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Werthers Gedächtnis 2.0

Ich muss wahnsinnig sein. 

Gut, mein Mann weiß das schon länger, aber so langsam frage ich mich auch, ob mich diese ganze Pandemiesituation nicht auf merkwürdige Ideen bringt.

Ich bin dabei, "Werthers Gedächtnis" komplett auseinander zu nehmen. Damit wir uns hier richtig verstehen: Wir reden von neun vollen Ordnern, gefüllt bis zum Anschlag mit beidseitig bedruckten Seiten. 

Bis jetzt hatte ich für (fast) jeden Buchstaben des Alphabets eine Datei. Ausnahmen waren X und Y, weil ich einfach noch keine Familiennamen gefunden habe, die so anfangen, und C&K, die ich in einem langen Dokument zusammengefasst hatte (das fand ich ziemlich sinnvoll, weil Cronsbeins und Kronsbeins ja nun doch sehr eng zusammenhängen). Dann hatte ich noch eine Datei mit "Unbekannten", also mit Leichen, die in und um Werther auftauchten, von denen aber kein Mensch wusste, wer sie zu Lebzeiten waren. 

In und mit diesen Dateien habe ich jahrelang gearbeitet. Ich hatte immer einen Papierausdruck zur Hand, und an vielen Abenden saß ich im Wohnzimmer in meinem Lieblingssessel (mein Mann darf gerne das Sofa haben), vor mir ein kleiner leicht wackeliger Computertisch aus einem schwedischen Möbelhaus, beladen mit entweder einem meiner Ordner und meinen Notizen oder meinem Notebook und Ausdrucken aus meinen Ordnern. Es ist ein Wunder, dass mir das Ding nicht ständig umgekippt ist. 

So werkelte ich dann vor mich hin. Entweder habe ich meine Notizen in die Ausdrucke eingearbeitet oder, wenn die Ausdrucke dadurch zu überfrachtet wurden, die überarbeiteten Ausdrucke in die Dateien auf meinem Notebook eingearbeitet. So einfach, aber auch so umständlich. Hauptsächlich deshalb, weil auf den kleinen Computertisch einfach keine zwei Monitore passen und ich das Hin-und-Her-Switchen zwischen den verschiedenen Fenstern nicht mag.

Das ist nun anders. 

Okay, ich arbeite immer noch an dem kleinen wackeligen Computertisch. Aber nicht mehr an den besagten 24 Dateien. Warum ich mein System geändert habe? Da kamen gleich mehrere Faktoren zusammen: 

Erstens: 

Ich muss nacharbeiten. Vor ungefähr eineinhalb Jahren ist mir der USB-Stick, auf dem sich die damals aktuelle Version von Werthers Gedächtnis befand, schlicht abhanden gekommen. Ich bin mir sicher, dass er nicht ganz verschwunden ist,  und ich würde einiges darauf wetten, dass er genau in dem Moment wieder auftaucht, wenn ich meine Änderungen von damals nochmal in eine ältere Dateiversion eingetragen habe. Das betrifft vor allem Fußnoten, aber eben leider nicht nur. Gut, dass ich immer direkt einen Ausdruck gemacht habe, wenn ich wieder mal einen Buchstaben "durcheditiert" hatte. Also kein Schaden in dem Sinne, dass mir etwas verlorengegangen ist, aber nervig, weil ich das alles doch schon mal getippt hatte... seitdem mache ich öfter digitale Kopien. 

Zweitens: 

Meine Textverarbeitung kam langsam an ihre Grenzen, weil die Dateien teilweise zu groß wurden. 

Drittens: 

Ich kam langsam an meine Grenzen, was die Sortierung der Nachnamen angeht. Kein Wunder, wenn aus Buerstette Borgstädt wurde und aus Tormöhle Zurmühlen. Von den Böhmers und Bäumers gar nicht zu reden. Sprich: Ich habe einige Dubletten gefunden (die sich aber ganz hervorragend ergänzten). 

Viertens: 

Dadurch, dass ich nun bei den Sterbeeinträgen in der Nachkriegszeit unterwegs bin, kommen einige Familien dazu, die sich in Werther neu angesiedelt haben. 

Fünftens: 

Ich will nun endlich anfangen, Teile von Werthers Gedächtnis im Geschichtsportal Werther zu veröffentlichen! 

Was mache ich also jetzt anders? 

Ich bin dabei, für jeden Familiennamen eine eigene Datei anzulegen. Ich habe also meine 24 Dateien komplett auseinandergerissen und verhackstückt. Aber dafür finden sich dann die Buerstettes bei den Borgstädts und die Bäumers bei den Böhmers. 

Und da ich sowieso schon mal im Flow bin, kann ich auch gleich noch jeder Datei das Deckblatt vom Geschichtsportal verpassen. Ha! Zwei Fliegen mit einer Klappe... 

Jetzt muss ich die einzelnen Familien nur noch soweit zusammenpuzzeln, dass es sich lohnt, sie zu veröffentlichen. Im 18. Jahrhundert habe ich meist noch ziemliche Lücken, zugegeben. Aber ich muss die Vernetzung der einzelnen Familien untereinander ja noch nicht komplett haben, ich kann ja zu gegebener Zeit online auch aktualisierte Versionen einstellen und die alten löschen (bei jeder Datei halte ich auch den Bearbeitungsstand fest, es sollte also ziemlich einfach sein, die verschiedenen Versionen auseinanderzuhalten). 

Hat jemand besondere Wünsche, bei wem ich anfangen soll? 


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