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Es werden Posts vom September, 2021 angezeigt.

Cousin Fritz: Zur falschen Zeit am falschen Ort

Der 30. September 1944 war ein schlimmer Tag - Bielefeld wurde von den Alliierten bombardiert, in diesem Fall von den Amerikanern. Quasi die gesamte Altstadt fiel den Bomben - und danach den Flammen - zum Opfer. Hier kann man eine gute Zusammenfassung der Ereignisse lesen:  Historischer Rückklick   Der Bielefelder Stadtkern liegt gerade mal 10 km vom Wertheraner Stadtkern entfernt. Es war also kein Wunder, dass an diesem 30. September auch viele Wertheraner in Bielefeld unterwegs waren. Leute, die Besorgungen machten. Schüler, die die weiterführende Schule besuchten. Alles Menschen, die mit der Kleinbahn von dem Bahnhof an der Herforder Straße aus über Schildesche und Dornberg wieder nach Werther zurück fahren wollten.  Es kam anders.  In ihrer Chronik "Werther - 1000 Jahre von "wartera" bis Werther" schrieb Erika Stieghorst :  "Waren im Laufe des Krieges auch schon Luftangriffe auf Bielefeld geflogen worden, so brach mit dem Großangriff vom 30. September 19...

Schande über Schande

Im 17. Jahrhundert waren die Herren Pastoren ja verflixt schnell darin, über Frauen zu urteilen, die uneheliche Kinder bekommen hatten. Da war man mit dem Begriff "Hurkind" ziemlich schnell dabei, auch im Wertheraner Kirchenbuch. Gleichzeitig ist man heute froh, wenn überhaupt nicht nur der Name des Kindes, sondern auch die Namen der Eltern angegeben sind. Selbstverständlich ist das nämlich nicht. Heute sitze ich hier und denke, "Klar, beim Urteilen seid Ihr schnell dabei gewesen, aber hättet Ihr nicht auch Euren Job ordentlich machen und das Kirchenbuch vernünftig führen können?"  Gut, das ist nun aus der Perspektive einer berufstätigen Frau im 21. Jahrhundert gedacht, die keine Probleme damit hat, wenn jemand sie Feministin nennt, und die 20 Jahre lang mit ein und demselben Mann zusammengelebt hat, bevor sie ihn geheiratet hat...  Trotzdem. Im Jahr 1684 habe ich einen Eintrag gefunden, der sehr wohl alle Namen beinhaltet:  7. den 21 january Wilm Hörman und Trine ...

Computergenealogie - schon ein bisschen ironisch, oder?

Mein freundlicher Postbote hat mir heute die neuste Ausgabe der Computergenealogie vorbeigebracht. Ja, ich habe sie inzwischen im Abo.  Früher habe ich es immer so gemacht, dass ich auf den Westfälischen Genealogentagen (oder auch auf dem Deutschen Genealogentag in Melle 2018) ein bisschen Bargeld in die Hand genommen und dann einen Rundumschlag gemacht und mir die letzten paar Ausgaben alle auf einmal gekauft habe. Ich gebe zu, mit einem Abo ist es einfacher...  Gut, verwandtschaftliche Beziehungen nach Russland sind bis jetzt noch nicht aufgetaucht. Aber mein 3x-Urgroßvater Carl Traugott Haufe soll um 1797 in Sorau in der Niederlausitz geboren sein, als Sohn des Bürgers und Schneidermeisters Johann Carl Traugott Haufe und seiner Frau Johanne Friederike Ernestine Baumann . Diese Daten stammen aus seinem Sterbeeintrag im Kirchenbuch der Kirche Unser lieben Frauen in Burg bei Magdeburg; tatsächlich verifizieren konnte ich sie noch nicht. Die Kirchenbücher aus Sorau scheint ...

Tour de Force Teil 2: Batterie Todt

  Am Ärmelkanal in der Nähe von Calais, um genauer zu sein: in einem Örtchen namens Audinghen am Cap Gris-Nez (was soviel wie "Graunase" bedeutet) liegt ein Überbleibsel der Nazis. "Überbleibsel" klingt eigentlich viel zu niedlich, denn die Batterie Todt ist eins der sieben größten Bauwerke, die die Nazis bis heute in Frankreich hinterlassen haben. Früher hieß die Batterie ganz germanisch "Siegfried", aber das hat man 1942 geändert, nachdem Fritz Todt, seines Zeichens "Reichsminister für Bewaffnung und Munition" (wenn ich mir das so durch den Kopf gehen lasse, bin ich heilfroh, dass wir heute stattdessen ein Verteidigungsministerium haben) bei einem Flugzeugabsturz nahe der Wolfsschanze ums Leben gekommen war.   Ich weiß bis heute nicht, ob man den Namen "Todt" mit kurzem oder langem "o" spricht. Ist da vielleicht Nomen auch Omen gewesen?  Jedenfalls war Fritz Todt nicht nur der mit den Autobahnen, sondern der Chef der ...

Meine 9/11-Geschichte

  Am 15. Dezember 1995 habe ich dieses Foto hier gemacht, und zwar von der Besucher-plattform des World Trade Center in New York City. Oben auf dem Südturm.  Es war ein richtig nebliger Tag. Ich war gerade mal etwas länger als drei Monate mit meinem Mann zusammen, und es war das erste von vielen Malen, dass wir zusammen in die USA geflogen sind. New York City war das erste, was ich von den USA gesehen habe.  Zwei Tage vorher hatten wir schon oben auf dem Empire State Building gestanden, und da muss ich mir auch eine heftige Erkältung eingefangen haben. Eigentlich hätte ich mich im Bett warm wegpacken sollen, aber hey, wann ist man schon mal in New York und kann nach oben auf das World Trade Center?  Ich glaube, auf dem Foto hier sieht man mir das auch an, wenn man etwas genauer hinguckt. Ich erinnere mich jedenfalls noch an diese eine Haarsträhne, die einfach nicht an ihrem Platz bleiben wollte. Seltsam, oder?  Trotzdem - der Ausblick von da oben war unglaublic...

Tour de Force Teil 1: Ypern

Es gibt einen Grund, weshalb ich hier ein paar Wochen nichts geschrieben habe - wir waren unterwegs, und zwar zuerst kurz in Belgien und dann in Frankreich, um genauer zu sein: In der Normandie und in der Bretagne. Insgesamt also eher im Norden. Nicht nur eine Tour der France, sondern auch ein bisschen eine Tour de Force: In diese paar Tage haben wir alles reingesteckt, was ging - bis auf die beiden letzten Nächte in Amiens haben wir jede Nacht in einem anderen Hotel verbracht. Ein Roadtrip par Excellence - den ich jederzeit wieder machen würde!  So ganz kann ich mich im Urlaub aber trotzdem nicht von meinen Interessen verabschieden, und deshalb landen Teile davon als kleiner Reisebericht hier im Blog...  Über Brüssel (wir wollten uns unbedingt die Banksy-Ausstellung angucken) ging es nach Ypern . Auf Französisch Ypres, auf Niederländisch Ieper. Für einen Städtetrip sehr zu empfehlen. Unser Hotel war mitten im Stadtzentrum, gegenüber vom Marktplatz und dem "In Flanders Fields...