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Die "anderen" Gehrings

Gehrings gab es in Werther wie Sand am Meer. Ich finde kaum eine Seite im Kirchenbuch, auf der der Name nicht in irgendeiner Schreibweise auftaucht. Deshalb war mein Urgroßvater August auch nicht der einzige Gehring, der Anfang des 20. Jahrhunderts in Werther wohnte. Während August seine Mühle in Häger betrieb, hatte sich sein älterer Bruder Wilhelm in Theenhausen Nr. 35 als Bäcker selbstständig gemacht. Er muss auch eine Bier-, Wein- und Café-Restauration betrieben haben, wie diese alte Postkarte hier zeigt: 


Das Bild muss laut Geschichtsportal so um 1910 entstanden sein. Das kann hinkommen, denn die Kinderschar, die ich auf dem Foto sehe, ist - noch - recht klein. Das sollte sich in den folgenden Jahren noch ändern. Auch das Haus hat Wilhelm modernisieren lassen, denn vom Fachwerk war später nicht mehr viel zu sehen: 


Das muss um 1915 gewesen sein, also nur ungefähr fünf Jahre später. Schon ein gewaltiger Unterschied. Nicht nur, was das Haus angeht, sondern auch die Anzahl der Menschen (und da insbesondere der Kinder) davor... Der Herr mit Schnäuzer, der am Eingang steht, müsste Wilhelm gewesen sein. Urgroßonkel Wilhelm. Das Haus kann man als Wertheraner nun auch erkennen: Es ist immer noch eine Bäckerei dort, nur, dass die eben nicht mehr Gehring heißt, sondern Welter.

Wilhelm und seine Frau Henriette, eine geborene Tubbesing, nenne ich in Gedanken immer "die anderen Gehrings". Und bei diesen "anderen Gehrings" habe ich das Problem, dass mir Informationen über ein Kind fehlen, denn in Wilhelms Sterbeeintrag fand ich die Anmerkung: "10 Kinder, 5 leben". 

Die Kinder, die ich bis jetzt gefunden habe, sind: 

  • Friedrich Wilhelm, geboren am 04.09.1899 in Mantershagen 13 im Kirchspiel Wallenbrück. Wahrscheinlich wurde er "Willi" genannt und war Bäcker. Dass er in Wallenbrück geboren wurde, liegt aller Wahrscheinlichkeit daran, dass seine Mutter zum Zeitpunkt seiner Geburt dort wohnte - die Hochzeit von Wilhelm und Henriette fand nämlich erst am 16.12.1899 statt... Ob Willi geheiratet hat und wann er gestorben ist, muss ich erst noch herausfinden. 
  • Heinrich August Paul, geboren am 20.09.1901 in Theenhausen 35. Uropa August war sein Patenonkel. Ansonsten weiß ich nicht wirklich etwas über ihn, nur, dass er Zigarrenarbeiter gewesen sein soll. 
  • Heinrich Erich, geb. am 29.08.1903 in Theenhausen 35. Noch ein Bäcker; er arbeitete bei seinem Vater und ist auch am 30.12.1952 dort an einem Herzinfarkt gestorben. Er wohnte aber mit seiner Frau Gertrud Anni Wiersdorf in Bielefeld am Wellensiek 156. Die beiden hatten drei Söhne.  
  • Heinrich Gustav, geb. am 19.07.1905 in Theenhausen 35. Keine Ahnung, was aus ihm gerworden ist. 
  • Anna Elisabeth Erna Gehring, geb. am 03.08.1906 in Theenhausen 35. Sie hatte einen Beruf: Sie war Krankenschwester. Bei ihr frage ich mich, ob sie den Beruf hatte, weil sie nie geheiratet hat, oder ob sie nie geheiratet hat, weil sie einen Beruf hatte. Jedenfalls ist sie in Bonn-Bad Godesberg gestorben, wo sie auch wohnte, und zwar am 15.11.1989. Den Mauerfall hat sie also gerade noch mitbekommen. Wie sie nach Bad Godesberg gekommen ist, weiß ich aber nicht. Ich habe den Verdacht, dass sie trotzdem in Werther beerdigt sein könnte, denn ihr Sterbefall wurde dem Bad Godesberger Standesamt von einem Wertheraner Bestatter angezeigt. Wenn sie nicht selbst für den Fall der Fälle vorgesorgt hat, dann muss sie noch Verbindungen nach Werther gehabt haben. 
  • Wilhelm Hermann Gustav, geb. am 29.08.1908 in Theenhausen 35. Wenn ich das richtig sehe, dann hat er die Bäckerei von seinem Vater übernommen, aber nicht für lange, denn er hat seinen Vater nur um rund eineinhalb Jahre überlebt: Er ist am 28.03. 1957 in Borgholzhausen gestorben, aber wohl in Werther beerdigt. In seiner Todesanzeige im Haller Kreisblatt steht, dass er mit einer Christel geb. Trockel verheiratet war. 
  • Anna Frida. Sie muss ungefähr im April 1911 in Theenhausen 35 geboren sein. Das ergibt zumindest die Rückrechnung aus ihrem Sterbeeintrag. Sie ist schon am 23.05.1912 wieder gestorben, und zwar in Theenhausen 35. 
  • Luise Frida, geb. am 16.12.1912 in Theenhausen 35. Sie hat 1949 Hermann Heinrich Wilhelm Indiesteln geheiratet. 
  • Elise Alwine Magdalene, geb. wahrscheinlich im Januar 1916 in Theenhausen 35. Das ergibt sich zumindest aus der Rückrechnung, wenn ihren Sterbeeintrag als Basis nehme. Gestorben ist sie am 22.01.1917 in Theenhausen 35. 

Das waren jetzt neun Kinder. 

Es soll noch eine Emma gegeben haben, aber das habe ich noch nicht verifizieren können. Ich nehme an, dass das zehnte Kind, das mir noch fehlt, zwischen Luise Frida und Elise Alwine Magdalene gelegen hat, aber das ist jetzt nur eine Vermutung, weil der Abstand zwischen den beiden relativ groß ist. Es könnte auch sein, dass Emma, wenn es denn eine Emma war, das jüngste Kind von allen war. 

Das genaue Geburtsdatum von Anna Frida werde ich im nächsten Jahr herausfinden, wenn das Geburtsregister von 1911 frei wird. Das steht schon für 2022 auf meiner To-Do-Liste. 

Was die anderen Informationen angeht, die mir noch fehlen: Kommt Zeit, kommt Rat. Aber falls jemand mir weiter helfen kann, ich bin für jede Rückmeldung dankbar. Dasselbe gilt übrigens auch, wenn sich hier ein Fehler eingeschlichen haben sollte! 

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