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Scheintot

Am 10. September 1854 wurde in Rotingdorf 9 im Kirchspiel Werther ein Junge namens Hermann Heinrich Obertubbesing geboren. Seine Eltern waren der Colon Zacharias Stieghorst gen. Obertubbesing und dessen Ehefrau Anne Marie geb. Stock.

Bei Hermann Heinrichs Taufeintrag fand ich die folgende Bemerkung:


Hermann Heinrich wurde "scheintod" geboren!

Irgendwann muss man aber doch gemerkt haben, dass Hermann Heinrich tatsächlich am Leben war, denn noch am selben Tag erhielt er die Nottaufe durch die Hebamme Aufderheide; sein Pate war der eigene Vater.

Ich kann mir nur ansatzweise vorstellen, welche Achterbahn der Gefühle die Eltern an diesem Tag durchlaufen haben dürften: Zuerst die anstrengende Geburt selbst, mit der Erkenntnis, dass das Kind tot zur Welt gekommen sei, dann die Freude (und vielleicht auch der Schreck?), als sich der totgeglaubte Winzling doch noch regte, und die leise Hoffnung, dass er es vielleicht doch noch schaffen würde...

Nein, Hermann Heinrich hat es nicht geschafft; er starb vier Tage später, am 14. September, und wurde dann am 18. September begraben.

Etwas mehr als ein Jahr später, am 27.11.1855, lag Anne Marie Obertubbesing wieder in den Wehen. Dieses Mal war es eine Tochter, die sie tot zur Welt brachte. Dieses Mal bestanden keine Zweifel.

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