Netzwerkanalyse?!
Kein Mensch ist eine einsame Insel, auch wenn wir uns aufgrund des Irrsinns dieser Welt manchmal auf eine solche wünschen würden (jedenfalls geht mir das so). Wir alle sind durch Beziehungen mit anderen Menschen verknüpft, ob wir wollen oder nicht. Familie haben - oder hatten - wir alle, sonst würden wir nicht existieren. Freunde haben die meisten, Nachbarn auch, und dann kommen da noch die Kollegen, Bekannten und immer auch mal einige Zufallsbekanntschaften dazu. Das ist heute so, und das hat sich auch in den letzten Jahrhunderten nicht großartig geändert. Der einzige Unterschied ist, dass es für uns heute leichter ist, mit diesen Leuten zu kommunizieren, dem Netz sei Dank.
Vor ein paar Tagen habe ich mir online beim Historischen Verein für die Grafschaft Ravensberg einen Vortrag über "Verleger lokaler Zeitungen und ihre Netzwerke in Bielefeld (1864-1914)" angehört, den Philipp Körtgen gehalten hat. Nicht, dass ich mich mit den Bielefelder Zeitungen dieser Zeit so richtig gut auskennen würde, aber das hat mich nicht abgehalten. Überhaupt sollte man sich viel öfter Vorträge über Dinge anhören, von denen man wenig Ahnung hat, das erweitert den Horizont mitunter ungemein.
Von diesem Vortrag habe ich mindestens zwei Dinge mitgenommen:
1. Wenn man in Bielefeld in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts unterwegs war, traf man beinahe unwillkürlich immer auf jemanden, der etwas mit Hermann Delius zu schaffen hatte. Stichwort "Ravensberger Spinnerei".
2. Es unheimlich interessant zu sehen, welche Denkanstöße sich ergeben, wenn man sich im wahrsten Sinne des Wortes vor Augen führen lässt, wer wie mit wem verknüpft ist.
Das scheint nicht nur mir so gegangen zu sein. Als technische Probleme zu einer Unterbrechung des Vortrags führten (auch Glasfaser ist nicht unfehlbar), da ging die Diskussion auch schon los: "Kann man damit auch Paten darstellen?"
Irgendwie landen Familienforscher doch immer wieder beim Thema "Paten".
Ich überlege, ob ich es hinkriegen kann, eine Netzwerkanalyse für meine in die USA ausgewanderten Niemeyers hinzubekommen. Für Leute, die zum Beispiel Pastoren- oder Apothekerfamilien untersuchen, wäre das vielleicht auch eine Idee. Und ich frage mich, inwieweit auch die Haller und Wertheraner Kaufmannsfamilien sich in einer Analyse der Bielefelder Kontakte wiederfinden würden...
Im Moment sind das bei mir noch Gedankenspiele und völlig unausgegorene Ideen, die noch nicht zu Ende gedacht sind und die vielleicht auch nie zu Ende gedacht werden, denn eins ist klar: Um eine wirklich aussagekräftige Analyse hinzubekommen, braucht man zwei Dinge: Daten und ... Zeit.
Da waren sie wieder, die beiden Hauptprobleme der Forschenden...

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