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Lektion gelernt: Zwillinge (Teil 2)

Mein Vater konnte sich noch gut an seine Großmutter Lina, mit vollem Namen Margarethe Katharine Karoline Gehring geborene Plessner, erinnern. Kein Wunder, denn als sie am 6. August 1962 starb, war mein Vater immerhin schon 19 Jahre alt.

Was mein Vater nicht wusste: Lina hatte eine Zwillingsschwester. Er hat also erst von mir erfahren, dass er eine Großtante hatte, Marie Katharine Elise Plessner

Die beiden Zwillinge wurden am 25. September 1887 in Suttorf Nr. 20 (im Kirchspiel Neuenkirchen, gehört heute zu Melle) geboren, als Töchter des Colons Heinrich Wilhelm Plessner und Caroline Marie Dieckmannskamp. Ich kann mir noch gut an meine eigene Überraschung erinnern, denn mit einer Zwillingsschwester von Lina hätte ich nun gar nicht gerechnet.

Es war ein ziemlich schöner Frühsommerabend Ende Mai 2011, als ich mit Herrn Werner, dem Hüter der Neuenkirchener Kirchenbücher, im Pfarramt in Neuenkirchen saß und in den Originalen blättern durfte. Wie man sieht, habe ich meine Neuenkirchener Linie lange Zeit ziemlich vernachlässigt. Mein Gedanke war: "Moment. Wenn sich keiner mehr an eine Zwillingsschwester erinnern kann, dann ist sie vielleicht früh gestorben." Meine Ahnung war leider richtig, und wir mussten auch nicht allzu lange nach dem entsprechenden Eintrag suchen, es war nämlich der erste im Jahr 1889: Marie Katharine Elise ist schon am 2. Januar 1889 wieder gestorben, also mit gerade einmal fünfzehn Monaten. Sie hatte sich mit den Masern angesteckt.

Ich nehme also an, dass selbst meine Uroma Lina keine Erinnerung mehr an ihre Zwillingsschwester hatte. Auch die ältere Schwester der beiden, Luise, war damals noch nicht einmal vier Jahre alt, so dass für sie dasselbe gegolten haben wird. Und die beiden anderen Geschwister (von denen ich weiß), Marie und Heinrich Wilhelm, waren noch gar nicht auf der Welt.

Zwei Generationen später war damit schon wieder vergessen, dass es damals noch ein kleines Mädchen gab, das die Masern nicht überlebt hat. So schlecht ist das menschliche Gedächtnis...

Lektion gelernt: Schließe nie aus, dass Dein Vorfahr ein Zwilling war, bis Du den Eintrag vor und den Eintrag nach seinem Geburts- bzw. Taufeintrag kontrolliert hast, denn es braucht im Zweifelsfall nur zwei Generationen, bis ein früh gestorbenes Kind in Vergessenheit gerät. 

Ganz abgesehen davon: Masern sind und waren hochinfektiös. Heute gibt es die entsprechenden Impfungen dagegen (und es ist mir ein Rätsel, warum es Menschen gibt, die sie ablehnen), aber damals war man davon noch ziemlich weit entfernt. Es kann also gut sein, dass Lina die Masern damals auch hatte - dann nur mit dem entscheidenden Unterschied, dass sie sie überlebt hat. Reines Glück also. 

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