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Tour de Force Teil 2: Batterie Todt

 Am Ärmelkanal in der Nähe von Calais, um genauer zu sein: in einem Örtchen namens Audinghen am Cap Gris-Nez (was soviel wie "Graunase" bedeutet) liegt ein Überbleibsel der Nazis. "Überbleibsel" klingt eigentlich viel zu niedlich, denn die Batterie Todt ist eins der sieben größten Bauwerke, die die Nazis bis heute in Frankreich hinterlassen haben. Früher hieß die Batterie ganz germanisch "Siegfried", aber das hat man 1942 geändert, nachdem Fritz Todt, seines Zeichens "Reichsminister für Bewaffnung und Munition" (wenn ich mir das so durch den Kopf gehen lasse, bin ich heilfroh, dass wir heute stattdessen ein Verteidigungsministerium haben) bei einem Flugzeugabsturz nahe der Wolfsschanze ums Leben gekommen war.  

Ich weiß bis heute nicht, ob man den Namen "Todt" mit kurzem oder langem "o" spricht. Ist da vielleicht Nomen auch Omen gewesen? 

Jedenfalls war Fritz Todt nicht nur der mit den Autobahnen, sondern der Chef der "Organisation Todt", kurz OT. Das war ein paramilitärischer Bautrupp, der primär dazu da war, die militärischen Projekte der Nazis baulich umzusetzen, und zwar nicht nur am Westwall, sondern quasi überall, wo die Deutschen ungefragt eingefallen waren. Die eigentliche Schufterei beim Bau der verschiedenen Anlagen mussten oft genug Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge übernehmen. Nach Todts Tod wurde Albert Speer sein Nachfolger als Minister, die OT aber blieb unter dem alten Namen bestehen, bis sie im Oktober 1945 vom Alliierten Kontrollrat endlich verboten wurde. 

Von hier aus haben sie ab September 1941 mit vier 38-cm-Schiffsgeschützen "Engeland" beschossen. Oder zumindest einen Teil davon, denn der Ärmelkanal ist an der Stelle ungefähr 30 km breit, und die Geschütze hatten eine Reichweite von bis zu 42 km. Für Dover und Folkestone hat es gereicht, aber für London nicht. Außerdem konnte man deutschen Kriegsschiffen wie der Scharnhorst beim Unternehmen Cerberus Feuerschutz geben. 

Heute ist die Batterie Todt ein Museum, das in privater Hand ist. Wenn man sich ungefähr eineinhalb Stunden Zeit nimmt, kann man sich drinnen und draußen umgucken (bei richtig gutem Wetter kann man auch die Kreidefelsen auf der englischen Seite des Ärmelkanals erkennen). Wir konnten sie höchstens erahnen. 

Weil der Bunker zur Küstenartillerie gehörte, die der Kriegsmarine unterstellt war, waren hier keine Soldaten abgestellt, sondern Matrosen. Die wurden auch nicht in einer Küche bekocht, sondern in einer Kombüse. 

Insgesamt gelingt es ganz gut, das Leben auf der Batterie darzustellen, auch wenn die deutsche Übersetzung manchmal ein bisschen drollig ist. Manche Sachen müssen aber auch gar nicht übersetzt werden, so wie der Briefkasten hier...

Selbst nach der Landung der Alliierten am D-Day ging der Beschuss Englands absurderweise noch weiter. Am 29. September 1944 waren es dann die Kanadier, dem Spuk ein Ende bereiteten. 

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