Zurück nach Hause

Es ist vollbracht - die Geburten von 1915 sind in Werthers Gedächtnis eingearbeitet. Das hat nun doch etwas länger gedauert, also ich eigentlich geplant hatte, aber hey - mich hetzt ja keiner. 

113 Kinder, die das Licht der Welt erblickt haben. Das sind 23 weniger als im Jahr davor, es gab also einen Geburtenrückgang von knapp 17 %. Der Krieg machte sich also deutlich bemerkbar. Im Gegensatz zu heute dürfte aber die Rentenfrage in diesem Zusammenhang wesentlich weniger diskutiert worden sein. Da waren die Leute schon froh, wenn ihre Angehörigen überhaupt einigermaßen wohlbehalten wieder zurückkamen. 

Ich hab's ja schon mal erwähnt: Familienforschung erdet. 

Am interessantesten für mich war dieser Eintrag hier: Am 20. April 1915 erschien mein Urgroßvater Hermann Schwentker beim Standesamt, um die Geburt seiner Tochter Auguste Erna anzuzeigen, die am 15.04.1915 zur Welt gekommen war. Damit kann ich Hermann am 20.04.1915 definitiv zu Hause in Werther verorten. Da war er 42 Jahre alt. Erna würde nicht so alt werden - wie man an dem Vermerk mit Bleistift am oberen Rand des Bildes etwas links von der Mitte erkennen kann, starb sie schon 1918. Wie viel sie in ihren drei Jahren tatsächlich von ihrem Vater gesehen hat, kann ich noch nicht endgültig beurteilen. 

Das war nun also der erste Jahrgang, der komplett während des Krieges geboren wurde. Ja, auch hier habe ich bei den Jungen erschreckend viele Randvermerke gesehen, dass sie zwar den Ersten, aber nicht den Zweiten Weltkrieg lebend überstanden haben, und das war ja auch zu erwarten. Was mir auch noch aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass die Frauen zum Gebären oft wieder "nach Hause" kamen, auch wenn sie längst außerhalb von Werther lebten. Ist ja auch logisch, wenn der Mann an der Front war. Da muss man sich alle Unterstützung holen, die man bekommen kann (wobei Letzteres heute wahrscheinlich immer noch gilt). Da finden sich dann die Angaben, dass das Kind "in der Wohnung des Großvaters ..." geboren wurde, Wohnort und Geburtsort unterscheiden sich demnach. 

Wenn also jemand Kinder sucht, die während des Krieges geboren sind und man so eine merkwürdige Lücke zwischen den Geburten im Stammbaum hat: Im Zweifel würde ich immer zuerst am Geburtsort der Mutter bzw. am Wohnort der Großeltern suchen. Ohne Mama geht es halt oft nicht - damals wie heute. 
 

 

 

 

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