Heute Engerstr. 57. Das alte Delius-Gebäude, in dem heute die Kartbahn ist, kann man am linken Bildrand noch erkennen.  Ja, das Haus hat sich verändert. Heute ist es rot verklinkert und kaum noch wiederzuerkennen, aber die alte Substanz ist noch da. Das kommt davon, wenn man Maurermeister als Vorfahren hat - die bauen auch schon mal das eigene Haus um , modernisieren und erweitern es. Der Eingang zum Beispiel ist heute auf der Rückseite des Hauses, weg von der Straße. Trotzdem kann ich einiges wiedererkennen. Wo das Fenster unten links ist, hatte ich früher mein Kinderzimmer. Als es im Kippskrug 1985 wieder einmal brannte, hat die Feuerwehr den Hydranten direkt vor meinem Fenster angezapft - und ich habe es glatt verschl...

Der Soldatenfriedhof von Cambrai (Frankreich, Teil 1)

Bild
Im letzten Jahr hatte ich mir ja für Werthers Gedächtnis die Sterberegister aus dem Ersten Weltkrieg vorgenommen. Diese ganzen Ortsnamen, die einem auf Anhieb nicht allzu viel sagen. Valenciennes, Cambrai, Amiens, ...  Wenn man von OWL aus startet, dann kommt man über Köln und Belgien in unser Nachbarland hinein, und nicht allzu weit hinter der belgisch-französischen Grenze liegen Valenciennes und Cambrai dann an der (französischen) A2. Bis jetzt waren wir auf dem Weg nach Paris nur daran vorbeigefahren, aber dieses Jahr haben wir auch angehalten: An der Route de Solesmes in Cambrai.  Einen richtigen Parkplatz gibt es zwar nicht, aber am Straßenrand ist genug Platz - zumal wir an diesem warmen Sommerabend die einzigen Besucher auf dem ganzen Gelände waren.  Die Jahreszahlen täuschen ein bisschen, denn tatsächlich wurde der Friedhof von den deutschen Besatzern erst im März 1917 eingerichtet - der alte Friedhof Porte de Paris in der Stadt Cambrai reichte einfach nicht mehr...