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Post vom Historischen Verein

Normalerweise freue ich mich ja immer, wenn ich Post vom Historischen Verein für die Grafschaft Ravensberg e.V. bekomme. In der Regel bedeutet das nämlich, dass es etwas Interessantes zum Lesen gibt. 
 
Das war auch in diesem Fall so, und zwar in Form der neuen Ravensberger Blätter. 
Aber leider nicht nur. 
 
(c) Historischer Verein 
Die Ravensberger Blätter sind wieder superinteressant, vor allem für mich als alte Wertheranerin. Der Arbeitskreis Spuren jüdischen Lebens in Werther hat darin nämlich eine Fallstudie zu Max Sachs (1898 bis wahrscheinlich 1942) veröffentlicht. Max Sachs war leicht geistig behindert und wohnte in Werther an der Bielefelder Straße, ungefähr dort, wo heute das evangelische Gemeindehaus steht. Seine Spur verliert sich mit der Deportation ins Warschauer Ghetto. Vorher war er in Bethel zwangssterilisiert worden und dann in einer jüdischen Einrichtung in Berlin-Weissensee untergebracht. Aber auch schon in der Zeit, als er noch in Werther wohnte, ist er von seinen Mitmenschen nicht immer nett behandelt worden, ganz im Gegenteil; da haben sich einige Wertheraner anscheinend wirklich von ihrer üblen Seite gezeigt, ohne dass es eines Befehls von oben brauchte. Es gab immer schon Leute, die sich daran hochziehen, andere, denen sie sich überlegen fühlen, lächerlich zu machen, und zwar auf boshafte Art und Weise. Auch das kommt in der Fallstudie zur Sprache. Es ist schon erstaunlich, was man alles herausfinden kann, wenn man nur danach sucht, und der Arbeitskreis sucht wirklich gründlich. 
 
Einen Wermutstropfen gibt es leider auch vom Historischen Verein selbst: Die Mitgliedsbeiträge steigen 2026 an, und zwar heftig. Das wurde auf der Jahreshauptversammlung beschlossen, an der ich leider nicht teilnehmen konnte, sonst hätte ich wohl schon da meinen Senf dazu gegeben. Für mich als Einzelmitglied geht es von 30,00 EUR hoch auf 45,00 EUR; die Steigerung kann man sich ausrechnen. Da bin ich wirklich im Nachteil, denn Ehepaare zahlen künftig statt 43,00 EUR "nur" 60,00 EUR. Für gerade mal ein Drittel von dem, was ich demnächst allein bezahlen muss, könnte ich den Familienforschungsmuffel also auch noch unterbringen, wenn er das denn wollte (was nicht der Fall ist). Immerhin, in einem Begleitschreiben werden die Gründe für die satte Erhöhung erläutert, und die sind auch durchaus nachvollziehbar. Die meisten Kosten stecken in Druck und Versand der Ravensberger Blätter und des Jahresberichts, und auch in dem Bereich sind die Preise gestiegen. Wie praktisch überall. Außerdem hat der Verein selbst seinen Mitgliedsbeitrag lange nicht erhöht, zumindest nicht, solange ich dabei bin. Ich werde also wohl in den sauren Apfel beißen. Und ich hoffe mal, dass viele andere mitbeißen, denn es wäre wirklich schade, wenn der Historische Verein aus Kostengründen Geschichte würde. Gleichzeitig gestatte ich mir aber zwei Anmerkungen: Erstens - das Geld werde ich woanders sparen. Zweitens - ich hätte auch nichts dagegen, die Ravensberger Blätter als pdf per Mail zu bekommen... 

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