Augusts Karteikarte
Ja, jetzt ist es raus: Uropa August Gehring war ein Mitglied der NSDAP. Hier ist seine Karteikarte:
Hätte ich mir auch anders gewünscht, ist aber so. Verwechselung ausgeschlossen.
Aufnahme am 01.05.37, klassisch, also an dem Tag, an dem statistisch die meisten Mitglieder aufgenommen wurde.
Was ich mich aber frage, und dabei kann mir ja vielleicht die Schwarmintelligenz helfen: Der Aufnahme wurde am 22.11.37 beantragt, also ein halbes Jahr später. Ohne Antrag keine Aufnahme. Also: Bloßer Schreibfehler, was das Antragsdatum angeht? Kann ja mal passieren, wenn man mit einem Schlag ein paar Hundert Tausend Leute in eine Partei aufnimmt.
Ich hatte ja damit gerechnet, trotzdem bin ich im Moment doch ein bisschen wütend auf ihn.
Dafür bin ich nun umso neugieriger, was seine Entnazifizierungsakte hergeben wird. Also nicht an postapokalyptischem Wunschdenken, sondern an Fakten.
Da unterhalten sich zwei Freundinnen (z. B. Nachbarinnen) über ihre Urgrosseltern. Eine von ihnen bringt den Namen des Urgrossvaters der anderen in Erfahrung . Zudem erfährt sie auch noch dessen Geburtsjahr und -ort. Dann muss sie sich nur noch zur Webseite einer Tageszeitung unserer "Qualitätspresse" hinbegeben, wo einem seit einiger Zeit die Recherche in der NDSAP-Datenbank offeriert wird. Da gibt man also beispielsweise ein: August Gehring und schon hat man 40 Parteimitglieder parat und eben auch denjenigen August, der an einem 26ten im Jahre 1880 geboren ist. Augenblicklich kriegt man eine Karteikarte präsentiert, deren oberste Zeilen freigegeben werden. Der Rest bleibt unlesbar. Will man mehr erfahren, hat man ein Kurz-abo für 99 cent ab zu schliessen. Man kann aber den Süddeutschen Verlag auch gleich mit einem Voll-abo beglücken. Nun, ich habe das mal ausprobiert aber nicht mit dem Namen Osselpossel, auch nicht mit dem Urgrossvater meines Freundes, sondern eben mit August Gehring. Das Ergebnis lässt sich dem folgenden Link entnehmen:
AntwortenLöschenhttps://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/politik/nsdap-mitgliederkartei-nazi-datenbank-archiv-e290410/
Und August scheint laut Karteikarte tatsächlich Müller gewesen zu sein. Vorher habe ich das mit einem Adolf V. ausprobiert. Der hatte einen typischen jüdischen Nachnamen (Adolf L.), hat aber nach der Machtergreifung einen systemkonformeren Namen (Adolf V.) beantragt, der ihm auch genehmigt wurde. Auf der Basis dieses Namens ist er sodann im Mai 1941 in die NSDAP eingetreten und hatte damit seine Haut gerettet bzw. 1945 überlebt. Heute morgen, am 13.07.2026 habe ich also diese Abo-Falle samt ihrem Köder entdeckt. Was macht man danach? - Man will eine Genealogin aus Ostwestfalen mit diesem Post zu beglücken versuchen. Mal gucken, ob's funktioniert.
Ach ja - noch eines: Vor der Abo-falle wusste ich mich zu hüten. Das Problem, die Süddeutsche Zeitung nicht lesen zu können, löse ich dadurch, dass ich mich dann und wann an den nahegelegenen Altpapier-Container begebe, wo einer aus meiner Nachbarschaft tagtäglich per Abendspaziergang seine "Süddeutsche" entsorgt. Die fische ich mir sodann raus. Irgendwie sollte man sich über die "Qualitätspresse" dieser unserer Republik dann doch noch auf dem laufenden halten. Und damit:
Herzliche Grüsse von Ossel Osselpossel
https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/politik/nsdap-mitgliederkartei-nazi-datenbank-archiv-e290410/?name=august+gehring
Ja, ich denke auch, dass man sich am besten die Mühe macht, selbst in der Kartei auf der Seite der National Archives zu suchen. Dann kommt man um jedes Abo rum. Und die einzige Printversion, die ich noch im Abo habe, ist sowieso die ComputerGenealogie... :-)
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