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Vielleicht war er ja noch nicht richtig tot...?

Der Großvater mütterlicherseits des Familienforschungsmuffels war Friedrich Wilhelm Schwartz aus Kohlscheid bei Aachen. Wilhelm war sein Rufname, er war Bergmann, und mit Franziska geb. Derix verheiratet. 

Das Kohlscheider Wappen: Drei Schlägel als Symbole des Bergbaus.

Laut dem einzigen Onkel meines Mannes auf mütterlicher Seite sollte Wilhelm im November 1916 in Kohlscheid geboren worden sein. Und in Kohlscheid soll er auch gestorben sein. Nach der onkelschen  Erzählung soll er aus dem Krankenhaus gekommen und mit den Worten "Ich gehe jetzt sterben" die Treppe hochgegangen sein. Und das soll er dann auch getan haben. 

Das muss irgendwann zwischen 1990 und 1993 gewesen sein. Der Familienforschungsmuffel wohnte da schon lange mit seinen Eltern hier in Ostwestfalen, so dass er das alles im Grunde nur noch aus zweiter Hand mitbekommen hat, zumal es im Informationsfluss zwischen Kohlscheid und OWL wohl gehakt hat. Wie das Leben halt manchmal so spielt. 

Die Mutter des Familienforschungsmuffels habe ich schon gar nicht mehr kennen gelernt; sie war gestorben, lange bevor wir zusammengekommen sind.  Sie konnte ich also nicht mehr fragen. Wenn ich von meiner Schwiegermutter spreche, dann meine ich eigentlich meine Stief-Schwiegermutter, aber das ist im täglichen Umgang einer der Fälle, in denen ich es nicht so genau nehme. Schließlich ist sie die einzige Schwiegermutter, die ich je gehabt habe (und hoffentlich haben werde). Mein Schwiegervater hatte die einzelnen Daten auch nicht mehr konkret im Kopf. 

Die einzige Quelle, die mir somit geblieben ist, ist also der Onkel in Kohlscheid. Seit ein paar Monaten telefonieren wir ab und an. Das blöde ist nur, dass ich ihn nicht mal einfach so zum Unterlagen-Sichten in den Keller schicken kann, weil er inzwischen fast komplett blind ist. Also musste ich mich erstmal auf sein Gedächtnis verlassen und alles, was er mit erzählt, als Arbeitshypothese betrachten. . 

Ich habe also erstmal das Standesamt in Herzogenrath angemailt, weil Kohlscheid inzwischen nach Herzogenrath eingemeindet wurde und ich ja angenommen hatte, dass Wilhelm in Kohlscheid geboren worden war. 

Das Standesamt Herzogenrath hat ihn nicht gefunden. Keine Spur von ihm. 

Also weiter über das Stadtarchiv Herzogenrath. Vielleicht konnte man ja da Wilhelms Sterbeeintrag finden? 

Nein, konnte man nicht. Dafür führte ich mit der netten Mitarbeiterin dort ein ziemlich denkwürdiges Telefonat, in dem dann auch die Frage fiel, 

´"Vielleicht war er ja noch nicht richtig tot...?!" 

Der Hintergedanke war, dass Wilhelm vielleicht doch noch ins Krankenhaus gekommen ist und er erst dort von einem Arzt für tot erklärt wurde. 

Also habe ich als nächstes das Standesamt in Würselen angemailt. Von meiner Schwiegermutter wusste ich, dass mein Schwiegervater und die Mutter des Familienforschungsmuffels 1969 in Würselen geheiratet hatten, und ich hatte gehofft, dass sich in der dortigen Sammelakte vielleicht ein paar Hinweise auf die Brauteltern finden ließen. 

Das war dann zwar nicht der Fall, aber es gab einen Sterbeeintrag von Großvater Wilhelm, der aber nicht im Standesamt, sondern in der Verwaltungsregistratur liegt. Man war so nett und hat meine Mail entsprechend weitergeleitet, und heute habe ich die Mail aus Würselen bekommen: Ja, Opa Wilhelm ist in Würselen gestorben, konkreter: am 2. Mai 1992 in Bardenberg, das inzwischen - wie sollte es auch anders sein - nach Würselen eingemeindet wurde . Er starb nicht zu Hause, sondern im Krankenhaus. Also war er wohl tatsächlich noch nicht "richtig tot". Außerdem stand in der Mail, dass er und Franziska im Mai 1949 in Eschweiler geheiratet haben. Wenn ich einen Scan des Sterbeeintrags haben wolle, dann müsse ich 24,70 EUR berappen. 

Mmmmh, 

Weil ich sowieso schon auf heißen Kohlen gesessen habe, habe ich stattdessen zum Telefon gegriffen. Der nette Herr in der Registratur hatte das Sterberegister auch noch in Griffweite liegen und hat mir auch noch meine restlichen Fragen beantwortet: Ja, Wilhelm war auch tatsächlich im November 1916 geboren, nur eben halt nicht in Kohlscheid, sondern in - Aachen

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. 

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