Direkt zum Hauptbereich

Die Heidemanns aus Arrode Nr. 1

Ein Teil meiner Familie, über den ich noch nicht viel geschrieben habe, sind die Heidemanns. Das soll sich jetzt ändern; überhaupt habe ich vor, einzelne Familien hier im Blog mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Meine Urgroßmutter Marie Elisabeth Schwentker (geb. Heidemann) soll immer erzählt haben, dass sie "im Schloß" zur Welt gekommen sei. Für Nicht-Wertheraner mag das etwas abgehoben klingen, aber tatsächlich meinte sie damit das "Haus Werther", das die Wertheraner nur "das Schloss" nennen. Jedes Mal, wenn ich in den Innenhof komme, denke ich, "Und wo genau bist Du nun geboren?" Wahrscheinlich werde ich es nie erfahren...

Tatsache ist aber, dass schon Maries Vater Johann Peter Heidemann, seines Zeichens Spinnradmacher, Zimmermann und Tischler, am 02.01.1841 in Arrode Nr. 1 geboren worden war. Peter Heidemann heiratete am 06.11.1867 in Werther Katherine Elisabeth Flandermeyer aus Groß Aschen. Wenn ich so nachrechne, dann kann ich mir den Grund für die Hochzeit im November denken: Am 4. Juni des nächsten Jahres, also knapp sieben Monate später, kam schon das erste Kind...

Insgesamt gab es neun Heidemann-Kinder:

1. Anna Marie Elisabeth
geb. am 04.06.1868 in Arrode 1
gest. am 16.09.1873 in Arrode 1 (an Stickhusten)

2. Johann Friedrich
geb. am 03.12.1869 in Arrode 1
gest. am 07.05.1891 in Arrode 1 (an Schwindsucht)

3. Peter Heinrich
geb. am 02.01.1872 in Arrode 1
gest. am 05.07.1873 in Arrode 1 (an Kopfwasser)

4. Anna Marie Luise
vor ihrer Ehe Haushälterin in Werther Nr. 178
geb. am 02.01.1874 in Arrode 1
gest. am 02.08.1954 im Krankenhaus in Werther (Oberarmkopfbruch, Altersschwäche und Lungenentzündung)
Sie heiratete 1901 den Heuerling Johann Wilhelm Huxohl aus Isingdorf und war auch diejenige der Geschwister, die am längsten gelebt hat.

5. Marie Elisabeth
geb. am 07.03.1875 in Arrode 1
gest. am 06.03.1933 in Werther, Engerstr. 25 (Leberkrebs)
Meine Urgroßmutter; sie heiratete 1900 den Maurermeister Hermann Heinrich Schwentker.

6. August Heinrich
Zimmermeister
geb. am 25.07.1877 in Arrode 1
gest. am 10.09.1922 in Werther 3
Er war mit Lisette Friederike Auguste Kampmann verheiratet.

7. August Peter Eduard
geb. am 07.05.1879 in Arrode 1
gest. am 18.08.1897 in Arrode 16 (an Schwindsucht)

8. Hermann Heinrich
geb. am 07.02.1881 in Arrode 1
gest. am 06.08.1896 in Arrode 16 (an Knochenmarkentzündung)

9. Johanne Christine Marie
geb. am 27.01.1883 in Arrode 1
gest. am 30.09.1943 im Krankenhaus (an Magenkrebs)
Quasi das Nesthäkchen; sie heiratete den Arbeiter Friedrich Wilhelm Wehmeier aus Ebbesloh.


Uroma Marie war also das Mittelkind - vier kamen vor ihr, vier nach ihr. Zwei ihrer Geschwister waren schon vor Maries Geburt im Kleinkindalter gestorben, aber drei wurden als junge Erwachsene von Krankheiten dahingerafft, und zwar zu einem Zeitpunkt, als sie noch mit ihnen zusammengewohnt hat. Ich kann mir nur ansatzweise vorstellen, wie das für Marie gewesen sein muss. Es war ja völlig "normal" (ein schreckliches Wort dafür), dass Kinder jung starben, aber meist handelte es sich um Kleinkinder und nicht um 15-, 18- oder 21jährige.

Irgendwann zwischen 1891 und 1896 muss die Familie dann innerhalb von Arrode umgezogen sein, denn ab 1896 (Hermann Heinrichs Tod) finde ich sie nich mehr in Nr. 1, sondern in Arrode Nr. 16. Peter Heidemann wird dann auch nicht nur als Zimmermann bzw. Zimmermeister, sondern auch als Neubauer bezeichnet, so dass ich davon ausgehe, dass Peter es geschafft hat, sich "etwas eigenes" zu kaufen. Ich glaube, wenn die Archive wieder offen sind, muss ich mal die Grundakte von Arrode 16 einsehen...

Die vier Geschwister, die geheiratet haben, sind allesamt mit ihren Ehepartnern in Werther geblieben: Anna, Marie, Heinrich und Johanne. Ich frage mich, ob auf irgendwelchen Wertheraner Dachböden noch Alben mit Fotos schlummern, auf denen man sie alle zusammen sehen kann...? Das kann durchaus der Fall sein, denn soweit ich weiß, haben sie alle Kinder gehabt.

Peter und Katharine Elisabeth starben auch in Werther: Er am 06.08.1902 in Arrode Nr. 16, sie am 03.02.1917 in Werther Nr. 89 bei ihrer Tochter Anna Huxohl. Zumindest 1908 hatte sie noch in Arrode 16 gewohnt. Bei ihm war es eine Lungenentzündung, bei ihr weiß ich es nicht, denn zumindest im standesamtlichen Sterbeeintrag ist die Ursache nicht eingetragen.

Eine Sache ist mir noch aufgefallen; vielleicht hat jemand Lust, das mal auszurechnen:

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass in einer elfköpfigen Familie drei Familienmitglieder am selben Tag Geburtstag haben?


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Als Hörste unabhängig wurde

Seit geraumer Zeit tendiert man ja dazu, Orte zusammenzulegen und einzugemeinden. Sinn und Zweck dieser Übung ist, wohl, sie besser verwalten zu können, wobei ich mir nicht immer sicher bin, ob das auch so klappt, wie es einmal beabsichtigt war. Und weil immer mehr Menschen aus den beiden großen Hauptkirchen austreten, passiert in diesem Bereich genau dasselbe: Pfarreien werden zusammengelegt. Vor etwas mehr als 300 Jahren, nämlich im Jahr 1707, konnte man die umgekehrte Entwicklung in Hörste beobachten: Hörste nabelte sich von der Haller Kirchengemeinde ab und wurde selbstständig!  Das Geld für den Kirchenbau hatte man übrigens durch eine Lotterie zusammenbekommen... Zu dieser Zeit lebten auch Vorfahren von mir in Hörste, zum Beispiel ein Teil meiner Fronemann-Sippe: Gerhard Hinrich Fronemann , Colon in Hörste 6, und seine Frau Anne Catharine geb. Heitmann . Beide waren im Jahr 1671 geboren worden und heirateten dann 1701. Die entsprechenden Eintragungen finden sich also im K...

Hilfe vom Sofa aus

Im Moment arbeite ich mal wieder etwas weniger an meinen eigenen Sachen, was aber nicht bedeutet, dass ich untätig bin. Vergrippt, ja, mitunter, aber untätig? Nee...  Bei den Arolsen Archives kann ich mich auch vergrippt und vom Sofa aus nützlich machen: Die Ausländermeldekartei des ehemaligen Amtes Halle (Westfalen) steht online, und es warten noch Tausende von Karten darauf, transkribiert zu werden. Hier ist der  Link .  Das Schöne ist: Man braucht kein Benutzerkonto , um mitzumachen. Das einzige, was man braucht, ist ein bisschen Zeit - und es könnte nicht schaden, wenn man Kurrent und Sütterlin lesen kann.  Man muss sich auch keine Sorgen machen, dass man etwas falsch macht, denn es gilt das Sechs-Augen-Prinzip . Soll heißen: Wenn nicht wenigstens drei Leute unabhängig voneinander dasselbe gelesen haben, wird die Angabe im Endergebnis nicht frei gegeben. Das finde ich persönlich jetzt mal sehr beruhigend, vor allem, wenn es um die Namen und Herkunftsorte der oft...

Der Arbeitskreis Familienforschung Steinhagen

... trifft sich wieder, und zwar am    Samstag, dem 21. Juni 2025,  um 14.30 Uhr  in der Alten Feuerwehr in Steinhagen-Amshausen.    Ja genau, das ist der Samstag zwischen dem Fronleichnams-Brückenfreitag und dem Sonntag des letzten langen Wochenendes dieses Halbjahrs. Mit den ganzen Feiertagen kann man ja nur durcheinander kommen...    ;-)