Direkt zum Hauptbereich

Die Cronsbeins sind Hagmeisters

In den Wertheraner Kirchenbüchern findet sich die Familie Hagmeister aus Häger (Bleeke) 1. Die Familie interessiert mich hauptsächlich deshalb, weil ich von Hermann Hinrich Hagmeister (1682-1739) und seiner Frau Margrete Meyer zu Rahden (1685-1732) abstamme. Also habe ich irgendwann angefangen, die Wertheraner Hagmeisters (manchmal auch Hachmeister oder Hagemeister) auseinanderzupuzzeln.

Das Trickige bei der Sache ist, dass kaum ein männlicher Hagmeister, der das Erwachsenenalter erreicht hat, auch als Hagmeister gestorben ist, und kaum einer der gestorbenen erwachsenen männlichen Hagmeisters auch tatsächlich als Hagmeister geboren wurde. In Ostwestfalen war dieses zwar grundsätzlich nichts Besonderes, aber in diesem Fall fällt die Häufung schon auf...

Ich hatte mich immer schon gefragt, weshalb mein Hermann Hinrich Hagmeister eigentlich als Cronsbein auf dem Cronsbein-Hof in Rotenhagen 2 gestorben ist. Bis jetzt hatte ich vermutet, dass es irgendeine verwandtschaftliche Verbindung gegeben haben musste, die ich nur noch nicht gefunden hatte. An eine erste Ehe von Margrete habe ich nicht geglaubt, weil sie erst 19 Jahre alt war, als sie Hermann Hinrich heiratete.

Am Wochenende fiel mir nun des Rätsels Lösung in Form eines Eintrags im Deutschen Geschlechterbuch, Band 194, S. 184, in die Hand:


Leider ist im Deutschen Geschlechterbuch keine genauere Quelle angegeben, so dass ich hier zumindest erst einmal mit einer Sekundärquelle arbeiten muss.

Hermann Hinrich und Margrete kauften den nicht gerade kleinen Hof also direkt im Jahr ihrer Hochzeit. Wie gesagt, Margrete war damals erst 19 oder 20 Jahre alt, ihr Mann mit 23 nur unwesentlich älter. Ich gehe also davon aus, dass die beiden von ihren jeweiligen Eltern ein paar Taler mit auf den Weg bekommen haben. Anders hätten sie den Hof wohl nicht finanzieren können.

Hermann Hinrich war ein Sohn aus zweiter Ehe seiner Mutter Anne Hagmeister (1683-1718) mit Wilhelm Heining (genannt Hagmeister). Anne war in erster Ehe mit Henrich Venkhaus (genannt Hagmeister) verheiratet gewesen; aus dieser ersten Ehe stammt der Sohn Johann Evert (geb. 1679), der Marie Ilsabein Meyer zu Wendischhoff heiratete und den Hagmeister-Hof weiterführte.

Ich weiß nur von diesen beiden Söhnen der Anne Hagmeister, es könnte also sein, dass man hier den anderen Sohn nicht benachteiligen wollte. Eigentlich wäre nach Hermann Hinrich ja der Anerbe gewesen, aber Johann Evert, der ältere der beiden, hatte schon 1704 geheiratet.

Margrete stammte mit den Meyer zu Rahdens auch nicht gerade aus einer armen Familie; ihre Eltern waren Johann Henrich Covert (genannt Meyer zu Rahden) aus Suttorf (geboren ca. 1656, gest. 1712) und Christina Maria Meyer zu Rahden (ca. 1654-1724).

Obwohl das eigentliche Rätsel nun gelöst ist - wie so oft stellen sich direkt ein paar Anschlussfragen:

Warum war der Hof Cronsbein überhaupt zu verkaufen? War er verschuldet? Gab es keinen Erben? Oder beides? Und wer war überhaupt der Verkäufer?
Wieviel sind 245 Scheffelsaat, 3 Spint und 1/4 Becher nach heutigen Maßeinheiten?
(Bis jetzt war ich zu faul zum Umrechnen, zugegeben.)
Haben Hermann Hinrich und Margrete mit 1500 Talern einen guten Preis gezahlt oder nicht? Wenn der Preis eher gering war, dann könnte das tatsächlich ein Indiz für die Überschuldung des Hofes sein.

Gucken wir mal. Es ist doch schön, wenn sich die Daten, die man sich aus den Kirchenbüchern ziehen kann, nach über 300 Jahren noch mit Leben füllen lassen, oder?





Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Als Hörste unabhängig wurde

Seit geraumer Zeit tendiert man ja dazu, Orte zusammenzulegen und einzugemeinden. Sinn und Zweck dieser Übung ist, wohl, sie besser verwalten zu können, wobei ich mir nicht immer sicher bin, ob das auch so klappt, wie es einmal beabsichtigt war. Und weil immer mehr Menschen aus den beiden großen Hauptkirchen austreten, passiert in diesem Bereich genau dasselbe: Pfarreien werden zusammengelegt. Vor etwas mehr als 300 Jahren, nämlich im Jahr 1707, konnte man die umgekehrte Entwicklung in Hörste beobachten: Hörste nabelte sich von der Haller Kirchengemeinde ab und wurde selbstständig!  Das Geld für den Kirchenbau hatte man übrigens durch eine Lotterie zusammenbekommen... Zu dieser Zeit lebten auch Vorfahren von mir in Hörste, zum Beispiel ein Teil meiner Fronemann-Sippe: Gerhard Hinrich Fronemann , Colon in Hörste 6, und seine Frau Anne Catharine geb. Heitmann . Beide waren im Jahr 1671 geboren worden und heirateten dann 1701. Die entsprechenden Eintragungen finden sich also im K...

Hilfe vom Sofa aus

Im Moment arbeite ich mal wieder etwas weniger an meinen eigenen Sachen, was aber nicht bedeutet, dass ich untätig bin. Vergrippt, ja, mitunter, aber untätig? Nee...  Bei den Arolsen Archives kann ich mich auch vergrippt und vom Sofa aus nützlich machen: Die Ausländermeldekartei des ehemaligen Amtes Halle (Westfalen) steht online, und es warten noch Tausende von Karten darauf, transkribiert zu werden. Hier ist der  Link .  Das Schöne ist: Man braucht kein Benutzerkonto , um mitzumachen. Das einzige, was man braucht, ist ein bisschen Zeit - und es könnte nicht schaden, wenn man Kurrent und Sütterlin lesen kann.  Man muss sich auch keine Sorgen machen, dass man etwas falsch macht, denn es gilt das Sechs-Augen-Prinzip . Soll heißen: Wenn nicht wenigstens drei Leute unabhängig voneinander dasselbe gelesen haben, wird die Angabe im Endergebnis nicht frei gegeben. Das finde ich persönlich jetzt mal sehr beruhigend, vor allem, wenn es um die Namen und Herkunftsorte der oft...

Der Arbeitskreis Familienforschung Steinhagen

... trifft sich wieder, und zwar am    Samstag, dem 21. Juni 2025,  um 14.30 Uhr  in der Alten Feuerwehr in Steinhagen-Amshausen.    Ja genau, das ist der Samstag zwischen dem Fronleichnams-Brückenfreitag und dem Sonntag des letzten langen Wochenendes dieses Halbjahrs. Mit den ganzen Feiertagen kann man ja nur durcheinander kommen...    ;-)