Direkt zum Hauptbereich

Die Geschichte von Heinrich und Johanne: Ein Update

Erinnern Sie sich noch an "Die Geschichte von Heinrich und Johanne"? Wenn nicht, dann ist hier der Link:

http://familienforschung-in-owl.blogspot.de/2012/05/die-geschichte-von-heinrich-und-johanne.html


Inzwischen habe ich bei ancestry die Verlustlisten aus dem Ersten Weltkrieg nach Heinrich Sickendiek durchsucht. Und ich habe Heinrich gefunden (mittlere Spalte, oberster Eintrag):



Sickendick (nicht Siekendick), Heinrich (2. Komp.) - Hörste - gefallen. 


Heinrich war schon am 11.09.1915 in der Schlacht bei Wilna gefallen, die am 09.09.1915 begonnen hatte. Er taucht aber erst in der Verlustliste vom 14. Januar 1916 auf. Die Veröffentlichung erfolgte also knapp vier Monate nach seinem Tod.

Ich weiß nicht, ob - und wenn ja, von wem - meine Urgroßmutter Johanne schon früher über seinen Tod informiert worden war. Oft war es ja so, dass der jeweilige Vorgesetzte einen Brief an die Angehörigen geschrieben hat, in dem wenigstens ein Teil der Todesumstände geschildert wurde (alle Einzelheiten wären für die Angehörigen wahrscheinlich auch unerträglich gewesen). Wenn es auch hier so gewesen sein sollte, dann ist der Brief jedenfalls nicht mehr in meinem Teil der Familie vorhanden.

Ich hoffe, dass Johanne aus einem Brief erfahren hat, was mit ihrem Mann passiert ist, und nicht aus einer Verlustliste. Wie wurden die Verlustlisten eigentlich publik gemacht? Wurden sie an einer zentralen Stelle im Ort ausgehangen, so dass das halbe Dorf gleich lesen konnte, wer verwundet, vermisst oder gefallen war?

Früher bin ich an Kriegerdenkmälern immer ziemlich achtlos vorbeigeschlendert. Heute finde ich es irgendwie beruhigend, dass sie da sind (wenn sie mir auch oft zu martialisch gestaltet sind), aber beunruhigend, dass ihr Erinnerungswert nicht wahrgenommen wird. In Hörste findet man das Kriegerdenkmal an zentraler Stelle neben der Kirche:


 Und so hat auch Heinrich seine Spuren in Hörste hinterlassen (vorletzte Zeile):


Seitdem ich weiß, wie Heinrich aussah, sehe ich das Denkmal mit anderen Augen. Es ist persönlicher geworden; es rührt mich mehr.

Familienforschung ist eben mehr als die Summe aus Zahlen, Daten und Fakten.


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Als Hörste unabhängig wurde

Seit geraumer Zeit tendiert man ja dazu, Orte zusammenzulegen und einzugemeinden. Sinn und Zweck dieser Übung ist, wohl, sie besser verwalten zu können, wobei ich mir nicht immer sicher bin, ob das auch so klappt, wie es einmal beabsichtigt war. Und weil immer mehr Menschen aus den beiden großen Hauptkirchen austreten, passiert in diesem Bereich genau dasselbe: Pfarreien werden zusammengelegt. Vor etwas mehr als 300 Jahren, nämlich im Jahr 1707, konnte man die umgekehrte Entwicklung in Hörste beobachten: Hörste nabelte sich von der Haller Kirchengemeinde ab und wurde selbstständig!  Das Geld für den Kirchenbau hatte man übrigens durch eine Lotterie zusammenbekommen... Zu dieser Zeit lebten auch Vorfahren von mir in Hörste, zum Beispiel ein Teil meiner Fronemann-Sippe: Gerhard Hinrich Fronemann , Colon in Hörste 6, und seine Frau Anne Catharine geb. Heitmann . Beide waren im Jahr 1671 geboren worden und heirateten dann 1701. Die entsprechenden Eintragungen finden sich also im K...

Hilfe vom Sofa aus

Im Moment arbeite ich mal wieder etwas weniger an meinen eigenen Sachen, was aber nicht bedeutet, dass ich untätig bin. Vergrippt, ja, mitunter, aber untätig? Nee...  Bei den Arolsen Archives kann ich mich auch vergrippt und vom Sofa aus nützlich machen: Die Ausländermeldekartei des ehemaligen Amtes Halle (Westfalen) steht online, und es warten noch Tausende von Karten darauf, transkribiert zu werden. Hier ist der  Link .  Das Schöne ist: Man braucht kein Benutzerkonto , um mitzumachen. Das einzige, was man braucht, ist ein bisschen Zeit - und es könnte nicht schaden, wenn man Kurrent und Sütterlin lesen kann.  Man muss sich auch keine Sorgen machen, dass man etwas falsch macht, denn es gilt das Sechs-Augen-Prinzip . Soll heißen: Wenn nicht wenigstens drei Leute unabhängig voneinander dasselbe gelesen haben, wird die Angabe im Endergebnis nicht frei gegeben. Das finde ich persönlich jetzt mal sehr beruhigend, vor allem, wenn es um die Namen und Herkunftsorte der oft...

Der Arbeitskreis Familienforschung Steinhagen

... trifft sich wieder, und zwar am    Samstag, dem 21. Juni 2025,  um 14.30 Uhr  in der Alten Feuerwehr in Steinhagen-Amshausen.    Ja genau, das ist der Samstag zwischen dem Fronleichnams-Brückenfreitag und dem Sonntag des letzten langen Wochenendes dieses Halbjahrs. Mit den ganzen Feiertagen kann man ja nur durcheinander kommen...    ;-)