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Kennenlerngeschichten

Unser 6. Hochzeitstag - ab heute gehen wir offiziell ins sprichwörtliche verflixte siebte Jahr. Obwohl... zählt das eigentlich, wenn man vor der Ehe schon zwanzig Jahre zusammen war? 

In der Tageszeitung lese ich immer gerne die Artikel über die Gold- und Gnadenhochzeiten, weil da meist auch drinsteht, wie sich die Leute kennengelernt haben. Einen solchen Artikel wird es altersbedingt bei uns wohl nicht geben, aber wenn es ihn gäbe, dann würde der geneigte Leser erfahren, dass wir uns auf dem Brockhagener Dorfgemeinschaftsfest über den Weg gelaufen sind, und zwar 1992. Drei Jahre später waren wir dann zusammen. Das Ironische an der Sache ist: Auch vor 1992 habe ich meinen jetzigen Göttergatten schon sehr oft gesehen, denn wir waren auf derselben Schule, dem KGH. Kreisgymnasium Halle (Westf.). Er eine Stufe über mir. Vom Sehen kannte ich ihn schon, als ich 10 Jahre alt war. Wir hatten aber einen unterschiedlichen Freundeskreis und überhaupt nichts miteinander zu tun. 

Wenn ich über meinen Forschungen sitze, dann frage ich mich immer mal wieder, wie diese ganzen Paare eigentlich aufeinander getroffen sind. Bei meinen Eltern weiß ich ungefähr, wie sie sich kennengelernt haben, aber schon bei meinen Großeltern kann ich nur spekulieren. Bei denen, die in einer Stadt gewohnt haben, kann man sich denken, dass man sich mal irgendwo über den Weg gelaufen ist. Vielleicht stand man ja mal beim Bäcker nebeneinander in der Warteschlange? Oder saß in der Kirche nebeneinander? Und was ist mit den anderen? Vor allem in der Zeit, als man noch nicht mobil war und jede Ortsveränderung von auch nur 10 Kilometern eine größere Planung erfolgte? Gab es eigentlich eine Art "Heiratsmarkt" für Colonsöhne und -töchter? Dass es gerade in diesem Segment nicht immer Liebes-, sondern oft erstmal Zweckehen waren, ist mir klar, warum also das ganze nicht systematisch angehen? 

Aber was ist mit meinen ganzen Heuerlingen, den Arbeitern und den Selbstständigen? Die waren in der Wahl ihrer Ehegatten zumindest etwas freier. Aber auch die müssen sich ja mal irgendwo kennengelernt haben. Meine Vermutung ist, dass sich viele schon als Kinder gekannt haben. Über Ur-Opa und Ur-Oma habe ich zum Beispiel hier ja schon ziemlich ausführlich berichtet. 

Schön ist es natürlich, wenn nicht nur Ahnungen oder Spekulationen aufweisen kann, sondern auch Quellen. Das können Tagebücher sein, so sie denn die Zeit überdauert haben, oder eben auch diese Zeitungsartikel, die ich oben schon erwähnt habe. Auch die älteren Leute wissen noch ziemlich viel, wenn auch oft nicht mehr alle Details. Vielleicht finden sich aber auch andere Verbindungen, die nicht ganz so offensichtlich sind. Vielleicht hatte ja der Bruder der Braut zusammen mit dem Bräutigam gedient? Es lohnt sich, in diesem Zusammenhang nicht nur das einzelne Individuum zu betrachten, sondern auch seinen Umkreis. Auch wenn es mehr Mühe macht. 

Deshalb: 

Wenn man weiß, wie sich zwei Leute getroffen haben, dann sollten wir Forscher es auch für die Nachwelt festhalten, und sei die Geschichte auch noch so trivial. Es macht die Lebensläufe einfach runder. 

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