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Spitzbuben beim Schneidermeister

 Im Haller Kreisblatt vom 22.03.1930 konnte man die folgende Meldung lesen: 

"*Werther, 22. März. Eingebrochen wurde in der vorletzten Nacht bei dem Schneidermeister Schwentker an der Bielefelder Straße. Die Spitzbuben verschafften sich durch Ausschneiden einer Fensterscheibe Eintritt in den Ladenraum. Von den dort aufbewahrten Anzugstoffen wurden für 2000 M gestohlen."

Die Bielefelder Straße, von der hier die Rede ist, ist heute die Alte Bielefelder Straße, und der Schneidermeister Schwentker, bei dem eingebrochen wurde, war der Bruder meines Urgroßvaters Hermann, der Schneidermeister Johann Wilhelm Schwentker. Der war 1877 in Wallenbrück geboren worden und hatte sich 1902 in Werther als Schneider selbstständig gemacht. Es würde mich also nicht wundern, wenn er auch meinem Uropa ein oder zwei Anzüge geschneidert hätte. 

Quelle: Geschichtsportal Werther
Quelle: Geschichtsportal Werther

Das ist die (Alte) Bielefelder Straße um das Jahr 1930 herum, also ziemlich passend. Zur Orientierung, da sich in Werther in den letzten 90 Jahren ja doch etwas verändert hat: Das Foto ist von dort aus aufgenommen, wo sich heute der Parkplatz an der Ecke Engerstraße/Ravensberger Straße befindet, ungefähr da, wo heute der Briefkasten steht. Rechts geht es zur Ampelkreuzung, und das Haus, das man vorne links sieht, wurde inzwischen durch den Neubau der Volksbank ersetzt. 

Man kann aber schön in die Bielefelder Straße hineinsehen. Das Haus direkt vor der Kirche, das ist es. Heute ist es fröhlich gelb gestrichen und im Erdgeschoss gibt es keine Schneiderei mehr, sondern das beste Erdbeereis der Welt: Richtig, da ist jetzt seit knapp 50 Jahren die Eisdiele. 

Damals aber war von Eis noch nicht die Rede. Umgekehrt würde man heute wohl auch wohl kaum jemanden, der nachts in ein Geschäft einbricht und in dem Umfang Waren stieht, als "Spitzbuben" bezeichnen.

Ich hoffe, dass Urgroßonkel einigermaßen gut versichert war. Wenn nicht, dann war das ein ziemlicher Verlust, auch wenn ich mich damit schwertue, die 2000 Mark von damals in Euro umzurechnen. Ich weiß auch nicht, ob man die Einbrecher hat dingfest machen können, aber ich nehme mal an, sie werden danach zumindest gut gekleidet gewesen sein...

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