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Es werden Posts vom Juli, 2014 angezeigt.

Mein kleiner privater Kampf mit dem Ersten Weltkrieg

In diesen Tagen kommt man um das Thema "Erster Weltkrieg" ja nicht wirklich herum. Ich auch nicht - meine Kenntnisse zu diesem Thema sind leider trotz diverser Jahre gymnasialen Geschichtsunterrichts eher rudimentär. Ich meine mich noch zu erinnern, dass von dem "Hurra-Patriotismus" im August 1914 die Rede war. Dann hieß es aber nur noch: "Deutschland hat den Krieg verloren und musste horrende Reparationszahlungen leisten, was zusammen mit der Hyperinflation den Aufstieg der Nationalsozialisten begünstigte." Das war's. Mehr gab es zu den vier Jahren anscheinend nicht zu sagen. Falls ja, dann habe ich es dank der äußerst monotonen Sprechweise meines Geschichtslehrers verschlafen. Hätte ich damals allerdings gewusst, was ich heute über meine Familiengeschichte weiß, dann hätte ich mich wohl wenigstens bemüht, ihm zuzuhören. Wenn man die Geschichte der eigenen Familie mit der Weltgeschichte verknüpfen kann, dann wird die Weltgeschichte ungleich inter...

Was genau war eigentlich der Kinderschrecken?

Haben Sie auch so unglaublich viele Kinder im Stammbaum, die am " Kinderschrecken " gestorben sind? Es sind bei mir jedenfalls zu viele, um dieses Phänomen einfach mit dem plötzlichen Kindstod (wie wir ihn heute kennen) erklären zu können, denn die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind heute einen plötzlichen Kindstod stirbt, bei dem keine konkrete Ursache festgestellt werden kann, liegt "nur" bei ungefähr 0,04 Prozent. Wenn ich dann aber in einer Kleinstadt in einem Jahr knapp 20 Kleinkinder finde, bei denen als Todesursache "Kinderschrecken" angegeben ist, dann würde ein Vergleich ungemein hinken. Das Problem dürfte also eindeutig in der Diagnostik gelegen haben. Klar, die Diagnosemöglichkeiten waren begrenzt, und wir reden hier ja nun auch von Kleinkindern: von den kleinen Geschöpfen, die eben noch nicht in der Lage waren, explizit zu schildern, welche gesundheitlichen Probleme sie denn gerade plagten. Die einzigen Möglichkeiten, die vor Ort zur Verf...

1. Weltkrieg: Teilnehmer aus der Stadt Werther, Nachname mit "A":

(aus: "Das Kirchspiel Werther und der Krieg von 1914-1918") Nachname, Rufname, Beruf, Hausnummer, Dienstzeit, Dienstgrad Anführungszeichen (") zeigen Brüder an.  Abendroth , Heinrich, Schlosser, Nr. 190, 1914-1918, Sergeant Abt , Karl, Schmiedemeister, Nr. 15, 1914-1918, Gefreiter Allrogge , Heinrich, Tischler, Nr. 57, 1915-1916 (gefallen), Musketier      "        , Hermann, Sattler, Nr. 57, 1916-1917, Schütze

1. Weltkrieg: Teilnehmer aus der Stadt Werther, Nachname mit "A"

(aus: "Das Kirchspiel Werther und der Krieg von 1914-1918") Nachname, Rufname, Beruf, Hausnummer, Dienstzeit, Dienstgrad Anführungszeichen (") zeigen Brüder an.  Abendroth , Heinrich, Schlosser, Nr. 190, 1914-1918, Sergeant Abt , Karl, Schmiedemeister, Nr. 15, 1914-1918, Gefreiter Allrogge , Heinrich, Tischler, Nr. 57, 1915-1916 (gefallen), Musketier "        , Hermann, Sattler, Nr. 57, 1916-1917, Schütze

Das Kirchspiel Werther und der Krieg 1914-1918

Wenn sich der Beginn des Ersten Weltkriegs in diesen Tagen zum hundertsten Mal jährt, dann kann (und will!) ich das natürlich auch hier im Blog nicht unberücksichtigt lassen. Dazu ist das Thema einfach zu wichtig! Ein wahrer Fundus an Informationen für Heimat- und Familienforscher ist das Buch "Das Kirchspiel Werther und der Krieg 1914-1918" , das sich wahrscheinlich noch auf vielen Wertheraner Dachböden finden lässt - wenn man sich denn die Mühe macht, danach zu suchen. Das Buch wurde 1920 bei Bertelsmann gedruckt, und zwar "Zum dankbaren Gedenken an unsere Gefallenen und Kriegsteilnehmer" . Jeder dieser Kriegsteilnehmer, der diese Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts überlebt hatte, bekam ein Exemplar, so auch mein Urgroßvater in der väterlichen Linie, Hermann Schwentker . Hermanns Exemplar habe ich hier bei mir, auch wenn es nicht mehr wirklich gut erhalten und in mehrere Teile auseinander gefallen ist (ich muss es wirklich unbedingt neu binden lassen!). I...

War nix mit Ewigkeit oder: Ein paar Gedanken zu deutschen Friedhöfen

Wir sind ja ein kleines Land, zumindest, wenn wir die Quadratmeter- ins Verhältnis zur Einwohnerzahl setzen. Wahrscheinlich gehen wir deshalb mit unseren Friedhöfen so um, wie wir mit ihnen umgehen. Ich bin ja nun ab und an mal in den USA, und ich stehe auch mit amerikanischen Familienforschern in Kontakt. Die wundern sich immer, wenn ich erwähne, dass es die Gräber meiner älteren Vorfahren einfach nicht mehr gibt. Sie selbst sind quasi auf "Gräberjagd", was daran liegt, dass es überall in den Staaten verteilt Unmengen von kleinen alten und auch wirklich schönen und verwunschenen Friedhöfen gibt. Kein Gedanke daran, ein Grab nach nur ein paar Jahrzehnten "einzuebnen" oder "plattzumachen". Das fällt mir vor allem dann auf, wenn ich in Halle auf dem Friedhof bin. Seitdem meine beiden Großeltern dort 1986 bzw. 1991 begraben wurden, ist dort einiges passiert, zumindest in der Reihe, in der sich ihr Grab befindet: Die Hälfte davon ist einfach "verschwunden...

Alles Liebe zum Geburtstag, Wilhelm Sickendiek!

Heute wäre er 100 Jahre alt geworden! Ist schon lässig, wie er auf dem Motorrad sitzt, oder? Dabei war er völlig uneitel. Das Foto ist kurz nach einem nicht ganz unerheblichen Unfall entstanden, den er gebaut hatte. Er fühlte sich nämlich - augenscheinlich! - nicht nur auf zwei Rädern ganz wohl, sondern auch auf vieren: Ich habe ihn jedenfalls auch als furchtlosen Autofahrer in Erinnerung, der sich auch von dem fiesesten Glatteis nicht abschrecken ließ... oder eben von Bäumen am Straßenrand in Klacks Kurve. Obwohl man es von einem Mann, der 1914 in einem kleinen Dorf wie Hörste geboren worden ist, nicht wirklich erwartet: Er war schon auf seine Art und Weise modern. Er hat mir zum Beispiel nie gesagt: "Das kannst Du nicht, weil Du ein Mädchen bist!" Im Gegenteil. Ich erinnere mich noch gut, wie herrlich ich es fand, mit ihm auf dem Stapler über den Hof zu krajohlen. Ich glaube, ich habe heute vor einem Jahr schon erzählt, dass er auch derjenige war, der mich immer mit Panini-...

Wie lernten sich Willy und Lina eigentlich kennen? oder: Die Geschichte von Linas Reise nach Berlin

Man kann es ja heute kaum glauben, aber es gab auch Zeiten, als sich die Menschen noch nicht über das Internet kennenlernten. Ich gehöre immer noch zu denen, die in der Tageszeitung die Berichte über die Goldenen Hochzeiten lesen, schon alleine, weil ich es immer gerne höre, wie sich die beiden denn damals überhaupt kennengelernt haben. Es sind teilweise schon unglaubliche Geschichten dabei. Was ich nicht genau weiß ist, wie sich Willy Hauffe und Lina (eigentlich Caroline Wilhelmine) Ortmeyer kennengelernt haben, meine Urgroßeltern in der mütterlichen Linie. Wenn man sich die Grundkonstellation anguckt, dann sprach eigentlich nichts dafür, dass diese beiden, die immerhin 51 Jahre lang verheiratet waren, sich überhaupt über den Weg laufen würden. Welcher Zufall wohl da seine Hand im Spiel hatte? Willy wurde am 27. Mai 1896 in Burg bei Magdeburg geboren. Um mir seine Stammfamilie mal ein bisschen genauer anzugucken, bin ich vor knapp zwei Jahren ja auch auf einen kleinen Forschungstri...

"Mischehen" zwischen Katholiken und Protestanten im Altkreis Halle: Wenn die Kirche sich einmischte

Der Altkreis Halle (mit Halle, Werther, Versmold, Borgholzhausen und Steinhagen) war nicht gerade eine katholische Hochburg. Im Gegenteil - im Grunde konnte man die katholischen Familien in den Städten an einer Hand abzählen, und bis zum 19. Jahrhundert tauchen immer wieder dieselben Namen auf. Man findet sie alle im Kirchenbuch von Stockkämpen. Ehepartner waren also Mangelware, zumindest, wenn sie auch katholisch sein sollten. Das führte dann auch dazu, dass die Zahl der "Mischehen" immer weiter zunahm. Viele Ehepartner werden dann als "acath." ("acatholicus" bzw. "acatholica") oder als "luth." im Kirchenbuch erwähnt. Phasenweise kommt in fast jedem zweiten Eintrag ein "acath." vor, auch bei den Taufpaten der Kinder. Die katholische Kirche mischte sich dann auch in die Eheschließung selbst ein: Wo sollte man sich trauen lassen, in Stockkämpen oder in der protestantischen Kirche? Überflüssig zu sagen, dass die katholische Ki...