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Sterben ist teuer

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Gut, das war jetzt etwas überspitzt formuliert. Also anders: Der Tod ist zwar umsonst, aber die Beerdigung kostet. Das hat sich in den letzten Jahrhunderten auch nicht geändert. Wenn ich im Kirchenbuch also den Vermerk finde, dass jemand " gratis " beigesetzt wurde, dann wird das schon seinen Grund haben. Wie arm aber musste man sein, dass man die Beerdigung umsonst bekam? Musste es zum Beispiel erst soweit gekommen sein, dass die Familie am Hungertuch nagte? Welche Maßstäbe galten, und wer entschied darüber, der Provisor? Gab es allgemeingültige Richtlinien? Wenn jemand Informationen zu dem Thema hat - mir würden sie weiterhelfen.

Scheintot

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Am 10. September 1854 wurde in Rotingdorf 9 im Kirchspiel Werther ein Junge namens Hermann Heinrich Obertubbesing geboren. Seine Eltern waren der Colon Zacharias Stieghorst gen. Obertubbesing und dessen Ehefrau Anne Marie geb. Stock . Bei Hermann Heinrichs Taufeintrag fand ich die folgende Bemerkung: Hermann Heinrich wurde " scheintod " geboren! Irgendwann muss man aber doch gemerkt haben, dass Hermann Heinrich tatsächlich am Leben war, denn noch am selben Tag erhielt er die Nottaufe durch die Hebamme Aufderheide; sein Pate war der eigene Vater. Ich kann mir nur ansatzweise vorstellen, welche Achterbahn der Gefühle die Eltern an diesem Tag durchlaufen haben dürften: Zuerst die anstrengende Geburt selbst, mit der Erkenntnis, dass das Kind tot zur Welt gekommen sei, dann die Freude (und vielleicht auch der Schreck?), als sich der totgeglaubte Winzling doch noch regte, und die leise Hoffnung, dass er es vielleicht doch noch schaffen würde... Nein, Hermann Heinric...

Mit vertrauteren Augen

Wenn ich mir die Kirchenbücher im allgemeinen und meine Familiengeschichte im speziellen so angucke, dann frage ich mich immer wieder, wie meine Vorfahren mit den ganzen Todesfällen klargekommen sind, ohne dabei den Verstand zu verlieren. Durch Kriege und vor allem auch Krankheiten wurden manche Generationen quasi halbiert. Wie kann man weitermachen, wenn einem innerhalb von fünf Tagen drei Kinder an der Ruhr wegsterben?  In einer Biografie über die Familie Bronte (im Sinne von Emily Bronte, die mit der "Sturmhöhe" und den beiden Punkten über dem "e", die ich aber gerade nicht finde) habe ich eine interessante Formulierung gefunden: "Der Tod war zu allen Zeiten ein schmerzlicher und erschütternder Einschnitt im Leben einer Familie. Die hohe Kindersterblichkeit zu Beginn des 19. Jahrhunderts führte vielleicht dazu, dass er, wenn nicht mit gleichgültigeren, so doch mit vertrauteren Augen betrachtet wurde als heute." (aus: Elsemarie Maletzke, "Das Leben...

Zwei in einem Sarg

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Im evangelischen Kirchenbuch von Werther (Landgemeinde) habe ich den folgenden Sterbeeintrag aus dem Jahr 1756 gefunden: Es ist der Eintrag über die Beerdigung meiner siebenfachen Urgroßmutter Catrine Elisabeth Dammann geb. Wegener ; sie war im Mai 1685 als Tochter des Colon Hermann Wegener und seiner ersten Ehefrau Ilsabein Nedderschelp in Isingdorf 16 geboren worden. Am 23. November wurde sie, nachdem sie im Alter von 71 Jahren gestorben war (hier hat sich der schreibende Pastor um ein Jahr verrechnet), auf dem Wertheraner Kirchhof beerdigt. Der letzte Satz am Eintrag ist aber der interessantere. Catrine Elisabeth wurde nämlich nicht alleine beerdigt: "In ihrem Sarge ist auch Herman Henr. Habighorst todtgeb. Töchterl. mit beygesetzt." Ganz ehrlich, in dem Moment, als ich diesen Satz zum ersten Mal gelesen habe, haben sich mir sämtliche Nackenhaare aufgestellt. Gut, im Kirchspiel Werther des 18. Jahrhunderts war so ziemlich jeder mit jedem irgendwie verwandt...