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Es werden Posts vom Oktober, 2021 angezeigt.

Politisch und menschlich nicht korrekt (Sterben in den 1950ern, Teil 3)

Schön an den Sterbeeinträgen aus den 1950ern ist, dass meist nicht nur die eigentliche (=konkrete) Todesursache eingetragen ist, sondern auch noch die Nebendiagnosen und chronische Zustände, an denen die Leute mitunter ihr ganzes Leben lang gelitten haben. Damit wird ein Lebenslauf immer ein bisschen "runder".  Es gibt aber auch Einträge, über die man heute den Kopf schüttelt, weil man ihre Worte so nicht mehr wählen würde. Über so einen Eintrag bin ich im Jahr 1951 gestolpert; ein zweijähriger Junge war gestorben, was für die Eltern mit Sicherheit schon schlimm genug war. Als "Todesursache" waren genannt:  "Herzfehler, Blausucht, Mongoloider Idiot."   Diese letzte Formulierung würde man heute nicht mehr hinschreiben; sie klingt einfach nur rüde und abfällig. Und wenn man sich dann nochmal verdeutlicht, dass es hier um ein Kleinkind ging, dann findet man es nochmal doppelt schlimm. Um mal im Bild zu bleiben: Heute würden nur noch Idioten so reden. Aber dam...

Der Arbeitskreis Familienforschung Steinhagen...

  ... trifft sich wieder, und zwar am  Samstag, 16.10.2021, um 14.00 Uhr,  im Berghotel Quellental in Steinhagen.  (Wer genau hinguckt, der merkt, dass wir von zweiten Samstag im Monat auf den dritten Samstag gerutscht sind. Wir hatten eigentlich den 9. angepeilt, aber nein, es ist der 16. geworden, wohl aus organisatorischen Gründen.)  Und ja, es gibt wieder Apfelstrudel...  

Tour de Force Teil 3: Omaha Beach

Wenn man das Wort "D-Day" hört, denkt man automatisch an Omaha Beach . Eigentlich gehört der Strand zu einem kleinen Dorf namens Saint Laurent-sur-Mer mit gerade einmal 268 Einwohnern, 22 km von Bayeaux entfernt, wo man den berühmten Wandteppich bestaunen kann.  Neben Verdun ist das einer der Orte, den ich an bestimmten Tagen in der Geschichte als "Hölle auf Erden" beschreiben würde.  77 Jahre später stand ich nun da und versuchte, mir vorzustellen, wie die Ereignisse des 6. Juni 1944 damals abgelaufen sind. Klar, mir kam auch die Anfangsszene aus "Der Soldat James Ryan" in den Sinn, aber dazu sollte man vielleicht wissen, dass sie nicht am Originalschauplatz, sondern in Irland gedreht worden ist. Trotzdem, ungefähr so musste es gewesen sein.  Massensterben.  Ich habe auf den kleinen Mäuerchen gesessen, aufs Meer geguckt und mich im Stillen bei den Männern bedankt, die ihr Leben dafür gelassen haben, dass Europa von den Nazis befreit worden ist, mit der K...

Werthers Gedächtnis und die kniffelige Frage der Religion

Wenn man genealogische Quellen auswertet, dann hat man oft das Problem, dass Leute fehlen. Ich meine das in dem Sinne, dass in Kirchenbüchern meist die Nicht- oder Andersgläubigen ausgeblendet sind (die man dann vielleicht in einem "Juden- und Dissidenten-Register" findet) und in Hofchroniken die "Untergebenen", wenn sich die Darstellung darauf beschränkt, in welcher Linie ein Hof weitergegeben wurde. Erfasst wird meist nur eine bestimmte Gruppe von Menschen, und zwar durch den Zweck der Quelle vorgegeben. Bei Werthers Gedächtnis hatte ich immer den Hintergedanken, dass sich hier alle gleichberechtigt nebeneinander tummeln sollten, egal, ob oder welcher Religion sie angehört haben, wie alt sie geworden sind oder welche gesellschaftliche Stellung sie inne hatten. Wenn jemand in Werther geboren war, geheiratet hatte oder dort gestorben war, und sei es auch nur durch einen doofen Zufall, dann reicht das völlig aus, um in Werthers Gedächtnis aufzutauchen. Man kann auch...