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Mit dem Kopf gegen die Wand: Die Geschichte von Amédé de Jongh, Teil 2

Vor knapp fünf Jahren habe ich hier schon einmal über Amédé de Jongh geschrieben, nachdem mir bei meinen Recherchen zufällig sein Sterbeeintrag in die Hände gefallen war. Hier ist der Link

(Für diejenigen, die nicht auf Links klicken: Amédé de Jongh war ein belgischer Kriegsgefangener, der 1916 bei einem Fahrradunfall in Werther ums Leben kam.) 

Nun habe ich Amédé "wiedergetroffen", und zwar in der Chronik der Volksschule zu Langenheide, die Ulrich Maaß Ende letzten Jahres herausgegeben hat (und die ich uneingeschränkt empfehlen kann). Darin findet sich auch die Ortschronik des Lehrers Karl Schwabedissen, und der hat über Amédé de Jongh geschrieben, nur dass er wahrscheinlich dessen Namen nicht kannte. 

Ich lese also auf Seite 138 zuerst, dass am 25. April 1916 belgische Kriegsgefangene angekommen waren, "um den Landwirten behilflich zu sein". Als wären sie aus reiner Höflichkeit dort gewesen. O-Ton Schwabedissen: "Sie scheinen sehr willig und fügsam zu sein."  

Na ja, alles ist wahrscheinlich besser, als an der Front zu sein. 

Im Mai 1916 kommt Schwabedissen dann auf eine Begebenheit mit einem dieser Kriegsgefangenen zu sprechen: 

"Unsere Landwirte sind auch jetzt noch mit dem Betragen und den Arbeiten der Gefangenen sehr zufrieden. Leider kam in diesen Tagen einer derselben ums Leben. Er war von Deppermann, Rotingdorf 4, wo er beschäftigt war, mit dem Rade nach Werther gewesen und ist dann sehr schnell den abschüssigen Weg von Tremper her gefahren. Bei Temming hat er die Biegung nach rechts nicht früh genug gewinnen können und schlug mit voller Wucht mit dem Kopf gegen die Hofmauer, sodaß er sofort tot war. Er wurde auf dem Kirchhofe in Werther, wo sich eine große Zahl Neugieriger eingefunden hatte, begraben." 

Ich hoffe mal, dass der eine oder andere auch aus anderen Gründen als Neugier hingegangen ist. Hätte ja genauso gut einer von ihren sein können.  

Aber jetzt weiß ich etwas mehr über die Geschichte, und auch, dass Amédé de Jongh wirklich in Werther begraben wurde. Das war ja eine der Fragen, die ich mir gestellt hatte. 

Ich weiß noch, dass ich damals, als ich den Sterbeeintrag gefunden hatte, zuallererst die Käppkenstraße im Kopf hatte, weil die so schön abschüssig ist und Kurven hat. Ich hatte wohl Recht - die Käppkenstraße endet genau bei Temming. Auf google maps kann man die Strecke (zumindest teilweise) nachfahren, und wie es dort aussieht, gibt es die Mauer bei Temming auch heute noch...   

Falls also jemand eine Radtour durch Rotingdorf plant: Vorsicht an der Käppkenstraße!  

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