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Vortrag bei der Arbeitsgruppe Familienforschung im Kreis Herford am 02.05.15: Sebastian Schröder über "Deutsche Schrift und Sütterlin"

Besser spät als nie - hier ist meine kleine Zusammenfassung:
Auch wenn ich Kurrent und Sütterlin inzwischen ziemlich gut lesen kann (jedenfalls bilde ich mir das ein): Es war schon interessant, sich diesen Vortrag anzuhören, und das nicht nur, weil es auch ein vierseitiges Handout gab.
(Was Handouts angeht, bin ich ja ein kleiner Nerd. Habe ich schon mal erwähnt, dass ich Handouts mag? Vor allem, wenn sie - wie hier - gut gemacht sind, was bei mir heißt, dass sie auch einen praktischen Sinn haben, den man dann mit nach Hause nehmen kann.)
Herr Schröder ist von Haus aus Geschichtswissenschaftler, und er kam irgendwann zu dem Schluss, dass es doch sinnvoll ist, wenn man als solcher die Quellen, die man benutzt, auch im Original lesen kann. Inzwischen gibt er auch Kurse zum Thema an der VHS, und es würde mich nicht wundern, wenn seine Teilnehmerzahlen nach diesem Nachmittag spürbar ansteigen - Interesse war im Publikum definitiv vorhanden!
Der erste Teil des Vortrags war eher theoretischer Natur; es ging um die Frage, wie es insbesondere ab dem späten Mittelalter überhaupt zur Verschriftlichung der existierenden Informationen kam: die Schrift als Speichermedium. Wenn etwas schriftlich festgehalten wird, dann erhöht sich auch die Bindungswirkung der Kommunikation, die ansonsten ja eher flüchtig ist. Nachdem 1721 auch in der Grafschaft Ravensberg die allgemeine Schulpflicht eingeführt worden war, wurde auch im Privaten mehr geschrieben.
Im zweiten Teil des Vortrags lieferte Herr Schröder dann einen Überblick über die Entwicklung der Schriften von der spätgotischen Kursivschrift über die Konzeptschrift mit der Verflachung der Buchstaben, die Kurrentschrift mit der Entstehung der Ligaturen bis zum Sütterlin, das von den Nationalsozialisten ja schon nach kurzer Zeit wieder als "undeutsch" abgeschafft wurde. Wer Sütterlin und Kurrent bis dahin noch nicht auseinander halten konnte, der war spätestens jetzt dazu in der Lage.
Teil drei drehte sich dann auch ganz konsequent um praktische Fragen: Was mache ich, wenn ich einen Text vor mir habe, bei dem ich Schwierigkeiten habe, ihn zu entziffern?
Im Zweifelsfall bleibt einem nichts anderes übrig, als Buchstabe für Buchstabe und dann Wort für Wort zu transkribieren. Für allgemeines Erstaunen sorgte der Hinweis, dass man einen solchen anscheinend unleserlichen Text auch ruhig mal ungestraft für ein paar Tage oder sogar Wochen weglegen kann, wenn man den Punkt erreicht hat, an dem man einfach nicht mehr weiter kommt. Da hat Herr Schröder wirklich recht - ich hatte auch schon diese Momente, in denen man einfach betriebsblind wird und gar nichts mehr ging. Wenn man sich nach einer Weile dann wieder hinsetzt, dann fallen einem die fehlenden Puzzleteile oft ungemein leichter.
Herr Schröder meint, dass dass man sich eine Schrift am besten aneignet, wenn man sie selbst schreiben kann. Glauben Sie mir - ich habe es versucht. Ich bin grandios gescheitert - ich schaffe es noch nichtmal, gerade in der Zeile zu bleiben. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur zu ungeduldig; ich kann's nicht sagen. Für mich bin ich deshalb zu dem Schluss gekommen, dass es mir reicht, wenn ich Sütterlin und Co. lesen kann. Und um meine Umwelt ab und an mal zu quälen, reiche meine "normale" Handschrift schon völlig aus...

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